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Mittwoch, 28 Februar 2018 12:03

Fühlbar packende Dramatik

Die Göttinger Stadtkantorei konzertierte mit der Messe in C-Dur und dem Oratorium Christus am Ölberg in der Göttinger Johanniskirche

Uraufführung des Auftragswerks der Göttinger Stadtkantorei zum Reformationsjubiläum am 26. November in der Johanniskirche

Dienstag, 05 September 2017 07:29

Motette im Vierklang

Der Göttinger Kammerchor und Bernd Eberhardt in der St. Johanniskirche

Mit dem Deutschen Requiem von Johannes Brahms hat die Göttinger Stadtkantorei am Sonnabend als musikalischer Botschafter in Thorn gastiert. Es war dies nicht der erste, aber der spektakulärste Auftritt von Göttinger Musikern in der polnischen Stadt an der Weichsel. Sie hat vor fast 40 Jahren – im kommenden Jahr kann dieses Ereignis gefeiert werden – mit Göttingen eine Partnerschaft vereinbart.

Johannes Brahms „Ein Deutsches Requiem“ in der Franziskanerkirche Mariä Himmelfahrt

Sonntag, 06 August 2017 15:16

Zur Müllerin hin! So lautet der Sinn.

„Die schöne Müllerin“ von Franz Schubert mit Mathias Schlachter und Bernd Eberhardt in der Göttinger St. Johanniskirche

Montag, 22 Mai 2017 14:10

Beweglicher, großer Klang

„Luther in Worms“ von Ludwig Meinardus in der Göttinger Johanniskirche

Heute: Bernd Eberhardt über „Luther in Worms“

Viele hoch dramatische Motive lassen sich in diesem Jahr bei den Internationalen Händel Festspielen unter dem Motto „Glaube und Zweifel“ erkunden. Das Festival Team hat dabei natürlich das Reformationsjubiläum im Blick. Aber neben Glaubensfragen geht es auch in Opern und Oratorien vor allem um Macht- und Herrschaftsansprüche und individuelle Überzeugungen, die in den musikalischen Bildern anklingen. Darauf möchte Sie das Kulturbüro auch mit dem Podcast „Händel Exkursionen“ einstimmen. Wir flanieren täglich durch das Festivalprogramm mit Künstlergesprächen und Tipps für Aufführungen und Konzerte.

Sonntag, 02 April 2017 17:32

Ein Erfolg bei Organisten und Publikum

„Organo pleno“ - Orgelnacht in St. Johannis

Eine Premiere war am Samstagabend in der Göttinger Johanniskirche zu erleben. „Organo pleno“ wählte Kantor Bernd Eberhardt als Überschrift. Das ist ein Fachbegriff aus der Welt des Orgelspielens. Es meint „volles Werk“ und bezieht sich auf einen bestimmten Klangaufbau beim Registrieren der Orgel.

Im übertragenen Sinn konnte diese Überschrift bei dem Treffen von zehn Organisten aus ganz Deutschland, aus Straßburg und Prag Ähnliches meinen: von 18 bis 23 Uhr erklangen vermutlich die meisten Register der großen Ott-Jahnke-Orgel der Johanniskirche, nur eben nicht gleichzeitig.

Adrian Büttemeier, Paul Nickel, Kasimir Sydow, Daniel Knut Pernet, Martin Kohlmann, Jonas Fischer, Tatiana Ivanshina, Maraike Mahnke, Raphael Arnault und Min Woo spielten Werke aus vielen Jahrhunderten, von Hans Leo Hassler bis Michael Radulescu. Sie spielten jeweils ein Programm von circa 20 Minuten Länge.

In der „Orgel-Lounge“, die mit einem Sofa, Sesseln und einem Tisch vor der Chororgel aufgebaut worden war, unterhielt sich Bernd Eberhardt mit den Musikern.
So entstand ein kurzweiliges Gesamtprogramm in der gut besuchten Kirche. Viele Helferinnen und Helfer sorgten für das Wohlbefinden der Besucher, von denen immer einige neu dazu kamen und andere wieder gingen. Die meisten aber lauschten den faszinierenden Klängen der Königin der Instrumente.

Die Musikerinnen und Musiker waren Studierende von verschiedenen Hochschulen. Für sie war es eine gute Gelegenheit, sich an einer großen viermanualigen Orgel zu präsentieren, aber auch andere Kollegen kennenzulernen. Am Rande gab es viele Gespräche untereinander.

