Willkommen im Kulturbüro Göttingen

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Freitag, 30 März 2018 07:39

ClavierTage 2018

Der Pianist Gerrit Zitterbart lädt auch im Jahr 2018 wieder in zu den „ClavierTagen Göttingen“. Für dieses Festival vom 25. bis zum 29. April hat Zitterbart sich einige spannende Partner eingeladen, mit denen er in seinem Clavier-Salon und in der Reformierten Kirche konzertieren wird.

In diesem Jahr steht Wolfgang Amadeus Mozart im Mittelpunkt der ClavierTage. So sind das Clavierquartett g-Moll KV 478, Sonaten für Clavier und Violine, Sonaten für vierhändiges Clavier und Claviertrios zu hören. Als Akademiekonzert sind die Clavierkonzerte F-Dur, A-Dur und C-Dur ein Höhepunkt am 26. April: Gerrit Zitterbart (Clavier), Gunhild Hoelscher und Yü-Yen Li (Violinen) sowie die beiden Musiker des Göttinger Symphonie Orchesters Janusz Nosarzewski (Viola) und Seo Young Lee (Violoncello) treten gemeinsam in der Reformierten Kirche, Untere Karspüle 11 auf.

Das gesamte Programm finden Sie hier als Spielplan im Kulturbüro Göttingen, Tickets für die Konzerte gibt es hier im Ticketshop des Kulturbüros.

Donnerstag, 01 Februar 2018 19:08

Unverhoffte Aufführung: Schuberts Winterreise.

Die schöne Müllerin gesungen von Henryk Böhm – dieser Liederzyklus stand am Programm des Clavier-Salons. Viele Leute sind gekommen wegen der Müllerin, viele sind gekommen wegen des Baritons Henryk Böhm, alle sind geblieben für die Winterreise gesungen von Luciano Lodi.

Montag, 15 Januar 2018 10:00

Heiter und fröhlich im Clavier-Salon

Marcia Hadjimarkos spielt Erik Satie

Samstag, 23 Dezember 2017 12:19

Kontrastreiches Spiel

Ein Wiedersehen mit einer hier aufgewachsenen Musikerin gab es am Donnerstag. Die in Göttingen geborene Geigerin Yü-Yen Li kam zu einem Kammermusikabend in Gerrit Zitterbarts Clavier-Salon, vom Hausherrn begleitet bei Musik von Beethoven und Brahms.

Freitag, 18 August 2017 13:27

Außergewöhnliche musikalische Klangwelten

Die Südkoreanerin Yukyeong Ji war zu Gast im Clavier-Salon

Clavier-Salon: Duoabend mit Jola Isberner (Violoncello) und Gi Ran Jung (Klavier)

Clavier-Salon: Liederabend mit Ju-Hyeon Lee und Jürgen Orelly

Freitag, 24 März 2017 17:57

Ein Programm für Mehrheiten

Elisabeth Kufferath „Libero, fragile“ im Clavier-Salon

Es gibt so viele ungeschriebene Regeln bei Konzerten. Eine Regel für Streicher, die sowohl Geige als auch Bratsche spielen, verriet Jan Müller-Wieland im Clavier-Salon: „Auf keinen Fall wird während eines Abends das Instrument gewechselt.“ Andere Konzert-Regeln lauten: „Spiele niemals nach der Pause ein zeitgenössisches Werk, dann gehen die Besucher in der Pause.“

Überhaupt ist ja zeitgenössische Musik eher etwas für Minderheiten. Bei dem Konzert mit Elisabeth Kufferath im Clavier-Salon war alles anders. Vor allem deshalb, weil Kufferath mit allen Regeln gebrochen hat: sie hat nicht nur ständig zwischen Violine und Viola gewechselt, sie hat auch vor der Pause zeitgenössische Musik gespielt. Das hat sie sogar den gesamten Abend getan. Und so ging natürlich kein einziger Zuhörer, denn alle sind genau deswegen gekommen. Auf diese Art bildete das Auditorium eine Mehrheit!

Auf dem Programm stand Musik von Luciano Berio, Elliot Carter, György Kurtág und Jan Müller-Wieland. „Das Programm ist dem Wunsch entsprungen, zwei wichtige Facetten meines Musikerlebens zusammenzubringen: das Abwechseln zwischen Geige und Bratsche und meine Liebe zu Neuer Musik“, verriet Kufferath im Programmheft.

Da liegt es geradezu auf der Hand, die Teile der „Sequenza“ von Luciano Berio (1925-2003) für Violine und Viola in das Programm aufzunehmen: Berio erkundet die Möglichkeiten der einzelnen Instrumente. Kufferath nahm die Zuhörer mit auf die Erkundungstour und zauberte eine erstaunliche Klangvielfalt aus ihren Instrumente. Zeitweilig hatte man das Gefühl, da spielten mehrere Instrumente gleichzeitig.

Der US-Amerikaner Elliot Carter (1908-2012) komponierte seine „Mnemosyné“ für Violine und sein „Figment IV“ für Viola im Alter von 103 bzw. 99 Jahren. Geradezu jugendlich klangen die beiden Stücke, voller Humor und Vielschichtigkeit. Kufferath interpretierte diese Musik mit satten, vollen Tönen – und immer einem Lächeln in den Mundwinkeln.

György Kurtág (*1926) verwendete in seinen Kompositionen immer wieder Zitate und Anlehnungen. Seine Miniaturen „From Signs, Games and Messages“ für Violine und Viola spielte Elisabeth Kufferath mit großer Virtuosität und viel Gefühl.

Jan Müller-Wieland (*1966) moderierte nicht nur den Abend mit großem Sachverstand und hörbarer Liebe zur Musik, sondern trug als Komponist selbst zum Gelingen des Abends bei. Sein „Himmelfahrt“ für Viola Solo ist Elisabeth Kufferath gewidmet und – wie er es selbst formulierte – bei Ihr „bestens aufgehoben“. Außerdem erklang noch „Libero, fragile“ für Violine solo – das Stück, das dem Abend auch seine Überschrift gab.

