Lesung mit Zsuzsa Bánk im Alten Rathaus

In dem fast ausverkauften Alten Rathaus trat gestern Zsuzsa Bánk auf die Bühne, um aus ihrem neuen Roman Schlafen werden wir später zu lesen. Die Lesung des Literarischen Zentrum Göttingens wurde moderiert von Anke Detken, Literaturwissenschaftlerin aus Göttingen. Die aus Ungarn stammende Autorin Zsuzsa Bánk, die, bevor sie 2002 als Schriftstellerin aktiv wurde, unter anderem als Wirtschaftsjournalistin tätig war, legt hier einen modernen Briefroman vor.

Wie Anke Detken es ausdrückt, „rettet sie den Briefroman ins 21. Jahrhundert.“ Hätte sie Briefe als Medium verwendet, so „würde etwas von der Dynamik des Buches genommen werden.“ Doch genau diese Dynamik ist es, die dem Roman das gewisse Etwas gibt. Deshalb ist es ein Briefwechsel per E-Mail. Drei Jahre andauernd zu jeder Tages- und Nachtzeit, wird so eine enge Frauenfreundschaft gepflegt und damit die räumliche Distanz zwischen Johanna, der Deutschlehrerin, die über Droste-Hülshoff promoviert, und Màrta, der Schriftstellerin, überwunden.

Der Schlaf stellt das zentrale Leitmotiv dar, wenn auch in gegensätzlicher Form: Es ist der fehlende Schlaf, der im Mittelpunkt steht. „Mit Schlaf nicht das Leben zerbröseln“, es erscheint wie ein Aufschub, ein Ausnutzen jeglicher Zeiträume, ein wenig resignativ: Die konkreten Verhinderungen von Schlaf, seien es Kinder, Beziehungen, Krankheit, Schicksale oder Albträume nutzen die beiden Frauen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, um sich dem für beide elementarem Schreiben zu widmen.

Die wohl größte Rolle bei alledem spielt somit die Sprache. Die Kommunikation ist von dem Spiel mit der Sprache bestimmt, es dient ihnen als Ausdrucksmittel, beruflich, wie privat. Màrta und Johanna sind im Schreiben zu Hause. Es ist eine Liebe zu den Wörtern, die beide teilen. Schreiben dient den beiden aber auch als Flucht. Die Sprache fungiert als Zufluchtsort und dient der Reflektion von Gefühlen. Die beiden betten die Literatur in ihre Stimmungen mit ein. So ist der Roman durchsetzt von den vielen intertextuellen Verweisen und Zitaten. Ob Hauff, Droste-Hülshoff, Kästner, Laxness, Shakespeare, Büchner: Texte sind, so Màrta, ihr „schönstes Tal der Literatur“. An einigen Stellen bekommt man den Eindruck, dass es ein wenig seicht wird, dann wieder sehr realistisch und drastisch, eine gewisse Spannung zieht sich durch das Buch. Mal melancholisch, mal leicht, dann wieder erinnerungsreich, an manchen Stellen etwas langatmig. Es ist ein stetes Spiel mit den Wörtern, mit der Sprache, mit dem Ausdruck. So wichtig die Sprache für die beiden Hauptfiguren ist, so wichtig ist sie auch für das Buch selber: Wozu schlafen, wenn man auch schreiben kann?

Ein unterhaltsamer Abend, der gut gestaltet wurde. Anke Detken und Zsuzsa Bánk gelang eine passende Gewichtung zwischen packendem und diskursiven Gespräch und angenehmer Lesung, welche bei dem Publikum gut ankam. Schlafen werden wir später ist ein Buch, dass man sich gut auf den Nachtisch legen kann und immer mal ein paar Briefwechsel abends zur Hand nehmen und weiterlesen kann. Schlafen kann man ja wann anders...

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