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Dorothée Neff

  • Mit ernstem Blick warten Dorothée Neff, Benjamin Kempf und Christoph Türkay auf den Beginn der Nachtbar. Dorothée Neff reinigt langsam, beinahe meditativ ein Messer, mit dem sie Sushis geschnitten hat. Benjam Kempf spielt fernöstliche, auch meditative Klänge auf der E-Gitarre.

  • Gemeinsam heult es sich viel schöner, über eine weitere kaputte Ehe und dann auch über weibliche Rollenmuster, die in der Gender-Debatte ständig unter die Räder kommen. Auf der Bühne des Deutschen Theaters leuchtet jetzt das Schild „Crying Room“ auf, für sechs Schauspielerinnen und ihren gemeinsamen Chor. In dem ist alles erlaubt, auch hysterisches Kreischen, sich krümmen und scheinbar verzweifelt ausflippen. Taschentücher sind ausreichend vorhanden, um dabei auch ein bisschen Makeup zu verschmieren, und noch mehr Power, um anschließend ganz entspannt für ein gemeinsames strahlendes Lächeln zu posieren. Dafür gibt es auch Sonderapplaus, bevor es wieder um „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ geht und das emotionale Desaster einer erfolgreichen Modedesignerin, die sich unsterblich aussichtslos verliebt.

  • Von oben herab segelt ein Kreuz und bohrt sich in den Bühnenboden. Wumm. Moritz hat sich die Kugel gegeben. Irgendwann ist ihm alles zu viel geworden, was sein Körper mit ihm macht. Diese feuchten Träume, die Verwirrung in so vielen schlaflosen Nächten. Dann ging in der Schule auch alles daneben mit dem ewigen Leistungsdruck. Er ist nicht das einzige Opfer in Frank Wedekinds Schauspiel „Frühlings Erwachen“ und dieser Geschichte jugendlicher Ausbruchsversuche, wo die Welt aus den Fugen gerät und vor allem das Gefühlsleben, das so schwer zu begreifen ist und zu beschreiben, wo manchmal die Worte einfach versagen. Umso mehr berührt seine „Kindertragödie“ in der Musicalfassung „Spring Awakening“, die Niklas Ritter am Deutschen Theater inszenierte. Die verwirrenden Sehnsüchte und Ängste bekommen eine musikalische Stimme und das Innenleben der Figuren spiegelt sich auch in der Sprache der Bilder.

  • „Singen!“ skandiert der Bühnenchor. Diese Tosca darf einfach nicht sterben. Singen soll sie auch unmittelbar nach der heimtückischen Ermordung ihres Geliebten. Jetzt endlich erheben die oft so teilnahmslos anmutenden Beobachter der Ereignisse ihre Stimme. Und das nicht etwa gegen eine gnadenlose Staatsmacht und ihre ebenso gnadenlosen Helfershelfer, sondern einzig für eine weitere Arie. Die Künstlerin gewährt ihnen noch eine tragische Melodie. Doch im Grunde gilt sie nur diesem einen letzten Ton, in dem ihr unendlicher Schmerz ungetröstet verhallt. So wie Giacomo Puccinis berühmte Oper hat auch das Schauspiel Tosca in der Inszenierung von Joachim Schloemer am Deutschen Theater dafür keine Worte mehr.

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