Ein beeindruckender Abend endete in Wut und Zorn: das war mehr als spürbar in der Sequenza VI von Luciano Berio für Viola Sola. Dem Publikum war jedoch eher herzlich zumute: lang anhaltend applaudierten die Besucher der Geigenvirtuosin, die seit 2009 eine Professur für Violine an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover innehat.

Montag, 27 Februar 2017 09:12

ClavierTage Göttingen 2017: Beethoven

Der Clavier-Salon in Göttingen feiert im Frühjahr 2017 seinen 5. Geburtstag, dies ist Anlass zur Gründung eines neuen kleinen Festivals in Göttingen. Jeweils im April eines Jahres sollen die ClavierTage die musikalische Szene in Göttingen beleben, in jedem Jahr mit einem anderen Komponisten-Schwerpunkt.

Der Start 2017 gehört natürlich dem Schwergewicht unter den Klavier-Komponisten: Ludwig van Beethoven. Sein Werk wird vielfältig in Kammermusik, Soloabend und Orchesterkonzerten dargeboten, immer auf den historischen Flügeln des Clavier-Salons.

Die Mitwirkenden
Die Lüneburger Symphoniker unter der Leitung von Thomas Dorsch widmen sich unter dem Titel „Norddeutsche Kammerakademie“ der Musik der Klassik und frühen Romantik. Musik mit den Augen der Zeit ihres Entstehens zu sehen: mit diesem Weg setzen sich die Musiker mit ihrem musikalischen Leiter Thomas Dorsch ambitioniert auseinander.
Weitere Informationen: www.theater-lueneburg.de 

Das Quartet Berlin-Tokyo gehört zur jungen Generation der international anerkannten Streichquartette und erwirbt sich immer mehr Lorbeeren auf dem Weg zur großen Karriere.
Weitere Informationen: www.quartetberlintokyo.com

Alexander Schimpf ist nach seinen sensationellen Erfolgen bei den internationalen Wettbewerben in Bonn, Wien und Cleveland einer der erfolgreichsten deutschen Pianisten seiner Generation. Er wurde gerade als Professor an die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover berufen.
Weitere Informationen: www.alexander-schimpf.de

Christian Poltéra gehört zu den großen Cellisten mit einer Weltkarriere. Er spielt das berühmte „Mara“-Violoncello von Stradivari. Seine Auftritte als Solist mit den berühmtesten Orchestern, als Mitglied des Trios Zimmermann und als Kammermusiker sind von allerhöchster Güte.
Weitere Informationen: www.christianpoltera.com

Gerrit Zitterbart ist als Pianist und Professor an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover seit vielen Jahren ein Garant für hochkarätige musikalische Ergebnisse auf allen Gebieten der Pianistik.
Weitere Informationen: www.gerrit-zitterbart.de

Die Orte
Der Clavier-Salon Göttingen hat sich in den fünf Jahren seines Bestehens mit über 750 Konzerten einen festen Platz im Kulturleben der Stadt erobert. Seine feine, festliche und intime Atmosphäre bietet allen Liebhabern der Klavier- und Kammermusik eine Heimstatt.
Die Aula der Universität Göttingen aus dem Jahr 1837 ist ein idealer Konzertraum für orchestrale Besetzungen der Wiener Klassik. Sie ist ein perfekter Rahmen für die Klavierkonzerte Beethovens.

Die Konzerte
Mittwoch 26.4. 19:30 h, Aula der Universität am Wilhelmsplatz:
Orchesterkonzert I: Gerrit Zitterbart, Clavier, Lüneburger Symphoniker im Rahmen der Norddeutschen Kammerakademie, Leitung Thomas Dorsch
In Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Göttingen
Klavierkonzerte C-Dur op.15, B-Dur op.19 & c-Moll op.37
Freier Eintritt für alle Studierenden der Georgia Augusta

Donnerstag 27.4. 19:45 h, Clavier-Salon Stumpfebiel 4:
Quartet Berlin-Tokyo, Gerrit Zitterbart, Clavier
Klavierquartett Es-Dur WoO 36,2, Streichquartette e-Moll op.59,2, B-Dur op.130/Große Fuge op.133

Freitag 28.4. 19:45 h, Clavier-Salon Stumpfebiel 4:
Klavierabend Alexander Schimpf
Klaviersonaten D-Dur op.28, f-Moll op. 57 "Appassionata", c-Moll op.111

Sonnabend 29.4. 19:30 h, Aula der Universität am Wilhelmsplatz:
Orchesterkonzert II: Gerrit Zitterbart, Clavier, Lüneburger Symphoniker im Rahmen der Norddeutschen Kammerakademie, Leitung Thomas Dorsch
In Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Göttingen
Klavierkonzerte G-Dur op.58 & Es-Dur op.73
Freier Eintritt für alle Studierenden der Georgia Augusta

Sonntag 30.4. 19:45 h, Clavier-Salon Stumpfebiel 4:
Duoabend Christian Poltéra, Violoncello, Gerrit Zitterbart, Clavier
Cellosonaten g-Moll op.5,2 & A-Dur op.69, Mozart-Variationen WoO 46 & op.66

Karten (Einheitspreis 20 €) bei
www.reservix.de (plus Vorverkaufsgebühren)
Göttinger Vorverkaufsstellen (plus Vorverkaufsgebühren)
Clavier-Salon Stumpfebiel 4
Abendkasse soweit vorhanden

Sonderkonzerte:
Mittwoch 26.4. 16:30 h
Schulkonzert I für alle Schüler in Stadt und Landkreis Göttingen
Aula der Universität am Wilhelmsplatz: Orchesterkonzert
Gerrit Zitterbart, Clavier, Lüneburger Symphoniker im Rahmen der Norddeutschen Kammerakademie, Leitung Thomas Dorsch
In Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Göttingen
Beethoven, Klavierkonzerte C-Dur op.15, B-Dur op.19 & c-Moll op.37
Freier Eintritt für alle Schülerinnen und Schüler