Einige von ihnen sind in Göttingen keine Unbekannten: Maraike Mahnke machte in Göttingen ihr Abitur und war früher Schülerin von Bernd Eberhardt. Und Martin Kohlmann (Hannover) leitet derzeit den Petri-Chor Weende. Am Freitag, dem 7. April ist er an der großen Orgel der St. Jacobikirche zu hören: „Vom Dunkel ins Licht“ ist die Überschrift seiner Orgelmusik mit Werken von Bach, Lübeck, Mendelssohn und Martin.

Eine spannende und vielseitige Orgelnacht hat Bernd Eberhardt ins Leben gerufen. Die gute Akzeptanz sowohl bei den Musikern als auch beim Publikum ruft nach einer Wiederholung.

Montag, 27 März 2017 15:40

Reformation gestern und heute

Programm der Göttinger Stadtkantorei zum Reformationsjubiläum

Bernd Eberhardt und die Stadtkantorei haben sich vorgenommen, im Jahr des Reformationsjubiläums nicht nur auf 500 Jahre Vergangenheit zu blicken. Sie fühlen diese Vergangenheit als Verpflichtung, auf heute zu schauen. Unter der Überschrift „Reformation gestern und heute“ möchten sie den Reformationsprozess als solchen historisch beleuchten, das Lutherbild des 19. Jahrhunderts kritisch in Erinnerung rufen, die aktuellen Entwicklungen der evangelischen Kirche aufzeigen und zur aktiven Beschäftigung mit biblischen Inhalten anregen.

Das ist eine ganze Menge an Inhalten – diese selbst gesetzten Themenschwerpunkte spiegeln sich alle im aktuellen Programm der Göttinger Stadtkantorei wieder. Im Mittelpunkt des Jahresprogramms stehen die beiden großen Konzerte mit dem Oratorium „Luther in Worms“ von Ludwig Meinardus am 21. Mai in Zusammenarbeit mit den Internationalen Göttinger Händel Festspielen sowie die Uraufführung des Oratoriums „Emmaus“ des Schweizer Komponisten Carl Rütti am 26. November.

In dem umfangreichen Programmheft finden sich auch zahlreiche andere Veranstaltungen. Eine ist dem Organisten Bernd Eberhardt besonders wichtig: die Orgelnacht „Organo pleno“ am kommenden Samstag, den 1. April. Für diesen Abend hat Eberhardt zehn Studierende im Fach Kirchenmusik/Orgel aus ganz Deutschland eingeladen, sich in Göttingen zu treffen und an der großen Ott-Janke-Orgel in der St. Johanniskirche zu musizieren. In dieser Aktion soll gezeigt werden, was junge Menschen heute bewegt, Kirchenmusik zu studieren. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer bringt ein Programm von ca. 20 Minuten mit, in dem auch ein Akzent zum Reformationsjubiläum enthalten ist.

Um untereinander, aber auch mit den Zuhörern in Gespräch zu kommen, wurde extra ein Sofa in der Kirche aufgestellt. In dieser „Orgel-Lounge“ gibt es nicht nur Gespräche, sondern auch kleine Speisen und Getränke. Hören Sie zur Einstimmung auf diesen Abend eine Aufnahme von Max Regers Choralfantasie „Ein‘ feste Burg ist unser Gott“, op. 27 an der Orgel der Göttinger St. Johanniskirche, gespielt von Bernd Eberhardt.

Von dem Oratorium „Luther in Worms“ gibt es zwar einen Mitschnitt des Konzertes aus dem Jahr 1983, damals mit der NDR Radiophilharmonie Hannover, der Göttinger Stadtkantorei und dem Dirigenten Hermann Amlung. Leider ist dieses Tonmaterial nicht öffentlich. So ist wohl ein persönliches Erscheinen am 21. Mai erforderlich, um selbst einen Eindruck dieser Musik zu bekommen. Luther wird hier als Held der Freiheit dargestellt, der im Kampf gegen die römisch-katholische Kirche das unverfälschte Evangelium hochhält. Natürlich muss man den zeitlichen Kontext berücksichtigen, das Stück wurde 1874 komponiert. Die dramatische Gestaltung der Komposition und die musikalische Umsetzung in der Nachfolge von Mendelssohn Bartholdy lohnen sich aber, betont Bernd Eberhardt.

