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Montag, 27 Februar 2017 17:02

Viel Barockswing ohne akademischen Touch

Festliche Barockmusik in St. Jacobi

Eine gut gefüllte Jacobikirche am Sonntagnachmittag bestätigte die Wahl der Konzertzeit um 16 Uhr – auch, wenn die Konzertdauer mit über zwei Stunden etwas reichlich bemessen war.

Geboten wurde ein „Festliches Barockkonzert“ mit Musik von Johann Sebastian Bach, dem Thomaskantor Johann Friedrich Doles und Jan Dismas Zelenka. Das erklärte Lieblingsstück der Kantorei und eine wunderbare Entdeckung war der kurze Kantatensatz „Nun ist das Heil“: ein doppelchörig angelegter und festlich mit Pauken und Trompeten besetzter Satz begeisterte nicht nur das Publikum. Und auch die Erklärung von Johann Friedrich Doles, der 50 Jahre nach Bach komponierte, „Fugen sind blos Kunstwerke des Verstandes und belustigen allenfalls den Kenner“ wurde eindrucksvoll widerlegt. Denn das sehr kunstvolle Kompositionsprinzip einer Permutationsfuge erklingt bei Bach spielerisch und leicht. Wenn es dann noch vom Kammerchor St. Jacobi und dem Göttinger Barockorchester mit viel Barockswing vorgetragen wird, ist endgültig jeder akademische Touch dieses Kleinods verschwunden.

Doles (1715-1797) erklärte jedoch seinen Gegenentwurf zum Musikverständnis seines Lehrers Bach: Kirchenmusik soll das Herz berühren und Gefühle im Hörer auslösen. Und wenn man nun dem Ratschlag von Arne zur Nieden im Programmheft folgte, nämlich „Bach für 20 Minuten zu vergessen“, war die Intention Doles‘ tatsächlich zu spüren: gefühlvoll und ausdrucksstark interpretierte Kantor Stefan Kordes den Psalm „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Chor und Orchester ließ er klingen, er spannte Bögen und entfaltete somit die Wirkung dieser Musik.

Zu diesem Gelingen haben auch die Solisten beigetragen, von denen vor allem Gotthold Schwarz zu nennen ist, ist Schwarz doch ebenfalls Thomaskantor und damit ebenfalls ein Nachfolger Bachs und auch Doles‘. Aber deswegen wurde er natürlich nicht eingeladen. Vielmehr gestalteten Schwarz gemeinsam mit Theresia Taube, Ulrike Schneider und Henning Kaiser ihre Solistenparts überzeugend.

Begonnen hatte der Abend mit der Kantate „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“. Sie erklang im Rahmen der Reihe „Bach-Kantaten zu Luther-Liedern“. Und diese Kantate hatte es Stefan Kordes sehr angetan. „Eine kleine Matthäuspassion“ erläuterte er – und meinte die Besonderheit dieser Kantate: Bach gestaltete einen groß angelegten und sehr bewegten Eingangschor, in dem neben dem Chor die Oboe und die Querflöte solistisch auftreten. Leider waren Chor, Orchester und Dirigent zu Beginn des Konzertes noch nicht exakt aufeinander eingespielt. Zum Teil klapperte es bedenklich zwischen den Ensemblegruppen. Das legte sich aber schnell. Auch lagen Kordes die „romantischen pianissimo-Passagen“ in der Kantate besonders am Herzen, wie er im Programmheft verriet. Diese pianissimo-Passagen sorgten jedoch dafür, dass der 40köpfige Kammerchor St. Jacobi bisweilen sich nicht recht durchzusetzen vermochte. Dass er dazu durchaus in der Lage ist, war beim anschließenden Psalm von Johann Friedrich Doles zu hören.

Das Göttinger Barockorchester mit seinem Konzertmeister Henning Vater war im gesamten Verlauf des Konzertes mehr als ein zuverlässiger Begleiter: vor allem bei der Musik vor der Pause konnten die Stimmgruppen wunderbare eigene Akzente setzen, besonders genannt seien hier die Flöte, die Oboe und die Trompetengruppe. Nach der Pause erklang die „Missa Divi Xaverii“ von Jan Dismas Zelenka. Chor und Orchester hielten die Konzentration bewundernswert aufrecht. Allein die etwas gefällige Musik Zelenkas zog sich ein wenig hin.

