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Jens Wortmann

Sonntag, 25 Juni 2017 08:56

Kein virtuoses Schaulaufen

„Stars von Morgen“ mit dem Göttinger Symphonie Orchester in der Stadthalle

Mittwoch, 21 Juni 2017 15:00

Gefeiert wird das ganze Jahr

„Vom Eise befreit...“ - die Jubiläumssaison 2017/2018 im Jungen Theater

Ausstellung und Kulturveranstaltung in wechselnden Räumen

Mittwoch, 14 Juni 2017 22:17

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Sonntag, 11 Juni 2017 21:04

100.000 Besucher in der Stadt

Erfolgreiche Nacht der Kultur in der Göttinger Innenstadt

Samstag, 10 Juni 2017 20:37

Lichtenberg reloaded

Die Ausstellung „Lichtenberg reloaded“ zum 275. Geburtstag des Göttinger Physikers und Lokalhelden Georg Christoph Lichtenberg ist im Alten Rathaus eröffnet worden.

Sonntag, 11 Juni 2017 22:24

Das Theaterkarussell dreht sich

Abschieds-Nachtbar mit Katharina Uhland und anderen

Donnerstag, 08 Juni 2017 16:08

Helene Fischer kann man streichen

„Eben lacht es, bums da weint es“ – Ein Friedrich Hollaender-Abend mit Katharina Trabert und Michael Frei im Deutschen Theater

Tankred Dorst verstarb am 1. Juni 2017 im Alter von 91 Jahren.

Montag, 29 Mai 2017 16:23

Danke Händel!

Rückblick und Ausblick auf die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen

Das Göttinger Symphonie-Orchester unter der Leitung von Keven Griffiths mit der Pianistin Gülsin Onay

„Aus dem Innersten“ lautete die Überschrift über dem 5. Konzert im Philharmonischen Zyklus I des Göttinger Symphonie Orchesters: welch eine treffende Beschreibung!

Vor der Pause gab es Unbekanntes und Bekannte zu begrüßen: auf dem Programm stand die Einleitung zum 1. Akt der Oper „Fervaal“ von Vincent d’Indy (1851–1931). Werk und Komponist sind in den Konzertsälen und Opernhäusern kaum bekannt. Dabei lohnte die Entdeckung: die stark an die Musik Richard Wagners erinnernden Klänge wanderten durch die Instrumentengruppen des Orchesters, Höhepunkt des kurzen Stückes war das Violinsolo der Konzertmeisterin des Abends Seayoung Kim. Die Musik dieser Komposition greift zahlreiche Leitmotive auf, die d’Indy in seiner Oper verarbeitet hat. Trotz des Sujets der Oper (es geht um die Sarazeneneinfälle in Frankreich) wirkt die Musik in sich gekehrt und innig.

Als Gastdirigent übernahm Kevin Griffiths die Leitung des Abends. Er konnte schon mehrfach für Konzerte des Göttinger Orchesters gewonnen werden. Offensichtlich ist auch er ein Kandidat für die Chefrolle – für die er sich durchaus empfohlen hat. Und zwar auch als Conférencier: vor dem Klavierkonzert des türkischen Komponisten Ahmed Adnan Saygun (1907–1991) übte er mit dem Publikum den Rhythmus der anatolischen Volksweisen, die Saygun verarbeitet hatte.

Solistin war Gülsin Onay, die bei Saygun studiert hat. Onay war in früheren Jahren häufiger Gast in Göttingen, Volker Schmidt-Gertenbach hatte sie mehrfach verpflichtet. Nun gab es ein Wiedersehen und -hören mit dem effektvollen Klavierkonzert eines der bekanntesten türkischen Komponisten des 20. Jahrhundert. Griffiths ließ das Orchester kraftvoll aufspielen, ohne jedoch Onay akustisch zu überdecken. In den lyrischen Passagen konnten Matthias Weiß (Oboe), Matthias Mauerer (Klarinette), Ömür Kazil (Horn), Bettina Bormuth (Flöte) sowie die Hörner um John Feider besonders glänzen.

