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Montag, 05 März 2018 16:47

Original und Fälschung

Ein interessantes und überwiegend heiteres Programm der Wiener Klassik hat Kantor Stefan Kordes zur besten Kaffeehaus-Zeit um 16 Uhr am Sonntag „Okuli“ in der Passionszeit zusammengestellt, also an dem Sonntag, der genau in der Mitte der Fastenzeit steht.

Dass Kordes mit dem Programm, dem Datum und der Uhrzeit nicht daneben lag, bestätigten die Besucherinnen und Besucher in der nahezu ausverkauften Jacobikirche.

Dienstag, 19 Dezember 2017 23:16

Mit Pauken und Trompeten

Bachs „Weihnachtsoratorium“: Kantaten IV bis VI sowie die Kantate „Gelobet seist du, Jesu Christ“ in der Jacobikirche

Sonntag, 10 Dezember 2017 09:53

Süchtig machenden Klänge

Adventliches Kammerchorkonzert mit dem Kammerchor St. Jacobi

Mittwoch, 01 November 2017 21:43

Was für ein Abenteuer

Stefan Kordes, Judith Kara, Clemens Löschmann, das GSO und die Kantorei St. Jacobi begeistern in der szenischen Aufführung des Oratoriums „Jan Hus“. - Mit Bildergalerie!

Heute mit einer Einstimmung zur „Brockes-Passion“

Viele hoch dramatische Motive lassen sich in diesem Jahr bei den Internationalen Händel Festspielen unter dem Motto „Glaube und Zweifel“ erkunden. Das Festival Team hat dabei natürlich das Reformationsjubiläum im Blick. Aber neben Glaubensfragen geht es auch in Opern und Oratorien vor allem um Macht- und Herrschaftsansprüche und individuelle Überzeugungen, die in den musikalischen Bildern anklingen. Darauf möchte Sie das Kulturbüro auch mit dem Podcast „Händel Exkursionen“ einstimmen. Wir flanieren täglich durch das Festivalprogramm mit Künstlergesprächen und Tipps für Aufführungen und Konzerte.

Heute: Stefan Kordes über die Orgelmesse von Bach

Viele hoch dramatische Motive lassen sich in diesem Jahr bei den Internationalen Händel Festspielen unter dem Motto „Glaube und Zweifel“ erkunden. Das Festival Team hat dabei natürlich das Reformationsjubiläum im Blick. Aber neben Glaubensfragen geht es auch in Opern und Oratorien vor allem um Macht- und Herrschaftsansprüche und individuelle Überzeugungen, die in den musikalischen Bildern anklingen. Darauf möchte Sie das Kulturbüro auch mit dem Podcast „Händel Exkursionen“ einstimmen. Wir flanieren täglich durch das Festivalprogramm mit Künstlergesprächen und Tipps für Aufführungen und Konzerte.

Kammerchor und Kantorei St. Jacobi mit „Israel in Egyp“ in der Johanniskirche

Andacht zur Todesstunde Jesu am Karfreitag, 14. April 2017, um 15 Uhr

In St. Jacobi findet am Karfreitag in jedem Jahr um 15 Uhr die Andacht zur Todesstunde Jesu statt, die traditionell vom Kammerchor St. Jacobi gestaltet wird. In diesem Jahr steht ein zentrales, und dennoch weitgehend unbekanntes Werk der Lutherischen Kirchenmusik auf dem Programm: Die Matthäuspassion Johann Walters aus dem Jahr 1530.

Walter gilt als der „Urkantor“ der evangelischen Kirchenmusik. Als guter Freund und Wegbegleiter Martin Luthers setzte er dessen reformatorische Ideen auf dem Gebiet der Kirchenmusik um, z.B. durch viele Lieder und Gesangbücher, durch die Einführung des Bürgerlichen Gesangswesens in der Torgauer Kantorei, durch die gemeinsam mit Luther entwickelte „deutsche Messe“ und nicht zuletzt durch die Komposition von Passionsberichten für die liturgische Aufführung an Palmsonntag und Karfreitag.
Der Kammerchor St. Jacobi schlägt in diesem Jahr in der Andacht zur Todesstunde Jesu mit der Aufführung von Walters Matthäuspassion den Bogen zwischen liturgischem Anlass und Reformationsjubiläum. Das musikalisch sehr schlichte, aber deshalb besonders eindrückliche Werk war aus der Musikpraxis nahezu vollständig verschwunden, weswegen die Noten für die diesjährige Aufführung erst nach alten Quellen erstellt werden mussten.

Es singt der Kammerchor St. Jacobi, Andreas Jedamzik, Evangelist, Arne zur Nieden, Jesus, die Leitung hat Stefan Kordes.

Außerdem erklingen Motetten von Heinrich Schütz, sowie norddeutsche Orgelmusik. Die Ansprache hält Pastor Harald Storz.

Liturgische Osternacht mit der Kantorei St. Jacobi am Karsamstag, den 15. April um 23 Uhr

Auch in diesem Jahr wird in St. Jacobi das Fest der Auferstehung Jesu mit einer stimmungsvollen Feier der Osternacht begonnen. Die zuerst dunkle Kirche wird am Übergang zum Ostersonntag nach und nach durch Entzünden vieler Kerzen immer heller, bis mit dem Osterevangelium und der Wandlung des Altars der Ostermorgen spürbar anbricht.

Es wirken mit: Pastor Harald Storz, Kantor Stefan Kordes sowie die Kantorei St. Jacobi.