Sonnabend 29.4. 16:30 h
Schulkonzert II für alle Schüler in Stadt und Landkreis Göttingen
Aula der Universität am Wilhelmsplatz: Orchesterkonzert
Gerrit Zitterbart, Clavier, Lüneburger Symphoniker im Rahmen der Norddeutschen Kammerakademie, Leitung Thomas Dorsch
In Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Göttingen
Beethoven, Klavierkonzerte G-Dur op.58 & Es-Dur op.73
Freier Eintritt für alle Schülerinnen und Schüler

Sonntag, 26 Februar 2017 11:34

Das März-Programm im Clavier-Salon

Clavier-Salon: Die Höhepunkte im März

4.3. Die junge Pianistin Kyra Steckeweh bringt mit Fanny Hensel, Mel Bonis und Lili Boulanger drei Komponistinnen zu Gehör, die Sie auf keinen Fall vermissen sollten, ein Kennenlernen lohnt sich sehr!

17.3. Christoph Henkel, der Meistercellist aus Freiburg, kommt erneut in den Clavier-Salon!

22.3. Elisabeth Kufferath, die wunderbare Violinistin, bringt einen Solo-Abend mit moderner Musik für Geige - ein Hörbabenteuer, das Sie sich keinesfalls entgehen lassen dürfen!

30.3. Clavierduo an zwei historischen Flügeln mit Werken von Wolfgang Amadé Mozart und seinem verehrten Mentor Johann Christian Bach: Saeyoung Jeong & Gerrit Zitterbart

Und angefügt der Hinweis auf das neues Festival in Göttingen, das zum ersten Mal im April veranstaltet wird:

ClavierTage Göttingen 2017: Beethoven.

Zum 5. Geburtstag des Clavier-Salons ein besonderes Bonbon.

In jedem Jahr soll es einen anderen Schwerpunkt geben.

Ich erwarte zum Start hochkarätige Gäste wie Christian Poltéra, den Meistercellisten mit seinem Stradivari-"Mara"- Cello und Alexander Schimpf, Göttinger Pianist mit Weltkarriere. Und das Quartet Berlin-Tokyo, vier besessene Streicher in einem Streichquartett der Spitzenklasse. Und ich werde das Vergnügen haben, in der Aula der Universität mit meinen lieben Kollegen aus Lüneburg unter der Leitung von Thomas Dorsch alle Klavierkonzerte von Beethven aufzuführen.

Sichern Sie sich rechtzeitig Karten, es gibt im Salon immer nur 60 Plätze!

Das gesamte Programm des Clavier-Salons finden Sie hier online im Kulturbüro Göttingen. Tickets gibt es an allen Reservix-Vorverkaufsstellen - und ebenfalls hier online im Kulturbüro Göttingen.

Konzert mit dem Massonneau-Ensemble im Clavier-Salon

Mittwoch, 20 Juli 2016 09:40

Hörcollage über ein eigenwilliges Paar

George Sand und Fréderic Chopin im Clavier-Salon

Dienstag, 05 Juli 2016 10:20

Kein Fußball! Und kein Klavier!

Impronto Quartett aus Weimar mit Mozart und Grieg

Freitag, 20 Mai 2016 10:52

Quälereien hoch Sieben

Clavier-Salon: 14 Stunden das gleiche Stücke oder Erik Satie zum Geburtstag

Dienstag, 05 April 2016 08:53

Satie-Geburtstag im Clavier-Salon

Jede Menge Pianisten gesucht

Montag, 14 März 2016 15:19

Strom im Untergrund

Ein Abend über Theodor Leschetizky mit Hubert Rutkowski

Montag, 22 Februar 2016 10:48

Glück (mit Lücke)

Ein Ritt durch die Zeit mit Richard Schwennicke

Montag, 25 Januar 2016 23:10

Heimspiel

Ein Abend mit Violoncello im Clavier-Salon - David Drost und Natalia Ehwald zu Gast

Stille.
So viele Menschen in einem Raum; und es herrscht trotzdem --- Stille.
Es ist die Art konzentrierter Ruhe, die – so legt Erfahrung nahe - aus jenem kaum fassbaren Miteinander von Bühne/Auditorium bei einer gelungenen Aufführung entsteht.

Nach Erwähnung, dass der gebürtige Göttinger David Drost (Violoncello) und Natalia Ehwald (Klavier; Flügel von Th. Steinweg Nachf. 1898) aus Berlin anreisend Werke von Schostakowitsch, Beethoven, Ligeti, Schumann zu Gehör brachten, könnten wir mit den Worten Franz Josef I. („Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!“) schließen. Freilich ruft dieser Abend – oder zumindest der Betreiber dieser Seite - nach Lob und Betrachtung en détail.

Zwei Sonaten für Cello und Klavier stehen am Schluss jeder Programmhälfte (Beethoven vor der Pause; Schostakowitsch entsprechend). Der grimmige - latent-aggressive? - Humor ist beiden zu eigen, so sehr ihre Lebensumstände naturgemäß andere waren.

In den Scherzi hat diese Stimmung ihren angestammten Platz, und es sind in Beethovens Sonate in As-Dur op. 69 (1807/1808) eben dieses Scherzo sowie das Finale, welche den stärksten Eindruck hinterlassen. Äußerst wachsam aufeinander hörend stellen die Musiker Akzente und rhythmische Verschiebungen mit scharfem, fast metallenem Klang in den Raum, dass es eine Freude ist. Verbissen geht es dabei freilich nicht zur Sache, besonders im Schlusssatz begeistert die Spielfreude der beiden das Publikum. Das anfängliche Allegro ma non tanto schien ein wenig Anlauf zu benötigen; umso mehr packt einen der Mittelteil der Durchführung mit seinen fleischlosen, fahlen Rückungen! Sparsamer Pedalgebrauch sowie gekonnt eingesetztes Vibrato tun hier das ihre.

