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Dienstag, 06 März 2018 19:54

Romantische Melodien und kratzige Tremoli

Das Doric String Quartet sorgte für einen musikalisch abwechslungsreichen Konzertabend

„Geliebter Brahms“ lautet das Motto der diesjährigen Aulakonzerte. So passte es gut, dass das eingeladene Bartholdy Quintett Kammermusik von Alexander Zemlinsky auf das Programm gesetzt hat. Seit einiger Zeit werden Zemlinkskys Werke neu entdeckt, auch in Göttingen steht der Komponist vermehrt auf den Spielplänen. Zemlinsky integrierte Stilelemente von Brahms und Wagner in seiner Musik. Er war Impulsgeber für die Entwicklung der Schönberg-Schule, konnte sich selbst aber nie zur Atonalität entschließen. Beim vierten Aulakonzert der Göttinger Kammermusikgesellschaft stand sein nur in zwei Sätzen erhaltenes Streichquintett aus dem Jahren 1894/96 auf dem Programm. Da war der 1942 gestorbene Zemlinksy gerade 23 Jahre alt.

In der Mitgliederversammlung der Göttinger Kammermusikgesellschaft wurde der frühere Tageblatt-Redakteur Michael Schäfer als Nachfolger von Katharina Troe zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Dienstag, 21 März 2017 17:10

Eigernordwand mit Saiten

Aula am Wilhelmsplatz: Dover Quartet mit Beethoven, Barber und Mozart

Blick von Nikolausberg nach Süden – die Gleichen sind zu sehen; die Stadt liegt direkt vor einem hingegossen; zartes Grün durchzieht den Leinegraben und weiter flussabwärts stünde: Die Eigernordwand.

So (oder ähnlich) mag es derjenigen ergehen, welche die Große Fuge zum ersten Mal hört. Keine falsche Helden-/Werkverehrung. Und auch keine echte. Aber wahrlich, es ist ein Ton-Trumm, den der gute Ludwig van Beethoven 1825/1826 aufgeschichtet hat.

Gut besucht ist die Aula am Wilhelmsplatz auch beim vorletzten Konzert der Saison. Eine strenge Türkontrolle hätte das Programm allerdings kaum hereingelassen – die drei Originalkompositionen für Streichquartett haben schließlich mit dem Saisonmotto „Zauberhafte Arrangements“ herzlich wenig zu tun. Des Publikums Schaden war es nicht.

Die zarte Platzregie der Kammermusikgesellschaft verschafft dem Rezensenten die (sehr angenehme) Möglichkeit, im Laufe der Zeit beinahe jeden Sitzplatz in der Aula akustisch kennenzulernen. Empore, letzte Reihe, Mitte: für Streichquartette in diesem Saal ein beinahe perfekter Platz. Trotz der großen Distanz zum Podium sind selbst allerleiseste Passagen (mit denen das Dover Quartet gottlob nicht spart) sehr gut zu vernehmen. Das Klangideal von Milena Pajaro-van de Stadt an der Bratsche und ihren drei männlichen Kollegen (Joel Link und Bryan Lee an der Violine sowie Camden Shaw am Violoncello) ist hörbar ein sehr homogenes. Phrasierung, Artikulation, Vibrato sind ungewöhnlich stark einander angeglichen, so dass ein Hervortreten aus dem Ensembleklang einem Instrument wirklich nur „gelingt“, wenn die Komposition es vorschreibt. Sowohl bei Mozarts Quartett F-Dur KV 590 als auch bei Samuel Barbers Streichquartett op. 11 (1936) nutzen sie diese Klangvorstellung, um gleichzeitig eine sehr kontrollierte, fast sittsame Interpretation zu liefern. Diese kostet die emotionalen Extrema wohl aus – aber nie bis ins Letzte. Sie lässt freundlich-sprudelnde Notenketten sehr virtuos durch den Raum fliegen – aber nie von der Leine.

Das ist stimmig. Besonders Barbers zweiter Streichquartettsatz – später als „Adagio für Streicher“ berühmt geworden – profitiert davon ungemein. Dementsprechend lautstark dankt das Publikum bereits zur Konzerthälfte.

Zwischen 1824 und 1826 schrieb Beethoven die letzten fünf seiner insgesamt 16 Streichquartette. Jenes in B-Dur op. 130 mit seinen sechs Sätzen erklingt heute Abend mit seinem ursprünglichen Finale, der Großen Fuge. Ursprünglich, denn Beethoven komponierte auf Drängen seines Verlegers eines neues Finale. Warum? Die vorherigen Sätze fanden teils Anklang bei der Uraufführung - wie die Fuge ankam, mag ein Zitat aus der „Allgemeine Musikalische Zeitung“ verdeutlichen: „Aber den Sinn des fugirten Finale wagt Ref. nicht zu deuten: für ihn war es unverständlich, wie Chinesisch.“

Spielt ein Ensemble nun das Quartett op. 130, ist die entscheidende Frage vor dem Einstudieren: mit oder ohne? Heute beantwortet man sie, ziemlich sicher im Sinne des Komponisten, wie das Dover Quartet, d.h. mit Fuge. Wer so kundig, großartig spielend auftritt, wie die Vier an diesem Abend, wird auch das Folgende mit Bedacht und Absicht gewählt haben: die ersten fünf Sätze verbleiben – nun natürlich Beethoven wiedergebend – in jener klassisch-gesitteten Ausdruckswelt der ersten Programmhälfte. Sobald die Fuge beginnt, eröffnet sich schlagartig jedoch ein neuer Ausdrucksraum. Die Akzente hauen in die Aula; die Bandbreite der Lautstärke erhält an beiden Enden neue Bereiche etc.

Das ist erfreulich – aber leider für uns schwer nachvollziehbar, warum es diesen Bruch gibt. Das Außergewöhnliche der Fuge braucht nicht extra betont zu werden. Im Gegenteil hätten wir uns bereits das ganze Quartett mit dem Mut der Fuge gewünscht. - Was keinesfalls heißen soll, dass die Interpretation irgendwelche Mängel oder Fehler aufgewiesen hätte!

Das Verschmelzen der vielen Takt- und Tempowechsel im ersten Satz gelingt grandios. Das wehmütige zweite Thema im Cello so traumschön, dass man auf das strahlende Ende der Coda hofft. Das strahlt auch; doch mit jener Zurückhaltung, der es hier besser(?) gemangelt hätte. Die Cavatina, der fünfte Satz, funkelt in der Lesart des Quartetts vielleicht am intensivsten. Hier verleiht die Noblesse der Darbietung dem Sehnsüchtigen der Melodie noch größeren Nachdruck. Der koboldhafte zweite Satz ist in der Lautstärkedisposition vorzüglich angelegt, doch das Exaltierte, Bedrohliche in den Begleitstimmen, wenn sie die erste Geige beinahe zu Tode hetzen, fehlt. Dem Alla danza tedesca geht in den Nichtmelodiestimmen die ätherische, schwebende Wirkung ein wenig ab und so wirkt der Satz wie ein „Deutscher“ (d.i. Walzervorläufer), statt wie eine geläuterte, gereinigte Version davon.