Montag, 27 Februar 2017 17:02

Viel Barockswing ohne akademischen Touch

Festliche Barockmusik in St. Jacobi

Eine gut gefüllte Jacobikirche am Sonntagnachmittag bestätigte die Wahl der Konzertzeit um 16 Uhr – auch, wenn die Konzertdauer mit über zwei Stunden etwas reichlich bemessen war.

Geboten wurde ein „Festliches Barockkonzert“ mit Musik von Johann Sebastian Bach, dem Thomaskantor Johann Friedrich Doles und Jan Dismas Zelenka. Das erklärte Lieblingsstück der Kantorei und eine wunderbare Entdeckung war der kurze Kantatensatz „Nun ist das Heil“: ein doppelchörig angelegter und festlich mit Pauken und Trompeten besetzter Satz begeisterte nicht nur das Publikum. Und auch die Erklärung von Johann Friedrich Doles, der 50 Jahre nach Bach komponierte, „Fugen sind blos Kunstwerke des Verstandes und belustigen allenfalls den Kenner“ wurde eindrucksvoll widerlegt. Denn das sehr kunstvolle Kompositionsprinzip einer Permutationsfuge erklingt bei Bach spielerisch und leicht. Wenn es dann noch vom Kammerchor St. Jacobi und dem Göttinger Barockorchester mit viel Barockswing vorgetragen wird, ist endgültig jeder akademische Touch dieses Kleinods verschwunden.

Doles (1715-1797) erklärte jedoch seinen Gegenentwurf zum Musikverständnis seines Lehrers Bach: Kirchenmusik soll das Herz berühren und Gefühle im Hörer auslösen. Und wenn man nun dem Ratschlag von Arne zur Nieden im Programmheft folgte, nämlich „Bach für 20 Minuten zu vergessen“, war die Intention Doles‘ tatsächlich zu spüren: gefühlvoll und ausdrucksstark interpretierte Kantor Stefan Kordes den Psalm „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Chor und Orchester ließ er klingen, er spannte Bögen und entfaltete somit die Wirkung dieser Musik.

Zu diesem Gelingen haben auch die Solisten beigetragen, von denen vor allem Gotthold Schwarz zu nennen ist, ist Schwarz doch ebenfalls Thomaskantor und damit ebenfalls ein Nachfolger Bachs und auch Doles‘. Aber deswegen wurde er natürlich nicht eingeladen. Vielmehr gestalteten Schwarz gemeinsam mit Theresia Taube, Ulrike Schneider und Henning Kaiser ihre Solistenparts überzeugend.

Begonnen hatte der Abend mit der Kantate „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“. Sie erklang im Rahmen der Reihe „Bach-Kantaten zu Luther-Liedern“. Und diese Kantate hatte es Stefan Kordes sehr angetan. „Eine kleine Matthäuspassion“ erläuterte er – und meinte die Besonderheit dieser Kantate: Bach gestaltete einen groß angelegten und sehr bewegten Eingangschor, in dem neben dem Chor die Oboe und die Querflöte solistisch auftreten. Leider waren Chor, Orchester und Dirigent zu Beginn des Konzertes noch nicht exakt aufeinander eingespielt. Zum Teil klapperte es bedenklich zwischen den Ensemblegruppen. Das legte sich aber schnell. Auch lagen Kordes die „romantischen pianissimo-Passagen“ in der Kantate besonders am Herzen, wie er im Programmheft verriet. Diese pianissimo-Passagen sorgten jedoch dafür, dass der 40köpfige Kammerchor St. Jacobi bisweilen sich nicht recht durchzusetzen vermochte. Dass er dazu durchaus in der Lage ist, war beim anschließenden Psalm von Johann Friedrich Doles zu hören.

Das Göttinger Barockorchester mit seinem Konzertmeister Henning Vater war im gesamten Verlauf des Konzertes mehr als ein zuverlässiger Begleiter: vor allem bei der Musik vor der Pause konnten die Stimmgruppen wunderbare eigene Akzente setzen, besonders genannt seien hier die Flöte, die Oboe und die Trompetengruppe. Nach der Pause erklang die „Missa Divi Xaverii“ von Jan Dismas Zelenka. Chor und Orchester hielten die Konzentration bewundernswert aufrecht. Allein die etwas gefällige Musik Zelenkas zog sich ein wenig hin.

Umso schöner, dass der Bach-Satz „Nun ist das Heil“ als Zugabe noch einmal gegeben wurde. Derart beschwingt entließen der Kammerchor St. Jacobi, das Göttinger Barockorchester und Stefan Kordes das Publikum in den Sonntagabend.

Der Kammerchor St. Jacobi ist gemeinsam mit der Kantorei St. Jacobi am 14. Mai während der Internationalen Händel-Festspiele zu hören. Um 18 Uhr erklingt in der Johanniskirche Händels Oratorium "Israel in Egypt" unter dem Dirigat von Stefan Kordes. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Ticketkauf finden Sie hier im Kulturbüro Göttingen.

Das Göttinger Barockorchester ist bereits am Montag, den 6. März um 19.30 Uhr zu hören. Unter der Leitung von Antonius Adamske erklingen in der St. Pauluskirche unter anderem die drei Bass-Solokantaten von Johann Sebastian Bach. Die Solopartie singt Henryk Böhm. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Ticketkauf finden Sie hier im Kulturbüro Göttingen.