Die Musik von Ahmed Saygun ist zugänglich und zupackend. Und vor allem ist sie kurzweilig. Ständig gibt es neue Motive, neue Klänge und neue Rhythmen. Vor allem der zweite Satz verdeutlichte das Motto des Abends, hier wirkt Sayguns durchaus melancholisch. Nur schade, dass der Konzertgenuss zwischendurch arg getrübt worden ist:

„Aus dem Innersten“ der Stadthalle erklangen befremdliche Störgeräusche. Manch einer dachte, die Stadthalle würde bereits abgerissen werden. Einige Zuhörer verließen den Saal, um im Foyer irgendjemanden zur Ordnung zu rufen. Dort war aber alles friedlich. Chefdirigent Christoph Mathias Mueller entschuldigte sich nach der Pause öffentlich für die Störungen, deren Ursachen leider nicht gefunden seien. Inzwischen ist das Rätsel gelöst: ein Schwarm Krähen ließ sich auf dem Dach der Stadthalle nieder und machte sich an den Lüftungsrohren zu schaffen. Welche Symbolik – hatte doch wenigen Minuten zuvor der Rat der Stadt Göttingen den Teilabriss und die Grundsanierung des Gebäudes beschlossen.

Die Musikerinnen und Musiker waren durchaus irritiert, ließen aber in ihrem Ausdruck ebensowenig nach wie Gülsin Onay am Flügel. Begeisterter Applaus waren der Lohn, eine Zugabe mit einem Nocturne von Chopin der Dank der Pianistin.

Nach der Pause versprach das Programm „Bewährtes“: die 6. Symphonie von Pjotr Tschaikowski, die „Pathétique“. Kevin Griffiths unterstich seine Qualitäten aber auch hier und ließ eine geradezu aufregende Interpretation erklingen. Er forderte das Orchester in jedem Takt heraus und arbeitete die leidenschaftlichen Empfindungen dieser Musik heraus. Die klagende Einleitung im ersten Satz war subtil gestaltet, die machtvollen Schläge des Orchesters wenig später energiegeladen. Und so ging es in den Folgesätzen weiter. Klagen, Leiden, Verzweiflung und Tod – im Zuschauerraum der Stadthalle spürte man die Emotionen ganz direkt. Für die Instrumentalisten ist das Werk ohnehin besonders anstrengend, weil sie ständig auf das Höchstmaß gefordert sind. Kevin Griffiths die Qualitäten im Orchester voll genutzt und dementsprechend ein Höchstmaß an Qualität als Ergebnis bekommen.

Ergriffen waren offenbar auch die Krähen auf dem Dach. Schweigend hörten sie diese Interpretation, zumindest war von ihnen gottlob nichts mehr zu hören – sie müssen genauso ergriffen gewesen sein wie die Konzertbesucher, die das Orchester erst nach langem Applaus in das Wochenende entließen.

Freitag, 12 Mai 2017 10:40

Händel hat gewonnen

Fußballspiel zwischen dem „Team Händel“ und den „Göttinger Lokalpatrioten“

Natürlich ist das Festspielorchester perfekt aufeinander eingespielt, die Festivalbesucher können sich auch in diesem Jahr davon überzeugen. Wenn die Musikerinnen und Musiker ihre Instrumente beiseitelegen, haben sie ebenfalls Spaß zusammen und bilden ein großartiges Team. Davon konnten sich die „Göttinger Lokalpatrioten“ überzeugen.

Dieses mit Göttinger Prominenten bestückte Fußballteam war der Gegner des „Team Händel“ auf dem Sportplatz in Bovenden. Sechs Nationen waren im Händel-Team vertreten, ergänzt um einige Gäste aus der Göttinger Kulturszene. Angeführt vom unermüdlichen Intendanten Tobias Wolff schnürten die Barockspezialisten die Lokalpatrioten geradezu ein. Nach dem zweiten Tor (geschossen von Winnie Valentov, 12 Jahre alt, Sohn des Orchestermitglieds Dáša Valentova, Viola) ließen die Promis um ihren Kapitän Frank Wiegelmann (Stadtwerke Göttingen) geradezu die Köpfe hängen. Da half es auch nichts, dass sie selber bereits 11 Tore geschossen hatten und dieses überaus freundschaftliche Fußballspiel locker gewonnen hatten.

Gewinner dieses sportlichen Wettstreites waren alle – das wurde auch beim anschließenden Grillen deutlich. Die Stimmung war ausgelassen. Und die beste Nachricht: alle Musiker blieben unverletzt und können ab heute wieder ihrer eigentlichen Profession nachgehen. Auch wenn einige von ihnen heute noch etwas unter Muskelkater leiden.

