Punkte neu 30 transparentWillkommen im Kulturbüro Göttingen - Ihrem Veranstaltungsportal für Göttingen

Sonntag, 12 November 2017 19:08

Spielen um des Spielens Willen

Das Ubik Trio präsentiert Christian Morgenstern im Apex

Freitag, 27 Oktober 2017 11:14

Appetit auf mehr

„Maciek und Band“ zu Gast im Apex

Donnerstag, 05 Oktober 2017 10:01

Into the Jungle of Emotion

„A Cup of Life“ live im Apex

Donnerstag, 21 September 2017 00:00

Martin Zingsheim - So lustig kann Verzicht sein!

Kabarett im Apex

Dem Apex in Göttingen wurde vergangenen Mittwoch die Ehre zuteil, erste Station der Spätsommertour der Osnabrücker Musiker Joseph Myers und Wood & Valley zu sein.

Sonntag, 03 September 2017 18:57

Erweiterung des literarischen Horizonts

Die „Stillen Hunde“ spielten „Literarisches Roulette“ im Apex

Sonntag, 08 Januar 2017 17:17

Virtuose Fingerfertigkeit

Düker & Boehncke spielen Kolbe & Illenberger

Freitag, 16 Dezember 2016 11:44

2016 ist das Jahr der kleinen Schurken!

2016 in Witzen – Bernd Giesekings Kabarett „Ab dafür! Der satirische Jahresrückblick“

Dienstag, 06 Dezember 2016 15:17

Appell für den zweiten, kritischen Blick

Lachen wir doch über gute Nachrichten! – Kabarett von Uli Masuth

Samstag, 03 Dezember 2016 06:26

Und seine Flügel, Mensch, zerdrück sie nicht

Bertold Brecht und die Frauen – dieses Thema gehört zum Lebenslauf dieses großen Dramatikers immer dazu, hatte er doch vier Kinder von drei Frauen und daneben ein Liebesverhältnis zu fast allen seinen Mitarbeiterinnen.

Dieses Thema taucht auch in vielen seiner Gedichte auf, mal etwas subtil, mal ziemlich deftig. Die erotische Lyrik Brechts steht im Mittelpunkt des Abends mit Maja Müller-Bula (Gesang) und Andreas Düker (Gitarre), das im 60. Todesjahr des Dichters beide Künstler zurzeit im Göttinger Apex präsentieren.

Zunächst stellen die beiden den Schriftsteller vor. Die Lebensdaten werden beim Publikum im ausverkauften Apex abgefragt – und sind natürlich bekannt. Dann werden die Frauen vorgestellt, jeweils mit einem musikalischen Leitmotiv. Und schon jetzt merkt man, wie ausgesprochen vielseitig die Schauspielerin Maja Müller-Bula ist. Mit nur wenigen Accessoires und mit ihrem Mimenspiel gibt sie jeder dieser Frauen einen eigenen Charakter.

Nun erklingen die Gedichte und Lieder. Einige Melodien sind bekannt, andere sind neu oder neu arrangiert. Die Texte sind bisweilen frivol bis deftig, aber auch verliebt, melancholisch oder auch humorvoll. Müller-Bula und Düker verstehen es, immer neue Situationen zu entwickeln und das Publikum mitzunehmen.

Für Viele zeigt sich an diesem Abend ein neues Bild von Bertold Brecht. Geschickt wählten Müller-Bula und Düker bekannte Melodien wie zum Beispiel aus der Dreigroschenoper. Besonders ans Herz ging der Song „Surabaya Johnny“, den sich das Publikum auch gleich als Zugabe gewünscht hatte.

„Über die Verführung von Engeln“ ist nicht nur der Titel des Programms, sondern auch eines der Gedichte von Brecht, in denen es zum Teil deftig zu geht. „Engel verführt man gar nicht oder schnell“, heißt es dort. Und endet mit mahnend mit „Und seine Flügel, Mensch, zerdrück sie nicht!“

Der Abend ist wunderbar gelungen – ein Programm, dem man noch viele Besucherinnen und Besucher wünscht. Die nächste Gelegenheit ergibt sich am 30. Dezember im Apex. Es ist hoffentlich nicht die letzte.

Samstag, 12 März 2016 12:44

Swing - mit einigem Zunder

"Marina & the Kats" im Göttinger Apex

Youssef Nassif und Basilius Alawad im Apex
Dienstag, 09 Februar 2016 09:39

Kippeln für den Weltfrieden

APEX: „Kopfsalat“ – Kabarett mit Matthias Brodowy

Hinreichend Publikum findet sich an diesem Abend im APEX ein, um die Kleinkunstbühne im ersten Stock zu füllen. Warum hinreichend? Nun, Matthias Brodowy war mit eben diesem Programm bereits im November 2013 hier zu Gast.

Verglichen mit früheren Programmen des Künstlers ist der Musikanteil klein (vier Lieder im regulären Teil); da verhieß der Reklametext anderes. Dies ist jedoch nicht der Grund für den schalen Eindruck, den die zwei Stunden auf der Bühne beim Rezensenten hinterließen.