Donnerstag, 08 Dezember 2016 07:41

Schneegeglitzer zum Advent

Der Kammerchor St. Jacobi konzertierte am 2. Advent mit Werken von Schütz, Poulenc und Martin

Dienstag, 22 November 2016 16:46

Bewegende Interpretation des Chores

Konzert zum Ewigkeitssonntag mit der Kantorei St. Jacobi, dem Bariton Andreas Scheibner, der Jenauer Philharmonie unter der Leitung von Stefan Kordes

Samstag, 03 September 2016 13:02

Surround-Klang in der Jacobikirche

Ben van Oosten an der Orgel und das Göttinger Symphonie Orchester unter Stefan Kordes begeisterten im Festkonzert zum 50. Geburtstag der Orgel in St. Jacobi

Samstag, 21 Mai 2016 15:20

Eine ganze Nacht lang Schubert

Schubert-Lieder mit Andreas Fischer und Stefan Kordes in der Jacobikirche

Sonntag, 15 Mai 2016 17:02

Musik mit Seele

Im Nachtkonzert der Händel-Festspiele war die russische Mezzosopranistin Polina Artsis zu Gast, begleitet wurde sie vom Göttinger Kantor Stefan Kordes am Klavier.

1808. Orgelmusik an St. Jacobi: Kammermusik für Klarinette und Klavier mit Anton Säckl und Stefan Kordes

Dienstag, 16 Februar 2016 12:39

Beängstigende Aktualität

Aufführungen des "War Requiem" mit der Kantorei St. Jacobi

Joseph Eybler Weihnachtsoratorium in der Göttinger St. Jacobikirche

Wenn das Weihnachtsoratorium auf dem Programm steht, sind die Kirchen immer gut gefüllt. Das war in der Jacobikirche am Dritten Advent ebenfalls der Fall – obwohl der Komponist nicht Johann Sebastian Bach sondern Joseph Eybler hieß. Die Neugierde auf das Werk des Mozart-Zeitgenossen hatte zahlreiche Konzertbesucher in die Kirche gelockt. Und sie brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen.

Kantor Stefan Kordes hatte für seinen Kammerchor St. Jacobi noch zwei Werke zusätzlich auf den Programmzettel gepackt: die Choralkantate „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie die Weihnachtsouvertüre mit demselben Titel von Otto Nicolai. Es gibt nur selten Gelegenheiten, diese für Chor und großes Orchester komponierten Stücke aufzuführen.

Die Jenaer Philharmonie war in großer Stärke besetzt, da konnte sich der Klang besonders prachtvoll entfalten. Die gut 40 Sängerinnen und Sänger des Kammerchores hatten keine Mühe, sich klanglich durchzusetzen. Nur die Textverständlichkeit blieb manchmal auf der Strecke. Der Choral ist aber ja durchaus bekannt, dazu gab es noch das umfangreiche Programmheft.

Sowohl das Werk des noch jungen Mendelssohn als auch die Weihnachtsouvertüre versetzten das Publikum in adventlich-weihnachtliche Stimmung, um nach der Pause die Göttinger Erstaufführung des 1794 entstandenen Weihnachtsoratoriums „Die Hirten bei der Krippe zu Bethlehem“ zu hören.

Der Textdichter dieses fast opernhaften Oratoriums ist leider nicht überliefert. Hier spielen eine große Naturverbundenheit („Herauf, o Sonne, säume nicht, beflügle deinen Lauf“) und innige Gefühle („Sie nahen, wie tränet ihr Blick!“) die Hauptrollen. Zu hören ist auch dieser schöne Satz: „So tönt’s aus den Kehlen, so rauscht’s aus den Harfen der himmlischen Sänger.“ Wie passend!

Musikalisch ist die Nähe zu Mozart unverkennbar. Das trifft insbesondere auf die Arie „Er ist’s, Gott selbst in Fleisches Hülle“ zu. Die Sopranistin Anna Nesyba war hier die „Königin der Engel“ und setzte wahrlich Höhepunkte – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn. Auf der Opernbühne hätte sie definitiv Szenenapplaus bekommen.

Ihr zur Seite standen Barbara Bräckelmann mit ihrer schön timbrierten Altstimme, Manuel König mit seinem schlanken, mitunter etwas zurückhaltenden Tenor und Konstantin Heintel mit seiner warmen, kraftvollen Bassstimme.

Die Jenaer Philharmonie war mehr als nur ein musikalischer Partner. Sie folgten dem differenzierten Dirigat von Stefan Kordes zu jeder Zeit, nahmen sich zurück, wenn es nötig war, und konnten mehr als einmal eigene Akzente setzen. Das gilt vor allem für die erste Flöte, die am Ende zurecht ihren Sonderapplaus bekam. Das Orchester wurde ergänzt durch Arne zur Nieden an der Großen Orgel (Otto Nicolai) und an der Continuo-Orgel (Joseph Eybler).

Der Kammerchor St. Jacobi hatte im Oratorium nur vereinzelt Chorsätze zugewiesen bekommen. Diese gestaltete der Chor akkurat und ausgewogen in den einzelnen Stimmen. Auch war die Textverständlichkeit deutlich besser. Das lag aber auch am Orchester, das in diesen Fällen deutlich zurückhaltender erklang.

Das Weihnachtsoratorium von Joseph Leopold Eybler (1765-1846) wurde zur Zeit seiner Entstehung hoch gelobt. Das Werk war dann aber lange Zeit eher vergessen. Erst jüngst fand es - wie in dieser Aufführung zu hören war - zu Recht wieder Einzug in die Programme der Kirchenmusik. Ein großer Dank gilt Stefan Kordes, der dieses Juwel der Wiener Klassik für Göttingen entdeckte und zur Aufführung brachte.

