Premiere mit "Wunsch und Wunder" von Felicia Zeller im Deutschen Theater

Das Thema Reproduktionsmedizin hat eine hohe gesellschaftliche Bedeutung, erläutert Erich Sidler nach der Premiere von „Wunsch und Wunder“ von Felicia Zeller. Und deshalb habe man dieses Stück auf den Spielplan des Deutschen Theaters gesetzt. Als er das erläuterte, wusste er bereits, dass diese Inszenierung sehr unterschiedliche Reaktionen auslöst.

Worum geht es? Der Leiter der „Kinderwunschpraxis“ und sein Praxisteam streifen in den 75 Minuten der Aufführung viele Punkte der Medizintechnik: die Frage nach den biologischen Vätern der „Spenderkinder“, die Verzweiflung der Patientinnen bei erfolgloser Behandlung, die Frage nach der Qualität des Spermas und so fort. In die Tiefe geht es zu keinem Zeitpunkt. Aber das ist auch nicht gewollt. Ziel ist es eher, die ethischen, moralischen und juristischen Fragen durch Überzeichnung der Bühnenfiguren ins Publikum zu werfen. Die Antworten müssen außerhalb des Theatersaals gefunden werden.

Die Autorin hat für ihre Werke bereits zahlreiche Preise erhalten. Ihre Sprache ist kunstvoll und zum Teil akrobatisch, so fehlt zum Beispiel in vielen Sätzen das Verb. Oder zwei Sätze gehen scheinbar zusammenhanglos ineinander über. Wieviel von Zellers Text tatsächlich im DT zu hören ist, wissen wir nicht. Regisseur Christoph Mehler hat stark in den Originaltext eingegriffen, gekürzt oder verändert.

Herausgekommen ist ein starker Fokus auf die Rolle des Dr. med. Bernd Flause – wunderbar selbstverliebt gespielt von Gabriel von Berlepsch. „Die anderen Figuren haben eigentlich alle eine eigene Geschichte!“ erläutert Felicia Zeller. Mehler reduziert sie eher zu Randfiguren, die teilweise die Funktion eines antiken Chores übernehmen. Trotzdem gelingt es dem Schauspielerteam, sich auszuzeichnen: Rebecca Klingenberg als die Teilhaberin von Flause, die ihren persönlichen Kinderwunsch lieber durch eine Reihe von One-Night-Stands zu erfüllen sucht, David Lau als Biologe mit Erfahrungen in der Schweinezucht, Rahel Weiss als die völlig abgedrehte Arzthelferin Nicole Neider, die schon wieder ungewollt schwanger ist. Und Henrike Hahn, die sich unter falschem Namen in die Praxis einschleicht, weil sie als eines von 307 Spenderkindern des Dr. Flause ihren biologischen Vater sucht.

Die starke Teamleistung macht „Wunsch und Wunder“ zu einem unterhaltsamen Theaterstück. Hier wird kein moralischer Finger erhoben, es werden keine Vorwürfe formuliert und keine Antworten gegeben. So bleibt das Stück etwas zu sehr an der Oberfläche.

Diese Oberfläche ist auch optisch klar definiert: die Spielfläche (Bühne und Kostüme: Jennifer Hörr) befindet sich in einem Guckkasten in luftigen 2,50 Metern über dem Bühnenboden. Der Blick fokussiert sich auf den weißen, sterilen Praxisraum. Von den zahlreichen Nebenräumen, von denen im Stück die Rede ist, ist nichts zu sehen. Das ist auch nicht nötig, denn das aufgedrehte Spiel der Schauspieler reicht völlig aus. Weitere Ablenkungen würden nur daran hindern, der schnellen Abfolge von Szenen folgen zu können.

Was bleibt übrig von diesem Abend? Ein relevantes Thema, unterhaltsam umgesetzt in Wort und Bild. Jedoch: es fehlt ein wenig die Pointe – das Stück hört einfach auf, hätte aber auch genau so weiter gehen können. „Was machen wir hier eigentlich die ganze Zeit?“ fragt sich zwischendurch Dr. Flause auf der Bühne. Diese Frage bleibt unbeantwortet.

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