Zur starken Seite des Abends gehört ebenso die viersätzige Sonate in d-Moll op.40 (1934) von D. Schostakowitsch, im Großen - wie im Kleinen: Der zarte Flageolett-Tonvorhang im Cello im zweiten; das unbarmherzig-genau gespielte, plötzlich erscheinende Achtelmotiv im Mittelteil des ersten Satzes; ein unversöhnliches, ins Nichts gedimmte Ausklingen des dritten etc. etc.

Ist die Balance zwischen den beiden Instrumenten allezeit sehr gut gewahrt, so gibt – Wo gäbe es das nicht? – ein paar Schwächen. An der ersten trägt die Physik schuld: Das Cello aus dem kühlen Vorraum in die mollige Wärme des Salons geholt, lässt zu Konzertbeginn die Intonation nicht einfach werden. Herr Drost „lagert“ das Instrument in der Pause im Salon, was sich als sehr gute Entscheidung erweist. Erwähnt sei auch die nicht immer perfekte Kontrolle, wenn bei langen, sehr leisen Tönen die Spitze des Bogens erreicht ist. Dafür seien erneut der energische Zugriff sowie die – viel zu selten hört man das - Variabilität gelobt, mit welcher der Cellist die pizzicati zu gestalten weiß.

Schumanns „Adagio & Allegro“ in As, op.70 (1849; ursprünglich für Horn/Klavier) leidet im ersten Teil ein wenig unter den oben erwähnten Intonationsproblemen, der virtuose zweite Part lässt diese jedoch rasch vergessen.

Ein jeder hat zudem Gelegenheit, sich einzeln zu präsentieren. Frau Ehwald mit den Abegg-Variationen op.1, ebenfalls aus Schumanns Feder. Der Kürze halber ein exemplarisches Lob für die letzten 13 Takte - ganz köstlich wie sie, bei stetig abnehmender Lautstärke, punktgenau die Akzente setzt, wenn der stetig leiser werdende Sechzehntellauf sich im Klavier in der Tiefe verbrummelt.

György Ligetis Solosonate für Cello (1948-1953) ist David Drosts Beitrag zum Soloteil des Abends. Sein akademischer Lehrer Wolfgang Boettcher ermunterte, so schildert es Herr Drost, einst den Komponisten zur Veröffentlichung des zweisätzigen Werkes.

Sicherlich besetzen die sechzig Plätze des Salons bei diesem Heimspiel viele Freunde, Bekannte, Familie, doch der kräftige und ausgiebige Applaus wären den Protagonisten unabhängig von persönlichen Sympathien sicher gewesen. Als Dank und Zugabe: „Der Hummelflug“ aus Rimski-Korsakow Oper Das Märchen vom Zaren Saltan.

Samstag, 02 Januar 2016 18:33

Das singende Clavier

Romantisch begann das Jahr im Göttinger Clavier-Salon. Gerrit Zitterbart hatte zum Neujahrskonzert eingeladen und sein Konzertprogramm mit „A Ladies‘ Diary“ überschrieben. Dies stand symbolisch für die Epoche, in der auch sein Flügel von Robert Wornum (London) gebaut worden ist, also die Jahre um 1845. Zitterpart präsentierte Klaviermusik mit Werken von John Field bis Frédéric Chopin. Charmant und informierend schlug Zitterbart in seiner Moderation die Bögen der einzelnen Komponisten zueinander.

Nach den „Nocturne“ von John Field, die der Komponist auch in Warschau in Anwesenheit des noch jungen Frédéric Chopin spielte, sowie zwei Werken von Franz Schubert standen „Lieder ohne Worte“ auf dem Programm. Musik der „Erfinderin“ dieser Gattung Delphine von Schauroth erklang ebenso wie die von Fanny Hensel und natürlich von Felix Mendelssohn Bartholdy. Und Gerrit Zitterbart ließ diesen auf abenteuerlichem Weg nach Göttingen gelangten historischen Flügel singen. Die von Wornum erfundene, hoch komplizierte Anschlagtechnik erklang unter seinen Fingern überhaupt nicht kompliziert. Im Diskant erklangen diese Lieder glockenhell, wie eine jugendliche Sopranstimme in diesen „Liedern ohne Worte“.

Nach der Pause standen zunächst Stücke von Robert Schumann auf dem Programm. Auch wenn Schumann selbst vermutlich auf einem anderen Instrument gespielt hatte, zauberte Zitterbart aus den Stücken aus dem „Album für die Jugend“ wahre Kleinode. Das gilt vor allem für die „Träumerei“ aus den „Kinderszenen“, die Zitterbart mit großer Zartheit und viel Gefühl zum Klingen brachte.

Den Abschluss bildeten Préludes und Walzer von Chopin. Hier verbanden sich Gefühl, Melancholie und Virtuosität zu einem Gesamtkunstwerk. Das Publikum im gut gefüllten Clavier-Salon wurde damit in das Neue Jahr entlassen – nicht ohne seiner Begeisterung durch lang anhaltendem Applaus Ausdruck zu verleihen.

 Clavierabend mit Gerrit Zitterbart

Wie ein Taschenklavier sieht er wahrlich nicht aus. Der kleine Flügel in Gerrit Zitterbarts Sammlung historischer Tasteninstrumente glänzt wie eine kostbare Antiquität. Aber sein Erbauer Robert Wornum nannte ihn nun mal „pocket piano“. Vielleicht dachte er um 1845  auch an die Atmosphäre von musikalischen Salons in denen sich sein samtig wärmender Klang wunderbar entfalten würde.