Samstag, 25 Juli 2015 12:52

Strahlende Sopranstimmen

Konzert mit dem Kammerchor St. Jacobi

Der Kammerchor St. Jacobi geht auf Konzertreise: einem Auftritt in der Leipziger Thomaskirche folgen noch Stationen in Annaberg, Kohren-Sahlis und Chemnitz.

Am Vorabend der Abreise präsentierte sich der Chor zur 1776. Orgelmusik an St. Jacobi. Kantor Stefan Kordes hat ein Programm mit der Überschrift „Trauer und Freude anlässlich des 70. Jahrestages des Ende des zweiten Weltkrieges“ zusammengestellt. Dabei hat er einige Werke ins Programm genommen, die der Kammerchor bereits vor kurzem in Konzerten gesungen hat. Dazu gehört die Motetten „Wie liegt die Stadt zu wüst“ von Rudolf Mauersberger und „Jesu meine Freude“ von Johann Sebastian Bach.

Man merkte vor allem bei diesen beiden Werken die gründliche Vorbereitung: die Sängerinnen und Sänger musizierten frei und waren nicht mit dem Notentext beschäftigt (wie bei den Motetten von Melchior Franck zu Beginn des Abends). Vielmehr konnten sie das engagierte Dirigat von Stefan Kordes abnehmen und sofort umsetzen. Man merkte dem Ensemble die Musizierfreude regelrecht an.

Solche Momente sorgten auch dafür, dass der Funke in das Publikum in der gut gefüllten Jacobikirche übersprang. Hellwach und konzentriert verfolgten die Zuhörerinnen und Zuhörer die Chorklänge: da gab es eine große Bandbreite an Dynamik mit wunderbarem Pianissimo und kraftvollem Forte, da gab es kleinste Tempoveränderungen, und da gab es präzise Artikulation. Und das alles bei einem sehr ausgewogenen Chorklang, in dem vor allem die Sopranstimmen strahlten.

Im Programm standen noch Motetten von Johann Hermann Schein, die Kordes sehr lebendig gestaltete, sowie das „Exultate deo“ von Francis Poulenc. In der Veranstaltungsreihe „Orgelmusik an St. Jacobi“ darf ein Orgelstück nicht fehlen – auch, um dem Chor eine kleine Verschnaufpause zu geben: Stefan Kordes spielte an der italienischen Orgel eine Toccata von Girolamo Frescobaldi.

Dass in der Bach-Motette die Intonation am Ende ein klein wenig getrübt war, hat der Freude über dieses Konzert nicht beeinträchtigt. Am Ende gab es noch das Abendlied von Josef Gabriel Rheinberger als Zugabe. Und in Leipzig, Annaberg, Kohren-Sahlis und Chemnitz darf man sich schon auf den Kammerchor St. Jacobi freuen.

Montag, 06 Juli 2015 10:00

Nur Sieger bei den Carmina burana

Carmina burana von Carl Orff in der Jacobikirche

Der heilige Jacobus und der böse Zauberer Hermogenes blicken ungerührt vom Altar der Göttinger Jacobikirche auf das weltliche Geschehen unter ihnen: da singen Kinder von Amor, Jünglingen und Jungferlein, da singen Männer von Bacchus und von Trinkgelagen in der Schenke, da gibt sich eine Frau ganz und gar ihrem Süßesten hin – und zu allem tanzen junge Damen und hübschen sich mit Lippenstift auf. Und als sei das alles nicht genug, wird zudem ein Schwan gebraten.

Sind das die bösen Zauber, die Jacobus der Legende nach besiegt hat? Bereits im Eingangschor „O Fortuna“ konstatiert der Chor, dass Willenskraft und Schwachheit immer im Widerstreit liegen. Bei den Aufführungen der „Carmina burana“ von Carl Orff stand die Liebe und die Lebenslust an drei Abenden im Mittelpunkt. Am Ende gab es nur Sieger und keine Besiegten:

Da sind zu allererst die Tänzerinnen der Balletttschule „art la danse“ zu nennen. In einer Choreographie von Judith Kara griffen sie die zum Teil deftigen Inhalte auf und setzten die musikalischen Bilder mit Ausdruckstanz um. Ihr Tanz beschränkte sich nicht nur auf den Altarraum: immer wieder wurden die Gänge im Kirchenschiff als Tanzfläche genutzt – und sogar das Publikum wurde mit einbezogen: Schminkspiegel wurden den Zuhörern entgegengehalten oder kurze schriftliche Botschaften verteilt. Judith Kara hat großartige Bilder geschaffen, die die Tänzerinnen ungemein ausdrucksvoll umgesetzt haben.

Das Orchester bestand zum einen aus zwei Flügeln mit den Pianisten Miriam Puls und Michael Schäfer und zum anderen aus dem Wuppertaler Schlagzeugensemble – aufgeführt wurde nämlich die von Orff autorisierte Fassung für zwei Klaviere und Schlagwerk. Die zum Teil komplizierten Rhythmen dieser Musik können in dieser Fassung häufig deutlicher herausgearbeitet werden als in der Orchesterfassung. Das war in der nicht einfachen Akustik der Jacobikirche nicht immer so deutlich herauszuhören.

Das gilt auch für den Chor, bestehend aus der Kantorei St. Jacobi und dem Unterstufenchor des Otto-Hahn-Gymnasiums. Zwar klang das Tutti groß und archaisch, der Kinderchor jugendlich frisch, der Männerchor mit erfreulichen großen Ton. Nur konnte man zu nahezu keinem Moment etwas vom Text verstehen. Dabei lebt doch zum Beispiel die Szene „in tabernam“ von der Artikulation.