Mittwoch, 10 Mai 2017 19:16

Lebendiges, einfühlsames Dirigat

Das Orchester Göttinger Musikfreunde und die Chöre „La Chorale des Cahors“, „La Schola du Moustier de Montauban“ konzertierten in St. Johannis 

Es war ein schönes Signal der Völkerverständigung, dass das Orchester Göttinger Musikfreunde am Vorabend der französischen Präsidentschaftswahlen zwei Chöre aus Cahors und Montauban eingeladen hat. Es handelte sich um den Gegenbesuch nach einer Konzertreise nach Südfrankreich vor einigen Jahren. Damals wie heute stand das Werk „Les sept dernières paroles du Christ en croix“ („Die sieben letzten Worte Jesu Christi am Kreuz“) von Théodore Dubois auf dem Programm. Man merkte den beiden Chören an, dass sie dieses Werk der französischen Spätromantik gut beherrschen: die knapp 60 Sängerinnen und Sänger waren sehr präsent – und genau so wirkte auch die Musik, die hierzulande weitgehend unbekannt ist. Aber so vorgetragen war dies durchaus eine Bereicherung des Konzertrepertoires. Dubois verlangte zur Chorpartie drei Solisten, die von Joana Caspar (Sopran), Sebastian Köchig (Tenor) und Jean-Christophe Fillol (Bariton) verkörpert wurden. Joana Caspar gefiel mit ihrer kraftvollen und lyrischen Stimme und auch Jean-Christophe Fillol konnte mit großer Stimme aufwarten, während Sebastian Köchig mit seinem schlanken Tenor bisweilen Mühe hatte, sich akustisch durchzusetzen. Denn das Orchester spielte unter dem Dirigat von Johannes Moesus beherzt auf. Allerdings kostete Moesus die dynamische Bandbreite des Werkes voll aus, und so kamen in den leiseren Passagen nicht nur Sebastian Köchig gut zur Geltung, sondern auch zum Beispiel die Holzbläser.

Diese ließen sich im zweiten Werk des Abends ein wenig aus der Fasson bringen. Die Messe in D-Dur von Antonín Dvořák war von den französischen Chorsängerinnen und -sängern bei weitem nicht so gut vorbereitet. Das lag natürlich auch am Schwierigkeitsgrad des Werkes, der durchaus höher einzuschätzen ist als bei dem Werk von Dubois. Die Choristen „klebten“ deutlich mehr an den Noten, ohne sie dabei immer zu treffen. Es gab etliche Unsicherheiten in Intonation und Genauigkeit. Da mutete es eher an ein Wunder an, dass die Holzbläser immer wieder zurückfanden. Was auch am Dirigenten lag.

Ohne großes Aufhebens brachte Moesus die Akteure zusammen. Dadurch und durch sein lebendiges, einfühlsames Dirigat konnte die Musik Dvořáks ihre Schönheit, ihren Melodienreichtum aber auch den religiösen Ernst entfalten. Neben den Streichern im Orchester hatten die nun vier Solisten, ergänzt um die junge Katarina Andersson mit ihrer schönen Altstimme, sowie der Organist an der kleinen Chororgel in der Johanniskirche (den Namen verschwieg das Programmheft) großen Anteil daran, dass die Aufführung das Publikum berührte.

Das war am freundlichen Schlussapplaus in der gut gefüllten Kirche deutlich zu spüren. So konnten sich die Musikerinnen und Musiker aus den beiden Nationen nach dem Konzert gegenseitig beglückwünschen – und das nicht nur zum Ergebnis der Wahlen in Frankreich.

Premiere von Beyond Doubt: Lotario im Jungen Theater

Ohne Zweifel – der erste Höhepunkt der Internationalen Händel-Festspiele 2017 fand schon vor der offiziellen Eröffnung statt. Im Jungen Theater hatte das Jugendopernprojekt „Beyond Doubt: Lotario“ Premiere.

In der Oper „Lotario“ von Georg Friedrich Händel, die in diesem Jahr auf dem Festspielkalender steht, geht es um Liebe, Macht und Intrige. Das ist keine große Überraschung, so etwas kommt in der Oper häufiger vor. Nun haben sich aber Jugendliche vom Hainberg Gymnasium in Göttingen, von der IGS Bovenden sowie jugendliche Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern zusammengetan, um sich genau mit diesen konfliktträchtigen Themen Liebe, Macht und Intrige zu beschäftigen. Außerdem bestand die Aufgabe darin, sich mit der Musik des Barockkomponisten auseinanderzusetzen. Und was bei all dem herausgekommen ist, ist durchaus eine große Überraschung.

Herausgekommen ist eine beachtliche Produktion, die als Stück, aus musikalischer Sicht und mit Blick auf jedes einzelne Ensemblemitglied überzeugt. Nicht zu vergessen das gesamte Team der Produktionsleitung. Herausgekommen ist ein Gesamtkunstwerk.

