„Debütantinnenball“ mit den Debütromanen von vier Autorinnen

Das Literarische Zentrum hat wieder eingeladen: Der zweite Debütantinnenball stand am gestrigen Abend auf dem Programm, an dem gleich vier Autorinnen ihre Debütromane vorstellten. Geführt von Thomas Klupp, Autor und Literaturwissenschaftler aus Hildesheim, wurden vier recht unterschiedliche Tänze dargeboten. Eine Debütantin nach der anderen lief zu einem für sie bedeutenden Song ihrer Wahl ein und nahm neben Thomas Klupp auf den Podium Platz.

Den Anfang machte Luise Maier und stellte ihren Roman Dass wir uns haben vor, der während ihres Studiums an der Schreibschule Biel in der Schweiz entstanden ist. Der von ihr gewählte Song, „Jetzt mal ehrlich“ von Fiva Mc, steht wie auch ihr Buch für die Bedeutung der Authentizität. Der einfache Schreibstil verbindet sich mit dem beklemmenden Inhalt und der emotionalen Kargheit. Die fragmentarischen Geschichten der Familienkonstellation fügen sich dabei mit der Isoliertheit der Figuren zusammen. So resümiert auch Klupp, dass dies „mit das drastischste“ wäre, was er die letzten Jahre gelesen hätte.

Es folgt Svenja Gräfen, Autorin und Poetryslamerin aus Berlin, welche aus ihrem Roman Das Rauschen in unseren Köpfen liest. Ihr Song, „Blue Blood“ von den Foals, dient auch als vorangestelltes Zitat für das Buch: Ein Liebesroman, der keine „eiskalte Liebesdekonstruktion“ darstellt, jedoch eine Beziehung seziert und analysiert - auf eine Art und Weise, die nachvollziehbar und verständlich Entwicklungen von Harmonie und hoher Fallhöhe darlegt. Rhythmik und Sound des Textes kombinieren sich mit einer unkomplizierten Sprache.

Ganz gegensätzlich hierzu wirft Annette Pusserts dichte Prosa in ihrer Mehrgenerationserzählung Nord Nord Ost die Frage nach Heimat und Zugehörigkeit auf, ebenso wie das gewählte Lied „A place called home“ von PC Harvey. Der Verschränkung verschiedener Zeitebenen und Perspektiven begegnet die Autorin mit einer schlichten Sprache und nötigen Distanz.

Den Schluss bildet die Bachmann-Preisträgerin, Autorin und Aktivistin Sharon Dodua Otoo mit ihren Novellen Die Dinge, die ich dachte, während ich höflich lächelte und Synchronicity. Als „Gift mit Zucker serviert“ betitelt Klupp dieses Debüt. Es ist eine schwarze feministische Perspektive ohne erhobenen Zeigefinger. Die prekären multikulturellen Großstadtexistenten und Probleme werden auf ganz leichte Art verhandelt. Dabei geholfen hat auch der Song ihrer Wahl: „Last night a DJ saved my life“ von Indeep.

Ein gelungener Abschluss einer langen Nacht. Zwischenzeitlich wurde es zwar doch ein bisschen lang. Aber gerade durch die abwechslungsreiche Mischung aus Autorinnen und ihren Büchern und der Auflockerung durch die Verbindung mit den Musikstücken entstand eine gelungene Ballnacht. Es wäre zu hoffen, dass zum nächsten Debütantinnenball nicht erst wieder in vier Jahren geladen wird.

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