Umso schöner, dass der Bach-Satz „Nun ist das Heil“ als Zugabe noch einmal gegeben wurde. Derart beschwingt entließen der Kammerchor St. Jacobi, das Göttinger Barockorchester und Stefan Kordes das Publikum in den Sonntagabend.

Der Kammerchor St. Jacobi ist gemeinsam mit der Kantorei St. Jacobi am 14. Mai während der Internationalen Händel-Festspiele zu hören. Um 18 Uhr erklingt in der Johanniskirche Händels Oratorium "Israel in Egypt" unter dem Dirigat von Stefan Kordes. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Ticketkauf finden Sie hier im Kulturbüro Göttingen.

Das Göttinger Barockorchester ist bereits am Montag, den 6. März um 19.30 Uhr zu hören. Unter der Leitung von Antonius Adamske erklingen in der St. Pauluskirche unter anderem die drei Bass-Solokantaten von Johann Sebastian Bach. Die Solopartie singt Henryk Böhm. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Ticketkauf finden Sie hier im Kulturbüro Göttingen.

Am Freitag, 3. März um 18 Uhr beginnen die diesjährigen Konzerte der beliebten Reihe „30 Minuten Orgelmusik“ in St. Jacobi. 

Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr „Luthers Lieder“ - in einer Reihe von Orgelmusiken steht jeweils ein Lied des Reformators im Mittelpunkt, das gesungen wird und in verschiedenen Orgelbearbeitungen erklingt. Außerdem wird ein Theologe seine persönlichen Sicht zu diesem Lied mitgeben. 

Die Eröffnung gestalten Landessuperintendent Gorka und Stefan Kordes mit „Nun freut Euch, lieben Christen gmein“. Am Freitag, 10. März, 18 Uhr, folgt eine Kammermusik im Gemeindesaal mit Dmitri Feinschmidt (GSO), Violine und Stefan Kordes. Sie werden neben einer Beethoven-Sonate die sogenannte FAE-Sonate spielen, eine Gemeinschaftskomposition von Johannes Brahms, Robert Schumann und Albert Dietrich.

Alle Termine finden Sie unter www.jacobikantorei.de und natürlich hier online im Kulturbüro Göttingen.

Die große Ott-Orgel in der Jacobikirche wurde vor 50 Jahren erbaut. Aus diesem Anlass ist zu den Internationelen Orgeltagen an St. Jacobi ein umfangreiches Programmheft erschienen. Dieser Text von Arne zur Nieden wurde freundlicherweise von der Jacobikantorei und vom Autor zur Verfügung gestellt.

Am Freitag, den 7. Oktober spielt der 16jährige Organist Jan-Aurel Dawidiuk um 18 Uhr zur Orgelmusik in St. Jacobi. Aus diesem Anlass hat sich der ebenfalls 16jährige Orgelschüler Johannes Wortmann mit dem mehrfachen Bundessieger von „Jugend musiziert“ unterhalten.

Samstag, 03 September 2016 13:02

Surround-Klang in der Jacobikirche

Ben van Oosten an der Orgel und das Göttinger Symphonie Orchester unter Stefan Kordes begeisterten im Festkonzert zum 50. Geburtstag der Orgel in St. Jacobi

Samstag, 21 Mai 2016 15:20

Eine ganze Nacht lang Schubert

Schubert-Lieder mit Andreas Fischer und Stefan Kordes in der Jacobikirche

1808. Orgelmusik an St. Jacobi: Kammermusik für Klarinette und Klavier mit Anton Säckl und Stefan Kordes

Wanderausstellung vom 4. März bis 30. April in der Jacobikirche

Dienstag, 16 Februar 2016 12:39

Beängstigende Aktualität

Aufführungen des "War Requiem" mit der Kantorei St. Jacobi

Montag, 06 Juli 2015 10:00

Nur Sieger bei den Carmina burana

Carmina burana von Carl Orff in der Jacobikirche

Der heilige Jacobus und der böse Zauberer Hermogenes blicken ungerührt vom Altar der Göttinger Jacobikirche auf das weltliche Geschehen unter ihnen: da singen Kinder von Amor, Jünglingen und Jungferlein, da singen Männer von Bacchus und von Trinkgelagen in der Schenke, da gibt sich eine Frau ganz und gar ihrem Süßesten hin – und zu allem tanzen junge Damen und hübschen sich mit Lippenstift auf. Und als sei das alles nicht genug, wird zudem ein Schwan gebraten.