Die Assoziationsmühle, das Chaos im Kopf – jener titelgebende „Kopfsalat“-, welcher ihn seit frühester Jugend begleite, sei der Ausgangspunkt für sein Programm. Man glaubt und folgt ihm: Beginnend beim unruhigen Schüler Brodowy („Kippeln für den Weltfrieden“), den man heute mutmaßlich ritalinisiert hätte, bis zur Verklärung des Anblicks eines Sternenhimmels am Bühnenprogrammende. Lose reihen sich Bilder, Erlebnisse, Gedanken aneinander, deren Höhepunkt sich nach gut einem Drittel des Abends bei der Replik auf den Satz „Früher war alles besser!“ findet. Ein Blick zurück – seien es 100, 200, 500 oder 2000 Jahre - und Herr Brodowy stellt fest: Nein. Stimmt nicht.

Nicht nur die medizinische, hygienische, soziale Position der Mehrheit hat sich gebessert; auch und gerade die Freiheit der Rede, die Freiheit des Wortes gab es früher nicht. Mag es den Anwesenden allzu sehr als Apologie des Heute erschienen sein? Eine Hand zum Applaus rührte sich an dieser Stelle jedenfalls nicht.

Mit Anmerkungen zum Verbrauchscharakter des Wirtschaftssystems – von den Gelände“panzern“ unserer Straßen bis zum Aluverbrauch der Kaffeekapseln zu Mondpreisen verglichen mit Fair Trade - beginnt der intellektuelle Abstieg der zweiten Hälfte. Die Appelle zu einem anderen Umgang mit Menschen und Ressourcen sind es dabei nicht, sondern die fehlende Verbindung vom Lobe der politischen Freiheit zuvor mit einer Freiheit im Wirtschaftlichen stört. Bedingen sich diese Freiheiten nicht? (In Details wie, z.B., der Abschaffung der Monopolrente aus Boden auch in einem liberalen Marktsystem wollen wir gar nicht erst einsteigen.)

Über Erlebnisse bei der Verwendung von Schlüsselkarten in Hotels, einschließlich der damit verbundenen Schwierigkeiten, landet man bei der Frage, ob die „Herrschaft der Zahlen“ – soll heißen: die Herrschaft der Rationalität - für unser Leben Gutes getan hat. Herrn Brodowys „Nein“ unterläuft dabei grandios den Erkenntnisgewinn des ersten Teils (s.o.).

Zum Schluss wird noch in voraufklärerischem Geraune die Schönheit des Sternenhimmels außerhalb der Städte gegen die – vermeintliche - Kälte der Formeln, die Härte naturwissenschaftlicher Erkenntnis gesetzt. (Das arme E=mc² muss hier als Platzhalter dienen.)

Der Beifall an dieser Stelle ist reichlich. Leider! – Mir war bis dato unbekannt, dass es eine erlaubte Hierarchie der Ästhetik gibt.  Vielleicht jedoch ist dies nur Ausdruck der Geringschätzung mathematischer und/oder naturwissenschaftlicher Bildung? Lehrer waren im Publikum ja in großer Zahl anwesend, und so ließe sich denn hoffen, dass z.B. mehr mathematisches Denken, nicht Rechnen, im Unterricht gelehrt würde…

Die grandiosen Kalauer zur „Hoteljazzpianistendauerschleife“ hätten, statt in der Zugabe, lieber im Hauptteil ihren Platz gefunden. Der Beifall zum Ende war ihnen sicher.
  

Montag, 01 Februar 2016 09:52

Rücksichtslos und mit großem Humor

Trio "Kapelsky" mit Marina Frenk im Apex zu Gast

Sprechen Sie Ostperanto? Ostperanto ist eine fantastische Musiksprache, bestehend aus Russisch und Romanes - sowie einer an Virtuosität kaum zu überbietenden Mischung von Geige, Bratsche, Mandoline, Kontrabass und Gitarre: Folkjazz in einer sehr speziellen Form. Das Trio „Kapelsky“ spielte am Freitag zusammen mit der Sängerin Marina Frenk im Apex in einer schier unendlichen musikalischen Vielfalt, der man mit einfachen Attributen, wie gypsy style oder Balkan Swing nicht gerecht werden kann.

Die zierliche Marina Frenk eröffnet nach einem kurzen ostperantoisierten „Also sprach Zarathustra“ den Abend: „Wir spielen russische Volkslieder, serbische Volkslieder, rumänische Volkslieder, Popp und Elektropopp und Punksongs“ - das sagt sie mit einer Geschwindigkeit und Ironie, die den Zuhörern den Atem stocken lässt: An diesem Abend wird rücksichtslos und mit großem Humor alles balkanisiert, was man sich vorstellen kann. Britney Spears „Ooops“ findet sich ebenso auf der Setlist wie Nancy Sinatras „Bang Bang“. Das faszinierende: All das ist von größter musikalischer Präzision und Virtuosität und oft extrem mitreißend und komisch. „Kapelsky und Marina“ spielen mit dem landläufigen Klischees des Balkan-Genres, ohne sich dabei musikalisch jemals hörbarer Floskelhaftigkeit hinzugeben.

Besonders beeindruckend ist Marina Frenk, die als Vokalakrobatin unglaubliche Dinge mit ihrer Stimme macht. Die mit Worten nicht wirklich beschreibbare Bandbreite reicht von kräftig strahlendem und sehr gefühlvollem Gesang in den Volksliedpassagen bis hin zu humoristisch eingefädelten Konsonanthäufungen und sich überschlagendem Diddling. Dabei verzieht sie ihre Augen, schielt wirr, tanzt blödelnd um das Mikrophon und bringt den gesamten Saal regelmäßig zu überschäumendem Lachen.