Applaus wird es nach den Schlusstönen der Fuge zu Recht überreichlich geben. Dem „wie Chinesisch“ begegnet man im Publikum obschon: Wenn gut sieben, acht Minuten mit der Fuge ins Land gezogen sind, schaut manche doch auf den Programmzettel… das ist nicht Schönberg, oder?... Obwohl uns der Interpretationsbruch nicht stimmig erscheint, ist die Fuge ganz famos gespielt. Und wenn sich das größte Gewirr mit dem Allegro molto e con brio verzogen hat, kommt der beste Teil des Abends: Das zweite Meno mosso – in dem die Musik wie in Glas gegossen klingt. Zwei der großartigsten Minuten meiner Konzerthörervita.

Die Zugabe nimmt das Saisonmotto schließlich doch noch auf – Duke Ellingtons „In a Sentimental Mood“, für Streichquartett gesetzt.

DOVER QUARTET
Joel Link und Bryan Lee – Violine
Milena Pajaro-van de Stadt – Viola
Camden Shaw - Violoncello

Montag, 20 Februar 2017 16:49

Trio – und Pausen

Aula am Wilhelmsplatz: van Baerle Trio mit Schumann, Arenskij, Beethoven

Drittletztes Konzert der Saison der Aulakonzerte, drei Musiker, drei Instrumente, drei Stücke - großer Beifall am Ende, Zugabe, zufriedenes Publikum. Wenn der Kritiker jetzt auch begeistert ist, endet die Besprechung hier. Allein, es kommt noch was. Und am Ende lag das an den Pausen.

„Zauberhafte Arrangements - (Un-)vertraute Original Werke“ lautet das Saisonmotto, dazu passend gruppieren sich zwei Bearbeitungen um eine Originalkomposition für die Besetzung Violine/Klavier/Violoncello. Anton S. Arenskij (1861-1906) schrieb sein Klaviertrio Nr. 1 d-Moll 1894, das Werk jedoch ist Früherem verpflichtet; Schumann, Tschajkowskij, sein Lehrer Rimskij-Korsakow schweben erkennbar durch die Partitur.

Maria Milstein (Violine) sowie Gideon den Herder (Cello) haben ihren Instrumentenklang gut aufeinander abgestimmt, obwohl ihr Stil bezüglich der rechten, der Bogenhand ganz unterschiedlich ist - das ergibt eine interessante, farbenfrohe Mischung. Hannes Minaar fügt seinen Klavierklang dieser Mischung bei, ohne dominant zu werden. (Nur ein nicht quietschender Klavierhocker wäre ihm zu wünschen gewesen.) Auf die Saalakustik wurde höchst sorgfältig Rücksicht genommen, so dass die Balance zwischen den Instrumenten gewahrt ist. Und an diversen Stellen trauen sich die Drei erfreulicherweise ans unterste Ende der Lautstärkeskala.

In Arenskijs viersätzigem Trio begeistert, neben süffigen Melodien und virtuoser Brillanz, besonders die ein oder andere formale Wendung. Wenn im ersten Satz zu Beginn der Durchführung plötzlich ein völlig neues Motiv die Herrschaft übernimmt und alles vergessen machen will, was zuvor war - ist man beim Zuhören auf weitere Überraschungen gefasst. Bereits bei der sich unerwartet in den Himmel erhebende Coda wenig später ist Grund zu erneuter Freude. Kleinere Fehler im Zusammenspiel der Streicher trüben diese nur wenig. Virtuos wird nicht nur das Finale werden, schon im Scherzo wird bogentechnisch einiges verlangt. – Dass es ebenso viele Arten gäbe eine Saite zu zupfen, erleben wir leider nicht. – Unvergessen bleibt der Mittelteil dieses zweiten Satzes: Ein schmachtender Streicherwalzer mit ganz merkwürdig gestauchter Begleitung im Klavier (großartig exakt gespielt!). Unvergesslich schön auch wie in den Schlusstakten der Elegie (3. Satz), wenn das Cello ein letztes Mal die Melodie anstimmt, sich die Geige in diesen Klang unendlich sanft einschleicht.

Pedalflügel, d.i. Flügel mit zusätzlicher Pedalklaviatur wie bei der Orgel, stehen nur noch im Museum. Um Robert Schumanns „Studien für Pedalflügel. Sechs Stücke in canonischer Form“ op.56 (1845) aufzuführen zu können, kommt heute die Bearbeitung Th. Kirchner zu Gehör. Sie gleicht dem Versuch aus einer Aquarellminiatur ein 3x4m-Ölgemälde zu machen. Farbverläufe und Übergänge wirken, so ins Große gesetzt, plakativ. Nur der Dezenz des van Baerle-Trios ist es zu verdanken, dass der perlende Sechzehntelkanon der Nr.1 wirklich wie aus einem Instrument, aus einer Stimme heraus erklingt. Den Stimmverläufen in den weiteren fünf Studien zu folgen, ist, trotz der Trennung auf verschieden Instrumente, nicht immer ganz einfach. Hier verwischt das Arrangement mehr als zu verdeutlichen.

Nun zu den Pausen. Die Ecksätze Schlusswerkes zeigen wieder einmal, dass sie das Wichtigste an der Musik sind. L. van Beethovens 2. Symphonie wurde 1806, vier Jahre nach der Komposition, von ihm oder zumindest mit seiner Zustimmung aus Gründen der Verkaufsförderung für Klaviertrio gesetzt.

Das Hauptthema des ersten Satzes beginnt nach einer Pause mit einem Auftakt, vier gebundene Sechzehntel. Es spielt an allen Schlüssel- und Übergangsstellen die entscheidende Rolle. Leider, leider halten die Musiker an vielen dieser Stellen die Spannung nicht; und setzen jenen Bruchteil einer Sekunde zu früh ein, so als könnten sie die vortrefflich aufgebaute Spannung selbst nicht mehr aushalten. Vierter Satz, ähnliches Problem: Das äußerst vorwitzige Thema fordert nach den ersten beiden Achteln, vor dem pseudodramatischen – eigentlich ausgelassen-freudigem – Melodieabsturz eine Achtelpause. Sicherlich ist es schwierig, dies in sehr zügigem Tempo und bei jeder Motivwiederkehr exakt zu musizieren, doch liegt der ganze Witz des Themas, ja des ganzen Satzes eben darin.

So munter, resolut, kraftvoll das Trio die Symphonie angeht, fehlt es bei den endlosen sforzati-Ketten an der nötigen Abstufung zu den nicht mit einem Akzent versehenen Tönen. Wie Beethoven im Scherzo lustvoll eine D-Dur-Tonleiter zerhackt, neu zusammensetzt und wieder zerhackt, hören wir – die auf kleinstem Raum geforderten Lautstärkeunterschiede jedoch nicht. Am Können der drei Musiker liegt das sicher nicht, vielmehr scheint das Abrupte, Schroffe und Garstige dieser Musik ihnen weniger zu liegen als das lyrisch Schwelgende.

Den Applaus als Maßstab nehmend stellt unsere Beurteilung der Symphonie eine Minderheitenmeinung dar. Aber worüber ließe sich auf dem Heimweg sonst auch trefflich streiten?

Für Blumen und Pralinen dankt das van Baerle Trio musikalisch: Felix Mendelsohn Bartholdy, zweiter Satz aus dem Klaviertrio Nr. 1 d-Moll.

