Mit Bach-Kantaten wurden die diesjährigen Nikolausberger Musiktage eröffnet. „Perspektiven zwischen Reger und Shakespeare“ lautet das Motto der Festspiele.

Dass Johann Sebastian Bach dennoch dazu passt, wird schnell klar: Kaum ein Komponist hat so viel getan für die Verbreitung von Bachs Musik wie Max Reger. „Bach ist für mich Anfang und Ende aller Musik, auf ihm ruht und fußt jeder wahre Fortschritt!“ So äußerte sich der Komponist, dessen 100. Todestag in diesem Jahr besonders gewürdigt wird.

Antonius Adamske hat gemeinsam mit dem Bariton Henryk Böhm die Kantaten „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ (BWV 56), „Ich habe genug“ (BWV 82) und „Der Friede sei mit dir“ (BWV 158) ausgewählt. Dazu kamen noch zwei Sinfonien aus anderen Kantaten, um dem Sänger eine kleine Pause zu ermöglichen. Wunderbar gelungen war der sofortige Übergang der Sinfonia aus „Ich hatte viel Bekümmernis“ in die erste Nummer der Kantate „Friede sei mit dir“, die mit einem Rezitativ beginnt.

Henryk Böhm gestaltete die Musik Bachs sehr intensiv und emotional – ohne jede Ermüdungserscheinungen. In seiner schlanken Stimme schlummern eine Fülle an Ausdrucksmöglichkeiten und Farben, die alle an diesem Abend zum Einsatz kamen. Henryk Böhm war die Idealbesetzung. Und das Schöne dabei: mit Henryk Böhm und den anderen Mitwirkenden dieses Abends entsteht derzeit eine CD-Aufnahme mit den Bass-Solokantaten von Bach. Sie wird ab Frühjahr 2017 erhältlich sein.

Nun hat Bach für seine Kantaten häufig einen Schlusschoral vorgesehen, für die man einen Chor benötigt. Diesen stellten Monika Mauch (Sopran), Anna Bineta Diouf (Alt), Lothar Odinius (Tenor) und natürlich Henryk Böhm selbst.

Den Orchesterpart übernahm das Göttinger Barockorchester (GBO) um den Konzertmeister Henning Vater. Hier bahnt sich offenbar eine besonders enge Beziehung auf: Antonius Adamske und das GBO harmonisierten perfekt miteinander. Die Gesten des Dirigats wurden auch im kleinsten Detail aufgenommen. Und immer wieder konnte man im Orchester die Blicke nach vorne sehen – häufig mit einem Lächeln im Gesicht. Einer der Höhepunkte des Abends war die Arie mit Choral in der Kantate „Der Friede sei mit dir“. Während der Bass die Arie „Welt ade, ich bin dein müde, Salems Hütten stehn mir an“ singt, erklingt die Sopranstimme von Monika Mauch schwebend über der übrigen Musik mit dem Choral „Welt ade, ich bin dein müde, ich will nach dem Himmel zu“. Und dazu erklingt virtuos die Solovioline Henning Vaters.

Nach dem Schlusschoral dieser Kantate hält Antonius Adamske die Arme oben – wie um den Applaus noch ein wenig hinauszuzögern. Statt des Beifalls erklingt nun aber der Schlusschoral aus der Johannespassion von Bach „Ach Herr, lass dein lieb Engelein“. Die Zuversicht, die aus diesem Choral spricht, ist einzigartig und ist auch spürbar, wenn zuvor nicht die ganze Passion erklungen ist. Nach der Schlussfermate lässt Adamske die Arme nun fallen. Das Publikum in der gut besuchten Klosterkirche in Nikolausberg lässt diese Musik aber noch eine ganze Weile nachwirken, bevor der verdiente und lang anhaltende Beifall die Musikerinnen und Musiker belohnt.

Die Nikolausberger Musiktage dauern noch bis zum 11. September. Ein Konzert mit dem Kammerchor Con Anima, das Nachtkonzert mit Choralkantaten von Max Reger, ein Festgottesdienst am Sonntag sowie das Abschlusskonzert mit dem Norddeutschen Figuralchor stehen noch auf dem Programm. Das ganze Programm finden Sie hier im Kulturbüro Göttingen.

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