Ebenso vielseitig gestalten sich aber auch die Instrumentalanteile: Das Zusammenspiel von Violine und Gitarre erinnert zeitweise an die Hochzeiten von Django Reinhardt und Stephane Grappelli – besonders der Violinist der Combo spielt mit derartigem Feuer, dass sein Bogen am Ende des Abends mehrere deutlich sichtbare Risse hinnehmen muss. Daneben wechselt er zwischen Mandoline und Bratsche und beherrscht beide Instrumente nicht weniger temperamentvoll als seine Violine.

Eines der Highlights des Abends, das zudem den beeindruckenden Einfallsreichtum der Gruppe demonstriert, ist ein parodistisches Elektropop-Stück, das die Band ohne eine Miene zu verziehen eins zu eins akustisch repliziert: „Vergangenheitsbewältigung einer Fehlbuchung zu einem Elektropop-Konzert“, so die Sängerin.

Das Publikum gibt sich durchweg restlos begeistert und der feine musikalische Humor sorgt für regelmäßigen wilden Applaus. Am Schluss gibt es stehende Ovationen und erst nach der dritten Zugabe und vorsichtigen Signalen der Lichtregie neigt sich der Abend dem Ende entgegen.

Samstag, 16 Januar 2016 17:13

Eine nette Type

Mia Pittroff im Apex

Mia Pittroff ist keine politische Kabarettistin. Ihr Schwerpunkt liegt in den alltäglichen Kleinigkeiten – und Banalitäten. Bei einem abendfüllenden Soloprogramm besteht immer die Gefahr, bei derart einfachen Themen banal abzurutschen. Mia Pittroff versteht es, das weitgehend zu vermeiden. Und so unterhält sie ihr Publikum auf angenehme Weise. Man fühlt sich ertappt und verstanden, man kann ihren Aussagen einfach nur zustimmen. Bestes Beispiel: ihr Facebook-Lied „Adde sich wer kann“. Und auch ihre Gedanken über das Älter werden, treffen die Gefühle der Besucher im Göttinger Apex. „Alt werden – das muss man wollen“, meint sie mit ihrem trockenen Humor. „Früher gab es nur ein gepflegtes bergab – jetzt muss es mit dem Älterwerden nur noch bergauf gehen“.

Sie sagt über sich selber, sie gehöre zu den netten Typen. Als Kabarettistin sei das eher problematisch. Denn in diesem Metier müsse man doch eher böse sein. Böse ist vielleicht der falsche Ausdruck. Aber etwas mehr Sarkasmus oder Ironie, ein wenig mehr Satire würde ihrem Programm gut tun.

Ihr Programm „Ganz schön viel Landschaft“ verpackt sie in die sympathische Fränkin, die auf der Durchreise in ihre Heimat Bayreuth ist. Und in ihrem Reisegepäck hat sie nicht nur das unfertige Gedicht zum Geburtstag ihrer Mutter, sondern auch ihre Gedanken über Tattoos, über To-Do-Listen (und vor allem die „not-to-do-Listen“!), über modische Cafés und Smartphones.

Das Göttinger Publikum folgt ihr bereitwillig. Viele Lacher begleiten Mia Pittroff durch den Abend. Fehlen tun die Lacher, die einem eher im Halse steckenbleiben. Wenn sie bei ihrem nächsten Besuch in Göttingen davon noch etwas mehr im Gepäck hat, wird sie ihr Publikum noch mehr erobern und begeistern. Und ihre Blockflöte darf sie gerne wieder mitbringen – ihre Interpretation von „Atemlos“ war klasse!

Dienstag, 12 Januar 2016 07:41

Schnee melken auf Norderney

„Hin und Weg – der Mann bleibt da!“ Madeleine Sauveur im Apex

Der rote Faden. Je länger der Aufbau dieser Besprechung erwogen wurde, desto deutlicher trat der fein gewebte rote Faden dieses Abends in der Rückschau hervor. Wie oft wird ansonsten im Kabarett, nach anfänglichem Aufhänger, nur Nummer an Nummer gereiht?

Musikkabarett war plakatmäßig angeschlagen, und Musik nimmt, cum grano salis, die Hälfte der abendlichen gut zweieinhalb Stunden ein. „Chansonette“ Madeleine Sauveur, so ihr Titel für sich selbst, und die „One-Man-Combo“ Clemens Maria Kitschen - die Dame spricht und singt. Der Herr spielt, spricht weniger und singt (zumeist Background). Eine Combo ist er übrigens wirklich: Klavier/Akkordeon, Schlagzeug und Basspedal; oft gleichzeitig.

Ein wenig zögerlich baut sich zu Beginn Spannung zwischen der kleinen Bühne und dem rappelvoll besetzten Zuschauerraum auf, doch der ein oder andere Kalauer bricht zuverlässig das Eis. Manche dieser sind so ‚schlecht’, dass sie wieder überzeugen… andere hingegen funkeln hintersinnig noch einige Minuten nach.

