Eugene Tzigane, Henriette Bonde-Hansen und das Göttinger Symphonie Orchester beim Promenadenkonzert in der Stadthalle

Promenadenkonzerte haben ihren inhaltlichen Schwerpunkt üblicherweise in leicht zugänglichen, heiteren Programmen. Dieser Tradition folgt auch das Göttinger Symphonie Orchester in seinem Zyklus „Promenade“. An dem Abend mit dem Motto „Ich bin verliebt“ erklangen Arien und Orchesterwerke von Otto Nicolai, Franz Lehár, Richard Strauss und Antonín Dvořák. Als Gäste waren die dänische Sopranistin Henriette Bonde-Hansen und der amerikanische Dirigent Eugene Tzigane eingeladen.

Tzigane war bereits in der vergangenen Saison als Gastdirigent in Göttingen (siehe hier die Besprechnung im Kulturbüro). Wie schön, dass die Hoffnung aus dem letzten Jahr, Tzigane möge bald wiedereinmal in Göttingen dirigieren, sich so bald erfüllt hat. Schon damals überzeugte der junge Dirigent (Jahrgang 1981) mit unglaublich präzisem Dirigat und starker Ausdruckskraft.

Was mit der Ouvertüre zu „Die lustigen Weiber von Windsor“ spielerisch leicht begann, entwickelte sich später zu einem rasanten Feuerwerk. Zunächst aber betrat die „dänische Nachtigall“ (so Tzigane in seiner Moderation) Henriette Bonde-Hansen die Bühne. Sie sang Sonjas Lied „Einer wird kommen“ aus Lehárs Operette „Der Zarewitsch“. Man konnte Bonde-Hansens Qualität, die ihren Weltruf begründet, durchaus erahnen. Die Akustik der Göttinger Stadthalle machte dem Genuss aber ein klein wenig ein Strich durch die Rechnung: der Klang der wunderschönen Sopranstimme verlor sich schnell im großen Saal; auch war in keiner Weise hörbar, in welche Sprache die Arie gesungen wurde. Auf Dänisch vielleicht? Als ob an dem Abend bewiesen werden sollte, dass eine Rundum-Sanierung der Stadthalle auch aus künstlerischer Sicht wirklich notwendig ist.

Dasselbe galt auch für „Ich bin verliebt“ aus der Operette „Schön ist die Welt“. Eugene Tzigane bereitete mit dem Göttinger Symphonie Orchester den Teppich aus, auf dem Henriette Bonde-Hansen die schönen Melodien präsentieren konnte. Zum Dahinschmelzen!
Im Slawischen Tanz Nr. 2 von Antonín Dvořák konnten Dirigent und Orchester zeigen, was in ihnen steckt: Tzigane bildte große Bögen, variierte Tempo und Dynamik und gab so den Musikern die Möglichkeit, Klangfülle und Emotionen zu entfalten.

Hoch emotional wurde es bei den Liedern von Richard Strauss. Dass Bonde-Hansen statt der vier angekündigten nur drei der Lieder erklingen ließ, verschmerzte das Publikum schnell. Denn nach dem großen Beifall erklang als Zugabe die berühmte Arie „An den Mond“ aus der Oper „Rusalka“ von Dvořák.

Ausgelassen ging es nach der Pause mit Dvořák weiter: in der Karneval-Ouvertüre zeigte Eugene Tzigane sein Temperament. Das Orchester folgte der Einladung gerne und setzte hier und da auch solistische Glanzpunkte. Erwähnt seien hier Viorel Bindila am Englisch Horn oder Wojtek Bolimowski an der Violine.

Zum krönenden Abschluss eines unterhaltsamen und gelungenen Abends erklang „Das goldene Spinnrad“. Spontan ließ Tzigane einige Motive von den Instrumentalisten vorspielen. Denn in der märchenhaften Geschichte, die ein wenig an den „Aschenbrödel“-Stoff erinnert, hat jede Figur ihr eigenes Motiv. Dirigent und Orchester trumpften noch einmal großartig auf.

Schon mit dem obligatorischen Blumenstrauß in der Hand entschied sich Tzigane, die vorbereitete Zugabe. Den Slawischen Tanz Nr. 8 konnte Tzigane aber auch mit einer Hand dirigieren. Bestens gelaunt servierte das Orchester diesen wilden, mitreißenden Tanz mit dem symptomatischen Rhythmus.

Auch dem Chefdirigenten Christoph Mathias Mueller hat der Abend gefallen – begeistert applaudierte auch er von seinem Platz im Rang. Es ist sicher keine Fehlinterpretation, wenn man das Konzert als ein Bewerbungsdirigat von Eugene Tzigane bezeichnet. Sollte er das Rennen machen und Muellers Nachfolge antreten, könnte man ihn noch häufiger in Göttingen hören. Das wären keine schlechten Aussichten!

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