Christoph Ransmayr zu Gast im Alten Rathaus in Göttingen

Christoph Ransmayr mit seinem Roman „Cox oder der Lauf der Zeit“ zu Gast beim Literaturherbst

Die am Freitagabend sehr zahlreich im Alten Rathaus erschienen Gäste, die bereits etwa 45 Minuten vor Beginn der Lesung eine Warteschlange bis auf den Rathausplatz bildeten, spiegelten nicht nur Wertschätzung und Beliebtheit eines der größten Schriftsteller der Gegenwartsliteratur – Christoph Ransmayr – wieder, sondern auch das Interesse an seinem neuen Roman. Er eröffnete zeitgleich mit anderen Veranstaltungen den 26. Literaturherbst.

Der 1954 in Wels (Österreich) geborene Christoph Ransmayr ist unter anderem durch seine Romane „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“, „Die letzte Welt“ und „Atlas des ängstlichen Mannes“ bekannt geworden und wurde bereits mit zahlreichen Literaturpreisen geehrt.

Im Mittelpunkt seines neuesten Romans „Cox oder der Lauf der Zeit“ steht der erfolgreiche Londoner Uhrmacher- und Automatenmeister Alister Cox. Inmitten der Totenwache für seine verstorbene 5-jährige Tochter Abigail wird er von der Gesandtschaft des chinesischen Kaisers Qiánlóng in dessen Residenzstadt, die „Verbotene Stadt“, geladen, um einen geheimnisvollen Auftrag zu erfüllen. Überwältigt von der Trauer um seine Tochter nimmt er die Einladung schließlich einige Monate später an. Cox taucht in eine ihm fremde Welt ein, die durch ihre Schönheit betört, in der aber einzig der Wille des im Zentrum stehenden Kaisers steht. Qiánlóng beauftragt Cox zunächst mit der Anfertigung von Uhren, die die verschiedenen Abschnitte eines Menschenlebens messbar machen, schließlich jedoch soll er dem Kaiser zu dessen Erhabenheit über die Zeit verhelfen: mit einer Uhr, einem Perpetuum mobile, die über alle Zeiten hinaus schlägt und dazu fähig ist, die Ewigkeit zu messen. Cox stellt sich dieser Aufgabe.

Zu Beginn der Lesung nahm Ransmayr gleich selbst eine wichtige Frage vorweg, die sich möglicherweise viele Leser stellten: Woher kam der Impuls zu einem solch außergewöhnlichen Roman? So berichtete er in seiner humorvollen Art von der Entstehung seiner Idee als Resultat eines ungeplanten Zwischenstopps in Peking. Während seines Aufenthaltes besuchte er spontan die Eröffnung des Pavillons der Uhren in der „Verbotenen Stadt“ in Peking, in dem die Uhrensammlung des Kaisers Qiánlóng (1711-1799) ausgestellt wurde. Fasziniert von der Schönheit dieser Kunst, hatte es ihm besonders eine Uhr mit der Inschrift: „Made by James Cox in London“ angetan. So kam er zu der Ansicht, dass der leidenschaftliche Uhrensammler Qiánlóng und der berühmte Uhrmachermeister James Cox (1723-1800) nachträglich in einer fiktiven Geschichte zusammentreffen sollten. Eine glückliche Fügung für den Leser, führte der unfreiwillige Aufenthalt doch dazu, dass ein so ausdrucksstarker Roman daraus resultierte.

Um Missverständnissen vorzubeugen, betonte Christoph Ransmayr, dass es sich nicht um einen historischen Roman handele, sondern eben lediglich um eine Geschichte, die seiner eigenen Phantasie entsprungen sei. Einzig die Persönlichkeiten - der Kaiser von China und James Cox, der England nie verlassen habe und dem er im Roman den Namen Alister Cox gab, seien historische Personen. Auch standen diese beiden Persönlichkeiten nie in Kontakt, was Ransmayr aber dazu inspirierte, ihnen in Form eines Romans eine gemeinsame Verbindung zu geben.

Während seiner Lesung fesselte er das Publikum mit den ersten einleitenden Kapiteln des Romans, die eindrucksvoll von Cox´ Ankunft in der Verbotenen Stadt erzählen und die durch die Präsenz und Betonung von Ransmayr Stimme einen besonderen Zauber entfalteten. Es gelang ihm, das Publikum zu verzaubern. Sein Schreibstil ist präzise, poetisch und geheimnisvoll. Ransmayr ist ein literarisches Kunstwerk gelungen, das sich den Themen Zeit, Vergänglichkeit und Macht widmet. Bedauerlich war nur, dass im Anschluss an die Lesung keine Möglichkeit mehr bestand, um Fragen zu stellen.

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