Für diesen Abend in seinem Clavier-Salon stimmt Gerrit Zitterbart das Publikum auch gern auf ein romantisch anmutendes Tableau ein, wenn er nun das Bild von englischen Landhäusern entwirft, in denen die Lady ihre Gäste mit den romantischen Kompositionen unterhielt, die gerade kursierten. Da darf auch eine charmante Anspielung auf den Titel des Abends „A Ladies’ Diary“ nicht fehlen. Auch wenn es dabei um ein Markenzeichen für modische Accessoires handelt, die die Damenwelt in dieser Zeit entzückten, für Zitterbart passt Wornums „Pocket Piano“ einfach wunderbar in dieses Umfeld der Ladies Diaries und natürlich auch in seine musikalische Reise durch das romantische Zeitalter.

Es kommt dabei auch gleich zu Entdeckungen mit drei musikalischen Skizzen von John Fields, der dafür um 1812 den Begriff „Nocturne“ erfunden hatte, den später Frédéric Chopin für viele seiner Kompositionen übernahm. Auch die „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn- Bartholdy haben ihre romantische Vorgeschichte, die Zitterbart seinen Zuhörern mit einer beschwingenden Momentaufnahme von Delphine von Schauroth entdeckt und dabei auf ein nicht nur musikalisches Beziehungsgeflecht verweist. Dass Mendelssohn die Pianistin und Komponistin sehnsüchtig umschwärmte, als er ihr sein Gondellied widmete. Und dass seine Schwester Fanny Hensel diese Form der musikalischen Widmung ebenfalls schätzte, die auf Wornums Taschenklavier ihren romantischen Zauber entfaltet.

Auch bei Robert Schumann und seinen musikalischen Präziosen für Klavier verweilt der Musiker auf seiner Klangreise mit den Stimmen der Romantik. Wie geschaffen für die Novellen aus dem Album der Jugend und aus Schumanns Kinderszenen klingt auch hier der Flügel, dessen  warme dunkle Erdung  vor allem mit zarten melodischen Variationen harmoniert und weniger mit dramatischen Motiven. Das hat Zitterbart auch bei den Werken von Chopin bedacht, mit denen sich leicht ein pianistisches Feuerwerk entzünden ließe. An seinem Wornum dürfen Préludes und Walzer auch als sentimentale moments musicaux bewegen und eine melancholische Färbung annehmen. Wenn sie sich nun in romantische Träumereien verwandeln, die sanft beschwingen und bezaubern.

Montag, 20 April 2015 14:30

Gegen alles Normale

Gerrit Zitterbart mikroskopiert Schuberts B-Dur-Sonate

„Musik unter dem Mikroskop“, so hat Gerrit Zitterbart seine Reihe von Gesprächskonzerten genannt, in der er Klaviersonaten von Schubert, Mozart und Beethoven nicht nur spielt, sondern sie für seine Zuhörer auch detailreich, informativ und sehr vergnüglich auseinandernimmt. Am Freitagabend schloss er mit der B-Dur-Sonate den Zyklus der letzten drei Klaviersonaten von Franz Schubert ab.

Schubert hat diese drei Sonaten zur gleichen Zeit komponiert, wie das Publikum erfährt, und die B-Dur-Sonate schließlich bewusst an den Schluss der Trilogie gesetzt. Anders als in den Schwesterwerken lässt Schubert in ihr seine musikalischen Ideen stellenweise wie Kartenhäuser zusammenfallen oder schreibt sie wie endlose, nicht enden wollende Reihen aneinander. Und: Er betritt Neuland mit seinen Einfällen, er wendet sich immer wieder gegen die musikalischen Standards seiner Zeit. Angesichts dessen, dass die drei Sonaten in Schuberts letzten drei Lebensmonaten komponiert wurden, darf man sich fragen, ob Schubert das Ende seiner Lebenszeit vorausahnte und vielleicht deshalb seine letzte Möglichkeit dazu nutzte, Ideen zu entwickeln, die auszukomponieren er vorher vermieden hatte, da sie zu seiner Zeit als gewagt und ungewöhnlich galten. Die B-Dur-Sonate ist ein Wechselbad der Gefühle, immer wieder erschreckt sie mit unvermittelten Ausbrüchen, zum Beispiel chaotischen Explosionen nach der absoluten Stille einer Generalpause. Der Reichtum an Kontrasten ist unglaublich, schon im Eingangsthema des ersten Satzes, wenn die wellenartige Melodie bereits im achten Takt von einem Triller im Pianissimo unterbrochen wird, der auf dem tiefen F endet – dem tiefstmöglichen Ton des damaligen Pianos, wie Zitterbart hervorhebt. Das „Grauen“ – in den ersten beiden Sonaten noch laut und erdrückend dargestellt – wirkt durch solch einen subtilen, dunklen Einwurf noch gefährlicher. Auf dem historischen Hammerflügel von 1825, den Zitterbart für die Sonate nutzt, kommt das tiefe Grollen sogar noch eindrücklicher zum Vorschein als auf einem modernen Konzertflügel.

Zitterbart spickt seinen Vortrag mit amüsanten Anekdoten, verteilt den kompletten Notentext an alle Anwesenden und gibt dutzende Klangbeispiele, die seine Erklärungen hervorragend illustrieren. Besonders faszinierend wird es, wenn er Teile aus der Sonate „falsch“ spielt, also so, wie man die Komposition normalerweise erwarten würde: Dem munteren Scherzo des dritten Satzes folgt ein Trio; anders als das Scherzo ist es aber in moll geschrieben, mit krassen Sforzati, Nadelstichen, die die trügerische Idylle zerstören. Zum Vergleich spielt Zitterbart nun das Trio als „übliche“ Fortsetzung des Scherzo, in Dur und ohne die harten einzelnen Betonungen: Sofort klingt es hübsch und eingängig – und nicht mehr nach Schubert.

