Ulrike C. Tscharre im Alten Rathaus

Ulrike C. Tscharre als die Stimme der „Terranauten“ im Alten Rathaus

Was machen wir, wenn die Ressourcen knapp werden? Diese Frage stellten sich in den Neunzigerjahren amerikanische Forscher. Antwort kam in Form der „Biosphäre 2“, eine Art riesiges Terrarium, welches die Lebensbedingungen der „Biosphäre 1“ – der Erde – nachbilden und damit die Übersiedlung des Menschen auf andere Planeten sichern sollte. Erstes Ziel: Der Mars.

Der amerikanische Bestsellerautor T.C. Boyle hat dieses Experiment aufgegriffen und in Romanform verpackt. Ulrike C. Tscharre liest das deutsche Hörbuch. Im Rahmen des Kultursommers wurde die aus Film und Fernsehen bekannte Schauspielerin ins Alte Rathaus eingeladen, um das Buch anhand einiger Passagen zu präsentieren.

„Die Terranauten“ sind vier Frauen und vier Männer, welche sich für zwei Jahre in die Ecosphäre „E2“ einschließen lassen, um zu beweisen, dass es sich in der „neuen Welt“ vollkommen unabhängig leben lässt. Der erste Versuch solcher Art ist nach zwölf Tagen gescheitert. Um die alten Fehler zu vermeiden, wird diesmal deutlich strikter vorgegangen und „Mission Control“ unter der Leitung eines Mannes, der nur „Gottvater“ genannt wird, bekommt die absolute Kontrolle. Das Leben der acht Terranauten dreht sich zunächst vollkommen um die Pflege ihrer Welt, während täglich Besuchermengen anströmen und sie durch die Glasscheibe des Terrariums beobachten.

Doch was passiert, wenn es in dieser genauestens geplanten Miniaturwelt zu Abweichungen kommt?

Im Laufe des Abends las Ulrike C. Tscharre mit sanfter Stimme und viel Charme aus unterschiedlichen Stellen des 600-Seiten-Buches. Die Auswahl spiegelte diverse Etappen wieder, die die Crew während der zweijährigen Mission durchlebt. Probleme aller Art müssen bewältigt werden: Sind es nun die an Bord gebrachten Tiere, denen die Gefangenschaft zu schaffen macht, ein Stromausfall, der die Terranauten dazu zwingt, Gott zu spielen und zu entscheiden, welche Maschinen abgeschaltet werden sollen, oder schlichtweg Soap-Opera-würdiges Gefühlschaos zwischen den Crewmitgliedern. In der Vielzahl nonchalant-witziger Passagen aus der Sicht von drei Projektmitgliedern (Dawn Chapman und Ramsay Roothoorp von den Terranauten, sowie Linda Ryu von „draußen“) zeichnet sich eine bitterböse Ahnung ab: Statt „Götter unter Glas“, wie es Dawn Chapman an einer Stelle formuliert, sind die Terranauten eben doch nur acht Menschen, die unter fragwürdigen Umständen in der Ecosphäre festgehalten werden.

Die bildreiche Sprache von T.C. Boyle und die treffende Vortragsweise von Ulrike C. Tscharre erlaubten ein müheloses Zuhören und das Publikum musste sich nach einigen Cliffhangern mit Lust auf mehr von den Lippen der Schauspielerin lösen.

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