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Andreas Krüger

  • Es raschelt und rumpelt, zwitschert und klappert auf der Bühne des Jungen Theaters. Überall lagern Requisiten, mit denen das Schauspielteam Geräusche kreiert. Da quietschen rostige Gartentüren und bei hohem Seegang blubbert es dramatisch aus einer Wasserflasche während der Wind rauscht. Regisseur Eike Hannemann hat auch ein schönes Bild für seine Ausstattung des Bühnenraumes gefunden, um mit dem Ensemble die dramatisierte Fassung des Romans von Joachim Meyerhoff zu erzählen. Lautsprecher rahmen die Ereignislandschaft in der Sammlung von Episoden einer Familiengeschichte, in die der Autor hinein gelauscht hat: „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“. Dazu gehören neben den erinnerten Bildern und Gesprächen eben auch die Geräusche, die eine Stimmung vertiefen oder verfremden oder einfach nur damit spielen.

  • Bei spärlichem Licht erklingen die Laute arbeitender Menschen. Fegen, scharren, scheppern. Der klangliche Rhythmus körperlicher Arbeit leitete treffend in die Premiere von Hans Falladas „Kleiner Mann - was nun?“ ein. Die Arbeitswelt zur Zeit der Weimarer Republik nimmt eine zentrale Rolle in Falladas Roman ein.

    Im Mittelpunkt der Handlung stehen Emma Mörschel und Johannes Pinneberg gespielt von den zwei Neubesetzungen des Jungen Theaters Jaqueline Sophie Mendel und Andreas Krüger.

  • Dieser Junge will einfach nicht unter die Räder kommen. Dabei tut seine Umgebung ihr Bestes, ihn klein zu kriegen. Sie arbeitet mit allen Tricks, leeren Versprechungen und Verleumdungen. So verlangt es nun mal der tägliche Überlebenskampf, deren Brutalität Karl Rossmann in Franz Kafkas unvollendetem Roman „Amerika“ schmerzhaft erschöpfend zu spüren bekommt. Nun irrt er auf der Bühne des Jungen Theaters in der dramatisierten Romanfassung von Regisseur Christian von Treskow wie durch ein Labyrinth, das ihn ständig mit neuen Hindernissen und Zumutungen konfrontiert. Im Blick von Katharina Brehl spiegeln sich immer wieder Angst und Verzweiflung aber auch Trotz. Selbst wenn sie ihren Körper duckt und krümmt oder wieder einer Order hinterher hastet, gibt sie dieser Gestalt etwas Unbeugsames, das von innen zu strahlen vermag. Dort wo sich Anstand, Mitgefühl und Verständnis für die Not der anderen ebenfalls wieder zusammenrotten.

  • Auch der Ghettoblaster spuckt große Töne, sobald Jan Reinartz eine Cassette in das Fach schiebt und den „Psychokiller“ der Talking Heads auch mit seiner akustischen Gitarre unterwandert. Im Hintergrund träumt sich Jaqueline Sophie Mendel in der Robe einer Southern Belle mit Lou Reeds „Smalltown“ weg von der Provinz und den ewig gleichen öden Aussichten. Wo die leicht zerbrechlichen Sehnsuchtshoffnungen immer wieder unter die Räder kommen und Karsten Zinser in die „wicked games“ von Chris Issaak eintaucht, sind nun auch leidenschaftliche Kampfansagen fällig. Angefeuert von Katharina Brehl wird „Proud Mary“ weiter brennen und Madonna als Popikone zelebriert. Dann rockt sich Andreas Krüger mit Billy Idols „Rebell Yell“ tief in die Eingeweide der musikalischen Ausbrecher, wie auch sie die 80er Jahre prägten.

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