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Literatur

  • Wenn die Musik verklingt, schreitet er die Bühne hinauf; im Matrosenzwirn, graue Haare, raspelkurz, verbeugt sich hastig, hallo, guten Tag, hier bin ich! Er holt eine Packung Kippen heraus, zündet sich eine an. Einleitung, warme Worte, er freut sich hier zu sein, Darmstadt und andere Stationen seiner bisherigen Lesereise interessieren ja keine Sau, aber Göttingen sei ihm wirklich wichtig, ein ganz besonderer Ort, später erfährt man auch warum. Einige Zwischenrufe aus der ersten Reihe quittiert er schnell mit ein paar trockenen Kommentaren, anschließend bleibt es ruhig, der Heckler scheint bedient. Gierig greift er nach dem Wasserglas, zieht ein paar Mal an der Zigarette und beginnt etwas zittrig, aber voller Bock, die ersten Zeilen aus „Nüchtern“, einer Novelle von achtzig Seiten, vorzulesen. Das Wasserglas auf dem Tisch hat einen direkten Bezug zur Novelle, denn es hat einen Grund, warum er nur noch Wasser trinkt. Er hätte es mal übertrieben, Alkohol sei für ihn auch immer das Einfallstor für härtere Drogen gewesen, also wollte er lieber ganz verzichten, das ließe sich als Regel auch besser merken.

  • Das Saxofon spuckte befremdliche Töne in alle Richtungen. Auch eine Folge von Dissonanzen erinnert der Besucher eines New Yorker Jazz Clubs bei seiner ersten Begegnung mit dem Free Jazz und wie sie auf seine Hörnerven einprügelten. Die Freunde hätten ihn gewarnt, heißt es in der Erzählung von Friedrich Christian Delius „Die Zukunft der Schönheit“. Der junge Dichter, der am Abend vor seinem Abflug in ein Konzert mit dem Saxofonisten Albert Ayler geraten war, hätte seine Ohren lieber von dessen „Getöse, Gezirpe, Gehämmer und Gejaule“ verschlossen gehalten. Doch er traut sich nicht, vor diesem „Schallüberfall“, wie er ihn erlebt hatte, zu flüchten. Umso mehr spürt er seiner Verunsicherung nach und seiner Hilflosigkeit vor einer Musik, die auf harmonisierende Kompromisse und Regeln einzuprügeln schien und in ihm einen assoziativen und reflexiven Aufruhr anrichtete.

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