Stephan Lohr und Robert Menasse im Alten Rathaus

Buchpreisträger Robert Menasse zu Gast im Alten Rathaus

Erst am 9. Oktober 2017 fand die Preisverleihung des deutschen Buchpreises für dieses Jahr im Frankfurter Römer statt. Robert Menasse (*21.06.1954 in Wien) erhielt den diesjährigen Preis für seinen Roman „Die Hauptstadt“. Die Lesung im Alten Rathaus zum Göttinger Literaturherbst fand nur wenige Tage nach der Preisverleihung statt. Eine Ehre für Göttingen und ein großes Erlebnis für das Publikum- und laut Robert Menasse auch eine große Ehre für ihn selbst, in der Universitätsstadt mit Aura lesen zu dürfen.

Bereits die ersten Zeilen des Romans „Die Hauptstadt“ (Suhrkamp 2017) von Robert Menasse ließen auf einen interessanten und amüsanten Abend hoffen. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephan Lohr. Die Veranstaltung begann mit Fragen von Lohr an Menasse zu dessen Promotion und was ihm der deutsche Buchpreis bedeute. Der Preis bedeute Menasse große Anerkennung für seine Arbeit.

Schon ab den ersten Worten lauschte das Publikum gebannt Robert Menasse, was an dessen Erzählart und vermutlich auch an seinem österreichischen Akzent lag. Im Saal herrschte aufmerksame Ruhe, keiner redete. Die Ruhe wurde regelmäßig durch hörbares Schmunzeln und Lachen des Publikums durchbrochen. Dieses Wechselspiel von aufmerksamem Zuhören und Lachen durchzog den gesamten Abend.

Wie die Idee zu diesem Buch entstanden ist und wie der Roman daraufhin zu Papier gebracht wurde, wurde an diesem Abend intensiv thematisiert. Die Entstehungsgeschichte zum weltweit ersten Roman über die europäische Union war Kernthema des Abends. Im Jahre 2010 stellte sich Menasse die Fragen, wie Europa funktioniert und wie es organisiert ist. Er wollte das Phänomen der europäischen Union verstehen. Verstehen und Erzählen. So erzählen, dass es Menschen verstehen. Dies waren Menasses Ziele. Brüssel stellt sich als geheime Hauptstadt von Europa dar. Weshalb Menasse selbst für den Roman für einige Zeit nach Brüssel, was auch der Schauplatz des Romans ist, zog und dort verschiedene politische Veranstaltungen und führte viele Gespräche mit Beamten besuchte.

Daraufhin las Menasse den Prolog. Der Autor hat eine fesselnde Art vorzulesen. Es wurde dem Zuhörer das Gefühl vermittelt, mittendrin zu sein. Das Publikum klatschte am Ende des Prologs laut.

Danach wollte der Moderator die Charaktere im Buch „vorstellen“. Dies lehnte Menasse jedoch ab, aus Respekt vor denen, die das Buch noch nicht gelesen haben und durch diesen Abend Lust zum Lesen bekommen sollen. Es folgte die zweite Passage. Und die Dritte. Zwischen Passage zwei und drei befragte Lohr Menasse zu seiner Haltung bezüglich der europäischen Union. Am Ende erntete Menasse viel Applaus. Man merkte deutlich, dass das Publikum sehr angetan war – von dem Abend, dem Buch und Menasse. Wie bereits erwähnt, brach Menasse die Vorstellung der Buchcharaktere ab, um nichts vorwegzugreifen und die Lust auf den Roman zu erwecken. Am Ende der Veranstaltung kann man sagen, dass die Lust auf jeden Fall geweckt wurde!

Für alldiejenigen, die diesen Abend nicht erleben konnten, liest Menasse am Freitag, den 27.10.2017 um 20:00 Uhr erneut im literarischen Zentrum in Göttingen.

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