Vokalensemble i dodici in der Göttinger Nikolaikirche

Vokalensemble i dodici in der Göttinger Nikolaikirche

Das Vokalensemble i dodici hatte für sein diesjähriges Herbstkonzert eine äußerst geglückte Zusammenstellung von Stücken gewählt, die sich alle mit dem Thema „Leben und Tod“ befassen. Im Mittelpunkt des Konzerts stand der Totentanz von Hugo Distler. Dieser wurde zweifach gerahmt von den Deutschen Sprüchen von Leben und Tod von Leonhard Lechner und von zwei Teilen der Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz. Hugo Distler, Komponist und Kirchenmusiker, schrieb 1934 unter dem Eindruck von Lechners Deutschen Sprüchen seinen Totentanz. Hierbei übernahm er Texte des Barockdichters Angelus Silesius und orientierte sich am großformatigen Totentanzgemälde in der Lübecker Marienkirche, das im Kriegsjahr 1942 verbrannte. Hier wird der Tod tanzend mit zwölf verschiedenen Personen dargestellt und tritt mit diesen in Dialog. Daher konnte jede der zwölf Sängerinnen und Sänger jeweils eine dieser Personen repräsentieren und einen der gesprochenen Zwischentexte übernehmen. Die vertonten Sprüche sind kurz und prägnant und forderten so das Ensemble heraus. Es nahm diese Herausforderung der schnellen Wechsel zwischen Text und Gesang mit Bravour an und sang klangschön und präzise unter dem nur Hinweise gebenden Dirigat von Tilmann Prautzsch, der aus dem Ensemble heraus agierte. Unterstützt wurde das Ensemble von der Flötistin Sabine Heß und dem Sprecher Wolfgang Loch, der zwischen den Teilen passend zur Thematik ausgewählte Gedichte las.

Die Deutschen Sprüche von Leben und Tod von Lechner waren zweigeteilt und wurden vor und nach dem Totentanz gesungen. Der Wechsel in die völlig andere Klangsprache des 16. Jahrhunderts bereitete dem gut vorbereiteten Ensemble keinerlei Mühe. Auch hier handelt es sich um jeweils nur kurze Stücke, die hohe musikalische Flexibilität und Präsenz verlangen. Beides sind Eigenschaften, die die Mitglieder von i dodici perfekt beherrschen. Auch die Intonation war an keiner Stelle auch nur andeutungsweise in Gefahr. Bei einem reinen und anspruchsvollen a capella Programm eine bemerkenswerte Leistung. Der Abend begann mit dem dritten Teil der Musikalischen Exequien - dem Chor ist hierbei ein solistisches Trio gegenübergestellt. Dieses stellt den Verstorbenen, der von zwei Engeln geleitet wird, dar. Passenderweise konnte dieses Trio in der St. Nikolaikirche von der Empore herab in den Raum hinein singen, war also auch räumlich schon auf dem Weg nach oben. Mit dem zweiten Teil der Musikalischen Exequien endete das Konzert. Da jede Stimme nur mit drei Ausführenden besetzt war entstand die benötigte Doppelchörigkeit zwischen Solistenquaratett und den restlichen acht Sängerinnen und Sängern. Diese kleine Anzahl führte zu einer schönen Durchsichtigkeit im Gesamtklang. Das Publikum war begeistert und bedankte sich mit einem langanhaltenden Applaus.

Im Dezember ist i dodici noch einmal in der St. Nikolaikirche zu hören: Am 17. Dezember um 11.30 Uhr im Universitätsgottesdienst mit adventlicher Chormusik.

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