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Sonntag, 18 Februar 2018 16:35

Ein Versprechen für die Zukunft

Der „Preis der deutschen Theaterverlage“ wurde im Deutschen Theater an Erich Sidler und Matthias Heid verliehen. Die Verleihung fand direkt nach der mit großem Applaus bedachten Premiere von „paradies fluten“ im Großen Haus statt – und genau diesen Umstand griff der Laudator auch auf.

Montag, 20 April 2015 16:15

Eine brillante Aufführung

Biedermann und die Brandstifter – Premiere im Deutschen Theater

Auf einem überdimensionalen Flacon steht der Protagonist Gottlieb Biedermann und zeigt sich durch grazile Bewegungen und Gesten als den perfekten Menschen. Doch was macht einen perfekten Menschen aus? Wie denkt und handelt er? Durch den Raum schallt eine Stimme, die genau danach fragt: „This is the perfect human. What kind of thing is it?“

Herr Biedermann und seine Frau Babette, dargestellt von Karl Miller und Felicitas Madl, wohnen als Inhaber einer Parfümfabrik in einem schönen Eigenheim. Sie lesen in der Zeitung von Brandstiftern, die ihr Unwesen in der Stadt treiben und ganze Stadtviertel in Brand setzen. Als Obdachlose, die um Herberge erbitten, verschaffen sie sich Zutritt in fremde Häuser und zünden sie an. Biedermann belächelt die Einfaltspinsel, die auf solch einen Trick hereinfallen -  befindet sich aber plötzlich in derselben Situation. Schmitz, einer der Brandstifter (Bardo Böhlefeld), gelangt mit der gleichen List in das Heim der Biedermanns. Die Beiden lassen sich geschickt um den Finger wickeln und bemerken nicht, wie offensichtlich das Unheil seinen Lauf nimmt. Sie sind blind vor Freundlichkeit und wollen der Tatsache nicht ins Auge sehen, dass sie gradewegs in eine Tragödie rennen. Sogar als Schmitz seinen Freund Eisenring (Frederik Schmid), ohne zu fragen mit ins Haus holt und Benzinfässer auf dem Dachboden lagert, möchte keiner der Hausbewohner die unheilvolle Situation erkennen. Diese spitzt sich schließlich immer weiter zu, bis es schließlich zu einer Explosion kommt...

Das „Lehrstück ohne Lehre“ von Max Frisch wurde von dem Dramaturgen Matthias Heid und unter der Regie von Lucia Bihler auf die Bühne gebracht. Die Inszenierung hat die Intention, vor dem Offensichtlichen nicht die Augen zu verschließen. Bardo Böhlefeld, als Schmitz dem Brandstifter, ist es gelungen auf geschickte, emotionale Weise und mit vielen Wortspielen die Hauseigentümer um den Finger zu wickeln. Frederik Schmid  als sein Komplize schlüpft mühelos in die Rolle des manipulativen, stotternden Obdachlosen, aber auch in den selbstbewussten Komplizen von Schmitz. Felicitas Madl verkörpert Babette, die Frau des Hausherren Biedermann. Sie glänzt in ihrem wunderschönem 50er Jahre Kleid und stellt die perfekte Ehefrau des Unternehmers Biedermann dar. Ihr gelingt der schmale Grat zwischen der hilfsbedürftigen, herzkranken Ehefrau und der selbstüberzeugten Dame des Hauses. Mark Miller als Herr Biedermann stellt den angeblich perfekten Menschen dar. Durch eine unverbesserliche Körperbeherrschung bewegt er sich auf der Bühne, als ob es tatsächlich sein Eigenheim wäre und symbolisiert seinen Individualismus in der Gesellschaft. Als wortlose Hündin Anna gestikuliert Moritz Schulze in seinem schwarzweißen Ganzkörperkostüm. Auch ohne Worte weiß jeder, was er mitteilen möchte. Er ist der Charakter auf der Bühne, der wohl am meisten Mistrauen gegenüber den Baranstiftern ausübt, als alle anderen längst die vermeintlichen Obdachlosen ins Herz geschlossen haben.

Es steht das Wissen der Realität, der Probleme und der Zerstörung im Raum. Man soll sich dementsprechend verhalten, handeln und etwas ändern. Etwas ändern und handeln bedeutet aber oft, gleichzeitig eventuelle Konsequenzen ziehen zu müssen und seinen Lebensstil verändern. Es ist natürlich einfacher, sich der Hoffnung hinzugeben, dass die Probleme durch das Ignorieren von allein wieder verschwinden. Herr Biedermann befindet sich als Individuum in der Position, Probleme zu erkennen, zu handeln und diese zu lösen. Aber er ist blind und zu ängstlich vor der Konfrontation, die eine Veränderung mit sich bringt. Die Folgen sind verheerend und schließlich unausweichlich.

Matthias Heid und Lucia Bihler übertragen mit dieser Inszenierung das bekannte Stück in die aktuelle gesellschaftliche und globale Situation. Klimawandel, Flüchtlingskatastrophen und Rechtsextremismus sind Stichworte, die wohl jedem ein Begriff sind und die Probleme vor Augen führen. Die Devise lautet: Erkennen, Handeln und somit etwas ändern, sonst gibt es einen großen, lauten Knall, so dass nicht nur das schöne eigene Heim brennt, sondern die gesamte Stadt.

Ein nicht enden wollender Applaus ist die Belohnung für diese brillante Aufführung.
Der Zuschauer geht lachend aus dem Schauspielhaus, während im Hinterkopf die eigenen Gedanken nach und nach beginnen Formen anzunehmen.

Weiter Vorstellungen finden an folgenden Terminen statt:
28.04.15, 20.05.2015, 29.05.2015, 02.06.2015, 05.06.2015, 08.06.2015, 09.06.2015, 11.06.2015, 12.07.2015

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