Zitterbart gelingt es Worte zu finden für die interessanten kompositorischen Einfälle, die einen am heimischen CD-Spieler vielleicht schon mal irritiert haben, die man aber nicht zu fassen vermochte: Warum erzeugt der Anfang des vierten Satzes das Gefühl der Schwebe, der Frage: Wo wollen wir eigentlich hin? Ganz einfach: Schubert beginnt in c-moll, lässt aber im Bass den Grundton c aus.
Dass man all diese Erläuterungen nicht bräuchte, um die Musik einfach zu genießen, dies gibt Zitterbart dann auch noch lächelnd zu, bevor er nach einer Pause im zweiten Konzertteil die Sonate am Stück zu Gehör bringt. In erster Linie interpretiert er sie eher vorwärts drängend als schreitend, durchaus legitim. Allerdings verlässt er diese Sichtweise nicht mal zu Beginn des Andante sostenuto: Das „getragene Schreiten“ (wie man es übersetzen könnte), das in langsamerem Tempo an ein unabwendbares Zugehen auf das Grab erinnern kann, wird so zum Joggen um den Friedhof. Meiner Meinung nach schade, auch da Zitterbart ja gerade auf die vielen Kontraste innerhalb der Sonate hingewiesen hatte; ebenso wie auf die ausgeklügelte Klanggestaltung Schuberts, die sich auch in allerlei Spielanweisungen im Notentext wiederfindet. Zitterbart nimmt Schuberts Forte meistens wörtlich, übergeht aber für meinen Geschmack zu viele Pianissimi. Dafür bringt er an vielen, vielen Stellen den Schmelz, die Wärme und die Außergewöhnlichkeit einzelner Noten durch behutsame Verzögerungen hervorragend zur Geltung. Beeindruckend auch die Effekte, die durch den geschickten Einsatz der Pedale entstehen, und die beim Hammerflügel zahlreicher und vielfältiger sind als bei den Pedalen eines Konzertflügels. Unnachahmlich samtig und warm schimmert auf diese Weise zum Beispiel das Ende des zweiten Satzes und überzeugt von der Einzigartigkeit des historischen Instruments.

Alles in allem gelingt Gerrit Zitterbart mit seiner Reihe „Musik unter dem Mikroskop“ ein faszinierendes Konzerterlebnis, das dem interessierten Laien die Augen öffnet für die Feinheiten und die Genialität einzelner Komponisten. „Sehr empfehlenswert“ befand auch das Publikum, das sich mit viel Beifall für den tollen Abend bedankte.

Montag, 19 Januar 2015 13:34

Wiener Klassik im Clavier-Salon

Nachdem das Göttinger Publikum nun vom Göttinger Symphonie Orchester auf Wiener Art musikalisch in das Neue Jahr gebracht wurde (siehe hier), ist man nur eine Woche später zurück in Wien, zumindest im musikalischen Geiste. Gerrit Zitterbart brachte mit Mozart, Haydn, Beethoven und Schubert die typischen Wiener Klassiker nach Göttingen.

Das Rondo a-Moll KV 511 von Mozart sei melancholisch, in sich gekehrt und mehr für einen selbst, als für ein Konzert, so Zitterbart. Es sei wie ein Zwiegespräch zwischen Instrument und Interpret. Der Charakter ist nicht so leicht, wie man es von anderen Mozart Werken her kennt. Das schwermütige immer wieder kehrende Thema ist eher untypisch für ein Rondo, das eigentlich einen fröhlichen Charakter hat. In den Couplets lockert sich die Stimmung nur verhalten auf.


Mit Haydns Sonate f-Moll (Variationen) bot Zitterbart ein besonderes Variationswerk, das es so nicht nochmal gibt. Eine Doppelvariation, die aus zwei Themen besteht - eines in Moll und eines in Dur - die abwechselnd variiert werden. Das Moll Thema wirkt bedrückt wogegen das Dur Thema fröhlich und munter klingt. Die unterschiedlichen Charaktere der Themen hat Zitterbart durch eine abwechslungsreiche Spielweise herausgearbeitet. Unterbrochen wird diese Variation durch eine Kadenz, was ebenfalls sehr ungewöhnlich ist. Wie so häufig, spielt Haydn mit den Hörerwartungen der Zuhörer. Die ersten beiden Stücke wurden auf der Kopie nach Anton Walter 1795 gespielt. Einen solches Instrument besaß Mozart während seiner gesamten Zeit in Wien.

Die Klaviersonate E-Dur op. 109 von Beethoven ist eine seiner letzten Klaviersonaten. In polyphoner Satzweise sind die beiden Hände völlig unabhängig voneinander und spielen vollkommen eigene Melodien. Er hat damit die Grenzen, des auf dem Klavier möglichen erreicht und wich danach auf das Streichquartett aus, wie Zitterbart das Publikum wissen ließ. Die drei Sätze gehen direkt ineinander über. Der letzte Satz ist ein unkonventioneller Variationssatz mit einer langsamen, sanglichen Melodie, die in der letzten Variation in schnellen Läufen ausbricht und schließlich zum ruhigen Anfang zurückkehrt.

Nach der Pause dann der jüngste der vier Wiener Klassiker, Schubert. Die Sonate B-Dur op. posth. D 960 ist eine seiner drei letzten Sonaten, wovon die dazugehörige Sonate A-Dur op.posth. D 959 im Oktober letzten Jahres im Clavier-Salon zu hören war. Zitterbart beschrieb die B-Dur Sonate als melancholisch und dennoch kraftvoll. Der erste Satz beginnt mit einem friedlichen Thema, dass durch Tremoli in tiefer Lage eine bedrohlich Unterton bekommt. Das Scherzo steht mit schnellen Motiven und staccato im Kontrast zu den beiden Sätzen davor. Durch differenzierte Dynamik wurden die Höhen und Tiefen und die Zerrissenheit gerade der letzten beiden Stücke zum Ausdruck gebracht.

Der Flügel aus dem Jahre 1825 ist ein Originalinstrument, der restauriert wurde. Er hat noch vier Pedale, davon zwei Moderato Pedale, die man an heutigen Instrumenten vergeblich sucht. Schade eigentlich, denn mit diesen Pedalen lässt sich nochmal eine extra Facette in den Klang einbringen. Wie gewohnt erklärte Zitterbart die Technik der beiden Klaviere im Vergleich zum heutigen Flügel und das Publikum schaute mit Interesse auf das Spiel, um die Besonderheiten nicht nur hören, sondern auch sehen zu können.

