Figure Humaine von Francis Poulenc und weitere Chorwerke mit dem Konzertchor Hannover

Der Konzertchor Hannover ist der Chor der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, besteht also aus angehenden Musikprofis. Der Chor wird geleitet von Frank Löhr, seines Zeichens Professor für Chor- und Orchesterleitung.

Am Freitag gastierte der Chor in der Göttinger Johanniskirche. Im Mittelpunkt des Programms stand das 12stimmige äußerst schwere A-cappella-Werk „Figure Humaine“ von Francis Poulenc. Die Komposition entstand 1942 während der deutschen Besetzung Frankreichs und wurde im Januar 1945 in London uraufgeführt. In dem Werk vertonte Poulenc Gedichte von Paul Éluard, die dieser für die Widerstandsbewegung verfasst hatte. Entstanden ist ein überaus farbenreiches, intensives Chorwerk, das zu den bedeutendsten Chorwerken des 20. Jahrhundert zählt.

Aufgeführt wird es nur selten – weil es an die Choristen allerhöchste Ansprüche stellt. In Göttingen hat es aber zahlreiche Liebhaber, die sich in großer Anzahl in der Johanniskirche trafen. Hintergrund: vor einigen Jahren hatte Bernd Eberhardt mit dem Göttinger Kammerchor das Werk einstudiert und aufgeführt. Und in diesem Herbst plant Stefan Kordes dasselbe mit dem Kammerchor St. Jacobi.

Frank Löhr ließ die acht Teile des Werkes nicht zusammenhängend aufführen. Das machte es für ungeübte Ohren schwer, sich in die Klangwelt Poulencs hineinzuhören. Andererseits setzte er interessante Kontraste dazwischen: „O virtus sapientia“ von Hildegard von Bingen für Sopran Solo (mit Julia Ihlefeld), das „Sonnet LVIV“ von Dominick Argento (*1927), die Motette „Verley uns Frieden genediglich“ von Johann Walter sowie zwei Orgelwerke von Vincent Lübeck und Johann Sebastian Bach (mit Martin Kohlmann an der Orgel). Außerdem erklang das Klarinetten-Stück „Très calme“ von Francis Poulenc mit Benjamin Janzen. Und mit der Motette „Fürchte dich nicht“ für zwei vierstimmige Chöre von Johann Sebastian Bach setzte er ein weiteres großes Werk der A-Capella-Literatur zwischen die Teile von „Figure Humaine“.

Der Konzertchor verfügt über junge und ausgebildete Stimmen. Das ergab einen wunderschönen, sehr transparenten Chorklang – vor allem in den hohen Sopranstimmen. Leichte Intonationstrübungen verflüchtigten sich schnell und störten kaum. Was aber ein wenig schade war: Löhr kostete die Klänge dieser eigentlich süchtig machenden Musik kaum aus, und von dem „überschäumenden Farbenreichtum“ war vor allem im Programmheft zu lesen. Zu gerne hätte man diesen auch stärker gehört. Und leider trifft das auch auf die Motette Bachs und letztlich auf die von Johann Walter zu. Eine stärkere Differenzierung im Ausdruck und Farbgebung hätte den Genuss beträchtlich gesteigert.

So blieb am Ende ein wenig Ratlosigkeit: ein beeindruckender Chorklang, sehr gute Sängerinnen und Sänger sowie faszinierende Musik ergeben nicht automatisch ein großartiges Konzert.

Trotzdem fiel der Applaus herzlich aus. Und den haben sich die gut 30 Choristen auch vollkommen verdient. Gratulieren darf man nicht nur den Mitwirkenden im Chor, sondern sicher auch Eun Hye Cho, die die Leitung des Chores zwischendurch im Rahmen ihres Konzertexamens übernommen hatte.

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