Saturday Night Fever auf der Dombühne

Das Publikum feiert das „Saturday Night Fever Ensemble“ bei den Gandersheimer Domfestspielen

Schon mit den ersten Tönen springt der Funke über. Die Hits der „Bee Gees“ zünden noch immer und erst recht das Motto „Staying alive“. Danach sehnen sich die Teenies heute genauso wie die Kids der 70er Jahre. Zu ihnen gehört auch Tony Mariano (Lucas Baier). Samstagabend ist Showtime und alles, was die ganz Woche über nervt, scheint wie weggeblasen. Der Job, der nur ein paar Dollar einbringt, der arbeitslose Vater (Marco Luca Castelli) mit seinem Frust und dann diese ewige Mäkelei zu Hause mit dem erschöpften Blick der Mutter (Susanna Panzner) und dem trotzigen Schweigen von Schwester Linda (Florentine Kühne).Tonys Bruder Frank (Jan Kämmerer)hat es als Priester wenigstens zu etwas gebracht. Auch das wird im ständig vorgehalten. Nur auf der Tanzfläche ist die Welt für den Moment wieder in Ordnung. Da wird er bewundert und umschwärmt und träumt von einer Zukunft, die nur besser werden kann, sobald sich die große Discokugel auf der Dombühne öffnet.

Noch pappt daran ein Schild „Benzin ausverkauft“ während die Schauspieler auf leeren Benzinkanistern trommeln. Im New Yorker Stadtteil Brooklyn, wo das Musical „Saturday Night Fever“ spielt, glaubt eigentlich niemand mehr an den American Dream. Wirtschaftskriese, soziales Elend und Bandenkriege sind in dem Musical von Robert Stigwood und Bill Oakes auch präsent und nicht nur der Sound der Bee Gees, der jetzt in der Inszenierung von Regisseur und Choreograph Marc Bollmeyer in ein funkelndes „Saturday Night Fever“ lockt.

Schon ist der nächste Szenenapplaus fällig. Erstmals öffnet sich die Discokugel, die neben dem DJ Mischpult auch die Zutaten für ein Tanzstudio enthält. Das Publikum giggelt vergnügt, wenn Lucas Baier wie bei einem Striptease posiert und sich dann in perfekt gestylten Tänzer verwandelt. Mit der Ansage von DJ Monty (Fehmi Göklu) wird die Bühne zum Dancefloor, in dem sich nun die großen und die kleinen Dramen der Figuren spiegeln. Hier lässt Tony die verliebte Annette (Felicitas Heyerick) abblitzen und hat nur Augen für die unnahbare Stephanie (Julia Lißel), mit der er nicht nur den Tanzwettbewerb gewinnen möchte. Das imponiert auch seinen Freunden aus der Gang „The Face“, Bobby C (Stephan Luethy), Double J (Denis M. Rudusch) und Joey (Philipp Nowicki), die jederzeit für One-Night-Stands zu haben sind und auch gern den ein oder anderen Schlagabtausch riskieren und immer gut für einen schrägen Spruch sind.

Wieder dreht sich der Plattenteller, für „Life goin‘ nowhere“, „Jive Talkin“ und „Night Fever“. während sich das Ensemble verstärkt durch David Schuler bei den Disco Beats mit den Tänzerinnen des Tanzstudios Kerstin Baufeld zu einer weiteren glitzernden Bühnenshow formiert. Die Bombenstimmung auf der Zuschauertribüne hält an und bekommt natürlich extra Drive mit dem Song „You should be dancing“.

Sobald sich die Discokugel schließt, kommt der Alltag auch wieder ganz unsanft zum Vorschein. Die Kulisse des Farbengeschäftes und der graue Arbeitskittel, der Tony schon lange viel zu eng geworden ist, genauso wie die Rolle des Loosers, die ihm seine Traumfrau noch immer vorhält. Der Erfolg beim Tanzwettbewerb wird daran kaum etwas ändern, weil das zweitplatzierte Paar mit Maria (Maria Moncheva) und Cesar (Stefano Marletta) einfach besser war und Tony ihnen den Siegespokal und die Prämie überlässt. Dieser Moment von Haltung und Courage und sein ganz persönliches „staying alive“, wird durch den Selbstmord von Bobby C überschattet und dass die Gang-Kumpels eine betrunkene und völlig verzweifelte Annette vergewaltigen wollen.

Doch selbst diese Szenen können die funkelnde Theaterdiscoatmosphäre auf der Dombühne nicht wirklich eintrüben, die in der Begeisterung spürbar wird, mit der hier die Partystimmung in den Tanzszenen und den Songs gelebt wird. Da funkeln die choreographischen Arrangements auch mit schrägen Schrittkombinationen, tollen Drehungen und gewagten Hebefiguren. Das stimmstarke Ensemble ist bestens in Form, auch wenn es sich von seiner musikalisch sportlichen Seite zeigt.

Mit einer starken Bläserformation, zwei Keyboards, Gitarre, Bass und Drums hat die Band unter der musikalischen Leitung von Ferdinand von Seebach fast schon das Format einer kleinen Bigband, die hier in den fein abgestimmten Arrangements begeistert. Zur Dämmerstunde kann auch die Lightshow wirkungsvoll zum Einsatz kommen und illuminiert neben dem Dancefloor auch die historische steinerne Bühnenkulisse mit fantastischen Farben. Die sentimental journey Atmosphäre ist eigentlich fast schon vorprogrammiert, weil sich natürlich viele Zuschauer an ihre Teenagerzeiten erinnern und wie aufregend das das damals war bei den ersten Disco Abenteuern war mit viel Styling, frechem Outfit und den Hits der Bee Gees. Da flammten zwar noch keine Feuerzeuge auf, wenn sich die Fans mit „How deep is your love“ endlich auch ein bisschen Hoffnung auf ein Happy End für Tony und Stephanie machten konnten. Aber zum gefeierten Finale mit Standing Ovations bekommen Marc Bollmeyer und sein Team trotzdem strahlenden Beifall. Für jeden Zuschauer gab es am Einlass einen Leuchtstab und jetzt funkelt die gesamte Tribüne im „Saturday night fever“.

Die nächsten Vorstellungen sind am 27.6., 30.6., 1.7., 5.7., 6.7. und 8.7., jeweils um 20 Uhr

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