Der Begeisterung der Sängerinnen und Sänger, aber auch der Zuhörer tat das allerdings keinen Abbruch. Diese Musik ist mitreißend komponiert und mitreißend wiedergegeben worden.

Von den Gesangssolisten hat der Tenor als Schwan die dankbarste Rolle. Andreas Fischer gestaltete seinen Auftritt perfekt. Der Bariton Samuel Hasselhorn konnte vor allem in den hohen Lagen überzeugen, während Anna Gann ihr „Dulcissime“ zuckersüß gestaltete und damit die Herzen des Publikums eroberte.

Von der Kanzel aus agierte Stefan Kordes als musikalischer Leiter. Präzise dirigierte er die Ensembles. Er hatte sichtlich Freude am Geschehen im Altarraum und auf dem hohen Chorpodest. Wie auch das Publikum in der dreimal ausverkauften Jacobikirche. Und wie wohl auch der heilige Jacobus.

Sonntag, 10 Mai 2015 20:55

Herausragende Aufführung

Dresdner Requiem mit der Jacobikantorei

Atmosphärisch dicht – so lässt sich am besten die Aufführung von Rudolf Mauersbergers Dresdner Requiem am Samstagabend in der St. Jacobikirche beschreiben. Enthusiastischere Beschreibungen, die für die ausgezeichnete Aufführungsqualität bei einem anderen Stück sicher leicht aus der Feder geflossen wären, verbieten sich bei diesem Aufführungsanlass und diesem Stück. Überhaupt - der Anlass:  Der 70. Jahrestag des Kriegsendes. Dieses wurde von Mauersberger, damals Kreuzkantor  in Dresden, ebenso wie die vorangegangene Zerstörung der Stadt direkt miterlebt. Seine Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“, die bereits am 4. August 1945 in den Ruinen der Kreuzkirche uraufgeführt wurde, wurde auch im Göttinger Konzert dem Requiem vorangestellt – wie es der Dresdner Aufführungstradition entspricht. Stefan Kordes hatte die Kantorei St. Jacobi als Hauptchor und den Kammerchor, der den Part des Fernchores und den Altarchor übernommen hatte, bestens vorbereitet. Die räumlich weite Entfernung der drei Gruppen und der Instrumentalisten, neben Mathias Herbst, Orgel, und Miriam Puls, Célesta,  auch Mitglieder – insbesondere Blechbläser - des Göttinger Symphonie Orchesters, führte an keiner Stelle der Aufführung zu rhythmischen Unstimmigkeiten. Hier ist auch Arne zur Nieden zu nennen, der die Leitung des Fernchores auf der Orgelempore übernommen hatte und für Präzision und harmonisches Einfügen ins Gesamtgeschehen stand.

Für die Zuhörenden entwickelte sich auf diese Weise ein Klangerlebnis, das eindrücklich die Texte kommentierte und in Zusammenhang brachte, so wie es vom Komponisten durch die Textauswahl aus Bibeltexten und Gesangbuchliedern und durch die Rollenzuordnung vorgesehen war: Der  Hauptchor stand insbesondere für den Bezug zur Jetztzeit und zur Zerstörung Dresdens, vielfach formuliert durch eine Auswahl von alttestamentlichen Texten aus dem Buch Hiob und den Klageliedern. Dazu versinnbildlichte der Fernchor die Abgeschiedenen und spiegelte die Aussagen des Hauptchores. Der kleine Altarchor, dem auch solistische Aufgaben übertragen waren, übernahm vorwiegend die Evangelientexte. Wie Mauersberger es vorgesehen hatte, stand dieser Chor in Kurrendetracht zentral um einen kleinen Tischaltar mit Kreuz und Kerze. Hierdurch wurde das Requiem auch liturgisch verortet und entwickelte eine tiefe Aussagekraft, die von allen Mitwirkenden getragen wurde. Zwei Choralstrophen waren für den Gemeindegesang vorgesehen und mit Noten im Programmheft notiert, so dass in diesem Mittun alle Anwesenden – Chöre, Instrumentalisten und Zuhörer zu einer musikalischen Gemeinschaft zusammengeführt wurden.

Stefan Kordes ist zu danken, dass er den Anlass wahrgenommen und mit dieser Göttinger Erstaufführung ein Zeichen gesetzt hat. Zudem hat er durch die überaus geschickte Inszenierung  dafür gesorgt, dass dieses Requiem in einem liturgischen Rahmen stattfand und es konsequenterweise auch keinen Applaus gab – aber umso mehr eindrückliche Erinnerungen aller Anwesenden an eine herausragende Aufführung. Selten erlebt man Aufführungen, in denen Stück, Aufführungspraxis und Anlass so perfekt korrespondieren.

Montag, 09 Februar 2015 12:46

Schwelgen auf Französisch

Die "Seligpreisungen" von César Franck in der Göttinger Jacobikirche

Die französische romantische Musik ist vor allem durch ihre Orgelwerke bekannt. Dazu gehören auch die Orgelwerke von César Franck. Romantische Oratorien aus Frankreich sind eher unbekannt. Das Oratorium „Béatitudes“ (Seligpreisungen) von César Franck gehört somit ebenfalls zu den unbekannten großen Chorwerken. Dass sich der Bekanntheitsgrad dieser Musik überhaupt steigern konnte, ist der Pionierarbeit von Hans Christoph Becker-Foss aus Hameln zu verdanken, der für seine Aufführungen des Werkes im Herbst letzten Jahres in jahrelanger Arbeit das Aufführungsmaterial erstellt hat.