Der Erfolg hat viele Mütter und Väter. Das sind in erster Linie die jungen Darstellerinnen und Darsteller. Aber zu nennen sind in diesem Fall vor allem Nina de la Chevallerie (Künstlerische Gesamtleitung und Regie) und Hans Kaul (Musikalische Leitung). Mit ihrer täglichen Arbeit im boat people projekt haben sie umfangreiche Erfahrungen mit Konflikten jedweder Art. Und man kann wohl auch davon ausgehen, dass bei der Beteiligung von über 40 Jugendlichen aus allen möglichen Ländern, Kulturen und Schichten auch Konflikte während der Produktionsphase auf der Tagesordnung standen.

Die Jugendlichen haben diese Erfahrungen auf die Bühne übertragen. Gleichermaßen mit Ernsthaftigkeit und mit Spaß haben sie diese umgesetzt, während der Proben haben sie sich vielfältig mit ihren Ideen eingebracht. Und um die Konflikte besonders deutlich zu machen, wurden die Partien der Protagonisten Adelaide, Lotario, Matilde, Berengario, Idelberto, gleich mehrfach besetzt. So entstanden sehr vielschichte Charaktere, geradezu multiple Persönlichkeiten. Und um das noch zu unterstreichen, stattete Sonja Elena Schroeder Adelaide noch mit Gummiseilen aus, die das Verstricktsein in die Probleme besonders anschaulich machen.

Aus dem ganzen Ensemble seien vor allem zwei genannt: Jan-Erik Heilmann und Nick Loewen kommentierten als Clodo und Miro die Szenen, griffen gar bisweilen ein. Sie waren die heimlichen Helden des Abends. Aber auch Balen Abbas glänzte als Sänger ebenso wie zum Beispiel Abdullah Sabi.

Die Inszenierung war auch durch die Ausstattung überzeugend. Eine große Leinwand spielte kurze Filme ein, blendete aktuelle Twitter-Nachrichten ein oder zeigte den Livestream von der Bühne. Die Kostüme waren hinreißend – und besonders bemerkenswert waren die barock hochtoupierten Haare.

Und dann ist da natürlich noch die Musik: hier ist vor allem das Interkulturelle Orchester der Musa zu nennen, das unter der Leitung von Hans Kaul engagiert und begeisternd aufspielte. Der Chor wurde in klassischer Tradition vom Volk dargestellt. Das Volk war in weiße Kostüme gesteckt worden – und mischte sich schon vor Vorstellungsbeginn im Foyer unter das wartende Zuschauer-Volk. So gab es schon einen kleinen Vorgeschmack auf das Treiben auf der Bühne.

Gesungen wurde auch solistisch – und zwar sowohl Musik von Händel als auch Musik aus den Heimatländern der Darstellerinnen und Darsteller. Balen Abbas, Gülschän Abkulova, Carla Becker, Sam Borchers, Jan-Erik Heilmann, Nichola Mahaja, Abdullah Sabi, Yasmin Schröter, Arif Ullah und Lene Weiß machten ihre Sache so gut, dass es immer wieder Szenenapplaus gab.

Nach den letzten Akkorden wollte der Applaus gar nicht enden. Erst nach einer Zugabe und erst, als von der Bühne aus die Standing Ovations abgewunken wurden, ließ sich das begeisterte Publikum beruhigen.

Diese Version von „Lotario“ ist ganz und gar ohne Zweifel zu empfehlen. Sie sei zum tieferen Verständnis allen Besuchern der „Großen Oper“ ans Herz gelegt.

Freitag, 05 Mai 2017 10:09

Das ist mal wieder typisch

Vorstellung der Spielzeit 2017/2018 im Deutschen Theater

Das ist mal wieder typisch für Erich Sidler. Der Intendant, sein Chefdramaturg Matthias Heid und die Dramaturgin Sara Oertel stellten das neue Programm gemeinsam mit der Leitung des Kinder- und Jugendtheaters vor.

Das Programm in Sidlers vierten Spielzeit trägt eindeutig seine Handschrift. In den neuen Produktionen wirft das Deutsche Theater immer wieder einen kritischen Blick auf seine Außenwelt. Schon der Beginn der Spielzeit greift aktuelle Themen auf. „Nach der Wahl von Donald Trump tauchte das Buch von George Orwell „1984“ wieder in den Bestsellerlisten auf. Und auch hierzulande stieg die Nachfrage nach diesem Titel an“, erläuterte Sidler die Aktualität dieses Buches. Eine Bühnenfassung davon bringt das DT ab dem 19. August auf die Bühne. Wobei „Bühne“ nicht ganz stimmt: Spielort ist die Tiefgarage des Hauses, wo das Stück für drei Wochen „en suite“ gespielt wird.

