"Weihnachtsoratorium" und "Magnificat" in der Johanniskirche mit der Göttinger Stadtkantorei, dem Göttinger Kammerchor und dem Göttinger Barockorchester

Am dritten Advent sind es in diesem Jahr noch zwei Wochen bis zum Heiligen Abend. Es ist also noch Zeit genug, sich auf Weihnachten vorzubereiten. Bernd Eberhardt allerdings schien nicht mehr so viel Zeit zu haben: das „Jauchzet, frohlocket“, das am Sonntag in der Johanniskirche erklang, war so flott musiziert, dass das Weihnachtsfest schon unmittelbar vor der Tür zu stehen schien.

Dabei ist diese Musik von Johann Sebastian Bach ja eigentlich geschrieben worden, um NACH Weihnachten zu erklingen. Aber die Adventszeit ist inzwischen längst eine Zeit der weihnachtlichen Vorfreude geworden, und so gehört das Weihnachtsoratorium einfach dazu. Und deshalb war die Johanniskirche auch bis auf den letzten Platz gefüllt, um dem Göttinger Kammerchor, der Göttinger Stadtkantorei und dem Göttinger Barockorchester sowie den Gesangssolisten zuzuhören.

Erfreulicherweise ging es nach dem Eingangschor nicht in demselben Tempo weiter. Vielmehr gab es viel zu hören, zu entdecken und zu bestaunen. Zum Beispiel den Engel, der große Freude verkündet. Johanna Neß gestaltete diesen kurzen Einsatz nicht nur wunderschön mit ihrer hellen Sopranstimme – sondern einfach auch glaubwürdig. Da stand ein Engel in der vollbesetzten Kirche und verkündete allen eine große Freude. Das war ein großartiges Erlebnis!

Genauso glaubwürdig führte Clemens Löschmann als Erzähler durch den Abend. Da stand nicht einfach ein Tenorsolist und lieferte sein ich-weiß-nicht-wievieltes Weihnachtsoratorium ab. Nein, Löschmann berichtete vom Weihnachtsgeschehen, als sei er selbst dabei gewesen.
Zum Staunen war die berühmte Hirtenarie: Bernd Eberhardt ließ seinen Taktstock ruhen und den beiden Solisten Britta Hauenschild (Flöte) und Clemens Löschmann (Tenor) freien Lauf. Die beiden gestalteten diese Arie inniger als sie sonst oft zu hören ist. Die Virtuosität stand nicht im Vordergrund – und so passte auch diese Arie in diesen rundherum gelungenen und glaubwürdigen Abend.

Das Göttinger Barockorchester um seinen Konzertmeister Henning Vater war mehr als nur ein aufmerksamer Begleiter der Stadtkantorei. An allen Pulten ließen sich die Musikerinnen und Musiker auf die Interpretation Eberhardts ein. Und auch auf die Gestaltung der übrigen Solisten. Nicole Pieper konnte mit ihrer hellen Altstimme dabei genauso überzeugen wie der Bassist Klemens Sander.

Die Göttinger Stadtkantorei hatte erst vor kurzem das Deutsche Requiem von Johannes Brahms einstudiert. Nach dem Konzert (siehe hier) gab es nicht mehr viel Zeit, um die drei ersten Kantaten des Weihnachtsoratoriums einzustudieren. Und dennoch wirkte der groß besetzte Chor (etwa 140 Stimmen!) sehr gut vorbereitet. Vor allem glänzten die vielen jungen Stimmen im Sopran.

Zu Beginn des Abends erklang das Magnificat von Johann Sebastian Bach – mit den weihnachtlichen Einlagesätzen des Komponisten. Hier reichte die Zeit nicht für die Stadtkantorei, dieses Werk auch noch einzustudieren. Deshalb hat diesen Part der Göttinger Kammerchor übernommen. Nach etwas verhaltenem Beginn in Chor und Orchester fanden beide Ensembles schnell zu einander und gestalteten diesen Lobgesang Marias gemeinsam mit den Solisten vorweihnachtlich festlich.

Nach den letzten Klängen im Konzert „Herrscher des Himmels“ mit Pauken und Trompeten ertönte tosender Applaus. Eigentlich könnte Weihnachten nun kommen – aber es sind noch zwei Wochen, in denen wir genügend Zeit zur Vorbereitung und Vorfreude haben.

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