Zur Uraufführung am 26. November führt Eberhardt aus: „Ausgehend von der Frage, welche biblischen Texte uns heute besonders bewegen, gingen wir auf die Suche nach zeitgenössischen Oratorien zur Reformationsthematik und stellten schließlich fest, dass es so etwas nicht gibt.“ Aus dieser Erkenntnis entstand der Impuls, mit dem Komponisten Car Rütti in Kontakt zu treten. Immerhin hat Eberhardt mit seinem Göttinger Kammerchor im Jahr 2011 das „Requiem“ von Rütti in einer deutschen Erstaufführung zum Klingen gebracht und kurze Zeit später gemeinsam mit dem Cheltenham Bach Choir erklang die Aufführung der „Missa angelorum“ desselben Komponisten. Inzwischen ist immerhin der Titel des Werkes bekannt: „Emmaus“ nennt Rütti seine Komposition. Ihm liegt die Erzählung aus dem Lukas-Evangelium zugrunde, in der ein Fremder seine Zeitgenossen begeistert und zur Nachfolge bewegt, bevor sie ihn als dem Messias erkennen. Die Noten für dieses Werk liegen noch nicht vor, sie sollen erst kurz vor den Sommerferien eintreffen, damit die Kantorei genügend Zeit hat, das Stück einzustudieren.

Große Ereignisse werfen also ihre Schatten in der Johanniskirche voraus. Zahlreiche andere Termine ergänzen das Jahresprogramm, das in der Kirche ausliegt. Der nächste Termin nach der Orgelnacht am 1. April ist Ostersonntag, an dem im Gottesdienst die Kantate „Christ lag in Todesbanden“ von Johann Sebastian Bach erklingen wird. Diese Kantatenaufführung ist Bestandteil des Zyklus „Bachkantaten zu Lutherliedern“, das vom Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Göttingen unterstützt wird.

Montag, 12 Dezember 2016 16:45

Ja, ist denn schon Weihnachten?

"Weihnachtsoratorium" und "Magnificat" in der Johanniskirche mit der Göttinger Stadtkantorei, dem Göttinger Kammerchor und dem Göttinger Barockorchester

Sonntag, 06 November 2016 19:52

Musik in Kirchen - Kirchenmusik

Die Göttinger Stadtkantorei singt das Deutsche Requiem von Johannes Brahms

Sonntag, 19 Juni 2016 17:06

Mit großer Leidenschaft musiziert

Konzert mit dem Orchester Göttinger Musikfreunde

Ein großartiges Geburtstagsgeschenk machte Bernd Eberhardt sich selber und seinen zahlreichen Gästen und Zuhörern zu seinem 50. Geburtstag. Das Orgelkonzert am Freitagabend in der St. Johanniskirche hatte er mit „Passacaglia“ überschrieben und drei große Orgelwerke ausgewählt.

Eine Passacaglia, der Begriff kommt aus dem Spanischen und bedeutet „pasar una calle“ = „eine Straße entlanggehen“, besteht aus Variationen über einem ostinaten Bassthema. Zu Beginn des Abends stellte Bernd Eberhardt die in den Kompositionen verwendeten Themen kurz vor und erläuterte den jeweiligen Aufbau der Stücke. Das Spiel von Eberhardt ist neben dem immensen technischen Können auch von großer Klarheit und Präzision gekennzeichnet, so dass im Laufe des Konzerts die Zuhörenden die zu Beginn vorgestellten Themen und Kompositionsprinzipien gut wiedererkennen konnten.

Von Dietrich Buxtehude (Passacaglia in d-Moll) über Johann Sebastian Bach bis hin zu Max Reger (Introduction, Passacaglia und Fuge in e-Moll) ging der musikalische Weg, den Eberhardt für diesen Abend gewählt hatte. Begann der Abend mit dem eher leisen und meditativen Werk von Buxtehude, wurde es anschließend hochkomplex. Johann Sebastian Bach zeigt seine Meisterschaft in der Kunst des Kontrapunkts und der Variationstechniken in der Passacaglia und Fuge in c-Moll in Vollendung. Eberhardt interpretierte das Werk so strukturiert und durchsichtig, dass die komplexen und virtuosen Stimmverläufe gut zu verfolgen sind und sich aus dem Gesamtklang immer wieder herausheben.

In diesem Jahr wird der hundertste Todestag von Max Reger begangen, daher lag es nahe, ein Werk dieses Komponisten, der viele großartige Orgelwerke geschrieben hat, mit ins Programm aufzunehmen. Das gewählte Opus 127 wurde für die Einweihung der weltgrößten Pfeifenorgel in Breslau 1908 als Auftragswerk komponiert. Bernd Eberhardt ließ die Ott-Orgel in St. Johannis erklingen, als habe sie ebenfalls 200 Register. Aber auch die leisen Töne und die – von Bach inspirierte – komplexe Fuge des Werks waren präzise herausgearbeitet.