Sind das die bösen Zauber, die Jacobus der Legende nach besiegt hat? Bereits im Eingangschor „O Fortuna“ konstatiert der Chor, dass Willenskraft und Schwachheit immer im Widerstreit liegen. Bei den Aufführungen der „Carmina burana“ von Carl Orff stand die Liebe und die Lebenslust an drei Abenden im Mittelpunkt. Am Ende gab es nur Sieger und keine Besiegten:

Da sind zu allererst die Tänzerinnen der Balletttschule „art la danse“ zu nennen. In einer Choreographie von Judith Kara griffen sie die zum Teil deftigen Inhalte auf und setzten die musikalischen Bilder mit Ausdruckstanz um. Ihr Tanz beschränkte sich nicht nur auf den Altarraum: immer wieder wurden die Gänge im Kirchenschiff als Tanzfläche genutzt – und sogar das Publikum wurde mit einbezogen: Schminkspiegel wurden den Zuhörern entgegengehalten oder kurze schriftliche Botschaften verteilt. Judith Kara hat großartige Bilder geschaffen, die die Tänzerinnen ungemein ausdrucksvoll umgesetzt haben.

Das Orchester bestand zum einen aus zwei Flügeln mit den Pianisten Miriam Puls und Michael Schäfer und zum anderen aus dem Wuppertaler Schlagzeugensemble – aufgeführt wurde nämlich die von Orff autorisierte Fassung für zwei Klaviere und Schlagwerk. Die zum Teil komplizierten Rhythmen dieser Musik können in dieser Fassung häufig deutlicher herausgearbeitet werden als in der Orchesterfassung. Das war in der nicht einfachen Akustik der Jacobikirche nicht immer so deutlich herauszuhören.

Das gilt auch für den Chor, bestehend aus der Kantorei St. Jacobi und dem Unterstufenchor des Otto-Hahn-Gymnasiums. Zwar klang das Tutti groß und archaisch, der Kinderchor jugendlich frisch, der Männerchor mit erfreulichen großen Ton. Nur konnte man zu nahezu keinem Moment etwas vom Text verstehen. Dabei lebt doch zum Beispiel die Szene „in tabernam“ von der Artikulation.

Der Begeisterung der Sängerinnen und Sänger, aber auch der Zuhörer tat das allerdings keinen Abbruch. Diese Musik ist mitreißend komponiert und mitreißend wiedergegeben worden.

Von den Gesangssolisten hat der Tenor als Schwan die dankbarste Rolle. Andreas Fischer gestaltete seinen Auftritt perfekt. Der Bariton Samuel Hasselhorn konnte vor allem in den hohen Lagen überzeugen, während Anna Gann ihr „Dulcissime“ zuckersüß gestaltete und damit die Herzen des Publikums eroberte.

Von der Kanzel aus agierte Stefan Kordes als musikalischer Leiter. Präzise dirigierte er die Ensembles. Er hatte sichtlich Freude am Geschehen im Altarraum und auf dem hohen Chorpodest. Wie auch das Publikum in der dreimal ausverkauften Jacobikirche. Und wie wohl auch der heilige Jacobus.

