Deutsches Theater

Erich Sidler hat mit seinem Team die sechste Spielzeit seiner Amtszeit für das Deutsche Theater vorgestellt. Auch in der Spielzeit 2019/20 setzt er deutliche Akzente: immer wieder geht es um aktuelle Fragen und Entwicklungen in der Politik und Gesellschaft. Ab September 2019 ist das zum Beispiel mit den Produktionen „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse oder „Der eingebildete Kranke“ von Molière zu spüren. „Bei Molière geht es um Narzissmus. Aktuell daran ist die starke Ich-Bezogenheit in der Politik und in der Gesellschaft. Besonders stark zu spüren ist das in den sozialen Medien,“ erläutert Chefdramaturg Matthias Heid.

Bei der Spielplanvorstellung fasst Sidler diesen Gedanken noch weiter: „Wir haben uns das Öffnen des Hauses auf die Fahnen geschrieben. Hier gibt es einen großen Raum für Diskussionen und Kooperationen mit vielen Partnern. Wir wollen unsere Kernkompetenz, die Kunst, so positionieren, dass sie die Richtung vorgibt.“ Besonders stolz ist der Intendant, dass die Aktion #rettedeintheater von Antje Thoms im Deutschen Theater initiiert worden ist und Mitstreiter in ganz Niedersachsen gefunden hat. Nur dadurch wurden zusätzliche Gelder über die sog. „politische Liste“ in den Haushalt geschrieben. Diese Aktion geht nun mit #rettedeintheater reloaded“ im Kampf um die notwendigen Haushaltsmittel weiter.

Und in der Tat: das Theater als offenes Haus, als Ort der Diskussion und Partizipation – dieser rote Faden ist immer wieder im Deutschen Theater Göttingen spürbar. In den vielen Veranstaltungen, die hier stattfinden, und eben auch in der Kernkompetenz des Hauses, in den Produktionen. Durch diese klar erkennbare Linie entstehen immer wieder sehr glaubhafte Inszenierungen.

Das wird auch bei der Eröffnung der neuen Spielzeit so sein. Mit „Philoktet“ präsentiert das DT den antiken Stoff von Sophokles, in dem es bereits um die Grundfragen der Gesellschaft und der Verantwortung der Einzelnen geht in der dramatischen Fassung von Heiner Müller, der daraus ein Stück über unsere Zeit gemacht hat. Gespielt wird „Philoktet“ vor der eigentlichen Eröffnung im DT an einem anderen Ort. Während in den letzten Jahren die Tiefgarage des Theaters dieser Ort war, wird ab dem 24. August im Fridtjof-Nansen-Haus, dem ehemaligen Goethe-Institut. „Dieses Haus ist maßlos!“, beschreibt Sidler diese Spielstätte und deren Möglichkeiten. „Die verlassene Villa wird zur verlassenen Insel Lemnos.“ Elias Perrig wird dieses Stück für drei Schauspieler in der Villa inszenieren.

Die erste Premiere im großen Haus findet am 21. September statt. „Vögel“ des im Libanon geborenen Autoren Wajdi Mouawad erzählt eine moderne „Romeo und Julia“-Geschichte: es geht um die Liebe zwischen Wahida und Eitan. Sie ist Amerikanerin arabischer Abstammung, er ist Deutscher und jüdischen Glaubens. Wie gehen die beiden mit der Geschichte und der politischen Gegenwart um? Katharina Ramser wird die Inszenierung auf die Bühne des DT1 bringen.

Zwei Tage zuvor eröffnet das DT2 mit einer Premiere den Spielplan im Deutschen Theater: Goethes „Iphigenie auf Tauris“ ist Abiturthema, entsprechend soll den jugendlichen Zuschauerinnen und Zuschauern „dieser Monolith, dieses Bollwerk“ (Sidler) zugänglich gemacht werden. Die Regie wird Daniel Foerster übernehmen, dessen Arbeit „Das kalte Herz“ bereits überzeugt hatte.
Die Spielzeit 2019/2020 weist insgesamt 21 neue Produktionen auf. Damit wird der Linie gefolgt, die in der jetzt bald endenden Spielzeit ausgerufen worden ist. Während in den ersten Spielzeiten Sidlers die Schlagzahl der Premieren sehr hoch war und sowohl für die Schauspielerinnen und Schauspieler als auch für das Publikum eine Herausforderung war, haben die einzelnen Inszenierungen nun etwas mehr Raum, sich zu etablieren.

Zu den neuen Produktionen gehören auch zwei Uraufführungen, die das Deutsche Theater Göttingen in Auftrag gegeben hat: in „Geteilt“ von Maria Milisavljevic (Premiere am 30. November ) geht es um die aktuelle MeeToo-Debatte. In „Bombe!“ vom in Göttingen lebenden Syrer Abdul Abbasi und Philipp Löhle (Premiere am 13. März 2020) geht es um die Begegnung zweier Nationen und Kulturen.

Neben den Theater-Klassikern „Was ihr Wollt“ von Shakespeare oder „Warten auf Godot“ von Samuel Becket gibt es auch Stücke zeitgenössischer Autorinnen und Autoren. So zum Beispiel „Das Leben der Praça Roosevelt“ von Dea Loher („Eines der poetischsten Stücke von Loher“, Matthias Heid).

Neben den großen Fragen der Gesellschaft geht es auch immer wieder um Fragen innerhalb der Familie: in „Gewalt und Leidenschaft“ von Luchino Visconti (Premiere 31. Januar 2020) und „Szenen einer Ehe“ von Ingmar Bergman (Premiere 2. Mai 2020) wurden zwei Filmstoffe als Grundlage genommen. Auf „Tom auf dem Lande“ von Michael Marc Bouchard (Premiere am 12. Juni 2020) freut sich Dramaturg Jascha Fendel besonders. „Eine kleine Entdeckung“ sei dieses spannende und komplexe Stück über Homosexualität und verkrustete Gesellschaftsbilder.
Und natürlich gibt es auch wieder musikalische Produktionen. In diesem Jahr steht das Musical „Cabaret“ im Mittelpunkt. Diese Revue mit dem Ragtime und Jazz der 20er Jahre wird am 20. Juni 2020 Premiere feiern.

Das gesamte Programm ist im neuen Spielzeitbüchlein aufgeführt, das in diesem Jahr in der hübschen Farbe „Koralle“ erschienen ist. Dieses gibt es auch online unter https://www.dt-goettingen.de/programm

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