Programm der Göttinger Stadtkantorei zum Reformationsjubiläum

Bernd Eberhardt und die Stadtkantorei haben sich vorgenommen, im Jahr des Reformationsjubiläums nicht nur auf 500 Jahre Vergangenheit zu blicken. Sie fühlen diese Vergangenheit als Verpflichtung, auf heute zu schauen. Unter der Überschrift „Reformation gestern und heute“ möchten sie den Reformationsprozess als solchen historisch beleuchten, das Lutherbild des 19. Jahrhunderts kritisch in Erinnerung rufen, die aktuellen Entwicklungen der evangelischen Kirche aufzeigen und zur aktiven Beschäftigung mit biblischen Inhalten anregen.

Das ist eine ganze Menge an Inhalten – diese selbst gesetzten Themenschwerpunkte spiegeln sich alle im aktuellen Programm der Göttinger Stadtkantorei wieder. Im Mittelpunkt des Jahresprogramms stehen die beiden großen Konzerte mit dem Oratorium „Luther in Worms“ von Ludwig Meinardus am 21. Mai in Zusammenarbeit mit den Internationalen Göttinger Händel Festspielen sowie die Uraufführung des Oratoriums „Emmaus“ des Schweizer Komponisten Carl Rütti am 26. November.

In dem umfangreichen Programmheft finden sich auch zahlreiche andere Veranstaltungen. Eine ist dem Organisten Bernd Eberhardt besonders wichtig: die Orgelnacht „Organo pleno“ am kommenden Samstag, den 1. April. Für diesen Abend hat Eberhardt zehn Studierende im Fach Kirchenmusik/Orgel aus ganz Deutschland eingeladen, sich in Göttingen zu treffen und an der großen Ott-Janke-Orgel in der St. Johanniskirche zu musizieren. In dieser Aktion soll gezeigt werden, was junge Menschen heute bewegt, Kirchenmusik zu studieren. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer bringt ein Programm von ca. 20 Minuten mit, in dem auch ein Akzent zum Reformationsjubiläum enthalten ist.

Um untereinander, aber auch mit den Zuhörern in Gespräch zu kommen, wurde extra ein Sofa in der Kirche aufgestellt. In dieser „Orgel-Lounge“ gibt es nicht nur Gespräche, sondern auch kleine Speisen und Getränke. Hören Sie zur Einstimmung auf diesen Abend eine Aufnahme von Max Regers Choralfantasie „Ein‘ feste Burg ist unser Gott“, op. 27 an der Orgel der Göttinger St. Johanniskirche, gespielt von Bernd Eberhardt.

Von dem Oratorium „Luther in Worms“ gibt es zwar einen Mitschnitt des Konzertes aus dem Jahr 1983, damals mit der NDR Radiophilharmonie Hannover, der Göttinger Stadtkantorei und dem Dirigenten Hermann Amlung. Leider ist dieses Tonmaterial nicht öffentlich. So ist wohl ein persönliches Erscheinen am 21. Mai erforderlich, um selbst einen Eindruck dieser Musik zu bekommen. Luther wird hier als Held der Freiheit dargestellt, der im Kampf gegen die römisch-katholische Kirche das unverfälschte Evangelium hochhält. Natürlich muss man den zeitlichen Kontext berücksichtigen, das Stück wurde 1874 komponiert. Die dramatische Gestaltung der Komposition und die musikalische Umsetzung in der Nachfolge von Mendelssohn Bartholdy lohnen sich aber, betont Bernd Eberhardt.

Zur Uraufführung am 26. November führt Eberhardt aus: „Ausgehend von der Frage, welche biblischen Texte uns heute besonders bewegen, gingen wir auf die Suche nach zeitgenössischen Oratorien zur Reformationsthematik und stellten schließlich fest, dass es so etwas nicht gibt.“ Aus dieser Erkenntnis entstand der Impuls, mit dem Komponisten Car Rütti in Kontakt zu treten. Immerhin hat Eberhardt mit seinem Göttinger Kammerchor im Jahr 2011 das „Requiem“ von Rütti in einer deutschen Erstaufführung zum Klingen gebracht und kurze Zeit später gemeinsam mit dem Cheltenham Bach Choir erklang die Aufführung der „Missa angelorum“ desselben Komponisten. Inzwischen ist immerhin der Titel des Werkes bekannt: „Emmaus“ nennt Rütti seine Komposition. Ihm liegt die Erzählung aus dem Lukas-Evangelium zugrunde, in der ein Fremder seine Zeitgenossen begeistert und zur Nachfolge bewegt, bevor sie ihn als dem Messias erkennen. Die Noten für dieses Werk liegen noch nicht vor, sie sollen erst kurz vor den Sommerferien eintreffen, damit die Kantorei genügend Zeit hat, das Stück einzustudieren.

Große Ereignisse werfen also ihre Schatten in der Johanniskirche voraus. Zahlreiche andere Termine ergänzen das Jahresprogramm, das in der Kirche ausliegt. Der nächste Termin nach der Orgelnacht am 1. April ist Ostersonntag, an dem im Gottesdienst die Kantate „Christ lag in Todesbanden“ von Johann Sebastian Bach erklingen wird. Diese Kantatenaufführung ist Bestandteil des Zyklus „Bachkantaten zu Lutherliedern“, das vom Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Göttingen unterstützt wird.

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