Sonntag, 10 Mai 2015 20:55

Herausragende Aufführung

Dresdner Requiem mit der Jacobikantorei

Atmosphärisch dicht – so lässt sich am besten die Aufführung von Rudolf Mauersbergers Dresdner Requiem am Samstagabend in der St. Jacobikirche beschreiben. Enthusiastischere Beschreibungen, die für die ausgezeichnete Aufführungsqualität bei einem anderen Stück sicher leicht aus der Feder geflossen wären, verbieten sich bei diesem Aufführungsanlass und diesem Stück. Überhaupt - der Anlass:  Der 70. Jahrestag des Kriegsendes. Dieses wurde von Mauersberger, damals Kreuzkantor  in Dresden, ebenso wie die vorangegangene Zerstörung der Stadt direkt miterlebt. Seine Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“, die bereits am 4. August 1945 in den Ruinen der Kreuzkirche uraufgeführt wurde, wurde auch im Göttinger Konzert dem Requiem vorangestellt – wie es der Dresdner Aufführungstradition entspricht. Stefan Kordes hatte die Kantorei St. Jacobi als Hauptchor und den Kammerchor, der den Part des Fernchores und den Altarchor übernommen hatte, bestens vorbereitet. Die räumlich weite Entfernung der drei Gruppen und der Instrumentalisten, neben Mathias Herbst, Orgel, und Miriam Puls, Célesta,  auch Mitglieder – insbesondere Blechbläser - des Göttinger Symphonie Orchesters, führte an keiner Stelle der Aufführung zu rhythmischen Unstimmigkeiten. Hier ist auch Arne zur Nieden zu nennen, der die Leitung des Fernchores auf der Orgelempore übernommen hatte und für Präzision und harmonisches Einfügen ins Gesamtgeschehen stand.

Für die Zuhörenden entwickelte sich auf diese Weise ein Klangerlebnis, das eindrücklich die Texte kommentierte und in Zusammenhang brachte, so wie es vom Komponisten durch die Textauswahl aus Bibeltexten und Gesangbuchliedern und durch die Rollenzuordnung vorgesehen war: Der  Hauptchor stand insbesondere für den Bezug zur Jetztzeit und zur Zerstörung Dresdens, vielfach formuliert durch eine Auswahl von alttestamentlichen Texten aus dem Buch Hiob und den Klageliedern. Dazu versinnbildlichte der Fernchor die Abgeschiedenen und spiegelte die Aussagen des Hauptchores. Der kleine Altarchor, dem auch solistische Aufgaben übertragen waren, übernahm vorwiegend die Evangelientexte. Wie Mauersberger es vorgesehen hatte, stand dieser Chor in Kurrendetracht zentral um einen kleinen Tischaltar mit Kreuz und Kerze. Hierdurch wurde das Requiem auch liturgisch verortet und entwickelte eine tiefe Aussagekraft, die von allen Mitwirkenden getragen wurde. Zwei Choralstrophen waren für den Gemeindegesang vorgesehen und mit Noten im Programmheft notiert, so dass in diesem Mittun alle Anwesenden – Chöre, Instrumentalisten und Zuhörer zu einer musikalischen Gemeinschaft zusammengeführt wurden.

Stefan Kordes ist zu danken, dass er den Anlass wahrgenommen und mit dieser Göttinger Erstaufführung ein Zeichen gesetzt hat. Zudem hat er durch die überaus geschickte Inszenierung  dafür gesorgt, dass dieses Requiem in einem liturgischen Rahmen stattfand und es konsequenterweise auch keinen Applaus gab – aber umso mehr eindrückliche Erinnerungen aller Anwesenden an eine herausragende Aufführung. Selten erlebt man Aufführungen, in denen Stück, Aufführungspraxis und Anlass so perfekt korrespondieren.

Montag, 09 Februar 2015 12:46

Schwelgen auf Französisch

Die "Seligpreisungen" von César Franck in der Göttinger Jacobikirche

Die französische romantische Musik ist vor allem durch ihre Orgelwerke bekannt. Dazu gehören auch die Orgelwerke von César Franck. Romantische Oratorien aus Frankreich sind eher unbekannt. Das Oratorium „Béatitudes“ (Seligpreisungen) von César Franck gehört somit ebenfalls zu den unbekannten großen Chorwerken. Dass sich der Bekanntheitsgrad dieser Musik überhaupt steigern konnte, ist der Pionierarbeit von Hans Christoph Becker-Foss aus Hameln zu verdanken, der für seine Aufführungen des Werkes im Herbst letzten Jahres in jahrelanger Arbeit das Aufführungsmaterial erstellt hat.

Das nutzte Jacobi-Kantor Stefan Kordes nur wenige Monate später. Seine Leidenschaft für die französische Romantik hatte er bereits häufiger gezeigt. Diese Leidenschaft ist es in erster Linie, die die Göttinger Erstaufführung in der Jacobikirche zu einem großen Erfolg werden ließ. Das beginnt schon in der Begeisterung, die zunächst im Chor geweckt werden muss. Eine große Chorpartie, ein unbekanntes Stück, eine fremde Sprache – das spricht zunächst wenig für große Begeisterung. Die aber war im Konzert deutlich zu spüren! Der Chor war gut vorbereitet und wirkte sehr präsent. Es ist eine besondere Herausforderung, bei solcher Musik nicht „mitzuschwelgen“, sondern durch selber aktiv dafür zu sorgen, dass die Zuhörer in den romantischen Klängen schwelgen können. Die verschiedenen Rollen des Chores als irdischer oder himmlischer Chor waren deutlich unterscheidbar.