Im zweiten Aulakonzert der Göttinger Kammermusikgesellschaft ist am 23. Oktober 2016 das polnische Streichquartett MECCORE STRING QUARTET zu Gast.

Montag, 26 September 2016 15:17

R.s lustige Streiche

Aula am Wilhelmsplatz: Saisonauftakt mit Berlin Counterpoint

Ensemble "Berlin Counterpoint" im Eröffnungskonzert der Aulakonzerte der Göttinger Kammermusikgesellschaft am 25. September 2016

Dienstag, 16 Februar 2016 09:07

Vertretungsfreuden

Liederabend mit Carolina Ullrich und Marcelo Amaral

Montag, 18 Januar 2016 18:05

Preisträger begeistern in der Aula

Es ist eine schöne Tradition der Göttinger Kammermusikgesellschaft, junge Preisträger zu einem eigenen Aulakonzert einzuladen. Und so waren am Sonntag Elya Levin (Flöte), Simone Drescher (Cello) und Frank Dupree (Klavier) eingeladen – alle Finalisten im Deutschen Musikwettbewerb.

Und in der Tat sind die drei große Talente – zudem hatten sie ein sehr schönes Programm vorbereitet. Gleich zu Beginn erklang die „Wanderer-Fantasie“ für Klavier solo von Franz Schubert. Schon mit dem ersten Akkord machte Frank Dupree seine Interpretation deutlich: hier erklang weniger der romantische Schubert, sondern vielmehr der dramatische Komponist. Schubert selbst sagte zu seiner Komposition, dass der Teufel sein «Zeugs» spielen solle. Das zeigt, welche Anforderungen das große Solowerk an Pianisten stellt. Diese Anforderungen meisterte der 1991 geborene Frank Dupree mit Bravour. Allerdings nahm das Werk nahezu Liszt’sche Züge an (Liszt hat für das Stück selber auch eine Fassung für Klavier und Orchester komponiert). Kraftvoll und gewaltig erklangen die Eingangsakkorde, und gewichtig ging es weiter in dem Stück. Damit fehlte leider die Romantik in weiten Teilen. Etwas weniger Pedaleinsatz und dafür etwas gefühlvollerer Anschlag hätten dieser Fantasie gut getan.

Im das Trio g-Moll für Klavier, Flöte und Cello von Carl Maria von Weber kamen Flöte und Cello hinzu. Der in Tel Aviv geborene Elya Levin überzeugte mit dem Klang seiner Flöte, Simone Drescher ließ ihr Cello herzerwärmend singen. Dennoch hatte man ein wenig den Eindruck, die jungen Musiker sind ein wenig angespannt. Zwar konnten Flöte und Cello viel Lyrik in der Musik besteuern, aber insgesamt wirkten die drei Musiker ein wenig verkrampft und gingen dieses Werk ein wenig zu ungestüm an (auch wenn sich Frank Dupree bei diesem Werk naturgemäß mehr zurückhielt). So blieben die Feinheiten dieser Musik etwas verborgen, gerade einmal die Freischütz-Zitate konnten deutlich erkannt werden.

Erst nach der Pause tauten die junge Musikerin und ihre beiden Kollegen auf. Schon bei dem „Prélude à l’après-midi d’un faune“ von Claude Debussy. Eigentlich für Orchester komponiert, wurde das Stück von Frank Dupree für diese Besetzung arrangiert. Sehr schön wurden die Passagen auf die drei Instrumente verteilt.

So richtig befreit wirkte das Trio bei dem „Assobio a jato“ von Heitor Villa-Lobos. Das tat der Musik ungemein gut. Und auch das Publikum in der Göttinger Universitätsaula konnte aus der Reserve gelockt werden. Der Applaus nahm deutlich zu. Zumal „Der Düsenjet“ (so die Übersetzung des Stückes von Villa-Lobos) großes Vergnügen machte. Elya Levin und Simone Drescher drehten hier richtig auf – wie sich das für einen Jet gehört.

Als Höhepunkt des Abends erklang das Trio für Flöte, Violoncello und Klavier von Jean Françaix. Eine moderne Komposition aus dem Jahr 1995, die aber durchaus romantische Züge innehat. Und sie bietet den Künstlern die Gelegenheit, ihre Virtuosität unter Beweis zu stellen: kühne chromatische Läufe und Modulationen, musizieren in höchsten Lagen – das bereitete Levin, Drescher und Dupree nicht nur keinerlei Probleme, sondern machte ihnen sicht- und hörbar großes Vergnügen.

Das Publikum war begeistert und entließ die jungen Musiker erst nach zwei Zugaben: „Die Aufforderung zum Tanz“ von Carl Maria von Weber sowie ein Tango von Astor Piazzolla.

Im 4. Aulakonzert am 14. Februar sind die Sopranistin Nuria Rial und ihr Partner am Klavier, Marcelo Amaral, mit einem Liederprogramm von Robert und Clara Schumann, Ravel, Toldrà i Soler und Obradors zu hören.

Montag, 16 November 2015 18:12

Großartiges Klangfest

Das Fine Arts Quartet zu Gast bei den Aulakonzerten

Zwischen Konzerten in Milwaukee und London gastierte das renommierte Fine Arts Quartet mit vier Konzerten in Deutschland. Das Gastspiel bei den Göttinger Aulakonzerten bildete dabei den Abschluss der kurzen Deutschland-Tournee.
Im Gepäck hatte das 1946 in Chicago gegründete Streichquartett Werke von Arriaga, Ravel und Schumann. Gleich zu Beginn des sehr gut besuchten Konzertes setzten die vier Streicher Akzente: das Streichquartett Nr. 3 Es-Dur des baskischen Komponisten Juan Crisóstomo de Arriaga, der 1826 noch vor Vollendung seines 20. Lebensjahres verstorben ist. Dennoch ist sein Gesamtwerk durchaus umfangreich. Das Streichquartett Nr. 3 komponierte Arriaga im Alter von 16 Jahren und zeigt eine erstaunliche Reife: ein reifer, ausgewogener Kammermusikstil, der sich zwar an Haydn orientiert, aber leidenschaftliche, beinahe beethovensche Züge in sich trägt. Und so wurde das Stück auch vorgetragen: ernsthaft und leidenschaftlich, getragen und wild – und das in hoher musikalischer Perfektion.

Man merkt deutlich, dass die Herren auf der Bühne schon eine ganze Reihe von Jahren zusammen musizieren. So konnte ein perfekter Klang entstehen – gepaart mit einer unglaublich präzisen und synchronen Dynamik. Dieses Ensemble hatte keineswegs etwas „Altbackenes“, das manch einer  vielleicht bei den schon seit 30 Jahren gemeinsam konzertierenden Geigen befürchtet hatte. Das Gegenteil war der Fall: frisch, mit viel Liebe zum Detail und gut gelaunt merkte man dem Quartett zwar eine große Reife an, aber keinerlei Abnutzung durch die schon lang andauernde Tournee um die Welt.

Im Mittelpunkt des Abends stand das Streichquartett F-Dur von Maurice Ravel. Vorbild für Ravel war das Streichquartett von Claude Debussy. Ravel entwickelt aber von Beginn an eine eigene Tonsprache und Melodieführung. Und auch hier erlebte das Göttinger Publikum ein großartiges Klangfest: sowohl die lyrisch-zarten Passagen als auch die dramatischen Höhepunkte wurden mit großer Empathie für die Komposition vorgetragen. Die komplexen Taktwechsel im letzten Satz klangen spielerisch leicht.
Schon vor der Pause gab es einen Applaus, mit dem so manche Künstler nach dem Konzert zufrieden wären.

