Zum Auftakt der Konzertreihe „Saitenwechsel“ im Archäologischen Institut

Ludwig XIV zelebrierte seine Herrschaft sehr verschwenderisch und mit viel Prunk. Dafür schröpfte er vor allem seine Untertanen. Dienstbar produktiv für die zahlreichen festlichen Gelage am Hofe von Versailles hatten allerdings auch die Musiker zu sein, deren Kompositionen die Ära des Sonnenkönigs klangvoll prägten. Seine besondere Gunst genossen Komponisten wie Marin Marais, Robert de Visée, Antoine Fourqueray und Monsieur de Sainte-Colombe, die so auch der Viola da Gamba zu einem goldenen Zeitalter verhalfen. Ihnen widmete sich das Auftaktkonzert in der Reihe der Saitenwechsel im Parthenonsaal des Archäologischen Institutes.

Für den Ausflug in die höfischen Glanzzeiten der Viola da gamba hatte Lautenist Andreas Düker mit Laura Frey und Hermann Hickethier zwei Virtuosen an seiner Seite, die mit der Versailler Klangwelt besonders vertraut sind und auch mit den stilistischen Vorgaben, an denen sich die historischen Gambisten in ihren Kompositionen für die herrschaftlichen Bankette und Zeremonien orientierten. Klarheit lautete das Gebot für den französischen Stil, der auf schlichte und klare Harmonien ausgerichtet war und sich so von den virtuosen Verspieltheiten der italienischen Nachbarn abzugrenzen suchte. Und so vermittelten die drei Musiker mit den Tänzen aus Marin Marais Suite in G-Dur zunächst auch etwas von der zeremoniellen Atmosphäre am Hofe des Sonnenkönigs, mit elegant anmutenden Melodien, auf die sich die beiden Gamben auch in den Duettstimmungen wunderbar verständigten. Andreas Düker lockert dann auf mit einem zauberhaft filigranen Intermezzo des Komponisten und höfischen Gitarrenlehrers Robert de Visée. Und auch in den musikalischen Skizzen des Gambisten Antoine de Forqueray wird spürbar, das die Musiker des Sonnenkönigs die Gebote des französischen Stils auch gern mit harmonischen Kontrasten und subtilen Extravaganzen unterwanderten. Wie von zeremoniellen und stilistischen Zwängen befreit klingen die Tondichtungen von Marin Marais „Les Voix Humaines“ und „Le Labyrinthe“, wenn die Musiker sich in die assoziativen Klangbilder des Komponisten vertiefen. Sehr bewegend entfalten sich dann die elegischen Motive in Monsieur de Sainte-Colombes Komposition „Tombeau Les Regrets“ in den dunklen Tonfarben der Gamben.

Mit Robert de Visées Sarabande D-Moll aus seinem Livre de Guitarre stimmt Andreas Düker das Publikum schließlich auch auf andere musikalische Horizonte ein, befreit von höfischen Zeremonien und stilistischen Ritualen. Denn nun folgen Marin Marais Variationen dieses herrlich virtuosen Konzertstückes „La Folia“, das eben auch luftig leicht, verspielt und beschwingt anmuten darf. So ganz mochte sich Marais mit seinen „Couples de Folie“ dem südländisch sonnigen Fair zwar nicht hingeben. Aber wenn man sich dabei ein höfisches Bankett mit Reifröcken, gewaltigen Schleppen und kunstvoll aufgetürmten Perücken vorstellt, dürfte es die Versailler Gesellschaft schon ein bisschen von den tänzerischen Manierismen einer Allemande oder einer Courante abgelenkt haben, so dass sie auch mal aus dem höfischen Takt geriet. So schön strahlen kann die Viola da gamba auch ohne den höfischen Glanz.

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