Franck hat den acht Seligpreisungen jeweils größere, zum Teil dramatische Passagen für Chor und Solisten vorangestellt. Für die unterschiedlichen Rollen wird ein großer Stab an Solisten benötigt. Zum Teil hat sich Stefan Kordes dabei aus seinem eigenen Chor bedient: Marie Lüders (Sopran), Karsten Krüger (Tenor) und Christian Neofotistos (Bass) machten ihre Sache mehr als ordentlich.

Dem frisch gebackenen Thomaskantor Gotthold Schwarz kam eine besondere Rolle zu: er sang die Stimme Christi und damit den eigentlichen Bibeltext. Mitunter hätte man sich außer der schönen Stimme noch etwas mehr Volumen gewünscht, nicht immer konnte sich Schwarz gegenüber dem groß besetzten Orchester durchsetzen.

Ganz anders Nicole Pieper, die sich mit ihrer Altstimme mühelos durchsetzte. Insbesondere ihren Solopart „Mater Dolorosa“ gestaltete Pieper so dramatisch, dass es unter die Haut ging.

Henryk Böhm gestaltete "seinen" Satan mit Augenzwinkern und Stephanie Henke gefiel als Engel sowie in einigen weiteren kleineren Rollen (Sopran). Clemens Löschmann (Tenor) hatte in den neun Nummern (Prolog und acht Seligpreisungen) häufig die Aufgabe des Prologs und der Hinführung zur Seligpreisung. Löschmann gestaltete seinen Part passend zur romantischen Musik mit viel Gefühl und dosierte die Kraft unterschiedlich - gerade so, wie es die Musik erforderte.

Einzig die Rolle des Erzählers wurde nicht ganz klar: Wolfgang Wangerin erzählte (in deutscher Sprache) jeweils den Ablauf jeder Nummer - der aber aus dem (etwas knappen) Programmheft eindeutig hervorging. Dass zudem die Technik immer wieder ausfiel, war ihm natürlich nicht anzulasten.

Das Göttinger Symphonie Orchester war groß besetzt und entsprechend durch zahlreiche Aushilfen verstärkt, zum Schluss sogar mit der großen Orgel der Jacobikirche. Die Musiker unter dem Konzertmeister Wojtek Bolimowski waren gut aufgelegt. Sie reagierten auf kleinste Fingerzeige des Dirigenten. Die Dynamik, die Kordes einforderte, wurde unmittelbar umgesetzt, so dass die Musik Francks sich zur ganzen Pracht entfalten konnte. Antonius Adamske setzte mit vollen Register am Ende des Stückes das i-Tüpfelchen auf die überbordenden Klänge.

Dem Chor gehört ein besonderes Lob ausgesprochen. Denn das gut zweistündige Werk lässt den Choristen kaum Verschnaufpausen. So wurde das Werk im wahrsten Sinne „durchgestanden“. Ermüdungserscheinungen waren nicht zu verzeichnen. Bis zum Schluss hielt der Chor die Spannung. Ja, sie konnte im zweiten Teil sogar noch gesteigert werden.

Die Musik von César Franck war für die meisten Besucher ganz neu. Es ist sehr erfreulich, dass die Göttinger sehr neugierig sind: es waren nicht nur viele Kollegen von Stefan Kordes anwesend, die Kirche war insgesamt sehr gut gefüllt. Die Stimmen in der Pause und nach dem Konzert waren unterschiedlich, was die Musik angeht. Von „hat so seine Längen“ über „ich mag solche Schmachtfetzen“ bis „ich habe Gänsehaut bekommen“ war alles vertreten. Was aber die Umsetzung angeht, waren sich alle einig: es kann nur höchstes Lob ausgesprochen werden an den Dirigenten, den Chor, die Solisten und das Orchester.

Der lang anhaltende Applaus am Ende hat das eindrücklich unter Beweis gestellt.