Andere Themen sind die Terrorgefahr („Himmel“ von Wajdi Mouawad, Regie Brit Bartkowiak, Premiere im September) oder der Klimawandel („paradies fluten“ von Thomas Köck, Regie Katharina Ramser, Premiere im Februar). Im Programm geht es um Kinderrechte („Malala“ von Nick Wood), und auch der Titel „America First“ (Uraufführung, von Christoph Klimke, Premiere im Dezember) verheißt Aktualität. Wobei es hier um Marylin Monroe geht, der „Mutter aller Gesichtskorrekturen“. Monroe lebt und ist im Stück 60 Jahre alt. Insofern sind ihre aktuellen Beziehungen zu den politischen Akteuren der Macht topaktuell.

„America First“ ist eine Musikproduktion, ebenso wie die Adaption von Wedekinds „Frühlings Erwachen“ von Duncan Sheik und Steven Slater. Das Stück mit dem Titel „Spring Awakening“ beschließt die Saison – ebenso wie der Start wird das Stück „en suite“ gespielt, also drei Wochen am Stück, diesmal allerdings auf der großen Bühne im DT1. „Das ermöglicht uns, ein opulentes Bühnenbild zu realisieren, das nicht jeden Abend abgebaut werden muss“, so Intendant Sidler.

Musikalisch geht es auch in der Produktion „Tosca“ zu, die im April Premiere haben wird. Victorien Sardous Geschichte aus dem Jahr 1887 ist vor allem durch Puccinis Oper bekannt, das Stück, mit dem sich Sarah Bernhardt unsterblich gemacht hat, liegt inzwischen in einer Neuübersetzung vor. In der Inszenierung von Joachim Schloemer wird auch Puccinis Musik erklingen.

„Die Lehrer haben deutlich den Wunsch nach einem deutschen Klassiker geäußert“, begründete Erich Sidler die Wahl von Lessings „Emilia Galotti“. Im Januar hat das Stück Premiere, das im selben Jahr auch Abiturthema in Niedersachsen ist.

Wieder entdeckt werden kann der Klassiker „Die Nashörner“ von Eugène Ionesco (Premiere im April). Und auch hier ist das Sujet sehr aktuell: die Gesellschaft verändert sich zum Schlechten – und kaum einer bemerkt dies. Ionescos Kritik an totalitären Regimen war lange Zeit von den Spielplänen der Theater verschwunden. Es ist bedrückend, dass in Europa solche Themen wieder aktuell werden.

„Wir brauchen zwischendurch auch etwas zum Lachen“, meinte Sara Oertel und stellte die Komödie „Willkommen“ von Lutz Hübner vor (Premiere am 10. März). In dieses Genre sind auch die Produktionen „Gespräch wegen der Kürbisse“ von Jakob Nolte und „Winnetou und der halbe Abt“ von Lars Wätzold einzuordnen.

Die erste Premiere der neuen Spielzeit im Großen Haus bezeichnet sich ebenfalls als Komödie: am 22. September feiert „Fräulein Agnes“ von Rebekka Kricheldorf die Uraufführung im DT1. In dieser neu interpretierten Version von Molieres „Misanthrop“ geht es um die Frage: Wieviel Wahrheit und Ehrlichkeit verträgt eine Gesellschaft?

Neben weiteren Neuproduktionen (Brecht „Herr Puntila und sein Knecht Matti“; Kate Tempest „Wasted“, Elfriede Jelinek „Das Licht im Kasten“ und andere) sind die Aufführungen für Kinder und Jugendliche in den Spielplan und im Ensemble integriert. Das Team um Erich Sidler hatte vor vier Jahren versprochen, das Kinder- und Jugendtheater nicht als eine einzelne Sparte anzusehen, sondern voll im Haus zu integrieren. „Diese konsequente Vorgehensweise macht sich an zahlreichen Stellen bemerkbar“, erzählt die Leiterin der Theaterpädagogik Gabriele Michel-Frei. „Sowohl in den zahlreichen Kooperationen mit Schulen, in den Besuchergruppen im Haus als auch bei der Zusammensetzung der Zuschauer in den einzelnen Produktionen macht sich das bemerkbar“, sagt sie nicht ohne Stolz. Und so präsentieren sie und Sonja Bachmann (Leiterin Programm für Kinder und Jugendliche) die Stücke „Malala“, „Bei den wilden Kerlen“, „Ein Känguru wie du“ und „Das Kalte Herz“.

