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Christina Jung

  • Die Komödie „Willkommen“ hatte Premiere im Deutschen Theater

  • Shows verkaufen sich nun mal besser als ernüchternde Bilanzen. Dann lockt noch der Promifaktor und schon wird eine Anliegerversammlung zum Event. Die spekulativen Geschäfte der Göttinger Union laufen schon längst nicht mehr gewinnbringend. Umso wichtiger sind jetzt die Statements von Fußballikonen, Politikern und großzügig auftretenden Mäzenen, die Imagepflege für den maroden Finanzkonzern betreiben. Und wenn Firmengründer Harry Cornelius (Roman Majewski) und Finanzvorstand Volker Roggensack (Marco Matthes) dazu noch verkünden, dass man an die Zahlen glauben müsse, kann eigentlich keine Rede mehr sein von Schneeballsystemen, grauen Märkten und drohender Insolvenz. Punktgenau werden erneut Beifallsstürme eingeblendet, und Moderatorin Angie (Christina Jung) kann den nächsten Überraschungsgast anstrahlen.

  • Vielleicht ist diese eine Stunde am Morgen, die Sarah Kane um 4.48 Uhr beginnen lässt, wirklich der Moment der klarsten Wahrnehmung. Auch von einem Glücksmoment spricht die britische Dramatikerin in ihrem letzten Stück „4.48 Psychose“, bei diesem radikalen Blick auf ihr Innenleben und die Gedankenbilder, die darin ständig wucherten. Mit ihrem Selbstmord setzte sie dem Aufruhr, den Schmerzen, den Sehnsüchten nach Liebe und Geborgenheit ein Ende und auch ihrer depressiven Wut, die sie um 4.48 Uhr zu fassen glaubte.

  • Von oben herab segelt ein Kreuz und bohrt sich in den Bühnenboden. Wumm. Moritz hat sich die Kugel gegeben. Irgendwann ist ihm alles zu viel geworden, was sein Körper mit ihm macht. Diese feuchten Träume, die Verwirrung in so vielen schlaflosen Nächten. Dann ging in der Schule auch alles daneben mit dem ewigen Leistungsdruck. Er ist nicht das einzige Opfer in Frank Wedekinds Schauspiel „Frühlings Erwachen“ und dieser Geschichte jugendlicher Ausbruchsversuche, wo die Welt aus den Fugen gerät und vor allem das Gefühlsleben, das so schwer zu begreifen ist und zu beschreiben, wo manchmal die Worte einfach versagen. Umso mehr berührt seine „Kindertragödie“ in der Musicalfassung „Spring Awakening“, die Niklas Ritter am Deutschen Theater inszenierte. Die verwirrenden Sehnsüchte und Ängste bekommen eine musikalische Stimme und das Innenleben der Figuren spiegelt sich auch in der Sprache der Bilder.

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