Donnerstag, 01 Januar 2015 23:22

Ein herrlicher Abend voller Unsinn

Musikkabarett mit Gerrit Zitterbart im Clavier-Salon

Lauter Unsinn war angekündigt, lauter Unsinn wurde geliefert. Es gibt viele Möglichkeiten Unsinn und Klaviermusik in Verbindung zu bringen: in der Art des Spielens, in der Präsentation und der Auswahl der Stücke. Hier waren es die Komponisten, die den Unsinn machten. „Das ist lauter Unsinn, den du da schreibst“ soll schon Brahms zu Leschetizky gesagt haben. Und Gerrit Zitterbart – Göttinger Pianist, Professor für Klavier und Inhaber des Clavier-Salons – präsentierte ihn mit viel Humor und Natürlichkeit dem Publikum im ausverkauften Clavier-Salon.

Wie fängt man so einen Abend am besten an, wenn man vorgibt nichts vorbereitet zu haben? Man vertraut auf sein Publikum mit Kennern der Klaviermusik und lässt sich zurufen: „Ein Präludium“. Da ein gebräuchlicher Johann Sebastian Bach nicht so richtiger Unsinn ist, nimmt man sich den P.D.Q. Bach vor, eine Erfindung des amerikanischen Pianisten und Musikprofessors Peter Schickele. Charakteristisch für P.D.Q. (engl. „pretty darn quick“) sei seine Arbeit mit Plagiaten gewesen.

Als nächstes eine Premiere: Ein Stück von Theodor Leschetizky (1830-1915) soll auf seinem eigenen Flügel vorgetragen werden. Wie oft hört man das schon, 100 Jahre nach dem Todestag.  Der  130 Jahre alte Flügel aus Wien, schien sich an seine Stücke zu erinnern, so leicht gingen sie Zitterbart von der Hand.

Komponisten erlauben sich häufig den Unsinn, musikalisches Material ihrer Kollegen wiederzuverwenden. So scheinen sich viele Kompositionen sehr ähnlich zu sein. Der in Europa eher unbekannte amerikanische Komponist Zez Confrey (1895-1971) zum Beispiel komponierte ein Stück, das stark an Schumanns Kinderszenen erinnerte. Ob bei dem nächsten Stück nun Richard Fall (1882-1945) von J.S. Bach (1685-1750) kopiert habe oder umgekehrt, ließe sich wirklich schwer sagen, so Zitterbart. Und auch Brahms habe sich an Händels Material (1862) bedient.

Wenn man das Bisherige noch nicht als schwere Kost gesehen habe, dann doch aber das Folgende: ein Wiener auf dem Wiener Flügel von 1888 und auch noch in Verbindung mit dem zuvor gehörten Stück von Max Reger? Zuhören gab es, passend zum Thema Unsinn: Zwölftonmusik von Schönberg.

Von nicht intendiertem zu intendiertem Unsinn: Da lässt Zez Confrey ein paar Kätzchen über die Tastatur laufen, notiert es und nennt das Ganze dann „Kitten on the Keys“ (1921).

Gerrit Zitterbart brillierte am Klavier und als Moderator des Unsinns!

Was ihm jetzt noch fehle, sei derjenige, der ihm so nah am Herzen liege: Beethoven. Sein Material hätten wir heute schon gehört, jedoch zur Zugabe etwas Neues, gerade Entdecktes: eine neue Beethoven-Sonate. Aber Moment, das Stück kam einem doch irgendwie bekannt vor. War es nun die 5. Sinfonie adaptiert? Oder doch etwas ganz anderes?

Alles Unsinn, der hier vor sich geht. Außer der Tatsache, dass man mit Lauter Unsinn einen herrlichen Abend verbringen kann.

Donnerstag, 13 November 2014 18:08

Paris im Regen

Ein Abend mit Gerrit Zitterbart und Frédéric Chopin

Am Mittwochabend, drei Stunden nach dem historischen Ereignis der ersten Landung eines Roboters auf einem Kometen, widmete sich Gerrit Zitterbart im Claviersalon dreizehn Stücken aus Chopins Klavierwerk. Umrahmt von Impromptus, Walzern und Mazurken, standen die vier Balladen Chopins im Mittelpunkt des Abends und entführten die etwa dreißig Zuhörer damit zu einigen Sternen am pianistischen Musikhimmel.

Chopin übertrug als erster die epische Form der Ballade auf die Klaviermusik, womöglich angeregt durch Werke des polnischen Dichters Adam Mickiewicz. Dramatisch wechselnde Stimmungen prägen den Aufbau. Die erste Ballade von 1835 könnte man mit dem Titel „Ein Traum wird Realität“ beschreiben – sachte, träumerische Motive wechseln mit kraftvoll bestimmten Passagen, und je weiter das Stück voran schreitet, desto drängender und „reeller“ wird die innewohnende Sehnsucht, bevor ein wuchtiger, eindrucksvoller Schluss wie ein Erwachen aus der ganzen Komposition wirkt.

Die zweite Ballade (1838), inspiriert von einer Sage, nach der tanzende Mädchen am Ufer eines Sees von dessen Wellen verschlungen werden, beginnt ebenso mit einer lieblichen Idylle, bevor sich die unbarmherzigen Wellen über die gesamte Klaviatur schwingen. Schließlich gleitet das Ganze geradezu ins Dämonische, bevor ein knapper, melancholischer Schluss der Geschichte so abrupt ein Ende setzt, dass man sich kurz fragt: „War´s das?“

Zitterbart bringt in seiner Interpretation von Chopin dieses Überraschende, Abrupte besonders zur Geltung; auch die Abschlusstöne der drei Mazurken in der zweiten Konzerthälfte sind bewusst so kurz wie möglich gehalten. So sorgen sie für einen Nachhall im Kopf. Die erste Mazurka in a-Moll von 1832/33 geleitet den Zuhörer durch die Straßen von Paris, wo Chopin ab 1831 bis zu seinem Tod lebte – so sinnend und nachdenklich komponiert, wirkt sie wie ein melancholischer Spaziergang im Regen (zwischendurch kommt allerdings auch mal die Sonne raus).