St. Jacobi - Einweihung der historischen italienischen Orgel von 1844

Im weltweiten Datennetz lässt sich neben allerlei Teufelszeug – Fox News, Bombenbauanleitungen, Glühweinrezepte -, auch Erbauliches finden. Im Rahmen der 1755. Orgelmusik an St. Jacobi wurde an diesem Freitag die dort entdeckte „neue“ Orgel italienischer Provenienz vorgestellt. Ihr Erbauer ist leider unbekannt, ihre Besonderheit nicht: die mitteltönige Stimmung.

Mitteltönig? Hier scheiden sich die Geister - man blickt entweder in verzückte oder verständnislose Gesichter; sei es bei Musikerinnen oder Laien, das ist einerlei. Mitteltönig ist eine Antwort auf das mathematische Problem „Wie teile ich -auf dem Tasteninstrument- die Oktave?“ Das mag für viele ähnlich anregend klingen wie ein Vortrag über Algebraische Topologie. Lassen Sie sich nicht beirren und lesen Sie bitte weiter! Das Ergebnis dieser Überlegungen ist äußerst sinnlich.

Das Ideal der reinen Stimmung mit einfachen Frequenzverhältnissen der Intervalle untereinander lässt sich aus mathematischen Gründen nicht zum Quintenzirkel schließen. Es bleibt eine (hörbare) Differenz, das pythagoreische Komma. Dieses zu „verteilen“ ist die Aufgabe der verschiedenen Stimmung. In der Mitteltönigkeit entscheidet man mit vielen reinen großen Terzen (Bsp. C-E-(G) in C-Dur) sich dem Ideal zu nähern. So lange man einen bestimmten Tonartenbereich nicht verlässt, ist die Durchsichtigkeit, der Wohlklang berückend. Tut man dies, wird’s grausig: Fis-Dur klingt elend.

Kantor Stefan Kordes demonstriert dies einfach durch Vergleich der mitteltönigen mit der heute gebräuchlichen gleichstufig temperierten Stimmung. Einmal erklingt die chromatische Skala der Oktave auf der großen Orgel (gleichstufig); darauffolgend die Halbtöne-Tonleiter in mitteltöniger Stimmung. Hier fällt jedem im sehr gut besetzten Kirchenschiff sofort die Unterschiedlichkeit der Halbtöne ins Ohr. Gleichstufig temperiert sind alle gleich „weit“ voneinander entfernt; in der Mitteltönigkeit nicht- hier gibt es kleinere und größere Abstände. Die gleichstufige Stimmung mildert die Gegensätze, macht sie ein bisschen langweiliger; ihr Gewinn ist es, dass nun alle Tonarten verwandt werden können. Bruckner und Wagner wird es gefreut haben…

Natürlich soll auch Musik aus der Zeit erklingen, für welche diese Orgel 1844 gebaut wurde. Das heißt Musik um 1600, von Komponisten wie Frescobaldi, Rossi, Byrd, Antegnati, Sweelinck. Schon allein die Fantasia chromatica des letzteren lässt mir das Herz aufgehen. Wie aufregend klingt nun der chromatische Abstieg, wie hart jeder „schlechte“ Akkord. Erst die mitteltönige Stimmung macht die Kühnheit, die Freude am Klangrausch verständlich! Für das Musikleben der Gemeinde, der Stadt ist dieses Instrument ein Gewinn.

Dies betonen in ihren Grußworten auch Pastor Storz und Superintendent Selter, die wie Stefan Kordes sich außerdem für den großzügigen finanziellen Einsatz der Spenderinnen und Spender herzlich bedanken. Unter Plauschereien, Fachsimpeln, Orgelbewundern endet die Einweihung mit des Antichristen Getränk: Es gibt Glühwein.

Anmerkung: Wer noch nie reine Intervalle, mitteltönige Stimmung etc. gehört hat, lasse sich dies doch einmal vorspielen - oder besuche eine allseits bekannte Seite im Netz, die mit „wiki“ beginnt. Es lohnt!! - Frohe Weihnachten.

