„Die kleine Hexe“ in Bad Gandersheim

Die kleine Hexe auf der Dombühne in Bad Gandersheim

Noch klappt nicht alles ganz perfekt. Trotz der vielen Zaubersprüche, die die kleine Hexe schon gelernt hat. Dann regnet es halt Wäscheklammern statt kräftiger Tropfen und die Dombühne ist plötzlich voller roter Luftballons. Den Spaß lässt sich die Heldin in Otfried Preußlers Kinderstück trotzdem nicht verderben, wenn es später goldene Sterne regnet und aus einem Reisigbesen Blumen sprießen. Sie hat ja schließlich noch jede Menge Talente auf Lager, die nicht in ihrem dicken Zauberbuch stehen und lässt dann auch die ehrwürdige Hexenzunft ziemlich alt aussehen, die sie nicht so ohne Weiteres bei der Walpurgisnacht dabei haben will.

Otfried Preußlers kleine Hexe ist nicht nur mutig und eigensinnig sondern auch sehr kreativ, wenn es um zauberhafte Lösungen geht, die vor allem anderen gut tun. Ebenso zauberhaft kreativ und gut gelaunt macht sich Kristin Scheinhütte in der Inszenierung von Sarah Speiser ans Werk. Ihre kleine Hexe erinnert ein bisschen an Pippi Langstrumpf, die auch nie klein beigibt und mit einem fröhlichen Blinzeln einfach einen neuen Plan ausheckt. Die Zuschauer schließen sie unmittelbar ins Herz. Ihr zur Seite steht Michale Sikorski als Rabe Abraxas, der den kreativen Übermut gelegentlich mal dämpft und sich umso mehr freut, wenn piefigen Oberförstern eine Lehre erteilt wird, Vogelscheuchen wieder unversehrt strahlen dürfen und ein großmauliger billige Jacob jetzt endlich mal seine Klappe hält.

Auf der Dombühne wispert, grummelt und zischelt es zunächst. Vielleicht auch hinter der hölzernen Palisade mit den Silouetten von Hausdächern und Kirchturmspitzen, mit Ausstatterin Debbie Sledsens das Kirchenportal verblendet hat. Vor allem aber von der Zuschauertribüne aus, wenn nun eine prächtig gestylte Hexenzunft auf die Bühne stürmt. An der Seite von Oberhexe Julia Lißel lassen Windhexe (Stephan Lethy) und Waldhexe (Denis Rudisch), Moorhexe (Florentine Kühne) und Knusperhexe (Maria Moncheva), Kräuterhexe (Stefano Marletta) und Wetterhexe Rumpelpumpel (Denise Kiesow) die Besen tanzen. Auf den zaubernden Nachwuchs, der es mal gerade auf einhundertsiebenundzwanzig Jahre bringt, würden sie auch bei dieser Walpurgisnacht gern verzichten. Doch der lässt sich einfach nicht entmutigen
und erinnert sich Dank des freundschaftlichen schwarzen Gefährten noch mal all der tollen Begegnungen, die aus einer kleinen Hexe eine gute Hexe werden ließen.

Dann fliegen statt Wäscheklappern Äste durch die Luft während sich das hexenhafte Ensemble in eine Gruppe von Holzweibern verwandelt, oder die Köpfe des Schauspielteams über die hölzerne Palisade lugen, wenn die Markthändler ihre Waren preisen und von der kleinen Hexe mit einer weiteren zauberhaften Idee auf die Spielfläche gelockt werden. Dort wo dann ein fröstelnder Maronimann von seinem ewigen Hatschi kuriert wird und eine Vogelscheuche endlich wieder tanzen kann.

Da mag die intrigante Pumpelpumpel noch lauern und lästern und ist sich darin auch mit ihren Gefährtinnen einig, dass Hexen gefälligst böse zu sein haben. Doch wenn es dann erneut blitzt und zischt und funkelt spukt ihnen eine äußerst gelehrige Schülerin mit großem Vergnügen gewaltig dazwischen und freut sich mit Hokus-pokus, Donnerschlag und Rumpeldipumpel, dass sie jetzt als gute Hexe alle Bösartigkeiten einfach verschwinden lassen kann. 

Sarah Speisers Inszenierung der kleinen Hexe ist ein wunderbar spielerisches Vergnügen und das nicht nur für die kleinen Zuschauer, die jetzt über einen manchmal ziemlich eitlen Raben kichern, der ab und zu auch gern mal würdevoll posiert. Es wird viel gelacht und gegiggelt an diesem Nachmittag, auch weil die kleine Heldin auch so schön mit Worten und Gesten spielt wenn sie für ein Problem eine praktische Lösung sucht und dabei wieder schelmisch blinzelt. So sieht fröhliche Magie aus.

Die nächsten Vorstellungen sind am 24.6., 2.7., 23.7. und 30.7., jeweils um 15 Uhr.
Weitere Informationen unter http://domfestspiele-gandersheim.de 

 

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