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Samstag, 02 Dezember 2017 12:26

Skurrile Schatzsuche dreier Schurken

Premiere von „Winnetou und der halbe Abt“ von Lars Wätzold

Mittwoch, 11 Oktober 2017 00:00

Ein bisschen Romantik und jede Menge Sehnsucht

„Glück“ - Ein komödiantisches Duell auf der DT-X Bühne

Indien - Eine Tragikomödie von Josef Hader und Alfred Dorfer: Premiere im Deutschen Theater

Das Deutsche Theater eröffnet mit der Operette "Im weißen Rössl" die neue Spielzeit

Sonntag, 06 März 2016 23:34

Kalte Poesie

Premiere von Shakespeares „Romeo und Julia“ im Deutschen Theater

Montag, 23 November 2015 15:25

Entzückend!

"Bleib doch zum Frühstück" im Deutschen Theater

Die Premiere des Stücks „Bleib doch zum Frühstück“, eine Komödie von Gene Stone und Ray Cooney unter Regie von Florian Eppinger, bot dem Publikum im Deutschen Theater wunderbar kurzweilige Abendunterhaltung im entspannten Rahmen des DT-X Kellers.

Als die junge, hochschwangere Türkin Leila aus ihrer WG fliegt, zieht sie kurzerhand bei Endvierziger Hans-Georg eine Etage tiefer ein und bringt sein geordnetes Leben gehörig durcheinander. Zwei Welten prallen aufeinander, der Kulturschock ist vorprogrammiert. Dabei werden natürlich alle Klischees bedient: Gefestigter aber verschrobener Beamter mit penibel geplantem Tagesablauf und tadellosen Manieren trifft auf unverschämte Türkin mit losem Mundwerk, akutem Geldmangel, eher unstetem Lebensstil und gänzlich fehlendem Sinn für Privatsphäre. „Türkenschlampe“ triff auf „notgeilen Rentnerwichser“, um es mit Leilas Worten zu sagen. Er ist korrekt, pünktlich und wirklich ein bisschen steif, sie sieht dem Leben ganz entspannt entgegen. Nur eben Spießer kann sie nicht ausstehen, „Vati, Mutti, Schatzi, Hundi, Audi – alles Scheiße“. „Entzückend“, kann Georg da nur immer wieder feststellen. Und als dann in der Nacht auch noch die Wehen einsetzen, geht das Chaos erst richtig los...

Trotz der humoristischen Grundnote, gibt es auch immer wieder ernste Zwischentöne. Denn letztendlich geht es auch hier um die großen Fragen des Lebens: Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Was ist Heimat? Was mache ich mit der Zeit, die mir gegeben ist? „Bleib doch zum Frühstück“ ist eine Komödie über die Zufälle des Lebens und die Kunst über den eigenen Schatten zu springen. Liebenswert und zum Schreien komisch. Selbst die Schauspieler können sich das Lachen manchmal nicht verkneifen.

Leider weist das Stück trotzdem ein paar kleinere Schwachpunkte auf. Einige Passagen haben durchaus ihre Längen und mancher Szene hätte es wohl gutgetan, wenn sie nicht ganz so gründlich ausgekostet worden wäre. Der dramatische Aufbau gleicht zudem einem Wellengang, mehrere Male hat der Zuschauer das Gefühl, den Höhepunkt des Stücks erreicht zu haben, obwohl das Spektakel noch lange nicht vorbei ist.

Dafür entschädigen jedoch die Schauspieler. Felicitas Madl (Leila Hamit), Ronny Thalmeyer (Hans-Georg Ralcke) und Frederik Schmid (als Nachbar Jimmy) bieten eine hervorragende Leistung. Besonders Ronny Thalmeyer als Hans-Georg spielt sich in die Herzen der Zuschauer. Mit großartiger Leichtigkeit verkörpert er, wie die korrekt funktionierende Beamtenmaschine zu einem lebensfrohen Mann aufblüht. Und nach einem etwas holprig wirkenden Start wachsen die Schauspieler auf der Bühne genau wie ihre Figuren zu einem richtigen Team zusammen und nähern sich auf wunderbar skurrile Weise einander an. Das Duo Madl-Thalmeyer entfaltet so ein großartiges Zusammenspiel, bei dem die bissigen Kommentare und trockenen Sticheleien nur so über die Bühne fliegen. Das Paar versprüht dabei unglaublich viel Spaß am Spiel, Charme und Sympathie. Und auch Frederik Schmid mimt in der Nebenrolle des Nachbarn den arroganten, selbstgefälligen Schnösel sehr überzeugend.

Insgesamt also wunderbare Unterhaltung: Teils bis ins Absurde gesteigerter Humor, manchmal mit ernstem Unterton, aber auch einfach urkomisch. Das Publikum war begeistert, der heitere Abend bleibt also in guter Erinnerung. „Entzückend“, würde Hans-Georg sagen.

