Freie Theatergruppen gibt es viele – auch in Göttingen. Das „boat people projekt“ ist aber etwas ganz Besonderes: seit sieben Jahren widmet sich das Team um Nina de la Chevallerie dem Thema Flucht und Migration. „In den Anfängen unserer Arbeit galten wir nebst ein paar anderen Freien Theatern als speziell, weil wir uns mit Geflüchteten auseinander setzten, heute sind wir als Spezialisten gefragt“, so die Regisseurin und Autorin. „Wir“ – das sind die Schauspielerin Franziska Aeschlimann, der Photograph, Musiker und Videokünstler Reimar de la Chevallerie, der Pianist, Komponist und Arrangeuer Hans Kaul, die Autorin und Co-Regisseurin Luise Rist und die Schauspielerin Sonja Elena Schroeder.

Zu ihrer Arbeit gehören Theater- und Filmproduktionen entweder mit Flüchtlingen auf der Bühne oder für Flüchtlinge produziert. Dazu kommen noch theaterpädagogische Angebote. Seit 2015 hat das „boat people projekt“ eine feste Spiel- und Produktionsstätte im ehemaligen Institut für den wissenschaftlichen Film. Dort, wo früher zum Beispiel Christoph und das Team der „Sendung mit der Maus“ Filme produziert hat, ist nun ein Theaterraum entstanden, in dem geprobt und aufgeführt wird. Im restlichen Gebäude sind auch Flüchtlinge untergebracht, so dass sie nun Tür an Tür mit ihrer Kernzielgruppe arbeiten und leben.
Das führt immer wieder zu aufregenden Begegnungen und durchaus auch zu kritischen Situationen. Dennoch verstehen sie sich nicht als Sozialarbeiter. „Vielleicht ist es unser Vorteil, dass wir Theaterleute sind. Wir machen mit den Menschen Kunst,“ beurteilt Reimar de la Chevallerie die Arbeit des „boat people projekts“.

Für die Spielzeit 2016/17 hat sich das Team viel vorgenommen. Bereits in wenigen Tagen hat das Stück „Hilfe!“ Premiere. Diese Schauspielproduktion von Sophie Diesselhorst ist ein Stück über Grenzwerte. Es zeigt, wie man sich weltoffen betroffen und auch mal besoffen in diversen Grenzbereichen (nicht) begegnen kann.

Zurzeit entsteht ein Filmprojekt mit dem Arbeitstitel „Warten“. Hauptdarsteller sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „jungen boat people projekt“. Die Gruppe trifft sich regelmäßig, gemeinsam entstehen auch die Inhalte des Films. Es geht um Räume, deren Türen sich nur öffnen, wenn man den passenden Schlüssel findet. In den Räumen befindet sich Verzaubertes, Verrücktes, Schönes aber auch tief Traumatisches. Die Premiere ist am 29. Oktober im „Theater im ehemaligen IWF“.

In dem Jugendtheaterstück „Brenne!“ von Christopher Weiß geht es um die Frage, warum sich junge Menschen, die mit westlichen Werten aufgewachsen sind, sich dem IS anschließen. Ziel ist es, eine Diskussion über Werte zu ermöglichen.

In Zusammenarbeit mit vielen Partnern entstehe auch eine große Musiktheaterproduktion: „Lotario“ lautet der Titel der nächsten Oper bei den Internationalen Händel-Festspielen Göttingen im Mai 2017. Bei diesem Projekt wird die Oper in die Gegenwart übertragen. Gemeinsam mit Göttinger Jugendlichen aus allen Kulturen sollen Fragen aufgegriffen werden, die sowohl in der Oper als auch aktuell in unserer Gesellschaft gestellt werden: Wofür stehe ich? Wie weit reicht meine Loyalität? Was „glaube“ ich nur und was glaube ich ganz unerschütterlich?

Das Orchester für dieses Stück wird vom Interkulturellen Orchester gebildet, das Hans Kaul bereits seit einiger Zeit leitet.

Zu diesen Theater- und Filmangeboten kommen noch Workshops und Kurse, die sich in erster Linie (aber nicht nur) an Flüchtlinge wenden. Das komplette Angebot finden Sie auf den Seiten des boat people projekt im Internet.

Eintrittskarten für die Vorstellungen sind bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen und natürlich auch hier im Kulturbüro Göttingen erhältlich.

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