David Höhle als „Peter Raven“, Monika Giro als „Jocelyn Standing“, Katharina Gellrich als „Dr. McKenzie" und Inka Gerhardt als „Sally Hills“ (liegend)

Premiere „Hexenschuss“ im Theater im OP (ThOP)

Ein nackter Mann im Bad, eine zugedröhnte Stewardess im Schlafzimmer, ein blinder Klavierstimmer im Wohnzimmer, eine durstige Ärztin in der Küche, ein aufgelöstes Ehepaar im Flur. Das Theaterstück „Hexenschuss“ webte einen gordischen Knoten von Verstrickungen, der mit jeder Masche lustiger wurde.

In dieser Verwechslungs-, nein – Verwirrungs-, nein – Versteckungskomödie wird die Ärztin zum Klempner, die Managerin zur Masseuse, der Pilot zum Orthopäden und der Moralapostel zum Scharlatan. Dabei beginnt die Handlung simpel: Der TV-Showmaster Peter Raven triff sich mit der Pilotengattin Sally zu einem Schäferstündchen. Als er einen Hexenschuss erleidet, beginnt das Drama. Während er in einem heißen Bad Linderung für seine Rücken sucht, kommen allerlei Personen in die Wohnung und es baut sich ein dynamisches Vexierspiel auf.  Da versammeln sich der unerwartet eingetroffene Ehemann, eine mannstolle Stewardess, ein sittenpredigender Klavierstimmer, die Ärztin für Peter und eine PR-Managerin vom Fernsehen. Chaos ist Programm.

Der Regisseur Klaus-Ingo Pißowotzki inszeniert dieses Stück sehr schwungvoll. Er unterteilt die Bühne des ThOPs in mehrere kleine Zimmer. Die Schauspieler jagen in einer quirligen Choreographie von Zimmer zu Zimmer. Jede Szene generiert eine neue Situationskomik. Jede Szene fügt noch eine Ebene der Verwirrung hinzu. Jede Szene ist amüsanter als die vorherige. Schließlich sind die bizarren Personenkonstellationen so witzig, dass keiner mehr aufhören kann zu Lachen. Das Publikum kugelte sich. An dieser Stelle muss man auch die meisterliche Übertragung ins Deutsche von Paul Overhoff loben, die zum Original des schottischen Autors John Grahams nichts an Humor eingebüßt hat.

Gerade in diesem Stück wird der Humor nicht nur von der Handlung getragen, sondern auch von den skurrilen Eigenarten der Charaktere. Mit viel Einsatz und Können, weben die Schauspieler die Eigenarten ihrer Figuren in das Spiel ein. Jeder glänzt mit einer schwungvollen Darstellung. Lediglich die Panik vor der Aufdeckung der Verwechslungen, die Zuspitzung zur Katastrophe fällt etwas klamm aus. Es fehlen die schrillen Stimmen, die tobende Wut, die Übertriebenheit, die in solch einem grotesken Stück durchaus ihren Platz hätten.

„Hexenschuss“ erhebt das Missverständnis zur Kunst. Jeder redet aneinander vorbei, keiner hört dem anderen zu, doch jeder lügt sowieso. Ein zeitloses Thema in brüllend witziger Variation.

Weitere Vorstellungen sind am 2.12. / 5.12. / 6.12. / 8.12. / 9.12. / 11.12. / 13.12. / 15.12. und 16.12. jeweils um 20.15 Uhr. 

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