Zur Hälfte der ersten Hälfte haben wir uns in die Dramaturgie eingefunden: Der Mann als der Sesshafte, als der unbewegte Beweger. „Klavier - was will ich mehr?“ Herr Kitschen verteidigt diese – seine - Sicht der Dinge heiter-gelöst gegen „Xanthippe“ Sauveur - das rastlos unbewegte Weib, welches unstet durch der Welten Lauf zieht. Vom Kleinkunstbühnentingeltangel Namibia-BRD über Kreuzfahrtschiffengagements bis hin zur (Ver-)Änderungsschneiderei auf Helgoland. Zugleich verhandelt ein (Bühnen-)Paar in Musik und Text seine Konflikte, Erwartungen, Enttäuschungen.

Die schrägen Wortverbindungen à la Schnee melken finden unsere große Zustimmung und Freude. Die Textbeiträge in summa sind hingegen, insbesondere wenn sie sich auf Zeitdiagnostisch-Kritisches beziehen, der schwächere Teil, fehlt es ihnen zumeist doch an überraschenden Einsichten; und zudem an der nötigen Schärfe.

Die eigenen Lieder (z.B. „in eigener Sache“) im Verbund mit bekannten Melodien zu neuen Texten (von „Auf der Reeperbahn“ bis zu Schumanns „Kinderszenen“) hingegen tragen die beiden kunstfertig, spielfreudig, teils grandios vor. Die ein oder andere ‚Störung’ aus dem Auditorium wird dabei rasant eingebaut.

Überhaupt ist, spätestens, nach der Pause beim „Hühneraugenblues“ oder der Tangoparodie „Mein Pianist trägt Prada“ vom anfänglichen Zögern nichts mehr zu spüren. Wie charmant und leicht dabei Madame im obigen Blues die Teutonenklatschschwerpunkte gestisch zu den Taktzeiten zwo & vier lenkt, ist aller Ehren wert… Noch nach der größten Volte findet das Duo immer wieder zu seinem Thema zurück - mit der Kennenlernanekdote der beiden als sentimentalem Kern. So verbindet alle Einzelnummern eine stimmige Erzählung auf unaufdringliche und zugleich gekonnte Weise.

Die vier Zugaben erhöhen die Schlagzahl erneut- oder wann hat man je einen Biologielehrbuchtext über Zecken im Stile einer Mozartarie gehört? Applaus, Applaus, Applaus.

Freitag, 08 Januar 2016 16:39

Ein Europa überzuckerter Dreijähriger

Thilo Seibels Programm „Ein Mann – ein Jahr – ein Blick zurück“

Am Donnerstagabend präsentierte Thilo Seibel sein aktuelles Programm: „Ein Mann – ein Jahr – ein Blick zurück“ im Göttinger Apex. In seinem virtuosen, nicht nur leicht zynischen Jahresrückblick nahm er dabei Bezug auf die größten politischen Skandale des letzten Jahres. All das geschah vor einem eher unpolitischen Publikum, das in der abschließenden Sammlung eigener Aussagen über Highlights des Jahres 2015 die Geburt des vierten Enkelkindes und ein 45 jähriges Ehejubiläum anmerkte.

Seibel ließ keinen Zweifel: 2015 war ein schlimmes, deprimierendes Jahr, geprägt von egomanischen Kapitalinteressen und unfähigen Politikern, die sich für keine noch so offensichtliche menschenverachtende Entgleisung zu schade waren. Einen Schwerpunkt seiner messerscharfen Analyse bildeten dabei die Flüchtlingskrise und die Paris-Attentate. Passenderweise habe Aldi-Süd zum Ende des Jahres konsequenterweise ein „Raketenset Paris“ für 9,95 € verkauft.

25 europäische Länder haben sich verhalten, wie „überzuckerte Dreijährige, die einen Kindergeburtstag in Selbstverwaltung organisieren sollten.“, so Seibel. Dass dabei „Schwerkriminelle“ wie Jean Claude Juncker sich durch ihre Politik selbst rehabilitieren wollten, mache Hoffnung, denn letztlich würden in diese EU – zumindest von ihrem Demokratieverständnis – konsequenterweise auch Tyrannen, wie Vladimir Putin passen.

Seibels Themendichte ist erschütternd: TTIP, Griechenland, Charlie Hebdo, der sich entwickelnde Faschismus in Ungarn, aber auch bundesdeutsche Exzesse, wie Verfassungsschutz- und BND-Skandale und die NSU-Affäre fanden neben kleineren Exkursen zu DFB- und Abgasskandal Beachtung.

Das alles hatte etwas schwer Bedrückendes und einen berechtigterweise fatalistischen Beigeschmack. In der zweiten Hälfte schließlich musste Seibel improvisieren: Von den etwa 50 Teilnehmern hatten nur sechs einen der kleinen Zettel ausgefüllt, auf denen eigene Themenwünsche für den Jahresrückblick bearbeitet werden sollten: „12,5% der Anwesenden“, wie er bissig resümmierte.