Nach der Pause erklang das Streichquartett von Robert Schumann op. 41 Nr. 1. Schumann wagte sich erst als 32-jähriger an die Komposition von Streichquartetten. Das Werk besticht durch großen Reichtum an musikalischen Motiven, die das Fine Art Quartet geradezu als Steilvorlage annahm und entsprechend klar herausarbeitete. Die Interpretation war wunderbar klar, nie jugendlich vorwärtsstürmend, aber auch nicht hochnäsig altklug.

Dienstag, 20 Oktober 2015 17:44

Große Emotionen in der Aula

Rachel Kolly d’Alba und Christian Chamorel im Göttinger Aulakonzert

Große Emotionen zeigte die junge Schweizer Geigerin Rachel Kolly d’Alba beim zweiten Aulakonzert in Göttingen. Das passte gut zum Motto dieser Saison „Vom südländischen Kolorit“. Vor allem passte das nach der Pause mit César Franck und Manuel de Falla. Aber der Reihe nach:

Eröffnet wurde der Abend mit drei Sätzen aus der „Suite Italienne“ von Igor Strawinsky. In dem recht konventionell komponierten Werk greift Strawinsky auf seine „Pulcinella“ Ballettmusik zurück. Kolly d’Alba und ihr Klavierpartner Christian Chamorel interpretierten das Werk ein wenig nüchtern und zurückhaltend. Aber für große Emotionen eignet sich dieses Stück auch eher weniger. Dennoch ist Strawinskys Stil in dieser Komposition anders, trockener – und vielleicht auch etwas hintergründiger.

In der berühmten „Kreutzer-Sonate“ von Ludwig van Beethoven zeigte die Violinistin ihr ganzes Feuer. Und das war leider ein wenig zu viel des Guten. Zwar spielte sie auf hohem technischen Niveau, insbesondere die hohen und höchsten Lagen gelangen ihr blitzsauber. Aber das Werk ist immer noch ein Werk der Wiener Klassik und keines der Romantik. Die gewählten Tempoveränderungen, die hoch emotional gestalteten Passagen passten nicht recht zum liedhaften (in Satz 3) oder tänzerischen (in Satz 4) Duktus dieser Sonate. Chamorel nahm sich ob dieser aufgeladenen Interpretation extrem zurück. Durch den häufigen Pedaleinsatz wirkt der eigentlich ebenbürtige Klavierpart sehr gedeckt, hier wäre mehr Brillanz besser gewesen. Diese „Sonate für Klavier und Violine“ geriet zu einer zu schwärmerischen Violinsonate mit Klavierbegleitung.

Aber dann: die Violinsonate A-Dur von César Franck entwickelte sich schnell zum Höhepunkt des Abends. Hier passten die Emotionen und die Wildheit. Auch waren Violine und Klavier viel mehr Partner als noch zuvor. Rachel Kolly d’Alba gestaltete diese Sonate mit großer Reife, immer wieder entfalteten sich neue Höhepunkte. Vielleicht ließen sich die lyrischen Passagen noch etwas zurückhaltender gestalten, dann würde der Spannungsbogen zum nächsten Höhepunkt noch überzeugender wirken. Aber es war ganz deutlich zu spüren, dass die Musik und die Person auf der Bühne eins waren. Die Emotionen waren nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen. Der Funke sprang schnell auf das Publikum über, es knisterte förmlich in der ehrwürdigen Universitätsaula.
Den Abschluss bildete die „Suite Populaire Espagnol“ des andalusischen Komponisten Manuel de Falla in der Bearbeitung des polnischen Geigers Paul Kochanski. Auch hier waren Rachel Kolly d’Alba und Christian Chamorel in ihrem Element. Sie begeisterten das Publikum in der gut gefüllten Aula und wurden erst nach zwei Zugaben entlassen.

Im 3. Konzert am 15. November ist das Fine Arts Quartet aus den USA mit Streichquartetten von Arriaga, Ravel und Schumann zu Gast bei der Kammermusikgesellschaft. Eintrittskarten sind an allen Reservix-Vorverkaufsstellen sowie hier online im Kulturbüro erhältlich.

Dienstag, 28 April 2015 14:57

Perfekt aufeinander abgestimmt

Das Arte-Ensemble im Aulakonzert

„Lebensläufe – Werkgeschichten“, so heißt die Überschrift über die Saison 2014/15 der Göttinger Kammermusikgesellschaft. Im letzten Abonnementskonzert standen eine ganze Reihe von Geschichten auf dem Programm: jüdische Klänge in der Ouvertüre op. 34 von Sergej Prokofjew mit gleich mehreren Versionen der Entstehungsgeschichte, die neu entdeckte (und zu entdeckende) Musik von Franz Hofmann, der 1945 als 25jähriger vermutlich mit dem Untergang der „Steuben“ in der Ostsee sein Leben verloren hatte und – als Höhepunkt – die Geschichte der lebendig gewordenen Spielsachen in der Kinderpantomime „Zaubernacht“ von Kurt Weill.

All diese Geschichten erzählte das Arte Ensemble. Die Mitglieder sind Solisten der NDR Radiophilharmonie und treten in variabler Besetzung auf. Nur so ist es überhaupt möglich, die verschiedenen Besetzungen der Stücke an einem Abend umzusetzen. Ergänzt wurde das Ensemble durch den Göttinger Pianisten Gerrit Zitterbart.


Auf welch hohem Niveau sich die Musiker bewegen, war schon gleich zu Beginn des Abends hörbar: in der Besetzung für Klarinette, Streichquartett und Klavier spielten sie die „Ouvertüre über hebräische Themen“ von Sergej Prokofjew. In dieser Musik ließ der emigrierte Prokofjiew Klezmer-Themen erklingen, das Werk schrieb er für ebenfalls aus Russland emigrierte jüdische Musiker, die sich eben in dieser Besetzung gefunden hatten. Die beiden musikalischen Themen wandern in den Stück durch die Instrumente. Das Arte Ensemble verstand es, diese Übergänge so kunstvoll zu gestalten, dass die Klangfarbe des „abgebenden“ Instrumentes perfekt getroffen wurde. So ergab sich ein kunstvoll miteinander verwobenes Werk als Ouvertüre des Abends.

Die Musik von Franz Hofmann kommt erst allmählich aus ihrer Vergessenheit hervor. In seinem kurzen Leben hinterließ Hofmann zahlreiche kammermusikalische Werke. Die Musik Hofmanns ist im Geist der Spätromantik komponiert, im Quintett h-Moll für Flöte, Klarinette, Geige, Bratsche und Cello war aber deutlich ein eigener Stil von großer Reife zu erkennen. Das Arte Ensemble hat dieses Werk keineswegs aus seinem Repertoire gewählt, sondern eigens für das Göttinger Konzert einstudiert. Das Publikum in der gut gefüllten Göttinger Universitätsaula kam so in den Genuss dieser Erstaufführung.

