Der Göttinger Kammerchor mit Bernd Eberhardt in der Johanniskirche

Der Göttinger Kammerchor und Bernd Eberhardt in der St. Johanniskirche

„Die Protestanten wissen nicht, was sie an ihrem Chorale haben“ hatte der Katholik und Komponist Max Reger festgestellt und komponierte über „Ein‘ feste Burg ist unser Gott“ – den Choral, der heutzutage geradezu Pflichtprogramm im Gottesdienst am Reformationstag ist - eine groß angelegte Choralfantasie für Orgel. Im Jahr des Reformationsjubiläums hat Bernd Eberhardt für die Motette Anfang September einen musikalischen Dreiklang mit drei musikalischen Schwergewichten zusammengestellt und ließ den Abend in der gut besuchten St. Johanniskirche mit dieser Choralfantasie beginnen. Reger deutete die Textzeilen, die er nicht in der Originalreihenfolge vertonte, musikalisch aus: von mächtig und massiv für die feste Burg bis hin zu chromatischen Gängen die sich wie teuflische Schlangen winden. Eberhardt nutzt die Möglichkeiten der Ott-Orgel und das ganze dynamische Spektrum vom fulminanten Forte bis zum zarten Pianissimo und brachte die verschiedenen Klangfarben zum Leuchten. Die Choralmelodie arbeitete er immer wieder deutlich heraus und sorgte damit für klare Struktur und Transparenz - bei aller Virtuosität, die in den anderen Stimmen gefordert war.

Bevor der Göttinger Kammerchor das Programm fortsetzte, kamen das gesprochene Wort zum Zuge: Und damit wurde aus dem Drei- ein Vierklang: Die begleitenden und ausdeutenden Texte, mit denen Prädikant Wilfried Bergau-Braune, zugleich Sprecher des Kantoreirats der Stadtkantorei, den Abend ergänzte, lieferten Interpretations- und Hörhilfe, theologische Ausdeutung und Einordnung. Ein großer Gewinn für die Zuhörerinnen und Zuhörer und ein wesentlicher Beitrag zur Gestaltung dieser Motette.

Für die beiden folgenden Stücke hatte Eberhardt den Göttinger Kammerchor bestens vorbereitet: Ein warmer, perfekt aufeinander abgestimmter Chorklang war das Ergebnis. Die Vertonung „Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen?“ von Johannes Brahms rührt an existenzielle Fragen und erzeugt Nachdenklichkeit und im besten Fall Trost. Und dieser Trost war bei der Interpretation des Kammerchores fast zu greifen, so intensiv und berührend erklang das Werk.

Der Abend endete mit der Motette „Jesu, meine Freude“ von Johann Sebastian Bach. Hier wechseln sich Choralstrophen und Textstücke aus dem Römerbrief ab: zwei Texte, die miteinander in Diskurs gehen. Bach nutzte diese Textkonstruktion für die Komposition eines kontrastreichen Werkes mit schnell wechselnden kurzen Sätzen. Dieser Aufgabe stellte sich der Chor mit Bravour und folgte Eberhardts Interpretation bis ins kleinste Detail genau. Als Fundament spielten Frank Scheller (Cello) und Antonius Adamske (Orgel) das Continuo. Die Zuhörerinnen und Zuhörer waren begeistert und bedankten sich mit einem langen Applaus. Beim anschließenden Glas Wein oder Apfelsaft unter der Empore konnte das Publikum das soeben Gehörte noch einmal gemeinsam Revue passieren lassen und verließ bestens auf den Sonntag eingestimmt die St. Johanniskirche.

 

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