#rettedeintheater

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Es ging eigentlich nur um 6 Millionen Euro, die die Niedersächsische Landesregierung den kommunalen Theatern und dem Göttinger Symphonie Orchester als zusätzliche Förderung geben wollte. Bei einem Haushaltsvolumen von knapp 33 Milliarden Euro ist das ein prozentualer Anteil knapp 0,2%. Es wäre ein Leichtes für die Landesregierung gewesen, diesen anerkannten Mehrbedarf der Kultureinrichtungen im Haushaltsplan unterzubringen, zumal im Koalitionsvertrag von einer „Stärkung der Kultureinrichtungen“ gesprochen wurde.

Aber Niedersachsens Kulturminister Thümmler (CDU) konnte sich bei seinem Partei- und Kabinettskollegen Hilbers nicht durchsetzen. Die in Aussicht gestellten Millionen wurden auf Null zusammengestrichen. Dieser Schuss könnte nun nach hinten losgehen.

Denn Antje Thoms, Regisseurin am Deutschen Theater in Göttingen, hat nicht eingesehen, diese Streichung widerspruchslos hinzunehmen. Sie rief die Aktion #rettedeintheater ins Leben und fing an, Unterschriften zu sammeln. Was sie nicht ahnte: aus dieser kleinen Aktion wurde eine große Bewegung. Alle betroffenen Theater und Orchester des Landes beteiligten sich an der Aktion. Als Höhepunkt trafen sich über 500 Beteiligte aus Osnabrück, Wilhelmshaven, Lüneburg, Celle und anderen Städten in Hannover, um gemeinsam gegen die Streichungen in der Kultur zu demonstrieren, um die weit über 19.000 Unterschriften den Politikerinnen und Politikern zu übergeben und mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen.

Kulturminister Thümmler ist der Einladung gefolgt. Er war aber nicht bereit, Verantwortung für die Streichungen zu übernehmen. „Ich habe nichts versprochen“, ruderte er nach den Aussagen im Koalitionsvertrag zurück. „Man dürfe jetzt nicht Legislative und Exekutive verwechseln“, forderte er. Nach seinem Scheitern als Minister ist nun der Landtag für die Entscheidung über den Haushalt 2019 verantwortlich. Thümmler ist jedoch als Abgeordneter Mitglied des Landtages und kann natürlich mit seiner CDU-Fraktion weiterhin Einfluss nehmen. Gegenüber dem Kulturbüro sagte der Minister zu, sich für die notwendigen Gelder einzusetzen. Das hätte er früher haben und machen können.

Denn inzwischen haben sich die Betroffenen solidarisiert und organisiert. Und plötzlich stehen noch viel mehr Forderungen im Raum. Thümmler selbst versucht sich zu retten, in dem er den Forderungen zustimmt und eine erheblich größere Erhöhung der Landeszuschüsse für die kommunalen Theater und Orchester fordert. Er verweist darauf, dass der Koalitionsvertrag ja für die gesamte Legislaturperiode gelte. Es mutet aber sehr seltsam an, dass in diesen Zeiten, wo die Steuergelder nur so sprudeln, diese 6 Millionen Euro nicht möglich sind – er aber für die nächsten Jahre viel mehr Geld in Aussicht stellt. Und das, wo doch niemand weiß, wie sich die wirtschaftliche Situation entwickelt.

Die Demonstration in Hannover war ein buntes und lautes Zeichen. Und vor allem war es erst der Beginn einer Zeit der Solidarität unter den Theatern und Orchestern. Die Forderung, dass Kulturausgaben endlich nicht mehr als „freiwillige Leistungen“ sondern als Pflichtaufgaben des Staates manifestiert werden, wird lauter – und das ist gut so. Am Ende könnten Thümmler & Co so im Regen stehen, wie heute in Hannover die Kulturschaffenden: Lüneburgs Generalmusikdirektor Thomas Dorsch wartete in strömenden Regen auf den Einsatz der gemeinschaftlich auftretenden Orchester aus Göttingen und Lüneburg.

Hoffnung auf eine gute Entwicklung und auf die kurzfristige Freigabe der dringend benötigten zusätzlichen Mittel machen Politikerinnen und Politiker aller Fraktionen, die von Antje Thoms und dem gesamten Aktionsbündnis der Niedersächsischen Theaterschaffenden einen „Kulturbaum“ erhalten haben. „Wir werden einen guten Platz im Landtag für diesen Kulturbaum finden,“ versprach die Landtagspräsidentin Gabriele Andretta (SPD). „Und wir werden ihn wachsen lassen.“

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