Kabarettist Holger Edmaier zum ersten Mal zu Gast im Göttinger Apex

Die Kuh hat es ihm angetan – egal ob als Plüschtier auf dem Klavier, Milchlieferant deutscher Kleinbauern, verehrte Heiligkeit fernöstlicher Kulturen oder von Dädalus konstruierte Attrappe in griechischer Mythologie: Begeistert sinniert Holger Edmaier in seinem Musikkabarett mit dem Titel „Schlachtreif“ über die Geschichte zwischen Mensch und Tier als einer „Geschichte voller Milchverständnisse“ und berichtet seinen gut gelaunten Zuhörern dabei von seiner Kindheit auf dem Land, dem Urlaub auf dem Bauernhof und Erlebnissen mit voll kompostierbaren Fruchtzwergen (Kinder von überzeugten „Bio-Müttern“) im Alnatura-Supermarkt.

Edmaier liebt es mit Vorurteilen aufzuräumen: Vegetarier nimmt er in Schutz – sie seien oft gar nicht so humorlos, wie sie immer dargestellt würden –, eine Kindheit auf dem Land sei nicht so idyllisch, wie man sich das landläufig vorstelle (zumindest, wenn man das Alter erreicht habe, in dem einen interessiere, was hinter dem Gartenzaun passiert) und der Urlaub auf dem Bauernhof ganz und gar nicht erholsam.
Seine Themen beleuchtet er gerne von unterschiedlichen Seiten: Die langweilige Landkindheit wird abgelöst von einem nachdenklichen Lied darüber, dass man als Kind mit seiner Phantasie noch fliegen konnte; romantische Textzeilen wechseln mit einem hinreißend choreografierten Tanzsong, in dem er sich glücklich preist, dass seine Freundin endlich ausgezogen ist.

Zwischendurch Auszüge aus den „21 depressiven Liedern suizidal veranlagter Wald- und Haustiere“, dann liest Edmaier dem Publikum das Horoskop vor („Haben wir eine Waage hier? Wirklich niemand? Egal, ich kann das auch für Jungfrau vorlesen!“). Er schlüpft in die Rolle seiner Nachbarin Mascha, irgendwann vor Jahrzehnten aus Osteuropa eingewandert, erzählt von seinen Erfahrungen mit der Elektrostimulationstherapie und unternimmt einen vergnüglichen Ausflug in die griechische Mythologie, gespickt mit aktuellen Vergleichen in deutlichen Worten („Früher hat Zeus Europa gepoppt, jetzt wird sie von den Banken gefickt.“).
Edmaiers Bühnenshow ist sehr unterhaltsam und lebendig, er ist ständig in Bewegung, und auch, wenn er vor lauter Themen manchmal den roten Faden zu verlieren scheint, macht er selbst noch aus einer verliebten Glühbirne einen guten Song und bekennt sich zu allzu hölzernen Überleitungen in selbstironischem Kommentar.

Das Apex ist am Samstagabend gut besucht und das Publikum gemischt, wenn auch vorwiegend in dem Alter, in dem man nach Edmaier schon Erfahrung mit der tückischen Kraft der „Gravitation“ gemacht hat. Es gibt allerdings nur einen Vegetarier.

Das anspruchsvolle Programm, bestückt mit vielen kleinen und größeren Musikeinlagen, Tanzchoreografien, Mimikkünsten und Geschichten aus dem Nähkästchen, bleibt jederzeit authentisch, wirkt nie abgenudelt oder zu penibel einstudiert. Immer ist Platz für spontane Späße mit dem Publikum, auch von unerwarteten Einwürfen oder reglosen Zuschauern lässt sich Edmaier nicht beirren („Ach, der schläft schon.“). Man hat bei diesem Kabarettisten das Gefühl, dass er sich ehrlich über sein Publikum freut, auch wenn er schon seit über einem Jahrzehnt auf der Bühne steht.

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