Das nutzte Jacobi-Kantor Stefan Kordes nur wenige Monate später. Seine Leidenschaft für die französische Romantik hatte er bereits häufiger gezeigt. Diese Leidenschaft ist es in erster Linie, die die Göttinger Erstaufführung in der Jacobikirche zu einem großen Erfolg werden ließ. Das beginnt schon in der Begeisterung, die zunächst im Chor geweckt werden muss. Eine große Chorpartie, ein unbekanntes Stück, eine fremde Sprache – das spricht zunächst wenig für große Begeisterung. Die aber war im Konzert deutlich zu spüren! Der Chor war gut vorbereitet und wirkte sehr präsent. Es ist eine besondere Herausforderung, bei solcher Musik nicht „mitzuschwelgen“, sondern durch selber aktiv dafür zu sorgen, dass die Zuhörer in den romantischen Klängen schwelgen können. Die verschiedenen Rollen des Chores als irdischer oder himmlischer Chor waren deutlich unterscheidbar.

Franck hat den acht Seligpreisungen jeweils größere, zum Teil dramatische Passagen für Chor und Solisten vorangestellt. Für die unterschiedlichen Rollen wird ein großer Stab an Solisten benötigt. Zum Teil hat sich Stefan Kordes dabei aus seinem eigenen Chor bedient: Marie Lüders (Sopran), Karsten Krüger (Tenor) und Christian Neofotistos (Bass) machten ihre Sache mehr als ordentlich.

Dem frisch gebackenen Thomaskantor Gotthold Schwarz kam eine besondere Rolle zu: er sang die Stimme Christi und damit den eigentlichen Bibeltext. Mitunter hätte man sich außer der schönen Stimme noch etwas mehr Volumen gewünscht, nicht immer konnte sich Schwarz gegenüber dem groß besetzten Orchester durchsetzen.

Ganz anders Nicole Pieper, die sich mit ihrer Altstimme mühelos durchsetzte. Insbesondere ihren Solopart „Mater Dolorosa“ gestaltete Pieper so dramatisch, dass es unter die Haut ging.

Henryk Böhm gestaltete "seinen" Satan mit Augenzwinkern und Stephanie Henke gefiel als Engel sowie in einigen weiteren kleineren Rollen (Sopran). Clemens Löschmann (Tenor) hatte in den neun Nummern (Prolog und acht Seligpreisungen) häufig die Aufgabe des Prologs und der Hinführung zur Seligpreisung. Löschmann gestaltete seinen Part passend zur romantischen Musik mit viel Gefühl und dosierte die Kraft unterschiedlich - gerade so, wie es die Musik erforderte.

Einzig die Rolle des Erzählers wurde nicht ganz klar: Wolfgang Wangerin erzählte (in deutscher Sprache) jeweils den Ablauf jeder Nummer - der aber aus dem (etwas knappen) Programmheft eindeutig hervorging. Dass zudem die Technik immer wieder ausfiel, war ihm natürlich nicht anzulasten.

Das Göttinger Symphonie Orchester war groß besetzt und entsprechend durch zahlreiche Aushilfen verstärkt, zum Schluss sogar mit der großen Orgel der Jacobikirche. Die Musiker unter dem Konzertmeister Wojtek Bolimowski waren gut aufgelegt. Sie reagierten auf kleinste Fingerzeige des Dirigenten. Die Dynamik, die Kordes einforderte, wurde unmittelbar umgesetzt, so dass die Musik Francks sich zur ganzen Pracht entfalten konnte. Antonius Adamske setzte mit vollen Register am Ende des Stückes das i-Tüpfelchen auf die überbordenden Klänge.

Dem Chor gehört ein besonderes Lob ausgesprochen. Denn das gut zweistündige Werk lässt den Choristen kaum Verschnaufpausen. So wurde das Werk im wahrsten Sinne „durchgestanden“. Ermüdungserscheinungen waren nicht zu verzeichnen. Bis zum Schluss hielt der Chor die Spannung. Ja, sie konnte im zweiten Teil sogar noch gesteigert werden.

Die Musik von César Franck war für die meisten Besucher ganz neu. Es ist sehr erfreulich, dass die Göttinger sehr neugierig sind: es waren nicht nur viele Kollegen von Stefan Kordes anwesend, die Kirche war insgesamt sehr gut gefüllt. Die Stimmen in der Pause und nach dem Konzert waren unterschiedlich, was die Musik angeht. Von „hat so seine Längen“ über „ich mag solche Schmachtfetzen“ bis „ich habe Gänsehaut bekommen“ war alles vertreten. Was aber die Umsetzung angeht, waren sich alle einig: es kann nur höchstes Lob ausgesprochen werden an den Dirigenten, den Chor, die Solisten und das Orchester.

Der lang anhaltende Applaus am Ende hat das eindrücklich unter Beweis gestellt.

Einweihung am Freitag, 19. Dezember, 18 Uhr

Seit wenigen Wochen steht in der Göttinger St. Jacobi-Kirche eine italienische Orgel aus dem Jahr 1844. Platziert im vorderen Teil der Kirche neben dem Altarraum wird sie in Zukunft abwechselnd zur großen Orgel in Konzerten und Gottesdiensten zu hören sein. Die Orgel wird am Freitag, 19. Dezember, um 18 Uhr mit einem Konzert eingeweiht. Kantor Stefan Kordes spielt dabei italienische Orgelmusik unter anderem von Frescobaldi und Rossi und führt in die Besonderheiten des Instruments ein. Superintendent Friedrich Selter (Kirchenkreis Göttingen) und Pastor Harald Storz (St. Jacobi) werden Grußworte sprechen. Der Eintritt zum Konzert, das etwa eine knappe Stunde dauern wird, ist frei. Am Sonntag, 21. Dezember, 10 Uhr, wird die italienische Orgel erstmals im Gottesdienst zu hören sein. Es singt die Kantorei St. Jacobi, die Predigt hält Pastor i. R. Dirk Tiedemann.