Nach dieser im Lebenslauf dramatischen Geschichte und der Pause kam es zum Höhepunkt des Abends. Die „Zaubernacht“, Kinderpantonmime für Flöte, Fagott, Klavier, Schlagwerk und fünf Streicher von Kurt Weill. Komponiert im Jahr 1922 – dann aber viele Jahre verschollen, bis das Werk im Jahr 2005 in Yale unvermittelt wieder auftauchte. Es dauerte eine Weile, bis die Musik identifiziert war, und so erschien erst im Jahr 2008 die wieder hergestellte Partitur in der Gesamtausgabe. Und erst im Jahr 2010 wurde das Werk nach mehr als 85 Jahren wieder aufgeführt – im Rahmen des Musikfests Stuttgart, erstaufgeführt vom Arte Ensemble. In der Göttinger Aula erklang die Ballettmusik konzertant. Weill hat die Geschichte der zwei Geschwister, deren Spielsachen in der Nacht lebendig werden, so bildhaft vertont, dass der hüpfende Ball, das galoppierende Steckenpferd, das tanzende Stehaufmännchen oder der exerzierende Zinnsoldate förmlich vor den Augen der Zuhörer zu sehen war. Die zehn Musiker, darunter zwei ziemlich beschäftigte Schlagzeuger, waren perfekt aufeinander abgestimmt. Im Grunde spielten sie ebenso mit den Spielsachen wie es eine Balletttruppe in einer szenischen Aufführung hätte tun sollen. Fasziniert lauschte das Publikum dem Ensemble – und wollte es am Ende kaum gehen lassen.

Schon während der Weill’schen Musik ertappte man sich als Zuhörer dabei, ein wenig mitzuspielen. Und war es nicht König Georg IV., der auf seinem Gemälde oben über den Musikern an der Königswand geschmunzelt hat und mit den Füßen beinah ein wenig mit dem Zinnsoldaten mitmarschiert ist?

Mittwoch, 30 April 2014 17:12

Englischer Schwanengesang aus Wien

Philharmonie-Ensemble-Wien in der Aula am Wilhelmsplatz

Gestorben ist an diesem Abend in der gut besuchten Aula zwar niemand, ein Ende - ein Schwanengesang - war dennoch zu begehen: Die Saison 2013/2014 und ihr Motto „ANGLIA CANTAT!“ finden mit dem Philharmonie-Ensemble-Wien, welche Werke von Gustav Holst, George Onslow und Ludwig van Beethoven spielen, ihren Abschluss.

Zum Konzert

Alle Ensemblemitglieder rekrutieren sich aus den Wiener Philharmoniker bzw. dem Orchester der Wiener Staatsoper. Für die technisch Interessierten lassen sich also ein paar k.u.k. Besonderheiten bei Oboe und Horn hören/studieren.

Das Quintett für Bläser (As-Dur, op. 14, von 1903) Gustav Holsts markiert zu Beginn die Stimmung, welche den Abend prägen wird: heiter, leicht.

Sein Jugendwerk hat der Komponist nicht allzu sehr geschätzt, diese scharfe Selbstkritik teilen die Hörer, urteilt man nach dem Applaus, nicht. Das formal recht konventionell gesetzt Werk überrascht doch mit manch feiner Idee, so in der samtig-satten Klangkombination Horn/Fagott des zweiten Satzes oder dem Minuet in Kanonform.

Die Bläserfarben werden in George Onslows Nonett in a-Moll op. 77 (1848) durch ein Streichtrio erweitert, der Kontrabass steuert die nötige orchestrale Tiefe bei.

Ungewöhnlich ist, auf den zweiten Blick, der Aufbau des Werkes. Auf ein brillantes, trotz der Tonart, nicht wirklich düsteres Allegro folgt ein nervös-lebendiges, sehr virtuoses Scherzo. Üblicherweise setzt nun der Komponist einen Ruhepunkt, einen langsamen Satz: nicht so hier.

Die folgenden zwei Sätze verlangen ebenso rasche Tempi - zwar finden sich im Thema-mit-Variationen-Satz einige innig Momente, doch zur Ruhe findet die Musik nicht. (Ohne das man dies vermissen würde.) Die langsame Einleitung sowie das folgende Allegretto quasi Allegro beginnen zwar dramatisch, dunkel gar, doch kippt die Stimmung schnell ins Spielerische, führt schließlich zu einem glanzvollen Schlußpunkt.

Die Melodieerfindung des Komponisten besitzt Ähnlichkeiten mit Mendelssohn; viele rhythmisch Schichtungen und Details erinnern an Schumann. Dies als Hinweis für alle, die, wie ich selbst, noch nichts von Onslow gehört haben- eine Lücke im Hörrepertoire, übrigens.

Anmerkungen zur Qualität der Ausführung lassen sich kurz halten: Bei Orchesterkollegen ist die Kommunikation untereinander naturgemäß kein Problem; die Gewichtung der Einzelstimmen ist allezeit ausgewogen, fein aufeinander abgestimmt. (Allein der Geiger beginnt das Beethovenstück a bissl zu brässig, fängt sich später aber.)

Einem „Gast“wiener – Ludwig van Beethoven - gebührt das letzte Wort der Saison. Das Septett op. 20 (1799/1800), vom Tonsetzer in späten Jahre böse geschmäht, mit seinen sieben Sätze war bis zum Lebensende Beethovens eines seiner meistgespielten Werke - und es gefällt auch an diesem Abend. So finden sich hier u.a., neben dem ersehnten lyrischen langsamen Satz - mit großartigem Klarinettisten -, ein derb-munteres Menuetto (an Haydns Witz geschult) und ein bewegtes Scherzo, ganz vom Beethoven’schen ruppigem Humor geprägt.

Das Presto des Schlußsatzes bietet schließlich eine von Beethovens Lieblingsideen für Finalsätze: Im ansonst fröhlichen Umfeld –plötzlich - Verdüsterung nach Moll - Erstarren der Bewegung; bevor ein paar schmissige Tonfiguren den Satz zum strahlenden Abschluss zwingen.

Für den anschließenden ausgiebigen Applaus bedanken sich die Musiker mit einem Wiener Kleinod - der schnellen Polka „Kleiner Anzeiger“ des k.u.k Hofkapellmeisters Josef Hellmesberger junior.

Zur Reihe

Die verdienstvolle Idee, in dieser Reihe Komponisten der Insel vorzustellen, hat sicherlich vielen Besucher musikalische Entdeckung beschert. Das neben Benjamin Britten, anlässlich seines hundertsten Geburtstags (würde er noch leben), Henry Purcell dabei besonders zur Geltung kam, hat hoffentlich bei so manchem Interesse geweckt, mehr von diesen beiden zu hören.

Nach der Liste der Ensemblemitgliedern finden Sie – bei Interesse- noch einmal die Besprechungen der übrigen Konzerte dieser Saison.

