Klaus Pawlowski von der „Neuen Göttinger Gruppe“ vor dem Gemälde von Susanna Martin im Alten Rathaus

„Neue Göttinger Gruppe“ zu Gast im Alten Rathaus

Anlässlich des 275. Geburtstags von Georg Christoph Lichtenberg hat sich die „Neue Göttinger Gruppe“ am Sonntag, dem 9. Juli 2017 in den Räumlichkeiten des alten Rathauses zusammengefunden.

Das Bild mit nackten Menschen (Susannah Martin: Deutschland zwischen Romantik und Aufklärung „Hirte“, 2012) ziert und irritiert den Hintergrund, vor dem Klaus Pawlowski, Reinhard Umbach und Peter Köhler, mit einer guten Portion Humor als Blitzableiter gerüstet, vom Lichtenberg auf dem Pfad der Satire, in die heutige Landschaft wandern.

In einem unvorbereiteten Moment, packen sie den Geist der Gegenwart, sodass er wie die Menschen auf dem Bild völlig nackt vor das Publikum tritt. Dabei tangieren sie mal sanft, mal grob, all seine Problemzonen. Von Politik, Wegwerfgesellschaft sowie Kultur, Wirtschaft und Gesundheit wird alles mit einem erfrischenden Temperament beleuchtet.

Fragen, wie zum Beispiel nach der Breite der Einsatzmöglichkeiten von 3-D-Druckern, wie die Rezepte für einen Schülerkochkurs sprachlich dem geistigen Niveau der Schüler angepasst werden können oder wie ein aufgewärmtes Essen eines Kasseler Restaurants die sinnlose Verschwendung von Ressourcen schmälert, wurden aufgegriffen und diskutiert.

Währenddessen verliert sich der nackte Gast nicht in Gefühlen von Scham. Er signalisiert mit freundlich zugewandten Blick zum Zuschauer, dass jeder einzelne von Ihnen genauso leicht zu entblößen ist und greift nach einer Damenhandtasche aus dem Publikumssaal, um die in Klaus Pawlowskis Gedicht vertretene These von deren maßloser Überfüllung, an einem Beispiel zu belegen.

Von der Gegenwart bis zu dem 275 Jahre alten Lichtenberg, vollzieht er mit seiner auffallend scharfsinnigen Wortgewandtheit einen Spagat und erweckt mit Lichtenbergs Zitaten, wie „Gelegenheit macht nicht Diebe allein, sie macht auch große Männer“, den Eindruck, dass weder er noch Lichtenberg gealtert wären.
Die Neue Göttinger Gruppe schafft es, die Anwesenheit ihres Gastes auf eine Weise mit ihren Gedichten, Wortspielen und Geschichten zu kombinieren, die neben seiner bloßen Darstellung auch eine Begegnung mit ihm ermöglicht. Besonders gelungen erschien der Medizinvortrag von Klaus Pawlowski, der von der krankheitserregenden Gefahr der Mobiltelefone berichtete.

Die Hoffnung, von der „mobilen senilen Skleptose“ niemals heimgesucht zu werden und dieser nicht im „finalen Funkloch“ zu erliegen, schwebt in der Luft, als die Neue Göttinger Gruppe sich mit einem Wortspiel und Gedenken an den vor elf Jahren verstorbenen Robert Gernhardt, verabschiedet.

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