Stefan Kordes freut sich sehr über das neue, mitteltönig gestimmte Instrument: "Wer einmal den Klang einer alten italienischen Orgel gehört hat, vergisst ihn nicht so schnell. Mit wenigen Registern schaffen diese Instrumente eine ganz außergewöhnliche Klangpracht. Hinzu kommt die berühmte 'voce umana', die 'menschliche Stimme', die einen ganz warmen, schwebenden Klang schafft", erläutert der Kantor. "Auf diesen Instrumenten entwickelt die Musik der Renaissance, wie von den italienischen Komponisten Frescobaldi, Gabrieli oder Rossi, aber auch von Sweelinck, Scheidt, Byrd und vielen anderen, eine ganz besondere Atmosphäre, die mit modernen Orgeln nicht darstellbar ist." Das Instrument in St. Jacobi verfügt als zusätzliche Besonderheit über eine "ussignolo", eine "Nachtigall": Einige Pfeifen spielen in ein Gefäß mit destilliertem Wasser und erzeugen so ein Zwitschern wie von Vögeln.

Das Einweihungskonzert für die italienische Orgel ist die 1.755ste Veranstaltung in der Reihe der Orgelmusiken. Seit den 70er Jahren finden diese jeden Freitag von März bis Dezember um 18 Uhr in der Göttinger St. Jacobi-Kirche statt, besucht von durchschnittlich 100 Zuhörern. Darüber hinaus bieten die Internationalen Orgeltage seit 1966 alle zwei bis drei Jahre Konzerte mit Spitzenorganisten aus aller Welt.

Montag, 07 Juli 2014 13:01

Mit Pauken und Trompeten

Klanggewaltige Psalmen und Tänze in St. Jacobi

Am Sonntagabend präsentierten die Kantorei St. Jacobi und das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) unter der Leitung von Stefan Kordes Werke von Komponisten, die alle eins gemeinsam hatten: Einen abenteuerlichen, sehr bewegten Lebensweg. Das zweistündige Programm spiegelte einige Lebensstationen der Künstler effektvoll wieder und bot im Zusammenspiel von Chor und Instrumentalisten (vielfältig besetzt mit Orgel, Celesta, Klavier, Altsaxophon, Harfen und reichhaltigem Schlagwerk) den Zuhörern der knapp halbvollen Jacobikirche einen klanggewaltigen Abend.

Zwei Psalmvertonungen von Alexander Zemlinsky rahmten das Konzert: Psalm 13 (Herr, wie lange willst du mein vergessen), geschrieben 1935 – zwei Jahre zuvor war Zemlinsky aus Furcht vor nationalsozialistischer Verfolgung nach Österreich geflüchtet, auch von hier wurde er später vertrieben. Text und Vertonung des Psalms bringen seine Verzweiflung greifbar zum Vorschein, die effektvolle, spannungsgeladene Komposition erinnert an Filmmusik, es scheint als hätte Zemlinsky mit der strahlenden Bombastik gegen seine Angst ankomponiert.

Der zum Abschluss des Konzerts erklingende Psalm 23 (Der Herr ist mein Hirte) von 1910 beginnt hingegen schlanker, steigert sich dann aber ebenso phänomenal, bevor die „grüne Aue“ als leichte Sommerwiese, klein instrumentiert mit Streicher-Pizzicati, Harfenklängen, Triangel und weiterem klingenden Schlagwerk, überraschend heiter und unspektakulär ausklingt. Diesen Psalm hatte Zemlinsky in einer Zeit erfolgreicher Etablierung als Dirigent erarbeitet.

Leider agierte das Orchester in diesen Werken meistens zu laut für den Chor, dessen Einsätze man als Zuhörer manchmal kaum mitbekam. Obwohl der Chor vor allem die Abschlusskonsonanten extrem artikulierte, war daher auch vom Text Zemlinskys wenig zu verstehen.

Letzteres war allerdings zu verschmerzen, da Zemlinsky seine Empfindungen ja mehr oder weniger auskomponiert hat. So bestrahlten bei beiden Psalmen nach effektvollen Generalpausen gesetzte, gleichzeitige Einsätze von Chor und Orgel den Kirchenraum mit Hoffnung und Zuversicht. Der Emotionalität solcher mitreißend aufgeführter Stellen konnte man sich nicht entziehen.

Angesichts so viel vertonten Gefühls kann man sich kaum vorstellen, dass Zemlinsky eine lebenslange Freundschaft mit Arnold Schönberg verband und beide auf Sergej Rachmaninoff als „letzten Romantiker“ herab sahen. Dessen Vorliebe für schwelgerische Themen, vor allem aus seinen Klavierkonzerten bekannt, brachte das GSO in den Sinfonischen Tänzen von 1940 zu Gehör – dem letzten vollendeten Werk des Komponisten, geschrieben im Exil in den USA. Rachmaninoff bezeichnete diese dreisätzige Komposition, in der er mehrere Stationen seines Lebens und Schaffens verarbeitet, als sein bestes Werk. Den ersten Satz durchzieht ein mitreißendes Thema aus absteigenden Dreiklängen – vielen vermutlich aus der Fernsehserie Quarks & Co bekannt – welches in einer langen, solistischen Passage von den Holzbläsern variiert wird. Sind die schwelgerischen Themen im ersten Satz noch lang und als solche gut mitzuverfolgen, sperren sich dieselben des zweiten und dritten Satzes der Eingängigkeit und gehen in keine eindeutige Richtung mehr. Hier war auch die Kirchenakustik von großem Nachteil: Durch abrupte Wechsel in der Lautstärke gingen vielfach eingebauten Solostellen verschiedener Instrumentalisten im Nachhall unter – schade um die Details.

