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Dienstag, 27 März 2018 17:03

Nikolaikirche

„Ensemble Artists“ unter Andreas Jedamzik

Emotionale Darbietung der Passio von Arvo Pärt

Irgendwo zwischen lateinischer Sprache und reibenden Dissonanzen

geschrieben von

Behagen und wohliges Erschaudern, vertraute und unbequeme Harmonien – zwischen diesen Dichotomien bewegt sich die Johannespassion des zeitgenössischen estnischen Komponisten Arvo Pärt (*1835), die am vergangenen Samstagabend in der Göttinger Universitätskirche St. Nikolai unter der Leitung von Andreas Jedamzik aufgeführt wurde.

Passio Domini Nostri Jesu Christi secundum Joannem (übersetzt: „Das Leiden unseres Herren Jesus Christus nach Johannes“). Wie der vollständige Titel der Passion verrät, handelt es sich bei Pärts Komposition um eine Vertonung der Leidensgeschichte Jesu von Nazaret nach dem Johannesevangelium 18,1-19,42, komplett auf lateinisch. Die musikalische Gestaltung der Passion ist stark an den Text gebunden, was teils zu einem litaneiartigen Charakter des Gesangs führte, unterstützt durch die geringe Abwechslung der Tonfolgen. Das mag in Hinblick auf die circa einstündige Aufführungsdauer ermüdend klingen, ist es aber ganz und gar nicht, denn Pärts Komposition setzt auf das Spiel mit Kontrasten innerhalb der Harmonik, instrumentalen Untermalung und auf spannungsgeladene Pausen.

Die SolistInnen des Konzerts (Thomas Raff (Jesus), Jan Kristof Schliep (Pilatus), Hanna Ramminger, Benjamin Boresch, Steffen Kruse und Roman Tsotsalas (Evangelisten)) trugen mit stimmlicher Präzision und Expertise zur Abwechslung innerhalb der durchkomponierten Passion bei. Insbesondere die Soli Raffs, unterstützt durch die archaisch anmutenden Klänge der Orgel, hinterließen durch die gezogenen Phrasierungen und sein ausdrucksstarkes Timbre ein wohliges Schaudern. Dieses Gefühl zog sich durch das gesamte Konzert – nicht, dass die Passion besonders variantenreich ist, eher ist es eine Anspannung vom ersten Ton bis zum großen Amen am Schluss. Besonders entscheidend hierfür ist die Kontrastierung von lateinischer Sprache zu teils dissonanten Klängen, die sich, wenn auch nicht sonderlich abwechslungsreich, zu einem epochenübergeifenden Klangteppich zusammenfügten, der in der Akustik der Kirche besonders stimmungsvoll wirkte.

Die souveräne Darbietung vom Chor und Orchester des „Ensemble Artists“ trug zu diesem sehr gelungenen performativen Gesamtbild bei. Trotz anfänglicher kleiner Unstimmigkeiten der StreicherInnen bei den Einsätzen, konnten die MusikerInnen sowohl bei den begleitenden als auch solistischen Passagen überzeugen, die durch den dialogischen Aufbau der Passion eine hohe spielerische Präzision abverlangten.

Nach dem spannungsgeladenen Schluss, dessen großes finales Amen nochmals in einer anderen, erlösenden Tonalität steht, erklang nach und nach der abschließende Applaus, hörbar verunsichert, ob man nach solch einem in einer Kirche aufgeführten Stück nun klatschen sollte oder nicht – An der stimmungsvollen und professionellen Performanz der MusikerInnen lag die abschließende Verunsicherung sicherlich nicht.

Letzte Änderung am Sonntag, 08 April 2018 09:56

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