Zur neuen Spielzeit werden auch neue Ensemblemitglieder erwartet. „Die möchte ich aber gerne zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen“, meinte Sidler auf Nachfrage. Im Gegenzug gilt es, einige Schauspielerinnen und Schauspieler zu verabschieden: Bardo Böhlefeld, Elisabeth Hoppe, Andras Jessing, Frederik Schmid und Katharina Uhland werden das Haus verlassen. „Ich habe immer betont, dass für junge Schauspieler das Deutsche Theater in Göttingen der Weg ist und nicht das Ziel“, so Sidler zu diesem Thema. Zudem werden alle Genannten noch in den Produktionen zu sehen sein, die in der neuen Spielzeit wiederaufgenommen werden. Trotzdem tut natürlich ein solcher Abschied weh, zumal das gute Klima im Ensemble auf der Bühne, hinter der Bühne und im Bistro des Deutschen Theaters immer wieder sicht- und erlebbar ist.

Mit diesem Programm bleibt sich die Theaterleitung treu: „Ich will, dass die Menschen in Göttingen vorkommen“, formuliert Erich Sidler seine Idee vom Stadttheater. Das zeigt sich in der Programmauswahl genauso wie in der Führung des Hauses. Das darf gerne noch ein paar Jahre so weitergehen!

Alle Produktionen finden Sie unter www.dt-goettingen.de und auch hier in der Spielzeitvorschau im Kulturbüro Göttingen.

Montag, 24 April 2017 16:38

Wagner-Tuben? Niemand hat sie vermisst!

Das letzte Aulakonzert dieser Saison mit dem Ensemble Oxalys und der Mezzosopranistin Christianne Stotijn

Eine Bruckner-Sinfonie in der Universitätsaula? Bei der vom Komponisten vorgesehenen Besetzung gerät der ehrwürdige Saal an seine Grenzen – sowohl von der Kapazität als auch von der Akustik her gesehen.

Da kommt das Motto der diesjährigen Saison der Aulakonzerte „Zauberhafte Arrangements“ sehr entgegen. Denn für diese Sinfonie gibt es eine Fassung für kammermusikalische Besetzung. Auf die Initiative von Arnold Schönberg wurde 1918 in Wien der „Verein für musikalische Privataufführungen“ gegründet. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und vor allem der Musikkritiker wurden exklusiv für die Vereinsmitglieder Aufführungen realisiert. Und weil die Mittel für ein großes Orchester fehlten, wurden die Werke bearbeitet. In diesem Fall haben das Hanns Eisler, Erwin Stein und Karl Rankl vorgenommen.

Beim letzten Aulakonzert der Göttinger Kammermusikgesellschaft waren die Vereinsmitglieder ebenfalls anwesend, aber die Öffentlichkeit war zugelassen, und die Musikkritiker ebenfalls – zum Glück! Eingeladen war das „Ensemble Oxalys“ aus Belgien.

Es ist erstaunlich, welche Klangvielfalt das zehnköpfige Orchester erzeugen kann. Das wurde bereits gleich zu Beginn des Werkes deutlich: zum Tremolo der natürlich nur einfach besetzten Geigen und der Bratsche setzten die Celli mit dem unglaublich lyrischen Thema des ersten Satzes ein. Die Celli? So klang es jedenfalls. Es spielte jedoch „nur“ Amy Norrington mit ihrem Cello, und das mit einem solch satten Ton, dass man mehrfach hingucken musste, ob es wirklich nur ein Instrument war. Szenenapplaus ist bei Konzerten klassischer Musik nicht üblich, angemessen wäre er gewesen. Genauso bei dem entrückend schönen Geigensolo (Shirly Laub) im zweiten Satz. Und nicht minder beeindruckend waren die Bläser mit Nathalie Lefèvre (Klarinette) und Anthony Devriendt (Horn). Wagner-Tuben? Niemand hat sie vermisst! Und was an Klangfarben im Orchester fehlte, wurde mit Klavier und Harmonium ergänzt.

Durch diese kleine Besetzung wurde der Charakter der Musik von Anton Bruckner besonders deutlich. Die unglaubliche Vielfalt an Melodien ließen die Musik auf die Zuhörer direkt einwirken. Damit ist nichts gegen die Originalversion der Sinfonie gesagt – aber dieses Arrangement hat seinen ganz eigenen Reiz.