Neben einer Frage nach der Mutterrente der einzig politische Beitrag: „Weniger reden, mehr handeln.“. Ob der- oder diejenige sich darüber im Klaren darüber war, dass dies vielleicht im Kontext einer Kabarettveranstaltung ein merkwürdiger Wunsch ist, sei dahingestellt. Seibels aus dem Zauberhut gezogener Zettel einer Kölner Veranstaltung sprach seiner Meinung nach Bände über den Temperamentsvergleich zwischen Niedersachsen und Rheinländern. Dort hieß es: „Der 1.FC Köln ist aufgestiegen. Naja, das war 2014 – aber ich freue mich immer noch darüber.“

Neuer Mietervertrag und neues Programm im Apex

Nach langen Verhandlungen konnten nun die Unterschriften unter einen neuen Mietvertrag gesetzt werden: das Team vom „Apex Trinken + Essen“ sowie der Verein „Apex Kultur e.V.“ haben ihre Verträge für das Apex um weitere 10 Jahre verlängert. Beide Parteien betonen, dass die Kooperation der beiden Partner wunderbar funktioniere: „So stelle ich mir eine Partnerschaft vor“, erläutert der 1. Vorsitzende des Vereins Christoph Huber. „Jetzt können wir endlich die Ideen anpacken, die wir schon lange haben“, ergänzte Jacqueline Amirfallah von der Gastronomie. „Außerdem: erstaunlich, aber es macht Spaß mit denen“, sagt die Küchenchefin augenzwinkernd zur „Ehe“ mit den Kulturmachern des Apex.

Und beide können mit dem bisher erreichten sehr zufrieden sein: eine hohe Anzahl von Besuchern, viele ausverkaufte Veranstaltungen, ein erfreulich junges Publikum in den Veranstaltungen und auch in der Kneipe. Das Kulturticket entpuppt sich immer mehr zu einer Win-Win-Situation: die Studierenden in Göttingen zahlen einen Pauschalbetrag pro Semester und können dafür zahlreiche Kultureinrichtungen kostenlos oder sehr stark vergünstigt besuchen. Davon machen sie auch reichlich Gebrauch, nicht nur im Apex. Und die Kultureinrichtungen bekommen von diesem Pauschalbetrag einen fixen Anteil für ihre Einrichtungen. Eine Summe, mit der relativ fest geplant werden kann.

Zu den 240 Veranstaltungen kamen im vergangen Jahr über 14.000 Besucher, das ist eine Steigerung um 27,3%. „Wir haben ein Viertel Stammbesucher, die regelmäßig kommen. Die Hälfte der Besucher kommt ab und zu – und ein Viertel der Besucher kommt zum ersten Mal. Das ist eine super Kombination“, freut sich Christoph Huber. Und für 2015 deuten sich ähnliche Zahlen an. Stefan Dehler (2. Vorsitzender) ergänzt: „Dieser Kulturraum wird sehr intensiv genutzt, und zwar von sehr vielen verschiedenen Gruppen“. Das bestätigte auch Wolfgang Nisch von der Gastronomie. „Wir sind kein Restaurant, wir freuen uns über zahlreiche Gruppen, die zum Beispiel zum Kartenspielen kommen oder einen regelmäßigen Stammtisch haben.“

Neu im Team des Kulturvereins ist Sandra Kirchner. Sie bringt viel Erfahrung im Veranstaltungsbereich mit und ist unter anderem im Verein „Kulturlichter“ aktiv. Und so finden sich im neuen Programm ab September zahlreiche Konzerte in Kooperation mit dem Apex. Ein ständiger Kooperationspartner sind die Stillen Hunde – kein Wunder, sind doch die Macher der Stillen Hunde dieselben wie der Vereinsvorstand. Huber legt aber Wert auf die Feststellung: „Mit den Stillen Hunden verdienen Stefan Dehler und ich unser Geld. Das Apex ist unser Hobby und wird ehrenamtlich geführt.“ Dafür, dass die Trennung  vom Apex und den Stillen Hunden sauber geführt wird, ist auch Sandra Kirchner im Büro zuständig. Dehler ergänzt aber: „Wir geben gar nicht so viele Vorstellungen der Stillen Hunde. Wir sind häufig auswärts fest gebucht. Außerdem geben wir die attraktiven Termine an den Wochenenden vor allem den Künstlern, die mehrere Jahre im Voraus planen und buchen. Das sind vor allem Kabarett-Veranstaltungen.“

Im neuen Programm finden sich viele alte Bekannte wieder: so gibt es nach wie vor das Offene Singen mit Wieland Ulrichs, in der Vorweihnachtszeit kommt wieder die Compagnia Buffo mit Willie Lieverscheidt, Glen Wallbaum gastiert als Apex-Urgestein und auch mancher Kaberettist gastiert erneut im Apex, wie zum Beispiel Bernd Gieseking mit seinem Jahresrückblick. Und auch die Jazz-Session trifft sich jeweils letzten Donnerstag im Monat.

„Hier gibt es eine Idee der Kooperation mit der Gastronomie“, regt Wolfgang Nisch an. „Wir planen so etwas wie „Jazz Late Night“ auf der kleinen Bühne im Gastronomie-Bereich.

Aber im Programm findet sich auch viel Neues, vor allem neue Musikgruppen. Ein besonderer Höhepunkt findet am 3. November statt: der bekannte Jazz-Pianist Jan Behrens kommt mit dem Kontrabassisten Jürgen Osterloh zu einem Benefizkonzert ins Apex. Das Publikum wird um eine Spende für die medizinische Versorgung obdachloser Menschen gebeten. Hintergrund: Jan Behrens hat nach seinem Musikstudium noch ein Medizinstudium absolviert und ist praktizierender Arzt.

Das komplette Programm gibt es in Kürze auf www.apex-goe.de sowie hier im Kulturkalender des Kulturbüros veröffentlicht.

