Das Göttinger Symphonieorchester musizierte Bartok und Liszt

„Das ewig Weibliche“, so lautete das Motto des Konzerts im Philharmonischen Zyklus des Göttinger Symphonie Orchesters, in dem zwei Werke mit großen Kontrasten auf dem Programm in der vollbesetzten Stadthalle standen. Das Motto war dem Chorpart der Faust-Symphonie von Franz Liszt entnommen, die im zweiten Teil des Konzerts zu hören war. Zu Beginn stand das dritte Klavierkonzert von Béla Bartók auf dem Programm. Solist war der vielfach ausgezeichnete Pianist David Kadouch, der mit seinem transparenten Spiel und den Naturmotiven im ersten Satz Frühlingsstimmung aufkommen ließ. Denkt man bei Bartok an stark rhythmisch und motorisch geprägte Musik, enttäuschte der melodische zweite Satz diese Hörerwartungen. Kadouch machte die fast meditative Ruhe dieses Satzes zum Hörerlebnis, um dann im dritten Satz seine ganze Virtuosität voller Leichtigkeit auszuspielen.

Das GSO war unter der inspirierenden Leitung von Christoph-Mathias Mueller ein kongenialer Begleiter des Solisten. Als Zugabe spielte Kadouch Debussys „Clair de lune“ und bedankte sich so für den enthusiastischen Applaus des Publikums.

Kommt das Thema auf Goethes Faust, denkt man in dieser Jahreszeit an den Osterspaziergang - den hatte das Klavierkonzert mit seinen Naturmotiven bereits vorweggenommen. Die Symphonie widmet sich in den ersten drei Sätzen den Charakterstudien von Faust, Gretchen und Mephisto. Starke Kontraste von zarter Innerlichkeit bis zu dämonischem Kampf sind in den Sätzen angelegt und fordern von den Musikern große Spannungsbögen und immer wieder solistische Passagen. Hier zeigte sich die Qualität des GSO in allen Stimmgruppen. Besonders ist das Oboensolo von Tiago Coimbra hervorzuheben, der im zweiten Satz mit Atsushi Komatsu-Hayakawa (Viola) ein hinreißendes Liebesduett spielte. Der Schlusschor im vierten Satzes der Symphonie wurde für die Uraufführung ergänzt, um das Werk festlich enden zu lassen. Der glänzend aufgelegte Tenor Clemens Löschmann und die vereinten Männerstimmen aus der Göttinger Stadtkantorei und der Kantorei St. Jacobi ließen das Werk feierlich mit „Das ewig Weibliche zieht uns hinan“ enden - was ein Frauenchor aus Mitgliedern beider Kantoreien im GSO-Konzert am 3. und 4. März mit Mahlers Symphonie Nr. 3 erwidern wird. Mit einem langanhaltenden, begeisterten Applaus bedankte sich das Publikum bei den Musikern.

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