Das setzte sich nach der Pause fort: das Orchester wurde noch etwas vergrößert: Flöte, Oboe, Fagott und Celesta gesellten sich dazu – und natürlich die Mezzosopranistin Christianne Stotijn. Denn auf dem Programm stand nun „Der Abschied“ – der letzte Satz aus dem „Lied von der Erde“ von Gustav Mahler. Diese „Symphonie mit Singstimme“ stellt die Einsamkeit des Menschen in den Mittelpunkt. Die von Mahler ausgewählten Texte chinesischer Lyrik von Hans Bethge waren dabei für den Komponisten eher Mittel zum Zweck: die menschliche Stimme ist eher als Farbe eingebettet in den Orchesterklang zu verstehen.

Hier wird die durchsichtige Besetzung mit dem Ensemble Oxalys zu einer besonderen Herausforderung, hat Mahler doch nicht nur nahezu kammermusikalische Passagen in seiner Symphonischen Dichtung komponiert, sondern auch kräftige Tutti, gewaltige Ausbrüche und Emotionen. Die Musikerinnen und Musiker setzten diese Effekte gekonnt ein – bis hin zu dem denkwürdigen Schluss.

Das gleiche gilt für Christianne Stotijn, die ihren Part sehr ausdrucksstark gestaltete. Bisweilen neigte sie zu Übertreibungen, die nicht recht in den Saal passten. Starkes Vibrato und große Schwere waren deplatziert. Angemessener wäre eine saubere Intonation und etwas Textverständlichkeit gewesen, so wie es von Stotijn in den lyrischeren Passagen zu hören war. Während im Orchester die ungeheure Dynamik des Stückes jederzeit gekonnt auf die Besetzungsgröße heruntergebrochen wurde, gelang der Solistin dieses nur streckenweise. Was ihr aber definitiv gelang, waren die Emotionen in Mahlers „Lied von der Erde“ und speziell in diesem letzten Satz „Der Abschied“ zum Ausdruck zu bringen.

Die sekundenlange Stille nach dem letzten Akkord zeigte die hohe Spannung, die Ensemblemitglieder mit der Sängerin erzeugen konnten.

Langanhaltender Applaus war der Lohn für diesen denkwürdigen Abend.

Und wer das „Lied von der Erde“ nicht nur in Gänze, sondern auch in Mahlers Originalfassung hören möchte, dem sei das 1. Konzert im Philharmonischen Zyklus I des Göttinger Symphonie Orchesters empfohlen: am 30. September singen Cécile van de Sant und Norbert Schmittberg unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller in der Göttinger Stadthalle.

Die Kammermusikgesellschaft startet bereits eine Woche früher in ihre neue Saison. Das Motto lautet dieses Mal „Geliebter Brahms – aus dem großen Reichtum seines Kammermusikwerks“. Den Beginn macht Carolin Widmann (Violine) und Alexander Lonquich (Klavier) am 24. September in der Aula der Universität.

Mittwoch, 19 April 2017 18:35

Ein roter Faden mit dem Schweizerkreuz

Die Abschiedssaison von Christoph-Mathias Mueller mit dem Göttinger Symphonie Orchester

In seiner letzten Spielzeit-Pressekonferenz stellte Generalmusikdirektor Christoph-Mathias Mueller das Programm des Göttinger Symphonie Orchester der nächsten Saison vor. Dieses Programm ist vielleicht Muellers persönlichstes, denn es beinhaltet zahlreiche sehr persönliche Komponenten.

Mueller hat und pflegt zahlreiche Kontakte und Freundschaften zu Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt. Und so kommt es, dass immer wieder große Stars zu Gast in Göttingen waren. In der letzten Saison von Christoph-Mathias Mueller geben sie sich geradezu die Klinke in die Hand: Pianist Radu Lupu (13. April), Klarinettist Dimitri Ashkenazy (27. Oktober), die Sopranistin Simone Kermes („La Kermes“ am 25. Mai), Mandolinen-Spieler Avi Avital (31. Mai) – um nur ein paar Beispiele zu nennen. „Es ist überhaupt keine Selbstverständlichkeit, dass solche Persönlichkeiten nach Göttingen kommen“, betont Mueller nicht ohne Stolz. Die persönlichen Beziehungen, aber auch die Qualität und Menschlichkeit im Orchester sind der Grund für die zum Teil langjährigen Freundschaften. Wie zum Beispiel die mit dem Trompeter Reinhold Friedrich, der das GSO nach Bückeburg begleiten wird, wo der dortige Kulturverein 70jähriges Jubiläum feiert und das Orchester eingeladen hat.