Als Zugabe spiele Eberhardt ein „Sortie“ in Es-Dur von Louis James Alfred Lefébure-Wély und ließ damit Jahrmarktklänge erschallen, so dass die Zuhörer mit einem fröhlichen Schmunzeln auf die Straße traten und sich auf den Heimweg machten.

Dienstag, 22 März 2016 11:05

Musikalische Einstimmung auf die Karwoche

Musik zur Passion mit der Corvinuskantorei unter Hermann Amlung

Freitag, 11 März 2016 12:17

Verpasste Chance

Das Göttinger Symphonie Orchester und die Göttinger Stadtkantorei mit "Glaubenssachen" in der Stadthalle

Giuseppe Verdis Messa da Requiem in der St. Johanniskirche

Am Wochenende führten die Göttinger Stadtkantorei und das Göttinger Symphonie Orchester zusammen mit Tänzerinnen von Göttinger Schulen und des TanzZentrums Göttingen die Messa da Requiem von Guiseppe Verdi in der Johanniskirche auf.

Die Bühne der Tänzerinnen stand direkt vor dem Chor, dem Orchester und den Solisten und wurde vor Beginn mit kritischen Blicken betrachtet: Wie sehr wird der Fokus hierauf liegen, wird die Musik zu sehr in den Hintergrund geraten?

Schon nach den ersten Minuten war allerdings klar: es wird ein wunderbares Zusammenspiel. Die Tänzerinnen bildeten mit ihrer weiß-beigen Kleidung einen Kontrast zu Chor, Orchester und Solisten (unter der Leitung von Bernd Eberhardt) in schwarz. Mit trauernden, tröstenden Gesten und Bewegungen zu den sanften Anfangsklängen des Requiems führten sie gemeinsam in die Totenmesse ein.

Niemand stach heraus und stand durchgehend im Fokus. Der Blick und das Gehör konnten von einem Element der Aufführung zum Anderen wandern; sie schienen sich gegenseitig zu unterstützen. Es wirkte wie ein rundes Ganzes.

Die Göttinger Stadtkantorei beeindruckte durch einen vollen und harmonischen Gesamtklang. Zwei Stellen des Werkes seien beispielhaft hervorgehoben: das kraftvolle und mächtige Dies irae, das bis zum Schluss immer wieder aufgegriffen wurde, und die sehr bewegte und leicht wirkende acapella-Stelle zu Beginn des Libera me. Bernd Eberhardt gestaltete den Klang im Chor und Orchester sehr differenziert - von den feinen leisen Stellen, über die tragend bedrohlichen bis zu den lauten und mächtigen Stellen des Requiems.

Das Göttinger Symphonie Orchester folgte der Interpretation Eberhardts auch in den kleinen Details und trug so wesentlich zum Gelingen des Abends bei. Vor allem die Blechbläser beeindruckten durch ihr sehr exaktes und in der Dynamik variables Spiel, besonders im Dies irae, beim Tuba mirum auch mit den Ferntrompeten von der Orgelempore.

Mit Christine Wolff (Sopran), Anna Bineta Diouf (Mezzosopran), Johannes An (Tenor) und Jürgen Orelly (Bass) wirkten außerdem vier wunderbare Solisten mit. Christine Wolff überzeugte mit ihrem weichen und leichten Klang. Besonders ihr Solo im Libera me war beeindruckend: von Sprechgesang bis in die hohen Oktaven saßen die Töne perfekt und der gesprochene Schlussvers sorgte für Gänsehaut.
Anna Bineta Diouf glänzte mit ihrer warmen und vollen Stimme. Und im Duett ergänzten sich Wolff und Diouf sehr harmonisch. Das gilt auch für die Passagen, in denen die Solisten als Terzett oder Quartett sangen: hier passten sie ihre Klangfarbe einander an und verschmolzen so zu einer Einheit.

Nun braucht die Musik an sich nicht unbedingt den Tanz. Sie funktioniert auch ohne ihn. Allerdings sorgten die jungen Tänzerinnen (unter der Choreographin Ulrike Grell und der Unterstützung von Finja Knaak und Jan Hartling) für eine Vertiefung der Gefühle und Stimmungen, welche die Totenmesse nur umso beeindruckender machte. Das Ensemble, das aus erfahrenen und unerfahrenen Tänzerinnen bestand, wechselte zwischen kleinen Gruppen, Solo und Duett-Teilen, so dass die Darstellungen stets lebendig und abwechslungsreich blieben. Dies unterstützte auch die Lichtregie von Peter-Paul König.

