Ein musikalisches Fest mit Beethovens Zeitgenossen im GSO Zyklus Wiener Klassik

Beim nächsten Paukenschlag könnte glatt das Dach der ehrwürdigen Universitätsaula abheben und auch dann, wenn die Geigen in Joseph von Eyblers „Follia di Spagna“ erneut im Temporausch ausschwärmen, beflügelt von Oboe, Flöte und Fagott. Diese Fassung der bekannten La Follia Variationen, die der Komponist „mit allen Instrumenten“ vorsah, berauscht ganz unmittelbar. Sogleich drängt sich die Frage auf, warum Eyblers leidenschaftlich dramatische symphonische Dichtung in den Klassik Charts nicht unter den Publikumsfavoriten anzutreffen ist. Dazu gesellt sich die Frage, wer war dieser Joseph von Eybler, dem sich das Göttinger Symphonie Orchester unter der Leitung von Reinhard Göbel hier mit großer musikalischer Emphase widmet.

Das 3. Konzert im GSO Zyklus „Wiener Klassik“ ist ein Glücksfall. Denn an diesem Abend werden noch weitere musikalische Schätze gehoben, die ein gemeinsames Motiv verbindet. „Beethovens Welt“. Ihre Schöpfer standen keineswegs im Schatten Beethoven, wie sie das Wiener Konzertleben prägten und mit ihm in vielfältigen musikalischen Korrespondenzen verbunden waren. Nur der Nachruhm war ihnen nicht vergönnt, der jetzt in der Aula am Wilhelmsplatz eine besonders schöne Auffrischung erfuhr: Dass es endlich an der Zeit ist, auch Franz Joseph Clement und sein d-Moll Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 wieder zu entdecken und Paul Wranitzkys für seine festliche D-Dur Symphonie zu feiern.

So wie Gastdirigent Reinhard Göbel mit den Musikern mit von Eyblers „Follia die Spagna“ ein furioses musikalisches Schauspiel voller Leidenschaft entfaltet, lässt er an Heine denken und wie der Dichter in seinem Buch der Lieder schwärmte. Über all das Flöten und Geigen oder das Klingen und Dröhnen von Pauken und Schalmeien. Auch wenn es in diesem Fall die Celesta ist, die nach den wunderbar pathetisch aufgeladenen Motiven mit den artistischen Höhenflügen der Streicher und der Bläser noch einen bezaubernd schwärmerischen Akzent setzt.

Auch Franz Joseph Clements Violinkonzert wird unter Göbel zum einem faszinierenden musikalischen Kraftfeld. Es sind abenteuerliche melodische Spannungsbögen, die Solistin Mirijam Contzen hier in den feinsten Schwingungen moduliert, leidenschaftlich und virtuos. Über Clement schrieb ein Zeitgenosse, dass sein Ton seelenvoll, erregend und schmelzend sei, seine schnellen Noten klar fließend und rein. Und dass es einem manchmal dünke, dass seine Seele in der Violine wohnt und in ihren Tönen zerfließt. So ließe sich auch die Wirkung umschreiben, die Miriam Contzen in den Zuhörern auslöst.

In feierlich festliche Stimmung begibt sich das GSO mit Paul Wranitzkys D-Dur Symphonie, die anlässlich der Hochzeit des Habsburger Erzherzogs Joseph mit der russischen Zarentochter Alexandra Pawlowna erstmals erklang. Wunderbar farbenreiche Bilder gestalten die Musiker mit den Stimmen von Pomp und Prunk, die den höfischen Glanz illustrieren. Umso mehr beschwingt Wranitzkys Symphonie in den heiteren Tableaus, wo das opulente festliche Aufgebot mit volkstümlichen Melodien und Tänzen kontrastiert wird. Ganz im Sinne Heines schmettern zum Finale natürlich auch die Trompeten in das Flöten und Geigen drein und werden von der Pauke bestärkt, wie schön sich ein musikalisches Fest mit Beethovens Zeitgenossen feiern lässt.

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