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Angelika Fornell

  • Das Kind streckte noch die Arme nach Liebe und Zuwendung aus. Dem jugendlichen Tom bleibt dagegen nur noch die diffuse Erinnerung an ein Gefühl, das er schon immer vermisst hat, egal wie sehr ihn seine Pflegemutter Anna nun mit ihrer überschwänglichen Fürsorge bedrängt. Er hat es schon so oft zu hören bekommen, dieses Besitz ergreifende „Mein Junge“, das wie eine verzweifelte Beschwörungsformel anmutet, der er sich einfach nicht entziehen kann.

  • Shows verkaufen sich nun mal besser als ernüchternde Bilanzen. Dann lockt noch der Promifaktor und schon wird eine Anliegerversammlung zum Event. Die spekulativen Geschäfte der Göttinger Union laufen schon längst nicht mehr gewinnbringend. Umso wichtiger sind jetzt die Statements von Fußballikonen, Politikern und großzügig auftretenden Mäzenen, die Imagepflege für den maroden Finanzkonzern betreiben. Und wenn Firmengründer Harry Cornelius (Roman Majewski) und Finanzvorstand Volker Roggensack (Marco Matthes) dazu noch verkünden, dass man an die Zahlen glauben müsse, kann eigentlich keine Rede mehr sein von Schneeballsystemen, grauen Märkten und drohender Insolvenz. Punktgenau werden erneut Beifallsstürme eingeblendet, und Moderatorin Angie (Christina Jung) kann den nächsten Überraschungsgast anstrahlen.

  • Rubrik: Theater, Literatur

    Junge Leute im Haus, das ist doch schön, denkt sich Anne. Doch schon der Antrittsbesuch mit Johannes und Eddi rückt die Verhältnisse in ein ganz anderes Licht. „Wir sind die Neuen“ verkünden die Drei auf der Bühne des Deutschen Theaters und das auch mit der Aussicht auf ein gemeinschaftliches Miteinander. Das sehen ihre jungen Nachbarn ganz anders. Mal was Schweres tragen, ginge ja noch. Hauptsache, der Putzdienst im Hausflur wird eingehalten. Barbara, Katharina und Thorsten sind vor allem im Examensstress. Da nervt einfach der ständige Krach, den dieses Alt-68er-Trio macht. Dauernd reden die miteinander, streiten sich über Internetanschlüsse und alte Beziehungsgeschichten und hören auch noch Musik.

  • Endlich scheint Peter Munk am Ziel seiner Wünsche. Er kann so schön verschwenderisch und leichtsinnig sein und fühlt sich endlich auch ein bisschen bewundert. Jetzt ist er nicht mehr der rußgeschwärzte Kohlenbrenner, sondern der Besitzer einer Glashütte, der im Wohlstand schwelgt. Schon mit einem Griff in die Hosentasche rieselt wieder dieser Glitzerstaub, der überall haften bleibt und im Scheinwerferlicht noch mehr funkelt. Sein Absturz ist vorprogrammiert, und das nicht nur, weil Wilhelm Hauff in seiner märchenhaften Erzählung „Das kalte Herz“ ein paar sehr berechnende Geister ins Spiel bringt. Daniel Foersters Inszenierung auf der DT-2 Bühne verwebt die Geschichte dieses maßlos gierigen Träumers mit sehr vielen fantastischen Zutaten zu einem bilderreichen Panorama über die Sehnsucht nach materieller Sicherheit und so um mehr Anerkennung in einer konsumverliebten Bedürfnisgesellschaft.

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