Philharmonie-Ensemble-Wien

Daniel Froschauer – Violine
Robert Bauerstatter – Viola
Bernhard Hedenborg – Violoncello
Herbert Mayr – Kontrabaß
Karin Bonelli – Flöte
Clemens Horak – Oboe
Stephan Neubauer – Klarinette
Armin Berger – Horn
Michael Werba – Fagott

Link zu den Rezensionen der Reihe:

http://www.kulturbuero-goettingen.de/index.php/component/k2/tag/KammermusikGesellschaft

Montag, 24 März 2014 00:00

Kammermusik auf höchstem Niveau

Kuss-Quartett und Markus Becker im Aulakonzert

Kammermusik auf höchstem Niveau durfte das Publikum am Sonntagabend zum Abschuss der Woche in der Aula am Wilhelmsplatz genießen. Die Göttinger Kammermusikgesellschaft richtete das 5. Aulakonzert der Saison 2013/14 mit dem Motto „Anglia Canta! - Das Britten-Projekt“ aus. Zu Gast waren an diesem Abend das international bekannte „Kuss Quartett“ sowie der Pianist Markus Becker.

Zu dem schon 1991 gegründeten Streichquartett gehören die Violinisten Jana Kuss und Oliver Will, der Bratschist William Coleman sowie der Cellist Mikayel Hakhnazaryan.

Der Abend begann mit dem „Dissonanzen-Quartett“ in C-Dur, KV 465 von Wolfgang Amadeus Mozart. Es ist das letzte der sechs Haydn-Quartette von Mozart und trägt den Namen auf Grund der Einleitung des ersten Adagio-Allegro Satzes. Nacheinander setzten hier die Instrumente ein und bildeten dissonante Akkorde, die für das 18. Jahrhundert in der das Werk komponiert wurde sehr ungewöhnlich waren. Das folgende Allegro wirkte umso harmonischer und fröhlicher und bildete somit einen Kontrast zur spannungsvollen Einleitung. Besonders hervorzuheben ist hier Jana Kuss, die mit viel Enthusiasmus das Quartett anführte. In dem gesamten Stück war zu erkennen, dass sich die Streicher während des Musizierens untereinander hervorragend verstanden. Die Kommunikation untereinander war unübersehbar, was sich positiv auf die Spielweise auswirkt.

In der goldenen Mitte an diesem Abend wurde das Streichquartett Nr. 3 op. 94 von Benjamin Britten vorgetragen. Hier fühlte sich der Zuhörer an den Titel des vorangegangenen Quartetts von Mozart erinnert. Der erste Satz ist von einer Atonalität geprägt, die kein Thema erkennen ließ. Trotz der schwierigen Intervalle und Akkorde präsentierte sich das Kuss Quartett mit einer absoluten Sicherheit. Der Höhepunkt des Stücks von Britten zeichnete sich im dritten Satz durch ein lupenreines Violinsolo ab. Kuss spielte in ihrem Solo freie Kadenzen, die zum Teil von schwebenden Flageoletttönen ihrer Mitspieler begleitet wurden. In höchsten Lagen überzeugte sie mit einer sicheren Intonation, die von dem sichtlich beeindruckten Publikum konzentriert aufgenommen wurden. Einziger Wermutstropfen in dem ersten Teil des Konzerts war  Coleman an der Bratsche. Er hielt sich, im Gegensatz zu Oliver Wille und Mikayel Hakhnazaryan, im Hintergrund des Geschehens. Erst nach der Pause im zweiten Teil des Konzerts konnte er mit einem wunderschönen Bratschenklang in einigen Soloparts überzeugen.

Die zweite Hälfte des Kammermusikkonzerts bildete das Klavierquintett in a-Moll op. 84 von Edward Elgar. Markus Becker, Direktor des Instituts für Kammermusik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover ergänzte das Kuss Quartett am Flügel. Das Besondere hier war der Stellenwert der Klavierstimme. Becker nahm mit seinem Instrument keine besondern Soloparts ein, sondern fügte sich in das Musikensemble ein und fungierte als fünfte Stimme. Er spiele mit viel Wärme und wusste sich und das Instrument an den passenden Stellen hervorzuheben. In dem ersten Satz wurde von den Musikern ein Spannungsbogen erzeugt, der seinen Höhepunkt in einem äußerst dynamisch gespielten Allegro wiederfand. Im zweiten Satz setzte eine langsame, anmutige Melodie die Eckpunkte des Satzes, welche die dramatischen Akzente des Mittelteils einrahmten. Der finale Satz griff nun die Themen des ersten und zweiten Satzes in Form von musikalischen Zitaten auf. Nach einer kurzen Andante-Einleitung endete das Quintett in einem kraftvollem Allegro.

Jeder Musiker zeigte sein Können auf eine persönliche Art und Weise, die sich im Zusammenspiel mit allen Musikern zu einem perfekten Zusammenklang summierte. Das Publikum lauschte zwei Stunden gespannt der wunderbaren Musik und wollte die Künstler ohne eine Zugabe nicht gehen lassen. So gab es noch ein kurzes, kraftvolles aber auch zugleich ruhiges Stück von Elgar zum Abendausklang.

Nach solch einem gelungenen Abend darf man sich schon auf das kommende Aulakonzert am 27. April mit dem Philharmonie Ensemble Wien mit Mitgliedern der Wiener Philharmoniker freuen.

Dienstag, 25 Februar 2014 13:52

Schluss, Schluss, Schluss...

Das Belcea Quartet begeistert im 4. Aulakonzert der Saison mit Purcell, Britten und Beethoven

In der Aula am Wilhelmsplatz bekamen die Zuhörer des voll besetzten Saales am vergangenen Sonntagabend das preisgekrönte Belcea Quartet, gegründet in London, zu hören. Die aus Rumänien, Polen und Frankreich stammenden Streicher boten in ihren Stücken eine beeindruckende Klangvielfalt und wurden für ihren leidenschaftlichen Vortrag mit großem Applaus bedacht.

Den Auftakt des Abends bilden vier kleine Fantasien von Henry Purcell, ausgewählt aus den Fantasien für vier Viole da gamba von 1680. Dem näselnden Klang der Gamben nähern sich die Musiker mit, wo immer durch die Komposition möglich, effektvoll eingesetzten leeren Saiten an; Verzicht auf Vibrato und getragene, nach deutlichem Einsatz in der Intensität zurückgehende Striche vervollkommnen das Bild eines barocken Streichensembles. In der Fantasie Nr. 8 dann noch ein winziger, überraschender Gruß an Thomas Morley: Aus dessen bekanntem Madrigal „April is in my mistress´ face“ erklingen die Anfangstöne der vierten Textzeile („But in her heart...“) – bei Purcells Komposition noch keine hundert Jahre alt.

Keine fünf Minuten später überspringen die Virtuosen des Belcea Quartets dann jedoch die nächsten 265 Jahre und beginnen Benjamin Brittens 2. Streichquartett mit sanft vorgebrachten Liegetönen in zweiter Violine und Violoncello – einer täuschende Ruhe vor dem Sturm. Leidenschaftlich folgen die für Brittens Quartettkompositionen typischen abrupten „Einwürfe“, immer sind die Musiker perfekt aufeinander abgestimmt, ja verschmelzen scheinbar zu einem Instrument, wenn sie sich das Spiccato in die Hand geben, so flüssig geht alles ineinander über.

Dann der Schluss – ein langer Schluss! Eine Coda über 23 Takte, Liegetöne, nur unterbrochen von Pizzicatoakkorden im Cello. Schlussakkorde? Denkt man. Einmal. Zweimal. Dreimal. Es scheint nicht aufhören zu wollen. Statt Akkord bildet den endgültigen Abschluss dieser Passage ein wehend leise gespielter, hübscher kleiner Dur-Einwurf. So kurz, spontan und unfassbar – wie ein glücklicher Gedanke im Traum.
Der zweite Satz sorgt in der Kombination von Dämpfern mit häufigem fortefortissimo für ungewohnte Klänge. Sein Schluss kommt unspektakulär und unerwartet – ebenso wie das folgende Aufstehen und aus dem Saal gehen des Bratschisten: Saite kaputt. Eine kurze, ungeplante Pause vor dem dritten Satz, der Chacony.