So ganz schloss sich der Kreis jedoch nicht, das aber lag an Verdis Komposition. Die Erlösung und die ewige Ruhe, wie man sie im Requiem erbittet und erbetet, scheint noch nicht gewährt zu sein. Als Zuhörer befindet man sich am Ende weiterhin auf der Suche, als der Chor ein letztes „Libera me“ singt und die ganze Kirche für gefühlt mehrere Minuten in ein tiefes, fast andächtiges, aber doch erwartendes Schweigen hüllt. Erst langsam erwacht das Publikum aus dem Bann des Werkes, kehrt mit den Gedanken in die Welt der Lebenden zurück und spendet den erlösenden Applaus.

Montag, 24 November 2014 14:17

Feierlich. Nachdenklich. Großartig!

Beethovens Missa solemnis mit der Göttinger Stadtkantorei

Die Stadtkantorei singt in der Jacobikirche. Die Renovierung des Altarraums in der Johanniskirche bringt diese ungewohnte Konstellation zustande. Am Mittwoch beim Aufbau des Chorpodestes fällt anlässlich einer nicht in vorgesehene Loch wollende Schraube noch der flapsige Spruch "Es ist ja nur für die Stadtkantorei!" Und so mache ich mich auf den Weg in die Aufführung von Beethovens Missa solemnis und überlege mir, wie hart und kritisch ich die künstlerische Leistung des Konkurrenzchores beurteilen werde. Als ich die Kirche betrete, die mir von vielen Konzerten als Jacobisänger wohl bekannt ist, fühle ich mich zuhause - auf dem Programmheft lese ich "Göttinger Stadtkantorei zu Gast in der St. Jacobikirche". Der Raum ist voll, die Plätze ausverkauft, die Kantorei betritt bereits das Podest. Eine gespannte, feierliche Atmosphäre ist spürbar - und sie passt nicht zu meinen distanzierten Kritikerblick, ich werde mit hineingenommen in das Erlebnis dieses Konzerts. Geht es heute Abend wirklich um falsche Töne, schlechte Intonation und unsaubere t-Absprachen?

Das Kyrie reißt mich aus den Gedanken und beantwortet sogleich meine Frage: Imposant und pathetisch beginnt Beethoven diese Messvertonung und markiert schon mit den ersten Tönen den Anspruch des Werks. Hier klingt keine Gebrauchsmusik der Wiener Klassik, sondern eine der größten Kirchenmusiken überhaupt. Bis in absurde Höhen jagt Beethoven die Chorsänger, denen das aber fast leicht zu fallen scheint. Aufmerksam folgen sie dem lebendigen Dirigat Bernd Eberhardts, der den Chor am Ende des Gloria in den übersteigerten Schluss mitreißt. Unterbrochen und ergänzt wird die Kantorei durch das erstklassige Solistenquartett, bestehend aus Stephanie Henke (Sopran), Klaudia Zeiner (Mezzosopran), Clemens C. Löschmann (Tenor) und Andreas Scheibner (Bass). Das Göttinger Symphonieorchester erweist sich als zuverlässiger Begleiter, einzelne rhythmische und intonatorische Unsauberkeiten in den Holzbläsern trüben das Bild nicht.

"Credo in unum deum" - nach einer Stimmpause beginnt das große Glaubensbekenntnis, das Beethoven sehr expressiv und mit direkter Textausdeutung vertont. Ich denke an unser Konzert des Kammerchores St. Jacobi vor einer Woche mit Bachs h-Moll-Messe. Wir sangen den gleichen Text, das gleiche Bekenntnis. Warum gibt es eine Konkurrenz zwischen Chören, die die gleiche Kirchenmusik machen? Sollte nicht gerade die Kirchenmusik gemeinsam einem übergeordneten Ziel dienen?

Sanctus und Benedictus bringen ein wenig Ruhe in die bis hierhin oft sehr überhöhte Musik. Wojtek Bolimowski spielt das große Violinsolo gekonnt mit ein wenig Kitsch, der nach all dem Pathos aber wohl tut. Am Ende steht mit dem Agnus Dei der beeindruckendste Satz, der sich von einem tief traurigen Anfang zum positiven, aber doch sehr offenen Ende entwickelt. Dona nobis pacem - die am ausführlichsten behandelte Textzeile bringt mich wieder ins Grübeln. "Bitte um inneren und äußeren Frieden" schrieb Beethoven über diesen Abschnitt. Die Aktualität dieser Bitte ist beim Blick in die Tagesnachrichten nicht abzustreiten. Während Chor und Solisten in eindringlichen Ausrufen den Satz immer wieder bringen, frage ich mich, wieso es in Göttingen zwischen den Kantoreien eigentlich nur "wir" und "ihr" gibt, und kein "wir alle"?