Einweihung am Freitag, 19. Dezember, 18 Uhr

Seit wenigen Wochen steht in der Göttinger St. Jacobi-Kirche eine italienische Orgel aus dem Jahr 1844. Platziert im vorderen Teil der Kirche neben dem Altarraum wird sie in Zukunft abwechselnd zur großen Orgel in Konzerten und Gottesdiensten zu hören sein. Die Orgel wird am Freitag, 19. Dezember, um 18 Uhr mit einem Konzert eingeweiht. Kantor Stefan Kordes spielt dabei italienische Orgelmusik unter anderem von Frescobaldi und Rossi und führt in die Besonderheiten des Instruments ein. Superintendent Friedrich Selter (Kirchenkreis Göttingen) und Pastor Harald Storz (St. Jacobi) werden Grußworte sprechen. Der Eintritt zum Konzert, das etwa eine knappe Stunde dauern wird, ist frei. Am Sonntag, 21. Dezember, 10 Uhr, wird die italienische Orgel erstmals im Gottesdienst zu hören sein. Es singt die Kantorei St. Jacobi, die Predigt hält Pastor i. R. Dirk Tiedemann.

Stefan Kordes freut sich sehr über das neue, mitteltönig gestimmte Instrument: "Wer einmal den Klang einer alten italienischen Orgel gehört hat, vergisst ihn nicht so schnell. Mit wenigen Registern schaffen diese Instrumente eine ganz außergewöhnliche Klangpracht. Hinzu kommt die berühmte 'voce umana', die 'menschliche Stimme', die einen ganz warmen, schwebenden Klang schafft", erläutert der Kantor. "Auf diesen Instrumenten entwickelt die Musik der Renaissance, wie von den italienischen Komponisten Frescobaldi, Gabrieli oder Rossi, aber auch von Sweelinck, Scheidt, Byrd und vielen anderen, eine ganz besondere Atmosphäre, die mit modernen Orgeln nicht darstellbar ist." Das Instrument in St. Jacobi verfügt als zusätzliche Besonderheit über eine "ussignolo", eine "Nachtigall": Einige Pfeifen spielen in ein Gefäß mit destilliertem Wasser und erzeugen so ein Zwitschern wie von Vögeln.

Das Einweihungskonzert für die italienische Orgel ist die 1.755ste Veranstaltung in der Reihe der Orgelmusiken. Seit den 70er Jahren finden diese jeden Freitag von März bis Dezember um 18 Uhr in der Göttinger St. Jacobi-Kirche statt, besucht von durchschnittlich 100 Zuhörern. Darüber hinaus bieten die Internationalen Orgeltage seit 1966 alle zwei bis drei Jahre Konzerte mit Spitzenorganisten aus aller Welt.

Sonntag, 08 Dezember 2013 09:15

Händel am Nikolausabend

Orgelmusik in St. Jacobi mit Antonius Adamske und Orchester

Alljährlich in der Advents- und Weihnachtszeit wird eine Epoche der Musikgeschichte aktuell und auf breiter Front gesellschaftsfähig: Die Barockmusik. Das Weihnachtsoratorium ist als Konzertereignis ein Pflichttermin, im CD-Regal häufen sich neue Einspielungen von Weihnachtskantaten unbekannter mitteldeutscher Komponisten, das ZDF bietet adventliche Musik in D-Dur aus der Dresdener Frauenkirche mit Pauken und Trompeten und im Radio läuft bald Corellis Weihnachtskonzert in gefühlter Endlosschleife. Nein, ich bin der Barockmusik sicher nicht überdrüssig, auch wenn es gerade so klingen mag. Vielmehr freue ich mich über das, wenn auch nur kurzzeitige, Protegieren dieser Musik, die zwar in den Chören vor allem mit den großen Werken Bachs einen festen Platz hat, aber ansonsten von Laienmusikern erstaunlich selten zu Gehör gebracht wird. Ob man in Göttingen Angst vor der Konkurrenz der Händel-Profis im Mai hat?

Donnerstag, 31 Oktober 2013 23:57

Gut vorbereiteter Chor

Abendmusik zum Reformationstag mit der Jacobikantorei

Die "Abendmusik zum Reformationstag" ist eine schöne Tradition in der St. Jacobikirche. Dementsprechend ist diese musikalische Andacht regelmäßig gut besucht. So auch am Reformationstag 2013.