Eine weitere sehr persönliche Leidenschaft von Mueller ist sein Interesse an Neuer Musik. Das Göttinger Publikum habe diese Leidenschaft aktiv mitgetragen, betont Mueller. Und so überrascht es nicht, dass eine Uraufführung auf dem Programm steht: der Schweizer Komponist Gérard Zinsstag widmet sein neues Klavierkonzert dem GSO-Chef, zu hören ist das Werk am 30. September.

Gar nicht so neu ist die Musik von Alexander Weprik. Als bekannt kann man die symphonische Musik des russischen Komponisten (1899-1958) dennoch nicht bezeichnen. Die von ihm im Gulag erlittenen Folterungen und Entbehrungen führten nicht nur zu seinem vorzeitigen Tod, sondern auch zur Verdrängung des Komponisten aus dem Musikleben. Mit einem Sonderkonzert am 2. September, das Mueller selbst als einer der Höhepunkte der Saison bezeichnet, soll diese „großartige Musik“ (so Mueller) dem Vergessen entrissen werden.

Eine große Klammer bildet das Werk von Gustav Mahler: im September 2005 stellte sich Mueller dem Göttinger Publikum mit der 5. Symphonie des österreichischen Komponisten vor. In diesem Jahr reizte der Dirigent mit der Aufführung der 3. Symphonie die Kapazitäten der Göttinger Stadthalle aus – und sein letztes Konzert in Göttingen wird die Aufführung der 2. Sinfonie, der „Auferstehungssymphonie“ am 29. und 30. Juni 2018 sein.

Typisch Mueller – ist dieses Konzert auch ein Beispiel für eine weitere Leidenschaft: immer wieder hat Mueller Kooperationen gesucht und gepflegt: zur Universität natürlich, aber auch zu den beiden großen Kantoreien, die bei diesem Konzert beide mitwirken. Und erstmals gibt es eine Kooperation mit dem Symphonieorchester Thorn. Seit 40 Jahren gibt es die Städtepartnerschaft mit der polnischen Stadt und erstmals diese Kooperation der beiden Orchester. Außerdem sind an den Abenden Lin Lin Fan (Sopran), Ingeborg Danz (Alt) und Samuel Hasselhorn (Bariton) zu hören. Vorweggeschickt wird Mahlers Symphonie das „Stabat Mater“ von Karel Szymanoswki, in dem der Komponist sich musikalisch auf seine slawischen Wurzeln besinnt, gleichzeitig aber auch im zweiten Satz Carl Orffs „Carmina burana“ vorwegnimmt.

Eine ganz persönliche Note zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison: ein roter Faden mit dem Schweizerkreuz. Die Uraufführung von Gérard Zinsstag, mit dem Mueller schon seit 1996 verbunden ist, ist bereits genannt. Ein Gastspiel des GSO in der Schweiz folgt im Sommer, wo das Orchester auf Initiative ihres schweizer Dirigenten zum Festival nach Murten eingeladen worden sind. „Ich weiß ja, wie gerne die Orchestermusiker in die Schweiz reisen. Die Schweiz ist ein schönes Land, wie wir alle wissen.“ Und hat zudem auch ihre eigene Kultur, weshalb ein eigener Abend im Rahmen der Reihe „Kulturelle Begegnungen“ dem Heimatland Muellers gewidmet ist. „Da darf natürlich das „Schwyzerörgeli“ nicht fehlen“, betont Mueller. Man darf auf die Arrangements von diesem speziellen Akkordeon mit einem Symphonieorchester gespannt sein.

Das Saison-Motto „Neue Ufer“ beinhaltet aber auch viel Neues: es kommen Künstler, die noch nicht in Göttingen aufgetreten sind. Zum Beispiel einige Dirigenten, die als Gast das Orchester dirigieren werden. „Der Grund ist ja allen klar“, kommentiert Mueller den Grund, dass er selbst zunächst nicht so häufig am Pult stehen wird.

Mit diesem Programm verabschiedet sich Mueller nach 13 Jahren aus Göttingen. Wehmut soll allerdings nicht aufkommen. „Deshalb habe ich den Abschied an den Anfang gelegt: Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ (mit Cécile van de Sant) eröffnet den Philharmonischen Zyklus I am 30. September. Der sechste und letzte Satz heißt „Der Abschied“.

„Um mich müssen Sie sich keine Sorgen machen“, meinte Christoph-Mathias Mueller gut gelaunt auf die Frage, wo denn seine neuen Ufer künftig zu verorten seien.

Das Saisonprogramm finden Sie als Spielzeitheft an vielen Stellen der Stadt, das Programm selbst schon bald hier auf den Seiten des Kulturbüros.

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