Nach langem verdienten Applaus fahre ich beglückt, aber auch nachdenklich nach Hause. Ob es wohl möglich ist die alten tradierten Konkurrenzen zu überwinden und endlich gemeinsam Göttingen zu einer Stadt der Kirchenmusik zu machen? Ist nicht beispielsweise die Tatsache, dass man hier an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden die beiden vielleicht größten Werke der lateinischen Kirchenmusik hören kann, ein Ereignis, dass viel eindrücklicher wird, wenn man sich dabei nicht voneinander abgrenzt, sondern es gemeinsam erlebt? Die "Konkurrenz zur Ehre Gottes" scheint mir jedenfalls reichlich unsinnig und nicht würdig weiter kultiviert zu werden. Deswegen sage ich als Jacobisänger der Stadtkantorei heute Abend mit voller Überzeugung: Großartig!

Dona nobis pacem!

Mittwoch, 09 Juli 2014 12:27

Auswärtsspiel!

Göttinger Stadtkantorei zu Gast in St. Martin, Geismar

Metaphern aus der Welt des Sports werden derzeit inflationär gebraucht, doch das Gastspiel – unter dem Titel ‚Motette on tour’- der Göttinger Stadtkantorei verlockt einfach zur Titelwahl.
Derzeit wird der Innenraum der Markt- und Ratskirche Johannis renoviert, daher sucht die Stadtkantorei in der Zwischenzeit Zuflucht in verschiedenen Kirchen des Kirchenkreises - eine gelungene Idee. Diese Begründung der Kantoreitour verknüpft Bernd Eberhardt (Leitung und Orgel) mit einer kurzen Erläuterung zum dramaturgischen Aufbau des Motettenprogramms. Vom Dunkel ins Helle soll es, folgt man den Affekten der vorgetragenen Musik, gehen. Im Einzelnen sind dies:
J.S. Bach, Präludium & Fuge h-Moll (BWV 544) – Leevi Madetoja, „De profundis“, op.56, nach Psalm 130 – F. Mendelssohn Bartholdy, „Richte mich Gott“, op. 78/2, nach Ps. 43 – H. Schütz, „Herr, wenn ich nur dich habe“, SWV 280/Teil II der ‚Musikalischen Exequien’ – Otto Olsson, „Jesu corona celsior“ – zuletzt: J.G. Rheinberger, „Abendlied“, op.69/3.

Zusammenfassung für Eilige: Es gab ein musikalisches Unentschieden.

Ein Einstieg mit dem „fünften“ Evangelisten Bach führt kaum je zu Schlechtem; das übrige Programm verspricht mit Madetoja und Olsson vielleicht die eine oder andere Entdeckung? Alles Übrige bietet für fleißige Kirchenmusikgänger schwerlich Neues.

Und tatsächlich: Madetojas Komposition besitzt einige gelungene Momente. Die Vertonung der Verse 1, 3, 5 und 7 des Psalms 130 beginnt mit gregorianisch anmutender Einstimmigkeit, die sich rasch ins Vielstimmige erweitert. Vers 3 wird vom Baritonsolo vorgetragen (Solist: Gerd Neumann), dass sich – so sieht es die Komposition vor - nur unter Mühen dem Tutti erwehren kann, scheinbar untergeht; um am Ende das „…wer könnte bestehen?“ alleine flehend vortragen zu können.

Olssons „Jesu corona celsior“ birgt die ein oder andere harmonisch überraschende Wendung, jedoch bleibt die schlichte Liedhaftigkeit nicht weiter im Gedächtnis.

Das alleine aber führt nicht zum oben beschriebenen Unentschieden:

Die allezeit lobenswerte Textverständlichkeit der Stadtkantorei spricht eindeutig für sie; allein mit dem Raum kommen sie nicht zurecht. Sicherlich ist der Chor durch St. Johannis andere Nachhallzeiten gewöhnt, doch eine sorgfältigere Durchlaufprobe hätte unter Umständen geholfen - wobei geholfen?