Die Jacobikantorei hat diesen Auftritt zum Anlass genommen, Ausschnitte aus ihrem "Reiseprogramm" zu präsentieren: vom 6. bis zum 14. Oktober war die Kantorei auf Konzertreise in Rom. Ausgewählt wurden Motetten von Johannes Brahms ("Es ist das Heil uns kommen her" und "Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz"), Jozwf Swider ("Cantus gloriosus - Alleluja") und die Hymne op. 96 in vier Sätzen von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie sein "Denn er hat seinen Engeln befohlen". Außerdem gab es zum Verdi-Jahr das "Pater noster" zu hören.

Der Chor war gut vorbereitet - das ist natürlich nach der Konzertreise kein Wunder. Dennoch ist es bemerkenswert, weil es auch als Zuhörer ein deutliches Vergnügen bereitet, wenn die Sängerinnen und Sänger viel und häufig aus den Noten schauen. Dadurch wirkt der gesamte Vortrag so viel lebendiger, dass man sich häufiger ein "Fast-Auswändig-Singen" wünscht. Umso verwunderlicher, dass bei dem Parade-Stück der Jacobikantorei immer noch einige Sänger in die Noten versunken sind: das wunderbare "Alleluja" von Swider wurde in der Vergangenheit so häufig präsentiert, dass eigentlich alle Sänger nach vorne gucken könnten.

Das ist aber nur ein ganz kleiner Wermutstropfen. Denn insgesamt war es eine große Freude, dem Chor zuzuhören. Die Atmosphäre eines Gottesdienstes (Predigt: Pastorin Dr. Adelheid Ruck-Schröder) war der Stückauswahl ausgesprochen zuträglich. Einzig die Hymne von Mendelssohn hätte ein wenig differenziertere Gestaltung im Chor vertragen, um die Komposition etwas kurzweiliger erscheinen zu lassen. Maxi Jansky hat hier mit schöner Stimme das Alt-Solo vorgetragen, Antonius Adamske begleitete das Werk an der großen Orgel. Überhaupt ist es auch eine schöne Tradition von Kantor Stefan Kordes, kleinere Solo-Stellen aus dem Chor heraus zu besetzen. So wachsen begabte Sängerinnen und Sänger mit ihren Aufgaben. Und bei solchen Anlässen wie zum Beispiel der Abendmusik zum Reformationstag müssen nicht hoch dotierte Solisten eingekauft werden.

Die Zuhörer in der gut gefüllten Jacobikirche entließen den Chor erst nach der Zugabe ("Bleib bei uns, denn es will Abend werden" von Rheinberger).

Das nächste Konzert der Jacobikantorei ist am Sonntag, dem 17. November um 18 Uhr: Neben der Motette "Komm, Jesu, komm" von Johann Sebastian Bach steht die "Trauermusik" für zwei Chöre, Solisten und großes Orchester von Johann Ludwig Bach als Göttinger Erstaufführung an. Eintrittskarten gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen und online hier im Kulturbüro Göttingen.

Mittwoch, 23 Oktober 2013 09:24

Abendmusik zum Reformationstag

Mit der Jacobikantorei

Am Donnerstag, 31. Oktober 2013, findet in der St. Jacobikirche um 20 Uhr die traditionelle Abendmusik zum Reformationstag statt. Es singt die Kantorei St. Jacobi unter der Leitung von Kantor Stefan Kordes. Auf dem Programm stehen die Motetten op. 29 von Johannes Brahms, die Hymne op. 96 und "Denn er hat seinen Engeln" von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie der "Cantus gloriosus" von Jozef Swider. Aus Anlass seines 200. Geburtstages erklingt außerdem das "Pater noster" von Giuseppe Verdi. Das Altsolo in der Hymne übernimmt Maximiliane Jansky, an der Orgel spielt Antonius Adamske. Die Predigt hält Pastorin Dr. Adelheid Ruck-Schröder von der Stephanus-Gemeinde Geismar. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

Montag, 02 September 2013 00:00

Orgelmusiken an St. Jacobi

Herbsttermine stehen fest

Auch in den kommenden Monaten lädt die Göttinger St. Jacobikirche wieder an jedem Freitagabend um 18 Uhr zur traditionellen Orgelmusik. Dabei spielen Organisten aus Göttingen sowie Gastmusiker aus Deutschland und Europa eine halbe Stunde, der Eintritt ist frei.

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