Die romantische Stimmungsmalerei endete in gewaltigem musikalischem Donner. Nach der Pause ging es mit sonnigem Mendelssohn weiter: Psalm 95 („Kommt, lasst uns anbeten“), komponiert 1838, ist ein Chorwerk ohne reinen Chorsatz – zwei Soprane (Charlotte Diekmann und Anna Gann) und ein Tenor (Andreas Fischer) sangen im stetigen Wechsel mit der Kantorei. Die Sing- und Spielfreude war groß, besonders im zweiten Satz, übrigens passend zum Text („Kommet herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken und jauchzen dem Hort unsers Heils“).

In der Mitte der zweiten Konzerthälfte spielte das GSO die Polowetzer Tänze von Alexander Borodin – ein wunderbar schwingendes, kontrastreiches Stück voller Orientalismen, in welchem die Instrumentalisten akrobatisch von einer Emotion in die andere sprangen. Viele der rhythmisch anspruchsvollen Stellen dürften vor der nächsten Aufführung allerdings nochmal geübt werden.

Samstag, 07 Juni 2014 09:52

Ein Kontrapunkt zu Händel

Englische Kathedralmusik mit Stefan Kordes

Die Orgelmusik an St. Jacobi hat eine lange Tradition. Am Freitag war die 1727. Orgelmusik in der Jacobikirche zu hören. Zu den Händel-Festspielen wählt Kantor Stefan Kordes traditionell einen „Kontrapunkt“ zum Festspielprogramm. In diesem Jahr lautete die Überschrift „Englische Kathedralmusik zum 80. Todestag von Edward Elgar“

Es war also ein britischer Abend, der mit den „11 Vesper voluntaries“ von Edward Elgar begann. Diese erste explizite Komposition für Orgel von Elgar gestaltete Kordes dicht und mit viel Dynamik. Unterbrochen wurden die 11 kurzen Stücke vom „Imperial March“ für das diamantene Kronjubiläum von Königin Victoria. Ursprünglich für großes Orchester geschrieben, erfreut sich die Orgelfassung großer Beliebtheit. Dazu passt das Werk gut in das diesjährige Händel-Motto „Herrschaftszeiten!“
Kordes wählte als Kontrast noch „Carol and Divertimento“ von Percy Whitlock (1903-1946). Die Musik des britischen Konzertorganisten passt gut zur großen Ott/Schmid-Orgel in St. Jacobi.

Zum Schluss zog Stefan Kordes zwar nicht alle Register, aber doch einige: die Orgelfassung von „Pomp and circumstance“ Nr. 1 von Edward Elgar erfüllte die gut besuchte Jacobikirche bis in den letzten Winkel. Und ein Register klang auch unten im Kirchenschiff: das Register „Mitsummen“ gehört zu diesem Stück dazu wie der Zimbelstern zu Weihnachten.

Freitag, 18 April 2014 22:12

Erfüllt und beeindruckt

Andacht zur Todesstunde Christi mit dem Kammerchor St. Jacobi

Was Kirchenmusik bewirken kann: war der Karfreitagsgottesdienst einer Innenstadtgemeinde am Morgen noch mit 17 Besuchern sehr übersichtlich besucht, reichten zur „Andacht zur Todesstunde Christi“ um 15 Uhr in der Jacobikirche die Stühle und Gesangbücher kaum. Die Kirche war gefüllt wie andernorts zu Heilig Abend.

Hauptanziehungspunkt war die Kirchenmusik: Kantor Stefan Kordes hatte mit seinem Kammerchor St. Jacobi Werke von Heinrich Schütz vorbereitet. Im Mittelpunkt stand das geistliche Chorwerk „Die sieben Worte Jesu Christi am Kreuz“. Der Kammerchor war gut vorbereitet und klanglich sehr ausgewogen. Wie häufig in Jacobi waren die Solistenpassagen von Choristen besetzt: Andreas Fischer, Marie Lüders, Maxi Jansky, Arne zur Nieden, Tobias Wolff und Stephan Herminghaus sangen ihre Passagen souverän und ausdrucksvoll.

Fischer und Wolff sangen im Duett vorab „O hilf Christe, Gottes Sohn“ und anschließend „Tristis est anima mea“ von Marc-Antoine Charpentier. Der Kammerchor sang zudem noch die Schütz-Motette „Das ist je gewißlich wahr“.

Chor und Solisten wurden vom Kammerorchester St. Jacobi zuverlässig begleitet.

Diese längst Tradition gewordene Andacht mit Kirchenmusik am Karfreitag ist einer der Höhepunkte im an Höhepunkten nicht armen musikalischen Kirchenjahr in Göttingen. Es ist überaus erfreulich, dass alle Jahre wieder ein anspruchsvolles Musikprogramm im Mittelpunkt der Andacht steht. Hier erfüllt die Kirchenmusik ihre wichtige Funktion der Verkündigung. Und das mit anhaltend großem Erfolg. Erfüllt und beeindruckt verließen die vielen Gottesdienstbesucher die Jacobikirche.

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