Zuerst einmal sind die Damen im Vergleich zu den Herren zu dominant. Der Sopran wiederum gegenüber dem Alt viel(!) zu stark. An den fortissimo-Stellen wird es in der kleinen St. Martin-Kirche unangenehm laut, wie bei einer im Hochtonbereich übersteuernde Stereoanlage. Die leisen und leisesten Stellen dagegen – man hat doch so viele Sänger/-innen zur Verfügung! - sind allesamt zu kräftig; mag der Chor wohl den Eindruck haben, man sänge schon sehr leise…

Das ist einraum-akustisches Problem, doch gibt es auch ein künstlerisches beim Schütz’schen „Herr, wenn ich nur dich habe“. Sieht man darüber hinweg, dass aufgrund der gewählten Aufstellung der Doppelchoreffekt kaum zum Tragen kommt, so enttäuscht die Gestaltung, Phrasierung, das Klangbild der Motette völlig. Sie klingt wie eine von Mendelssohn. Leider. Die völlig andere Harmoniesprache Schütz’ wird – Verzeihung - vom romantischen (Chor-)Klangideal untergebuttert. Die Gemeinde darf im vorletzten Stück mit „Geh aus mein Herz und suche Freud“ ihr Scherflein beitragen. Das unvermeidliche „Abendlied“ beendet die Motette.

Das, ob der Sommerhitze, erfreulich zahlreiche Publikum hatte vor dem Motettenbesuch die Qual der Wahl. Gleichzeitig wurde auch in St. Jacobi musiziert (Kritik: hier). Leider wurde diese Motette versehentlich auf das zeitgleich stattfindende Konzert von St. Jacobi terminiert.

Sonntag, 06 April 2014 13:03

Platz für die Musik

Motette zum Geburtstag der Orgel der Johanniskirche

1954 wurde sie gebaut, 1999/2000 renoviert und jetzt feiert sie 60. Geburtstag: Die Ott-Orgel in der Johanniskirche.

In der Motette zum Geburtstag wurden vom Kantor Bernd Eberhardt drei Stücke gespielt, mit kurzen geistlichen Worten, Liedern und Gebeten dazwischen. Gespielt wurden „Variationen über den Hymnus Christe, qui es lux et dies“ von Samuel Scheidt (1587-1654), „Präludium und Fuge in e-Moll“ von Johann Sebastian Bach (1685-1750) (BWV 548) und „Symphonie Nr. 1, Op. 14 (1899)“ von Louis Vierne.

In den "7 Variationen" von Scheidt zeigte Bernd Eberhardt, wie unterschiedlich eine Orgel klingen kann. Bei dem Präludium und der Fuge in e-Moll zeigte er, dass eine Orgel auch ziemlich laut sein kann. Am Ende war mit der Symphonie von Vierne nochmal etwas für alle da, weil auch sie ziemlich verschiedene Sätze hat.

Die Kirche war leider, trotz der schönen Musik, nicht mal halb voll. Dadurch hatte die Musik aber anscheinend besonders viel Platz, denn sie schien öfters den ganzen Raum auszufüllen und von allen Seiten zu kommen. Dass die Musik so gut klang war aber nicht nur das Verdienst von der Orgel und dem Organisten, sondern auch von den beiden Registranten, die am Ende zusätzlich noch einen verdienten Applaus bekamen.

Dienstag, 25 März 2014 10:34

Bestens aufgelegte Stadtkantorei

Rossinis Stabat mater in der Johanniskirche

Der Schmerz der Mutter um den Gekreuzigten steht im Mittelpunkt der Katholischen Sequenz „Stabat mater“. Ein Text, mit dem viele Protestanten eher fremdeln. Bernd Eberhardt hat ihn in der Passionszeit in die Göttinger Johanniskirche geholt und wählte die Vertonung von Gioacchino Rossini aus. Hier nun versieht der Opernkomponist mit südländischer Sinnlichkeit den so innigen Text mit Arien, Fugen und Belcanto, dass es bisweilen nicht nur für evangelische Ohren befremdlich wirkt.

Aber diese Musik! Ein Feuerwerk, an dem man sich nur freuen kann. Vor allem dann, wenn es so kongenial wiedergegeben wird, wie mit den Solisten Christine Wolff, Gabriele-Betty Klein, Clemens Löschmann, Jürgen Orelly, der Göttinger Stadtkantorei und dem Göttinger Symphonie Orchester.