Dieser startet nun wieder einträchtig im Unisono und führt mit stetig schwellendem decrescendo-crescenso das Thema ein, das Britten nach Purcells Vorlage einbaut (er komponierte das 2. Streichquartett als Hommage an Henry Purcell zu dessen 250. Todestag). Solokadenzen gliedern die Variationen. Das Ende ist eigentlich zum Schießen komisch und erinnert entfernt an einen gewissen Haydnschen Scherz: Nach einem Solo der ersten Violine, untermalt vom crescendierenden Tremolo der drei anderen Instrumentalisten, verlängert sich die letzte Variation um eine viertaktige Coda mit 23 Wiederholungen der Tonika C-Dur! Der harmonisch passende Schlussakkord wird also hier zum Stilmittel einer ganzen Schlusspassage. Am Ende war man sich so oft sicher, dass das jetzt aber wirklich der Schlussakkord war, dass man sich kaum traut zu klatschen.

Nach der Pause darf sich das Publikum am Streichquartett F-Dur op.59 Nr. 1 von Ludwig van Beethoven das Herz erwärmen. Selbst wem Beethovens Streichquartette ein wenig zu sperrig sind, kann sich am vom Cello rollend vorgebrachten Eingangsthema erfreuen und sich im zweiten Satz von den vorwärtsdrängenden, wirklich leicht wieder zu erkennenden Themenköpfen mitreißen lassen. Wo der Cellist in den allerersten Takten des Streichquartetts jedoch noch zügig, schlank und mit einem gewissen lässigen „Understatement“ beginnt, schwelgen die Instrumentalisten schließlich doch überwiegend in einer romantischen Klangart. Welche Variante einem besser gefällt, ist wohl Ansichtssache.

Dienstag, 22 Oktober 2013 00:55

„Englisch bitte, nicht well done“

Aulakonzert des Maggini-Quartetts mit Britten, Bridge et al.

Die zwei Hauptwerke des Abends jedenfalls erfüllen die Anforderung an diese Form der Steakzubereitung; ein innerer roher Kern, voller Saft.

Susanne Stanzeleit (Violine I), David Angel (Violine II), Martin Outram (Viola), Michal Kaznowski (Violoncello), kurz: das Maggini Quartet London, geben an diesem Abend das zweite Aulakonzert der Saison in der, anständig besuchten, Aula am Wilhelmsplatz; Gastgeber: Göttinger Kammermusikgesellschaft.

Zum Schwerpunkt Britten-Projekt darf ich Sie u.a. verweisen auf: Ein Quantum Trost

Erster Hauptgang

Benjamin Brittens erstes Streichquartett in D-Dur (1941) bildet ohne Zweifel den Höhepunkt des Abends; zudem Anknüpfungspunkt für Bezüge zu (fast) allen Stücken. Interpretatorische Qualität, spielerische Energie, kraftvolle Umsetzung, scharfe Rhythmen, Ausschöpfung der Lautstärkemöglichkeiten - bis ins Verlöschen hinein: all’ dies entfaltet sich hier am eindrücklichsten. Es ist wohl auch das Stück, welches dem Quartett am Herzen lag.

Die Hörer spenden danach den kräftigsten Applaus des Abends; dabei ist es „erst“ das zweite Stück von vieren insgesamt; das letzte vor der Pause.
Liegetöne der drei Oberstimmen –ein Cluster wohl noch nicht, nur ein Doppelsekundakkord in enger, sehr, sehr hoher Lage, - lassen manchen Hörer zu Beginn des ersten Satzes „Schlimmes“ befürchten- „neue Musik“ gar? Doch das Cello zupft munter mal ungetrübte, mal getrübte Dreiklänge dazu; dann ein rhythmisch scharfes Allegromotiv - der zweite Teil des ersten Satz beginnt. Einige Leser stellen die Programmlektüre ein, widmen sich dem Zuhören.

Zwei verschiedene Klangwelten bestimmen auch den zweiten Satz: eine tickende, nervöse, sehr leise Bewegung in Vierteln wird unterbrochen von Triolenfiguren. Unterbrochen untertreibt etwas: Touretteartig – pardon bei allen Erkrankten - haut die Triolenfigur in großer Lautstärke dazwischen; je länger der Satz dauert, um so mehr gleichen sie die beiden Welten einander an. Dies ist der beste Konzertteil.
Ein ruhiges Andante im 5/4-Takt sowie das muntere Molto vivace beschließen dieses Werk; weiterhin glänzend, prachtvoll gespielt.

Profis stimmen Einsätze, parallele Stimmverläufe sorgfältig aufeinander ab, achten stets auf Balance & Intonation etc. - das versteht sich von selbst, oder?! Aber es zu hören, zu sehen – wie hier - ist immer wieder eine Freude. (Man mag kaum glauben, daß die erste Geigerin Ende des Monats das Ensemble verläßt.)

Zwischengang

Begonnen hatte das Konzert jedoch mit Mozarts Streichquartett in D-Dur (KV 499). Die Aufnahme dieses Stücks ins Konzertprogramm erschloß sich mir nicht - nun, die Tonart teilt es sich mit Brittens Stück, aber das ist auch alles. Tadellos aufgeführt wurde es freilich - wie herrlich sauber kann man z.B. die Sexten in Viola & Violoncello nebeneinander setzen. (Überhaupt: der Bratscher!) Tadellos doch bedeutet nicht notwendig mitreißend: mit angezogener Handbremse, zu sehr auf Glanz poliert, im Gestus, in der Phrasierung beinahe ein wenig Britten & Bridge angenähert; dies tut Mozarts Musik nicht gut. Sie verliert allen Widerstand, alles Rauhe - ja, das hat sie- : wird zum bloßen „Füll“stück.

Henry Purcells Chacony, g-Moll (1680), geben die Vier in einer – Bezüge, Bezüge - Bearbeitung Brittens. Purcell verdient jedes Lob, jede Aufführung seiner Musik!, aber vielleicht nicht in dieser Bearbeitung. Reichlich versah Britten den Notentext - original für vier Gamben- mit Spielanweisungen für Lautstärke, Phrasierung etc. - Die Magginis halten sich daran - für Purcell bedeutet dies nichts Gutes. Reichliches Vibrato glättet die scharfen Vorhalte, die Dissonanzen der Oberstimmen gegen die sich beständig wiederholende Baßfigur. So wird’s öd.

Zweiter Hauptgang

Brittens Lehrer Frank Bridge, d.h. sein zweites Streichquartett, g-Moll (1914/15), beendet als weiteres Hauptwerk den Abend. Weitausholendes, Lyrisches bestimmt den ersten Satz - mit „Wie-zögert-man-Kadenzen-heraus“-Harmonik. Formal überraschend gelingt dem Komponisten der zweite Satz: Ein Scherzo mit ausführlichem, langsamen Trio - das (beinahe) den „fehlenden“ langsamen Satz ersetzt. Mit Rückgriffen auf die vorherigen Themen, in wirbelnder, zum Schluß gelöster Bewegung endet der dritte & letzte Satz. Die Magginis spendieren diesem Stück, wie dem Britten, ihre ganze Kraft & Energie. Applaus.