Montag, 29 Dezember 2014 22:20

Über die Aktualität Kästners

Glenn Walbaum im Apex

„Alle kennen „Emil“, aber wer kennt Erich Kästner?“ heißt es auf dem Flyer zur Veranstaltung. Es stimmt, die Kinderbücher Erich Kästners sind in fast jeder Altersgruppe bekannt und populär. Doch Kästner war zeitlebens nicht nur als Kinderbuchautor aktiv, sondern auch, und das vielleicht sogar größtenteils, als  Satiriker, Lyriker und „Gebrauchspoet“ wie er sich selbst nannte. Er schrieb zeitkritische Gedichte, Aphorismen die nicht selten „den Menschen seiner Zeit ans Herz, in den Kopf und manchen auch auf die Nerven gingen“ (Flyer d. Veranstaltung). Doch nur seiner Zeit? Gehören die Verse denn schon so sehr der Vergangenheit an?

Dass dieser Kästner nicht mehr einem so breitgefächerten Publikum bekannt ist, zeigte sich an einem relativ hohen Altersdurchschnitt in der ausverkauften Veranstaltung. Schade! Denn Kästner ist durchaus auch jemand, den sich jüngere Erwachsene nicht entgehen lassen sollten.

Glenn Walbaum, Göttinger Kabarettist und Musiker, und Günther Fleckenstein, Regisseur und langjähriger Intendant des Deutschen Theaters in Göttingen und der Bad Hersfelder Festspieler entwarfen ein literarisches-musikalisches Programm, wie sie sagen, für Erich Kästner unter dem Titel „Kästners Glossen für Zeitgenossen“ (heute – morgen – immer).

Mit den ausgewählten Themen wie Banken und Bankenkriese, den Schrecken der Kriege und natürlich der Einzelne und die Menschheit unterstreichen  Walbaum und Fleckenstein den Titel der Veranstaltung (heute – morgen – immer) und zeigen erschreckend deutlich die Aktualität von Kästners Texten.

Glenn Walbaum, als Solist auf der Bühne, hält sein Publikum zusätzlich durch seine natürliche Art des Präsentierens im Banne der Verse. Er rezitiert, singt, erzählt und begleitet sich am Klavier. Das Publikum ist begeistert, spendet reichlich Zwischenapplaus und lacht oder schweigt betroffen.

Am Ende entlässt Walbaum sein Publikum mit den ermunternden Versen, die auch den roten Faden des Abends bilden:

„Vergesst in keinem Falle,
auch dann nicht, wenn Vieles misslingt:
Die Gescheiten werden nicht alle!
(So unwahrscheinlich das klingt).“
Erich Kästner

Montag, 24 November 2014 09:54

Im Zustand zwischen Lachen und Staunen

Ken Bardowicks im Apex

Best of Niveaucomedy und Spezialeffekte. So so. Wenn jemand von sich aus sagt, dass sein Programm mit Niveau sei, werde ich erst mal vorsichtig. Wenn es dann auch noch ein Best of mehrerer Programme ist, nehme ich meine Erwartungen komplett zurück – viel gute Erfahrung mit Best ofs habe ich bisher nicht gemacht... Wenn der Künstler allerdings unter anderem als weltbester Stand-up-Magier und mit dem Sonderpreis des Deutschen Kabarettpreises ausgezeichnet wurde, darf man als Zuschauer vielleicht doch auf einen unterhaltsamen Abend hoffen.

Meine Erwartungen – sie haben sich doch eingeschlichen, es lässt sich einfach nicht vermeiden – wurden weitaus übertroffen. Mit einer hervorragenden Mischung aus Zauberei und Kabarettvortrag hat Ken Bardowicks am Samstagabend im Apex das Publikum innerhalb von Sekunden mühelos in seinen Bann gezogen. Verspielt, charmant, teils spontan und gespielt unbeholfen führte Bardowicks durch seinen Schnelldurchlauf von fast 20 Jahren Bühnenpräsenz Quickies. Mit Themen wie Mann vs. Frau, Faul-sein, aus dem Leben eines Zauberers und einer Hebamme, Hund & Katze oder „Wo komme ich eigentlich her“ versetzte er die Besucher über zwei Stunden lang in einen Zustand zwischen Lachen und Staunen. Am Ende konnte man gar nicht glauben, dass die Zeit schon um sein sollte und ging, nachdem Bardowicks mit tosendem Applaus geehrt wurde, noch immer schmunzelnd nach Hause.

Donnerstag, 03 April 2014 08:55

Vom Galgen bis in den Himmel

Vor 100 Jahren ist Christian Morgenstern in Meran gestorben. Ihm zum Gedächtnis hat das Trio „Dreizack“ mit Heiko Krutisch als Rezitator sowie Justin Ciuche (Violine) und Martin Tschoepe (Kontrabass) zu einem „Morgenstern“-Abend ins Göttinger Apex eingeladen.

Mit diesem Programm geht das Trio nun auf Tournee, der Auftritt in Göttingen war die Premiere. Und die war ausgesprochen gelungen. Zwei Stunden lang auswendig Gedichte rezitieren – das an sich ist schon eine Leistung. Zumal nicht die bekannten Galgenlieder dabei waren, also kein Mondschaf, kein Werwolf und kein Nasobem. dafür solche Gedichte wie „In Phantas Schloß“. Aber auch Kindergedichte wie das „Von dem großen Elefanten“ oder der „Kleine Hund mit Namen Fips“.