Das GSO wirkte nach dem anspruchsvollen und probenintensiven Programm vom Freitag (siehe hier) überhaupt nicht müde sondern folgte dem inspirierenden, frischen Dirigat von Bernd Eberhardt konzentriert und begeisternd. Das war auch schon in der „Großen“ g-Moll-Sinfonie von Wolfgang Amadeus Mozart zu hören. Auch wenn solch eine Musik eher nicht in den Kirchenraum gehörte, passt Mozarts Musik gut zum Rossini. Den Abend eröffnet hat die Stadtkantorei mit dem 22. Psalm von Felix Mendelssohn Bartholdy „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Schon hier war deutlich zu hören, dass der Chor sehr gut auf das Programm vorbereitet war: Aufmerksam und intonationssicher folgten sie Bernd Eberhardt und konnten so auch kleinste Details vom Dirigenten übernehmen. Clemens Löschmann übernahm den Solopart in dieser a cappella-Vertonung. Man kann sich keinen besseren Tenor für diesen Part wünschen!

Im „Stabat mater“ nach der Pause waren dann Chor, Solisten und Orchester vereint. Rossini hat jedem seine besondere Rolle zugewiesen. Insbesondere begeisterte Christine Wolff in ihrer Arie „Inflammatus et accensus“. Aber auch der flexible Mezzosopran Gabriele Betty-Kleins, der strahlende Tenor von Clemens Löschmann und der warme Bass von Jürgen Orelly wussten zu begeistern.

Die Göttinger Stadtkantorei war an diesem Abend allerbestens aufgelegt. Vielleicht war sie noch nie so gut wie hier: akkurat in den Tempi und Absprachen (Staccato-Singen im Chor – parallel zum Staccato des Orchesters!), ein wunderbarer Klang (besonders schön: die Bässe!), und vor allem eine perfekte Intonation: nach längeren Passagen ohne Orchesterbegleitung landete der Chor exakt in dem richtigen Akkord – das hört man selten.

Entsprechend fiel der Jubel nach dem Konzert aus. Die „Bravi“ kamen vollkommen zurecht!

Montag, 20 Januar 2014 18:15

Drei mal Stabat mater in Göttingen

Unichor am 1.2., Jacobikantorei am 9.2. und Stadtkantorei am 23.3.

Drei evangelische Kirchenmusiker führen in den nächsten Wochen ein „Stabat mater“ auf. Dieser mittelalterliche, katholische Hymnus wurde von zahlreichen Komponisten vertont, allein bei Wikipedia sind 53 Vertonungen aufgeführt, in der Petrucci-Musikbibliothek (http://imslp.org) sind es sogar 458 Treffer.

Dennoch ist die Häufung in Göttingen auffällig. Warum haben sich die Göttinger Chorleiter für dieses katholische Werk entschieden? Das mag Zufall sein. Oder ist es kurz vor dem Luther-Jubiläum 2017 eine Sehnsucht nach katholischen Inhalten? Das vielleicht dann doch nicht.

Dienstag, 17 Dezember 2013 07:41

Inmitten des Trubels - zweiter Teil

Wie versprochen, es geht weiter. Nach der Aufführung der ersten drei Kantaten am Samstag, folgte am Sonntag, den 15. Dezember die zweite Hälfte der 6 Kantaten.

Im Publikum sitzen leider nicht so viele junge und jüngste Zuhörer wie am Vorabend, doch immer noch erfreulich viele. So manch einer ließ sich wohl doch überzeugen, auch das zweite Konzert ohne befreundete Mitwirkende zu besuchen.

Mittwoch, 11 Dezember 2013 08:23

Klingender Adventskalender

Göttinger Kammerchor präsentiert CD mit 24 vorweihnachtlichen Musikstücken

Eine gute Tradition ist die „Motette zum Advent“ am Samstag vor jedem ersten Advent in der Göttinger St. Johanniskirche. Die Chöre der Rats- und Marktkirche musizieren Werke zur Vorweihnachtszeit in dieser gut besuchten, besinnlichen Musikveranstaltung. Mit diesem klingenden Adventskalender geben der Göttinger Kammerchor und sein Leiter, der Organist Bernd Eberhardt Einblick in die Literatur der vorweihnachtlichen Musik. Kompositionen zur Weihnachtszeit gibt es in großer Zahl. Werke für die Adventszeit hingegen sind – auch wegen des ursprünglich stillen Charakters dieser Zeit im Kirchenjahr – eher selten.

Montag, 02 Dezember 2013 09:04

Jauchzet, frohlocket

Das Weihnachtsoratorium am 14. und 15. Dezember in der Johanniskirche

Alle sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach sind in diesem Jahr in der Johanniskirche zu hören. Am Samtag, den 14. Dezember die Kantaten I bis III mit dem Göttinger Knabenchor und dem Konzertchor des Otto-Hahn-Gymnasiums, am Sonntag, den 15. Dezember die Kantaten I und IV bis VI mit der Göttinger Stadtkantorei. Die Konzerte beginnen jeweils um 18 Uhr.

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