Nicholas Milton dirigierte das Göttinger Symphonie Orchester

„Dramen in Tönen“ lautete die Überschrift des 3. Konzertes im Philharmonischen Zyklus I des Göttinger Symphonie Orchesters. Und hochdramatisch fing dieses Konzert auch gleich an: unter der Leitung von Nicholas Milton erklang die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 von Ludwig van Beethoven. Hier fasste der reife Beethoven seine Oper „Fidelio“ in unglaublicher Dichte zusammen. Und diese Dichte nahm Milton auf: er trieb das Göttinger Symphonie Orchester immer wieder zu eruptiven Gefühlsausbrüchen und dramatischen Wendungen an. Die Musikerinnen und Musiker folgten dem emotionalen, zugleich aber sehr exakten Dirigat zu jedem Zeitpunkt. So entstand eine packende Interpretation in einer Dramatik, wie man diese Ouvertüre nur selten erlebt.

Im Konzert für Tuba und Orchester des britischen Komponisten Ralph Vaughan Williams (1872-1958) ging es etwas weniger dramatisch zu. Vaughan Williams ist in seinem Kompositionsstil sehr traditionell, ja beinahe ein wenig rückwärtsgewandt. Im Mittelpunkt des Konzertes stand vor allem das Soloinstrument: die Tuba gehört wahrlich nicht zu den klassischen Instrumenten für Solokonzerte. Und aus den wenigen Konzerten für dieses scheinbar schwerfällige Instrument ragt das Konzert Vaughan Williams durchaus hervor. Solist des Abends war Rubén Durá de Lamo. Er ist 1986 geboren, hat in Hannover studiert und war im Jahr 2013 Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs – außerdem war Rubén Durá de Lamos schon häufiger als Gast bei Konzerten des GSO dabei. Mit dem Tubakonzert glänzte das junge Talent und zeigte, wie virtuos eine Tuba gespielt werden kann. Er entfaltete eine erstaunliche Dynamik und Vielfalt im Ausdruck. Wahre Begeisterungsstürme entfachte er jedoch mit seiner Zugabe, dem Stück „Fnugg“ des norwegischen Tubisten und Komponisten Øystein Baadsvik (*1966). Unglaubliche Klänge kamen aus dem Schalltrichter dieses Großinstruments, Obertöne, Flatterzunge, mehrstimmige Klänge teils mit Gesang – Durá de Lamos meisterte die hohen Anforderungen im wahrsten Sinne des Wortes spielend. Nicht zuletzt sorgten auch die Beat-Elemente im Stück für beste Laune.

Nach der Pause wurde es wieder sehr dramatisch. Die Klarinetten trugen zu Beginn der 5. Sinfonie von Peter Tschaikowsky das Schicksalsmotiv klagend vor – wunderbar gespielt von Manfred Hadaschik. Tschaikowky bereitete die dramatischen Steigerungen des Werkes kunstvoll in seiner Komposition vor. Was aber das Orchester und Nicholas Milton daraus machte, war begeisternd: die starken Rhythmen, die lyrischen Themen, von gewaltigen Ausbrüchen jäh unterbrochen, waren ebenso mitreißend wie die verträumten, romantischen Themen (zum Beispiel im Hornthema des zweiten Satzes. Großartig: John Feider). Tschaikowskys „Fünfte“ gehört zu den Standardwerken in den Konzerthäusern. Bei Musik, die man so häufig hören kann, erlebt man eher selten neue und nachhaltige Interpretationen. Am Freitagabend war dies der Fall! Zahlreiche Bravi und anhaltender Applaus waren der Lohn des Abends.

Nicholas Milton nahm das Konzertmotto beim Wort und wühlte die Emotionen im Publikum und eben auch im Orchester gewaltig auf. Selten spielten sich solch dramatische Szenen in der Göttinger Stadthalle ab. Und sollte Milton als Gastdirigent des Göttinger Symphonie Orchesters zugleich auch Kandidat für die Nachfolge von Christoph Mathias-Mueller als Chefdirigent sein, dann kann man nur resümieren: Milton hat sich mit diesem Konzert mit Sicherheit in die engere Wahl dirigiert.

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