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Jacqueline Sophie Mendel

  • Paartherapeut Harald hat schlechte Karten. Seine Strategie scheint nicht aufzugehen. Er muss ständig drastisch dazwischen funken. Joana und Valentin sind allerdings auch ein eingespieltes Team. Sie schöpfen gern und mit viel Elan aus ihrem Fundus an Kränkungen und kleinen Gehässigkeiten. Im Grunde haben sie jetzt auch keinen Bock auf irgendwelche Übungen, die ein bisschen Entspannung in ihren Schlagabtausch bringen sollen. Liebenswerte Eigenschaften des Partners aufzählen oder so tun, als ob auf einmal alles wieder wie früher sein könnte, das geht gar nicht. Daran scheitern sie fast schon ein vernehmlich.

  • Es raschelt und rumpelt, zwitschert und klappert auf der Bühne des Jungen Theaters. Überall lagern Requisiten, mit denen das Schauspielteam Geräusche kreiert. Da quietschen rostige Gartentüren und bei hohem Seegang blubbert es dramatisch aus einer Wasserflasche während der Wind rauscht. Regisseur Eike Hannemann hat auch ein schönes Bild für seine Ausstattung des Bühnenraumes gefunden, um mit dem Ensemble die dramatisierte Fassung des Romans von Joachim Meyerhoff zu erzählen. Lautsprecher rahmen die Ereignislandschaft in der Sammlung von Episoden einer Familiengeschichte, in die der Autor hinein gelauscht hat: „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“. Dazu gehören neben den erinnerten Bildern und Gesprächen eben auch die Geräusche, die eine Stimmung vertiefen oder verfremden oder einfach nur damit spielen.

  • „Und übrigens: ich will die Scheidung!“ – drei historisch gekleidete Frauen sitzen an zwei Tischen. Es wird getratscht – es wird zickig. Dabei sind sich die drei Frauen so ähnlich: es handelt sich um drei der Göttinger Universitätsmamsellen, die sich gegenseitig ihre Lebenswege und Lebensentscheidungen vorwerfen. Welches Kind ist von welchem Vater? Wer ist mit wem fremdgegangen? Es sind die Wirrungen, die bis heute in Klatschzeitungen besprochen werden. Zum Glück handelt es sich bei diesen Frauen um intelligente und vielseitige Charaktere, die der Reflexion mächtig sind. So stehen sie auf und stellen fest, dass es nicht sie selbst sind, die sich wahrhaftig über diese banalen Themen echauffieren. Es ist die moralisierende Gesellschaft und die Zeit, in der sie leben – und die Zeit, in der wir heute leben. Es ist das Publikum als Teil der Gesellschaft. Es ist jeder für sich und alle gegeneinander. „Aloha!“, lautet die Absage an den Sexismus, an die Rolle der Frau, an die erwartbare Absage der Gesellschaft an die Emanzipation.

  • Dieser Junge will einfach nicht unter die Räder kommen. Dabei tut seine Umgebung ihr Bestes, ihn klein zu kriegen. Sie arbeitet mit allen Tricks, leeren Versprechungen und Verleumdungen. So verlangt es nun mal der tägliche Überlebenskampf, deren Brutalität Karl Rossmann in Franz Kafkas unvollendetem Roman „Amerika“ schmerzhaft erschöpfend zu spüren bekommt. Nun irrt er auf der Bühne des Jungen Theaters in der dramatisierten Romanfassung von Regisseur Christian von Treskow wie durch ein Labyrinth, das ihn ständig mit neuen Hindernissen und Zumutungen konfrontiert. Im Blick von Katharina Brehl spiegeln sich immer wieder Angst und Verzweiflung aber auch Trotz. Selbst wenn sie ihren Körper duckt und krümmt oder wieder einer Order hinterher hastet, gibt sie dieser Gestalt etwas Unbeugsames, das von innen zu strahlen vermag. Dort wo sich Anstand, Mitgefühl und Verständnis für die Not der anderen ebenfalls wieder zusammenrotten.

  • Auch der Ghettoblaster spuckt große Töne, sobald Jan Reinartz eine Cassette in das Fach schiebt und den „Psychokiller“ der Talking Heads auch mit seiner akustischen Gitarre unterwandert. Im Hintergrund träumt sich Jaqueline Sophie Mendel in der Robe einer Southern Belle mit Lou Reeds „Smalltown“ weg von der Provinz und den ewig gleichen öden Aussichten. Wo die leicht zerbrechlichen Sehnsuchtshoffnungen immer wieder unter die Räder kommen und Karsten Zinser in die „wicked games“ von Chris Issaak eintaucht, sind nun auch leidenschaftliche Kampfansagen fällig. Angefeuert von Katharina Brehl wird „Proud Mary“ weiter brennen und Madonna als Popikone zelebriert. Dann rockt sich Andreas Krüger mit Billy Idols „Rebell Yell“ tief in die Eingeweide der musikalischen Ausbrecher, wie auch sie die 80er Jahre prägten.

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