Die Comedian Harmonists 2 in Bad Gandersheim

Die Comedian Harmonists Teil 2 „Jetzt oder nie“ in Bad Gandersheim

Wie schön er piekst, der kleine grüne Kaktus. Jetzt ist das Publikum endgültig aus dem Häuschen. Man hört die ersten Bravorufe, wenn auf der Dombühne so charmant gestichelt wird und die „Comedian Harmonists“ endlich eine Serie von Erfolgen präsentieren können Die nächtelangen Proben waren also doch nicht vergeblich, in denen sich vier Tenöre und einen Bariton auf ein grandioses A Capella Format einstimmten und sich vom Perfektionsdrang ihres Pianisten antreiben ließen. Auch nicht die vielen Monate ohne Aussicht und noch weniger Geld, um bei einem Vorsingen mal wieder abgebügelt zu werden und sich als Pausenfüller in Berliner Nachtlokalen über Wasser zu halten.

Auch bei der Wiederaufnahme der „Comedian Harmonists“ für die Domfestspiele ist das musikalische Vergnügen kaum zu toppen. Die Lieder wollen einfach keinen Staub ansetzen und die Zuschauer fiebern mit. Auf jede gute Nachricht, dass es endlich aufwärts geht mit den Karrierehoffnungen folgt natürlich ein musikalisches Intermezzo. Und mit steigender Erfolgskurve steigt auch der Beifall und dazu wird mächtig getrampelt. Wenn die „schöne Isabella von Kastilien“ besungen wird, dann zünden Wortwitz, Komik und harmonische Finesse immer noch unmittelbar. Schon schleicht sich der nächste Ohrwurm ein. Einfach mit swingen möchte man bei „Wochenend und Sonnenschein“, lässt sich von Onkel Bumba nach Lalumba locken und schmachtet mit „Liebling mein Herz lässt Dich grüßen“. Vor allem wenn so wunderbare Entertainer wie Daniel Dimitrov, Wolfgang Mirlach, Jannik Nowa, Oliver Polenz und Dirk Weiler am Werk sind. Sie machen die Revue um Deutschlands erste Boygroup auch zu einem ganz besonderen Schauspielvergnügen. An ihrer Seite funkt Jens Schnarre in vielen Szenen unterhaltsam und nachdenklich dazwischen, als nörgelnde Hauswirtin und als gewitzter Impressario und später auch als Vertreter der Reichskulturkammer, der den kleinen grünen Kaktus als entartete Kunst deklarieren lässt.

Für die Wiederaufnahme der Erfolgsproduktion des vergangenen Festspielsommers hat Regisseur Achim Lenz das Szenario noch ein bisschen verfeinert. Er gibt den Nahaufnahmen mehr Raum, die zwischen den Liedern eben auch die Geschichte einer Männerfreundschaft erzählen, die am Erfolgsdruck zu zerbrechen scheint, um dann von den Nazionalsozialisten abgeurteilt zu werden Damals, in den fadenscheinigen Anzügen in Harry Frommermanns mies beheizter Kammer waren sie sich noch nahe, auch wenn die ersten Takte immer noch nicht saßen und alle müde und genervt waren, wenn die Karrierehoffnungen mal wieder in weite Ferne rückten. Strahlende Gesichter gehören schon bald zu jeder Performance nach dem ersten großen Auftritt im Leipziger Schauspielhaus, wenn sich die ausverkauften Konzerte häufen. Aber dahinter rumoren die Zweifel über eine gnadenlose Unterhaltungsindustrie auf die sich die Herren im Frack einlassen haben. Jetzt zahlen sie den Preis der Entfremdung, der geprägt ist von Misstrauen und Eifersüchteleien und dem ständigen Leistungsdruck. Auch die gemeinsame Versicherung, wir waren und sind Freunde ist nicht frei von Dissonanzen. Fast hat es den Anschein, als ob das Auftrittsverbot für jede musikalische Gemeinschaft von so genannten „Ariern „ und „Nichtariern“ das endgültige Aus für die „Comedian Harmonists“ nur noch beschleunigt, weil sich für die Zukunftsängste- und Optionen auch kein soldarisches A Capella Arrangement finden lässt.

Wunderbar gereift ist diese musikalische Revue an den nachdenklichen Zwischentönen, die das unterhaltsame Vergnügen auf ihre Weise bereichern. Und so wundert es kaum, dass selbst die Zuschauer, die die „Comedian Harmonists“ im vergangenen Festspielsommer gefeiert haben, auch die Wiederaufnahme in dieser Saison noch öfter sehen und erleben möchten.

Die nächsten Vorstellungen sind am 24.6., 28.6., 1.7. und 4.7. Weitere Termine unter http://domfestspiele-gandersheim.de 

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