Der Bezüge nicht genug, auch in der Zugabe: Das Publikum wird entlassen mit dem zweiten der drei „Idyllen“ Herrn Bridges; Britten verwandte dieses Thema später in seinem Stück „Variationen über ein Thema von Frank Bridge“…

Mehr Britten, bitte.

Mittwoch, 25 September 2013 22:39

Ein Quantum Trost

Britische Kammermusik in der Aula am Wilhelmsplatz

Angenehmer hätte man die Zeit zwischen der ersten Hochrechnung und dem vorläufigen amtlichen Endergebnis an diesem Wahlsonntag wohl nicht verbringen können: Zusammen mit dem britischen Wetter hielt beim ersten Aulakonzert der Saison 2013/14 nun auch ein ganzer Schwung englischer Komponisten in Göttingen Einzug. Und ließ letztlich Kälte und Koalitionssorgen vergessen.

Aus Anlass des 100. Geburtstags von Benjamin Britten im November 2013 legt die Göttinger Kammermusikgesellschaft ihren Schwerpunkt in den nächsten Monaten auf die britische Kammermusik des 19. und 20. Jahrhunderts - welch ein Gewinn fürs Göttinger Publikum! Trotz ihrer Dramatik, ihrer Fülle an Emotion, ihrer Experimentierfreude (und ab und zu einem unverhohlenen Witz) ist diese prachtvolle Musik hierzulande wenig bekannt. Gleichzeitig werden die Kompositionen in Beziehung zur englischen Renaissance- und Barockmusik gesetzt: Werke von Byrd, Gibbons und Purcell erzählen vom Anfang der englischen Kammermusik.

Am Sonntag gab es zum Einstieg in der gut besuchten Aula englisches Landleben: 1938 komponierte Gerald Finzi auf seinem Landsitz in Berkshire ein "Praeludium und Fuge für Streichtrio", während er ansonsten mit dem Anbau von alten englischen Apfelsorten beschäftigt war.

In diesem Werk, das leise, geradezu hauchend beginnt, bevor es sich langsam und stetig steigert, zieht förmlich eine neblige Herbstlandschaft vor dem inneren Auge herauf und mahnt mit bittersüßem dissonanten Blätterfall an die Vergänglichkeit des Lebens. Dies zumindest, wenn es mit dem nötigen Sinn fürs Kleinformatige gespielt wird - was Elisabeth Weber (Violine), Volker Jacobsen (Viola) und Tanja Tetzlaff (Violoncello) mit ihrer absolut präzisen Detailverliebtheit wunderbar gelingt. Herrlich tragisch! Und am Ende schimmert doch noch unerwartet ein Stückchen Sonne durch die Wolken: Schluß in Dur.

Anschließend Elgars Sonate für Violine und Klavier in e-moll. Sie entstand 1918, so wie die meisten seiner kammermusikalischen Kompositionen erst nach seinen bekannteren großen Werken.

Die plätschernden Läufe und Arpeggien des Klavierparts ziehen eine Linie zu träumerischen Mondnächten bei Debussy und Tschaikowsky (mit Schwänen) - ein impressionistischer Faden in die Vergangenheit bei diesem dramatischen, expressiven Werk.

Konstanze Eickhorst lässt sie zielsicher erklingen - immer auf die überraschenden Effekte achtend, erstaunt sie mit den vielen dämpferlosen, unerhört kurzen Abschlüssen: War da eben noch ein Ton?

Diese Präzision darf man nicht zuletzt dem heimlichen Star des Abends danken: Der neu angeschaffte, komplett aufgearbeitete Steinway-D-Flügel feierte seine Premiere in der Aula. Der große Konzertflügel ersetzt den früheren Steinway-C-Flügel, welcher im alten Kinosaal am Wilhelmsplatz wieder erklingen wird, wo ein neuer Tagungs- und Konzertraum entsteht.

Elisabeth Weber spielt Elgar mit hervorragendem emotionalen Ausdruck, übersteigert dabei die dramatischen Effekte ebensowenig wie ihre Klavierpartnerin und sorgt so für einen direkten, "ehrlichen" Klang, auch wenn Elgar den Schluß des ersten, wirklich aufwühlenden Satzes in einem unspektakulären, frechen Dur hinrotzt - als ob nix gewesen wäre. Britischer Humor? Man darf wohl sagen: Ja.

Den zweiten Satz nannte Elgar "spukhaft" und "merkwürdig" - man sage er zähle zum Besten was er an expressiver Musik komponiert habe. Und tatsächlich findet sich hier ein Potpourri des Ausdrucks: Lyrische Passagen wechseln mit spannungserzeugenden Musikeffekten, die an Krimiszenen erinnern. Dann wieder ertönt eine unschuldige, lustige Melodie auf dem Flügel, die jedoch mehr oder weniger abgebrochen wird, um der Violine Platz zu machen, bevor sich alles wiederholt und ineinander verschachtelt. Musik, unbeständig wie das englische Wetter.

Vor der Pause machen Tanja Tetzlaff und Konstanze Eickhorst das Publikum dann mit Frank Bridges drei Stücken für Violoncello und Klavier bekannt. Bilden die Wellenbewegungen auf dem Flügel (die man in den Noten auch noch aus mehreren Metern Entfernung ausmachen kann) im ersten Satz einen Klangteppich, auf dem sich das Cello emotional ausbreiten darf, geben sich beide in der Serenade die Klänge in die Hand und zaubern eine Art luftigen Walzer hervor. Stück Numme drei, das Scherzo, gibt hier seinem Namen alle Ehre - nicht nur den Ausführenden ist der Spielspaß anzusehen, auch das Publikum kann sich das Lachen nicht verkneifen, als der Flügel eine Schlußpassage seines Streichpartners geradezu banal und plump in der Tiefe nachahmt. Ein rasantes, virtuos gemeistertes Stück.

Nach der Pause Henry Purcell - dessen Instrumentalmusik man selten zu hören bekommt. Wie ein Kanon beginnt die Fantazia III für drei Stimmen und führt die Unabhängigkeit der Einzelstimmen durch das ganze Stück hindurch - dadurch ergeben sich erstaunlich modern wirkende Klänge.
Das Ensemble schließt Schumanns Klavierquartett Es-Dur attacca an - überraschend wie gut das passt! Purcells Fantazia erscheint plötzlich wie der Prolog zu Schumanns Quartett, obwohl sie 162 Jahre vorher geschrieben wurde.

Schumann wird verzeihen, dass ich nach diesem britischen Auflauf nur noch einen Satz zu seinem Werk, welches das Schlußstück des Konzerts bildete, hinzu fügen möchte: Es ist ein Juwel der Kammermusik, dem die vier Musiker seinen Brillantschliff zu geben wussten.

Glücklich und erwärmt verlässt man die Aula am Wilhelmsplatz: Auch Herbst und Winter haben ihre Freuden und man ist gespannt auf die weiteren britischen Eigenheiten, die in den folgenden Aulakonzerten (das nächste am 20. Oktober) zu entdecken sind.

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