Der Petrichor Weende, Solisten, das Göttinger Barockorchester und der Dirigent Martin Kohlmann in der Klosterkirche Nikolausberg

Händels „Messiah“ in einer gekürzten Version  mit dem Petrichor Weende unter Martin Kohlmann

Wer als Chorsänger den Klavierauszug von Händels „Messiah“ von Kurt Soldan besitzt, findet im Anhang einige Vorschläge, um das Werk behutsam zu kürzen - wie es früher durchaus üblich war. Da werden Wiederholungen und einige Takte in verschiedenen Nummern als Kürzung vorgeschlagen, nur ganz wenige Nummern werden zur kompletten Kürzung genannt.

Martin Kohlmann ist für die Aufführungen mit dem Petrichor Weende einen anderen Weg gegangen, den er vor allem theologisch begründet: passend zum ersten Adventswochenende wurde der erste Teil des Oratoriums (Die Weissagung des Messias und ihre Erfüllung) vollständig präsentiert, während sich im zweiten und dritten Teil auf zentrale Textpassagen und einige Publikumshits beschränkt wurde.

Auch wenn das inhaltlich Sinn ergibt, ist es musikalisch schon ein sehr gewagter Schritt: der zweite Teil besteht nunmehr nur noch aus zehn Nummern (im Original 21), der dritte nur aus sieben Nummern (im Original zehn). Zahlreiche Chöre und Arien sind dem zum Opfer gefallen – nur um am Ende auf zwei Stunden Konzertdauer zu kommen. Die hätte man auch mit den im Klavierauszug vorgeschlagenen Kürzungen erreichen können, ohne so viele Nummern ausfallen zu lassen.

Aber diese „Amputation“ der Musik tat der Begeisterung in der Klosterkirche Nikolausberg keinen Abbruch: die gut 60 Sängerinnen und Sänger des Petrichores sangen unter ihrem neuen Leiter Martin Kohlmann mit Leidenschaft und großem Engagement. Kohlmann hat den Chor gut vorbereitet und klanglich das Bestmögliche aus dem Ensemble herausgeholt. Nun entsprach die Wiedergabe der Chorpassagen nicht unbedingt der heutigen Aufführungspraxis Alter Musik. Aber das hat wohl auch niemand erwartet. Dennoch hatte Kohlmann das Göttinger Barockorchester eingeladen – ein Spezialistenensemble mit Mitgliedern aus ganz Deutschland. Unter ihrem Konzertmeister Henning Vater waren sie ein zuverlässiger Begleiter des Chores. Ihr wahres Können mit barockem Swing und entsprechender Leichtigkeit kam bei den Arien erst richtig zur Geltung. Diese wurden übernommen von Charlotte Diekmann (Sopran), Svenja Rissiek (Alt), Simon Jass (Tenor) und Michael Humann (Bass). Alle vier gestalteten ihren Part klanglich schön und engagiert.

Das Publikum in der gut gefüllten Klosterkirche spürte das leidenschaftliche Musizieren in der Kirche. Während nach dem ersten Teil nur einige Hände „zuckten“, gab es nach dem berühmten „Hallelujah“ bereits großen Applaus. Der wollte nach dem letzten Takt der Amen-Fuge gar nicht enden – weshalb Kohlmann das „Hallelujah“ gleich noch einmal stimmen ließ.

Eine zweite Aufführung gab es am 1. Advent in der Petrikirche Weende.

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