Katharina Trabert singt „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“

„Eben lacht es, bums da weint es“ – Ein Friedrich Hollaender-Abend mit Katharina Trabert und Michael Frei im Deutschen Theater

Katharina Trabert betritt den überfüllten Keller im Deutschen Theater und nimmt von der ersten Sekunde an sowohl das Publikum als auch den Raum in Beschlag. Das macht sie überzeugender als manch ein Profi, den man am selben Ort gehört und gesehen hat. Wie macht diese junge Frau das? Ganz einfach: sie ist authentisch, zugewandt und unerschrocken. Das sind ziemlich gute Voraussetzungen, um die Lieder des Revuekomponisten und Kabarettisten Friedrich Hollaender zu singen.

Authentisch? Man nahm ihr die Berliner Göre ab, die mal ganz melancholisch nicht weiß, zu wem sie gehört, mal kokett ihr Sex-Appeal besingt oder wütend über die Ungerechtigkeit klagt, die der zersägten Dame widerfährt.

Zugewandt? Immer wieder sucht sie den Kontakt zum Publikum – schade, dass niemand der Kleptomanin eine Münze geben mochte. Und sie sucht den Kontakt zum Pianisten Michael Frei, der sie nicht nur stilsicher begleitet, sondern auch ihr Ansprechpartner in diversen Lebenslagen sein darf. Zugewandt ist sie auch der Einrichtung des Kellers gegenüber: sie tanzt auf dem Klavier, sie spielt mit einem Stuhl, sie bemalt den Fußboden und sie umarmt die Säulen im Zuschauerbereich.

Unerschrocken? In der einen Stunde der Aufführungsdauer warten so ziemlich alle Herausforderungen, die das Theater an einen Soloabend stellt. Diese Herausforderungen nimmt Katharina Trabert alle an, sie singt und hüpft, spielt und agiert, sie setzt ihren Körper und ihre Mimik ein, und so ganz nebenbei singt sie wie selbstverständlich alles auswendig – das können nicht nur nicht viele, sondern trauen sich auch nicht viele Theatermenschen zu.

Der ganz große Moment darf natürlich nicht fehlen: Hollaenders wohl bekanntestes Lied „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ wird hier zu einer intimen Momentaufnahme: Trabert sitzt auf dem Boden, mit dem Rücken an das Klavier gelehnt, und spielt mit einer kleinen Wackelfigur, natürlich einer Tänzerin. Das ist wirklich ganz großes Kino!

Aber es gibt auch viele kleine Momente. Resümierend über ihr Sexappeal stellt sie fest: „Helene Fischer kann man streichen.“ Und anspielend über ihren eigentlichen Beruf bei der Universität Göttingen als Leiterin der Fundraising-Abteilung erwähnt sie den Besuch des Bundespräsidenten am selben Tag.

Zu dem Gelingen dieses wundervollen Abends hat Julia Hansen mit ihren szenischen Ideen wesentlich beigetragen. Und auch das Publikum hat zum Gelingen beigetragen: die Eintrittsgelder fließen in die Arbeit des Fördervereins des Deutschen Theaters.

„Wenn ich mir etwas wünschen dürfte“: „Das Wunderkind“ Katharina Trabert möge noch ein paarmal mehr „mit de Beene baumeln“.

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