Der Abend war konsequent und stimmig inszeniert: die Anordnung der Gedichte war sorgfältig gewählt, die Übergänge waren exakt – und die Musik war kongenial ergänzend zu den Gedichten. Ciuche und Tschoepe setzten zu bestimmten Stichworten ein und begleiteten Krutisch, ja interpretierten Morgenstern. Da, wo es leicht esoterisch wurde („Wasserfall bei Nacht“), wurde es die Musik auch: Klangschalen wurden eingesetzt, von der Violine waren sphärische Flageolett-Töne zu hören. Anderswo wurden bekannte Melodien eingesetzt, zum Beispiel: „Guter Mond, Du stehst so stille“ zum Gedicht „Abendtrunk“. Großartig wurde improvisiert: das Butterbrotpapier nahm nicht nur durch Morgenstern, nicht nur durch den Rezitator sondern auch durch die Musik Gestalt an.

Die Sprachbilder Morgensterns gaben den Facettenreichtum seines Werkes wieder: sein Sprachwitz und seine Komik, sein Ernst, seine Religiösität und auch seine anthroposophische Sicht auf die Welt. „Vom Galgen bis in den Himmel“ – das war ein spannender, vielfältiger und überaus gelungener Abend im ausverkauften Apex.

Montag, 24 März 2014 07:56

Komisch im Sinne von seltsam

Klavierkabarettistin Anna Piechotta singt im Apex über dumme Kinder und tote Frettchen

Man kann nur spekulieren, warum die hübsche junge Frau, die mit ihren großen Augen, den wippenden, gelockten Haaren und der tadellosen Figur fraglos dem heutigen Schönheitsideal entspricht, das Bedürfnis hat, ihrem Publikum erst einmal ein Lied über Facelifting und Fettabsaugung zu singen. „Ich tu das alles nur für Sie!“ erklärt sie die medizinischen Eingriffe und ihre hohen, unbequemen Schuhe. Wenn sie mit unbewegter Mimik („Die Betäubung hat noch nicht nachgelassen!“) und unsicheren Schrittes auf die Bühne kommt, ist das ein ungewohnter, erfrischend überraschender Auftritt. Und man fragt sich einen kurzen Moment lang, ob diese Frau einen an der Waffel hat.

So ganz ernst nehmen kann man sie auch nicht, wenn sie behauptet, bald einen runden Geburtstag zu feiern: „Ich werde sechzig!“. Sechzig wird sie sicher irgendwann, aber davor hat sie noch 27 Jahre Zeit, um ihre Zuhörer mit allerhand seltsamen Begebenheiten zu amüsieren, zu denen sie die rhythmisch und melodisch passenden Lieder komponiert. Die Probleme der Partnerfindung beschäftigen sie, vornehmlich mit attraktiven Nachbarn oder Internetbekanntschaften. Sie singt mit Inbrunst von ihrem Leben auf dem Lande („Schön, so schön, ist das Leben am Arsch der Welt!“) und berichtet mit beklatschenswerten sopranistischen Einlagen von der Langatmigkeit des Besuchs einer modernen Operninszenierung.

Süß und dabei gleichzeitig makaber, spielt sie mit ihrer Weiblichkeit und Naivität. In der Ankündigung des Programms ist die Rede von ihrem „Schneewittchen-Gesicht“, hinter dieser Fassade schlummert jedoch der Einfallsreichtum einer bösen Schwiegermutter. „Ich mag Kinder“ erklärt sie zum Beispiel fröhlich, „aber nicht weil die so süß sind und man sie immerzu kuscheln könnte, sondern weil die so dumm sind!“ Darauf singt sie in ihrem Lied „Kinderfragen“ von Eltern, die angesichts des Wissensdurstes ihrer Kinder in Verlegenheit geraten („Mama, was ist ein Freudenhaus? Was ist ein Mutterkuchen? Was ist ein Hurensohn?“).

In unendlich verzweifelter Klage über den Tod des geliebten Frettchens verzerrt sie anschließend ihre Gesichtszüge, wenn sie auf Pseudo-Russisch ein Lied von Putin vorträgt, dass sie in stetem Wechsel ins von den Emotionen unberührte Deutsche simultan übersetzt. Wieso musste Putins Frettchen auch bloß in die Brokkolisuppe fallen? Vor Trauer und Wut schwört dieser, sich niemals wieder von einem Schicksalsschlag einen Strich durch die Rechnung machen zu lassen – und schon haben wir das Motiv für Autokratie, Krimkrieg und Pussy-Riot-Verbannung.

In verschiedene Themengebiete gleitend, bleibt Piechottas Programm seinem Titel „Komisch im Sinne von seltsam“ doch immer treu und wirkt, auch wenn einige der Chansons ohne Überleitung aneinander anschließen, nie wie eine schlichte Aneinanderreihung musikalischer Einfälle.

Zum Glück ist das dreiste Schneewittchen auch komisch im Sinne von lustig, so dass die zweistündige Unterhaltung wie im Flug vergeht und der Applaus auf der gut gefüllten Galerie mit zwei Zugaben belohnt wird.

