Hans Zippert liest im Alten Rathaus in Göttingen

Hans Zippert: Ich bin gar nicht gut im Bett – 99 peinliche Bekenntnisse

Die Erkenntnis, dass andere Menschen noch größere Versager sind als man selbst, kann einem ein beruhigendes Gefühl geben. Wohl auch aus diesem Grund ist das Bloßstellen der eigenen Schwächen seit je her eine der beliebtesten Methoden von Humoristen, Lacher einzufahren. Ganz in diesem Sinne lud der Satiriker Hans Zippert zu seinem Vortragsabend ins Alte Rathaus, um in seiner typisch trockenen Art von den Fehltritten und Missgeschicken seines Lebens zu berichten.

Zippert war von 1990–1995 Chefredakteur der Titanic, schrieb unter anderem für die FAZ und ist Kolumnist in der "Welt" ("Zippert zappt"). In seiner als „multimedialer Vortrag“ angepriesenen Lesung versprach Zippert nicht weniger, als „99 peinliche Bekenntnisse“ zu offenbaren. Das wohl pikanteste dieser Bekenntnisse scheint dabei bereits der Titel zu enthüllen („Ich bin gar nicht gut im Bett“) – doch wie sich herausstellen sollte, verbarg sich hinter dem Titel etwas anderes, als es schien.  

So entpuppte sich der Abend weniger als Aneinanderreihung vermeintlich peinlicher Bekenntnisse, sondern vielmehr als eine Art „Best-of“ der humoristischen Karriere Zipperts. Der 60-Jährige verteilte reichlich Ratschläge („Im ICE nie an den 4er Tisch setzen, er bietet Platz für bis zu 3 Idioten“; „Buchstabensuppe hilft nicht gegen Legasthenie“), plauderte über seine deutlich verlängerte Schulkarriere („G12“), offenbarte erhellende Tortendiagramme („Würden sie an einer Tortengrafik teilnehmen? – 59% der Befragten antworten mit Nein“), hypothetisierte über aktuelle politische Problemthemen („Wurden in Hamburg gezielt Diesel von Audi und Porsche angezündet, um Beweismittel zu vernichten?“), und offenbarte schlussendlich, warum er nicht gut im Bett sei – was, wenig verwunderlich, weniger mit dem anderen Geschlecht, als mit Bücherstapeln und Kissen-Wirrwarr zu tun hat. Auf der Couch sei er nämlich in der Tat sehr gut.

Die Veranstaltung war Teil der Lesereise „Spötterdämmerung“ zu Ehren des 275. Jährung des Geburtstages von Georg Christoph Lichtenberg, und entsprach im Kern auch einer klassischen Lesung. So gab Zippert einige seiner Texte zum Besten, garniert wurden diese noch von projizierten Bildern, etwa aus Zipperts Kindheit oder seinen Büchern, oder kurzen Videos aus seiner „Welt“-Kolumne „Zippert zappt“. Diese „multimediale“ Präsentationsform war allerdings auch dasjenige, worauf am ehesten hätte verzichtet werden können. So schien die leuchtende Leinwand mitunter etwas abzulenken, und das Gezeigte war in vielen Fällen für den eigentlichen Witz schlicht unnötig.

Dank Zipperts trockenem, bisweilen ins Absurde driftende Humor blieb das Publikum aber gute zwei Stunden lang bestens unterhalten, und der selbsternannte „Botschafter Bielefelds“ konnte zeigen, warum er ein würdiges Mitglied der Jury des Satirepreises „Göttinger Elch“ ist.

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