Sonntag, 29 März 2015 20:05

Auf Drogen im Wald

„The Black Rider“ feiert Premiere im Deutschen Theater

Gut, dass es Programmhefte gibt! Das ansprechend gestaltete kleine Heft des Deutschen Theaters konnte mir im Nachhinein das Stück erklären. Ansonsten wäre ich zu sagen versucht gewesen, dass man sich als Besucher der Premiere von „The Black Rider“ vor einem konzeptlosen Wald wiederfand, in dem neun Schauspieler mit jeder Menge Spaß und Musik sämtliche Ideen, die sie in der Produktionsphase des Stückes hatten, aneinander reihten. Man meinte geradezu die Dialoge auf der Probenbühne zu hören: „Wär das nicht unglaublich komisch, wenn die Nancy da in der Todesengelszene mit einem Akkordeon von der Bühnendecke hängt?“ - „Geil! Das machen wir! Das ist echt Kunst!“

Zu meinem Glück habe ich wie gesagt im Nachhinein doch noch alles verstanden und befinde mich nun in der erfreulichen Lage, dieses Wissen mit meinen Lesern zu teilen. Also: Da gab es drei Amerikaner in den 1980er Jahren, William S. Burroughs, Ikone der amerikanischen Beat-Literatur, Tom Waits, Musiker, sowie Robert Wilson, Regisseur. Die drei setzten sich zusammen und nahmen sich den „Freischütz“ vor, eine deutsche Volkssage, die durch Carl Maria von Webers Opernfassung zu Weltruhm gelangt war: Wilhelm (Moritz Schulze), ein junger Mann aus der Stadt, liebt Käthchen (Vanessa Czapla), die Tochter des Försters. Um sie heiraten zu können, muss er ein treffsicherer Jäger werden – dies gelingt ihm erst, als ihm der zwielichtige Stelzfuß (Emre Aksızoğlu) einen Satz Kugeln anbietet, die niemals ihr Ziel verfehlen. Auf diese Weise immer erfolgreich, berauscht sich Wilhelm an der Jagd so sehr, dass ihm vor der entscheidenden Bewährungsprobe die Munition ausgeht.

Diesen an sich einfachen Plot schrieben die drei Amerikaner so um, dass der Eindruck entsteht, man befände sich im halluzinogenen Drogenrausch: Zunächst wird keine klare Gattung gewählt, das Stück rangiert am ehesten unter „Musiktheater“, gleichzeitig ist es aber auch Oper, Zirkus, Karnevalsveranstaltung oder Show. Chronologien der Handlung werden aufgebrochen, die Figuren werden nicht eingeführt, die Darsteller spielen mit Worten und Text oder wechseln, wie Gerd Zinck zur Begeisterung des Publikums, alleine und abrupt von Rolle zu Rolle. Es gibt lange Szenen, ganz in „Zeitlupe“ gespielt. Der Text ist ein Mix aus Englisch und Deutsch, die Liedtexte bleiben englisch. Es wird viel gereimt, meist büttenrednerartig platt: Als Förster Bertram (Ronny Thalmeyer), von Wilhelms angeblicher Treffsicherheit begeistert, eine ganze Schubkarre voll blutenden Wilds auf die Bühne fährt, bestätigt er: „Wer so gut mit der Flinte kann, trifft auch ins Ziel als Ehemann.“

Vom „Freischütz“ bleiben eigentlich nur eine grobe Handlung sowie die deutschen Namen übrig – ansonsten begegnet der Zuschauer im Stück Cowboys und Indianern, die sich blut- und waffengeil in einem Wald profilieren wollen. Auch durch die amerikanisch angelehnte Kostümwahl wird der Eindruck unterstrichen, dass dem Besucher in diesem Stück kein Spiegel vorgehalten, sondern, wenn überhaupt, Kritik an der amerikanischen Waffenfreude geübt werden soll.

Regisseurin Beate Baron setzt der absurden Mischung mit weiteren klamaukigen sowie verwirrenden Ideen dann noch die Krone auf. So steht Gerd Zinck über weite Teile des Stückes in einer ebenerdigen Loge und malt assoziative Bilder zum Geschehen. Emre Aksızoğlu agiert als Freiheitsstatue, mit Strahlenkranz, glitzerndem Amerikanische-Flagge-Kleid, Strumpfhosen und hohen Schuhen. In der letzten Szene, eindrucksvoll in Zeitlupe gemimt, tupft Mutter Anne (Andrea Strube) dem inkontinenten Ahnherr der Försterdynastie (Anton von Lucke) pikiert mit einem Taschentuch zwischen den Beinen herum, bevor sie Wilhelm als neuen Sohn der Familie in ihre Brüste zieht.

Das fantastische Bühnenbild (Silke Bauer), ein oben abgeschrägter, drehbarer, von allen Seiten zu öffnender Zylinder, macht es möglich, die Bühne in verschiedensten Ebenen zu bespielen, was den Abwechslungsreichtum des Stückes noch verstärkt.

Wem all das zu viel oder zu abstrakt ist, dem könnte das Stück immer noch wegen der Musik gefallen: „The Rolling Bones“ werden als fetzige, ihrem Stil treu bleibende Band, die die Songs mal balkanpop-, mal klezmerartig interpretiert, zum Publikumsliebling. Die Schauspieler haben tolle Stimmen, allen voran Vanessa Czapla. Um ganz ehrlich zu sein, hätte ich etwa ab der Hälfte des Stücks gerne nur noch die Czapla zusammen mit der mitreißenden Band Songs singen gehört. Während der 2 ¼ Stunden geschah mir letztlich doch zu viel, als dass ich Empathie für die Charaktere hätte entwickeln können. Obwohl (oder weil) Auge und Ohr pausenlos gefordert wurden, stumpfte das eigene emotionale Empfinden ab. Es ist dann zum Schluss wie nach einem Besuch der vatikanischen Museen: Man hat richtig viel gesehen, aber an was erinnert man sich noch?

Die meisten Zuschauer sehen es allerdings anders: Es gibt zum Ende, aber auch schon mittendrin jede Menge Applaus; in der finalen, in „Zeitlupe“ gespielten Sequenz ist die Spannung greifbar, ist das Publikum wie hypnotisiert von den kunstfertig verzögerten Bewegungen der Darsteller.

Wem die Einnahme halluzinogener Drogen zu heikel ist, der kann sich in „The Black Rider“ einen Abend lang einem ganz ungefährlichen Rauschzustand hingeben. In jedem Falle lohnt es sich vorher den Beipackzettel zu studieren.

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