Ganz anders der Mittelteil der abschließenden vierten Ballade von 1842: Hier nutzt Chopin einen gewaltigen Farbenreichtum, statt eines bescheidenen Spaziergangs sieht man förmlich ein kitschiges, voll ausgeleuchtetes Seineufer, an dem sich zwei Verliebte in Slow Motion in die Arme laufen.

Die Details solch unterschiedlicher Stimmungen weiß Zitterbart meisterhaft hervorzuheben. Die Fantasie-Impromptu in cis-Moll hätte ich mir trotzdem insgesamt vorwärts drängender gewünscht, die Verzögerungen im Anfangsteil waren meine Sache nicht. In den folgenden Walzern jedoch, wo sich der Rhythmus immer der Melodie unterordnet, stellen sie das wenig „Tanzhafte“ dieser Charakterstücke besonders heraus – unspektakulär und fast launisch gespielt, zeigen sie, wie Chopin auch etablierte Gattungen wie die (heitere) Tanzmusik in seinem Sinne umformte und umdeutete.

Viel Applaus für den stimmungsreichen Abend – ein wunderbarer Abschluss eines eines geschichtsträchtigen Tages.

Sonntag, 12 Oktober 2014 00:00

Schubert authentisch zu Gehör gebracht

Eine Schubertiade im Clavier-Salon

Eine originale Schubertiade in Göttingen? Was ist vorhanden? Ein Flügel, wie ihn Schubert zumindest bei seinem Bruder zu Verfügung hatte. Einige Gäste und zwei Werke von Schubert. Was fehlt? Schubert höchstpersönlich.

Obwohl... eine Schubertiade hat man sich zu Schuberts Lebzeiten wohl ein wenig anders vorzustellen. Die Gäste saßen wohl kaum in Reih und Glied vor dem Pianisten Gerrit Zitterbart und hörten ganz Aufmerksam zu. Vermutlich sammelten sich die geladenen Gäste um das Klavier herum und tauschten sich während dessen ein wenig über Kunst und Kultur aus. Und vermutlich gönnte sich der ein oder andere auch das ein oder andere Gläschen Wein dazu.

Die Vier Impromptus op. 142 D 935 aus dem Jahr 1827, die am Freitagabend im Clavier-Salon vorgetragen wurden, sind sehr abwechslungsreich gestaltet. Schumann beschrieb sie später als eine Sonate, was allerdings nicht ganz stimmt. Eine Zusammengehörigkeit wird zwar durch das erste und letzte Stück mit der Tonart f-Moll gegeben. Die formale Anlage der einzelnen Sätze stimmt aber nicht mit dem Aufbau bei einer Sonate überein. Das erste Stück ist fünfteilig und eher wie ein Rondo aufgebaut (ABABA) mit kleinen Veränderungen in den Abschnitten. In den B-Abschnitten spielt die rechte Hand eine sich wiederholende fließende Figur. Die linke Hand gestaltet darum herum kurze fragmentarische Motive. Der Anfang des zweiten Stücks erinnert stark an Beethovens Klaviersonate A-Dur. Formal ist sie wie ein Menuett gestaltet, mit einem kontrastierenden Mittelteil. Das dritte Stück ist eine Art Variationssatz, bei dem sich die Begleitung der linken Hand ständig wiederholt. Dies wird von Zitterbart mit einer außerordentlichen Gleichmäßigkeit gespielt. Es wirkt wie eine Art Collage. Jede neue Variation klingt ein wenig anders und fügt sich dennoch in das gesamte Stück ein. Das letzte Stück ist mit Allegro scherzando überschrieben, also fröhlich und scherzhaft. Die Melodie zeichnet sich durch Sprünge und Triller aus. Ein Abschnitt darin klingt wie ein Dialog zwischen der linken und der rechten Hand, wobei die linke Hand auf hämische Weise antwortet.

Die Schubertiaden sollten dazu dienen, Schuberts Werke in Wien bekannt zu machen, was leider während seiner Lebzeiten nicht von Erfolg gekrönt war. Schumann hat einige Werke von Schubert erst ein paar Jahre später bekannt gemacht. Die Sonate A-Dur op.posth. D 959 entstand zusammen mit zwei weiteren Sonaten in Schuberst letztem Lebensjahr (1828). Zitterbart bezeichnete diese als „die hellste der drei Sonate“ aber es gäbe darin auch einen „absoluten Abgrund“. Dieser erklingt im zweiten Satz in Form von Akkordballungen, wilden auf- und abwärts Läufen, extremen Lagen und im sforzando eingeworfenen Akkorden. Die für ein Rondo typische Themenwiederholung des letzten Satzes wird von Zitterbart durch unterschiedliche Tempi und Dynamik abwechslungsreich gestaltet. Besonders interessant ist der Schluss dieses letzten Satzes. Man hat das Gefühl, das Stückt ist jeden Moment zu Ende und dann kommt wieder ein neuer Themenfetzen.

Der Klang des Flügels aus dem Jahre 1825 könnte als hell, eher dünn und vielleicht gläsern beschrieben werden – im Vergleich zu modernen Flügeln. Für den einen oder anderen Besucher mag dies gewöhnungsbedürftig sein. Aber dadurch werden Schuberts Werke authentisch zu Gehör gebracht. Außerdem kommt man nur so in den Genuss des Moderato Pedals, das bei heutigen Flügeln nicht mehr vorhanden ist und den Klang leiser und irgendwie verschwommen gestaltet. Und genau das zeichnet den Clavier-Salon aus.

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