Kabarettist Holger Edmaier zum ersten Mal zu Gast im Göttinger Apex

Die Kuh hat es ihm angetan – egal ob als Plüschtier auf dem Klavier, Milchlieferant deutscher Kleinbauern, verehrte Heiligkeit fernöstlicher Kulturen oder von Dädalus konstruierte Attrappe in griechischer Mythologie: Begeistert sinniert Holger Edmaier in seinem Musikkabarett mit dem Titel „Schlachtreif“ über die Geschichte zwischen Mensch und Tier als einer „Geschichte voller Milchverständnisse“ und berichtet seinen gut gelaunten Zuhörern dabei von seiner Kindheit auf dem Land, dem Urlaub auf dem Bauernhof und Erlebnissen mit voll kompostierbaren Fruchtzwergen (Kinder von überzeugten „Bio-Müttern“) im Alnatura-Supermarkt.

Edmaier liebt es mit Vorurteilen aufzuräumen: Vegetarier nimmt er in Schutz – sie seien oft gar nicht so humorlos, wie sie immer dargestellt würden –, eine Kindheit auf dem Land sei nicht so idyllisch, wie man sich das landläufig vorstelle (zumindest, wenn man das Alter erreicht habe, in dem einen interessiere, was hinter dem Gartenzaun passiert) und der Urlaub auf dem Bauernhof ganz und gar nicht erholsam.
Seine Themen beleuchtet er gerne von unterschiedlichen Seiten: Die langweilige Landkindheit wird abgelöst von einem nachdenklichen Lied darüber, dass man als Kind mit seiner Phantasie noch fliegen konnte; romantische Textzeilen wechseln mit einem hinreißend choreografierten Tanzsong, in dem er sich glücklich preist, dass seine Freundin endlich ausgezogen ist.

Zwischendurch Auszüge aus den „21 depressiven Liedern suizidal veranlagter Wald- und Haustiere“, dann liest Edmaier dem Publikum das Horoskop vor („Haben wir eine Waage hier? Wirklich niemand? Egal, ich kann das auch für Jungfrau vorlesen!“). Er schlüpft in die Rolle seiner Nachbarin Mascha, irgendwann vor Jahrzehnten aus Osteuropa eingewandert, erzählt von seinen Erfahrungen mit der Elektrostimulationstherapie und unternimmt einen vergnüglichen Ausflug in die griechische Mythologie, gespickt mit aktuellen Vergleichen in deutlichen Worten („Früher hat Zeus Europa gepoppt, jetzt wird sie von den Banken gefickt.“).
Edmaiers Bühnenshow ist sehr unterhaltsam und lebendig, er ist ständig in Bewegung, und auch, wenn er vor lauter Themen manchmal den roten Faden zu verlieren scheint, macht er selbst noch aus einer verliebten Glühbirne einen guten Song und bekennt sich zu allzu hölzernen Überleitungen in selbstironischem Kommentar.

Das Apex ist am Samstagabend gut besucht und das Publikum gemischt, wenn auch vorwiegend in dem Alter, in dem man nach Edmaier schon Erfahrung mit der tückischen Kraft der „Gravitation“ gemacht hat. Es gibt allerdings nur einen Vegetarier.

Das anspruchsvolle Programm, bestückt mit vielen kleinen und größeren Musikeinlagen, Tanzchoreografien, Mimikkünsten und Geschichten aus dem Nähkästchen, bleibt jederzeit authentisch, wirkt nie abgenudelt oder zu penibel einstudiert. Immer ist Platz für spontane Späße mit dem Publikum, auch von unerwarteten Einwürfen oder reglosen Zuschauern lässt sich Edmaier nicht beirren („Ach, der schläft schon.“). Man hat bei diesem Kabarettisten das Gefühl, dass er sich ehrlich über sein Publikum freut, auch wenn er schon seit über einem Jahrzehnt auf der Bühne steht.

Samstag, 21 Dezember 2013 11:39

Mit viel Liebe zum Detail

"Oh, du, du fröhliche..." im Apex

Verschiedene Versionen der Weihnachtsgeschichte und andere Geschichten aus der Weihnachtszeit wurden am Dienstagabend, 17.12.2013 im AEPX von der Compagnia Buffo geboten. Unter dem Titel „Oh, du, du fröhliche…“ präsentierten das Duo Willi Lieverscheidt und Kascha B. mit musikalischen Einlagen von Benedikt Hensch sehr unterhaltsame Stücke. Es blieb kaum ein Platz im Theater frei.

Donnerstag, 07 November 2013 15:50

Dirty Old Stories from A Dirty Old Man

Willi Lieverscheidt und die Compagnia Buffo gastieren im Apex am 13. und 14. November

Mit unbändiger Lust, Chuzpe und einer enormen Portion Witz bringt Willi Lieverscheidt die ganze grandiose, todtraurige wie todkomische Welt Charles Bukowskis auf die Bühne, wobei ihm die Erzählungen des Großmeisters der American Short Story vor allem als Leitfaden dienen, aber keineswegs dogmatisch nachbuchstabiert werden. Bei Lieverscheidt steht das Spiel im Vordergrund, und so werden mit den Mitteln des Jahrmarktheaters wie Opera buffo, Hörspiel, Schattenspiel und Pantomime die Figuren lebendig dargestellt, die sich auf der Schattenseite des "American Way of Life" befinden. Das "andere Amerika", das der kleinen Leute, der Spinner und Tagträumer, der Verlorenen und der glücklosen Glücksritter ist das Milieu, dem Lieverscheidt kongenial auf den kurzgeratenen Brettern seines Theaters mit großer Verve nachspürt.

Vorstellungen am 13. und 14. November um 20.15 Uhr im Apex.

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