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Freitag, 23 März 2018 16:32

Lokhalle

Kraftklub gastierte in Göttingen vor 5000 Fans

Keine Nacht für Niemand - Keine Nacht für Göttingen

geschrieben von
Kraftklub in der Göttinger Lokhalle Kraftklub in der Göttinger Lokhalle © Photo: Vespermann

Mit ihrem ersten Konzert in Göttingen mischte die fünfköpfige Band Kraftklub aus Chemnitz die Lokhalle am vergangenen Mittwochabend ordentlich auf. Die Tour „Keine Nacht für Niemand“, die 2017 zu ihrem gleichnamigen dritten Album startete, wurde 2018 mit großem Erfolg fortgesetzt, sodass auch unsere kleine Stadt Göttingen Kraftklub live zu begrüßen konnte.

In diesem zweiten Teil der Tour wurde Kraftklub von dem Schweizer Singer-Songwriter Faber begleitet. Der junge Künstler, der mittlerweile bei großen Auftritten mit voller Band und nicht mehr nur mit dem klassischen Singer-Songwriter-Gitarrengeschrammel zur eigenen Stimme auftritt, bot mit einem beachtenswerten Auftritt eine erstaunlich gut passende Einstimmung auf das folgende Konzert. Live deutlich sympathischer, als auf Tonaufnahme war das Gesamtbild dieses Auftritts in sich stimmig und mitreißend und schien das Publikum, aus dem hier und da skeptische Stimmen zu hören waren, durchweg zu begeistern. Faber singt mit seinen Mittezwanzig verruchte Texte mit einer rauchigen Stimme und erinnert dabei eher an einen stets anzüglich denkenden Alten, als einen jungen Mann. Auf der Bühne passt dieses Bild allerdings erstaunlich gut in das Ensemble mit Faber selbst mit Gitarre und Gesang, begleitet von einem Keyboard, E-Bass, einer weiteren Gitarre, einem spartanischen gehaltenen Schlagzeug und vom gleichen Mann gespielt, eine Posaune. Zu den schamlos anrüchigen Texten werden Melodien und Rhythmen gespielt, die ganz alleinstehend schon gut genug sind, um sie zu hören. Irgendwo zwischen Indiemusik und Samba deckt die Musik von Faber eine große abwechslungsreiche Bandbreite ab, die vermutlich live ebenso breite Masse an Zuhörern erreichen kann. Bemerkenswert war definitiv auch das Bühnenbild und die Show, inklusive des passenden Lichts von rot bis blau. Umrahmt von mehreren großen Spiegeln wirkte der Auftritt wie direkt aus Alice‘ Wunderland entsprungen und entführte den Zuhörer damit raus aus dem Alltag, rein ins Konzertgeschehen.

Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit dem Hauptakt. Angekündigt mit einem gigantischen roten Banner mit dem Tournamen, begann ein großartiges Konzert, das die Zuhörer zum gemeinsamen Feiern, zum Tanzen und trotzdem zum Nachdenken brachte. Das bei den Fans langersehnte Touralbum, das vergangenen Sommer ihr Release hatte, steht den vorherigen zwei, in keiner Weise nach. Mit wortgewandten, proletarisch unzensierten Texten und einer großen Abwechslung der Liedermelodien erregte Kraftklub 2012 sowohl in der alteingesessenen Rockwelt, als auch in Medien mit Bildungsanspruch, große Aufmerksamkeit. In erstaunlich kurzer Zeit zeigen die fünf Männer in Sachen Texten und Melodien eine deutliche Steigerung zu den ohnehin schon guten Debutsongs. Mit Felix Brummer als Frontsänger, Till Brummer am E-Bass, Steffen Israel um Keyboard, beziehungsweise E-Gitarre, Karl Schuhmann mit Gesang an der E- Gitarre und Max Marschk am Schlagzeug setzen Kraftklub mit ihrem neuen Album dem ganzen noch eins drauf. In anti-intellektueller Art produzieren sie provokante und gesellschaftskritische Appelle, die zwar deutlich in der Musik spürbar, aber nicht wirklich direkt in ihren Texten angesprochen werden. Diese Sammlung ist geprägt von einem großen Abwechslungsreichtum, einer weiteren Portion an beflügelnden weltverändernden Ansporn, Randale, irgendwie liebevoller Ablehnung gegenüber den nicht-rosigen Seiten des Alltags. Mit dieser gefühlsgeladenen Art Phänomene des Alltags zu beschreiben und mitreißenden Rhythmen kommt Kraftklub gerade bei ihrem jungen Publikum gut an. Trotz des Abwechslungsreichtums verliert die Gruppe ihre eigene Linie nicht. Durchschnittliche Menschen wollen sie sein, die Popmusik machen und damit bei der breiten Masse ankommen. Von depressiver Frustration, Wut und Aufruhr bis zu liebvoller Zuneigung und lebensbejahender Feierlaune kommen alle Emotionen von der Band rüber und übertragen sich auf das Publikum. Welche Art von Musik Kraftklub tatsächlich macht ist schwierig einzuordnen. Rockige Klänge, mal sanftere Keyboard- und Gitarren-Melodien, aufrührende Texte, eine Kombination die stark an Indipendent-Rock erinnert, die mit deutschem Sprechgesang, der sich allerdings auch klar vom üblich bekannten Rap abhebt zusammen eine einzigartige Art entstehen lässt. Diese steht vielleicht musikalisch für sich und ist vielleicht gerade dadurch, dass sie nicht klar zu einem bestimmten Musikgenre zuzuordnen ist, so erfolgreich. Auf sozialer Ebene zeigen sich Kraftklub angenehm menschlich. Sie gehen wertschätzend und offen auf das Publikum zu, verbreiten Freude und äußern dabei klar ihre „Spielregeln“, die für sie wichtig sind. Ein liebevolles Miteinander, ist ganz klar sichtbar, aber, wie der Frontsänger Felix Brummer noch einmal betont, ist ihnen auch politisch wichtig, ein Zeichen gegen menschenverachtende Parteien zu setzen. Daneben animiert er das Publikum mit den Worten „Wenn ich das kann, könnt ihr das auch.“, zum rappen und bricht damit sowohl überdeutlich das Eis, zwischen Bühne und Publikum, zeigt aber auch eine angenehme Art, die irgendwie ein „Habt euch doch bitte alle lieb, denn nur gemeinsam sind wir stark.“, stehenlässt, wie es einer der Zuhörer voller positiver Energie in dieser herzlichen Atmosphäre zusammenfasst. Natürlich zeigen sie auch eine gute Show. So manchen Text mimt der Frontsänger nach und verdeutlicht damit, was hinter den Songs steht, die manchmal eben doch einfach nur zum Feiern anhalten. Neben der zum größten Teil in „Kraftklubrot“ gehalten Bühnenlichtshow, wurde ungewöhnlich oft auch das Publikum erleuchtet, sodass auch die nebenstehenden Menschen gut zu sehen waren und eben gemeinsam gefeiert werden konnte, statt in einer „anonymen Crowd“. Kraftklub nimmt immer wieder direkten Kontakt auf mit dem Publikum, spricht ihnen Autonomie zu, bindet sie in die Show ein und lässt es zu einem gemeinsamen Erlebnis werden. Zur Entscheidung eines noch nicht ausgewählten Songs, holten sie eine Zuhörerin, die nun als Glücksfee fungierte auf die Bühne und ließen das Publikum damit Kraft sammeln für die nächsten Phasen tanzen und gemeinsam feiern.

So wertschätzend wie zu ihrem Publikum, zeigen sie sich auch zu ihrer Vorband und reißen ihre Zuhörer mit dem gemeinsam gespielten Partyhit „I love it“ von Icona Pop und Charli XCX absolut mit. Freizügig und keines Wegs Kontaktscheu zeigen sie ihre gegenseitige Zuneigung und heizen dem Publikum noch einmal vor dem Ende des Konzerts ordentlich ein.

Neben allen ihrem authentischen Gutmenschentum feiert sich Kraftklub natürlich auch gehörig selbst. Doch wohl verdient, wirkt der Genuss des Rampenlichts mit diesem Erfolg auch nur ehrlich und trotzdem noch nahbar, denn sie sind auch nur Menschen, wie Felix Brummer es mehrfach zu Beginn des Konzerts sagt. Nach einem fingierte letzten Song ziehen sich Kraftklub  hinter die Bühne zurück, um dann auf einer kleinen Rollbühne direkt durch das Publikum zu wandern. „Ich will nicht nach Berlin, ich will nach Göttingen und jetzt wollen wir alle von dieser Bühne auf die Hauptbühne zurück“, so leiten sie von ihrem letzten Song über zum selbsterfundenen „Crowd Surf Diving“. Es wird wohl klar, während die Musiker im Wettlauf über die Menge hinweg hechten, dass sie zum Glück neben den kritischen Liedtexten, ihren Humor und eine ordentliche Portion Verspieltheit behalten und immer offen für neue Überraschungen sind. Das lässt vermuten, dass es mit Kraftklub anscheinend auch in Zukunft nicht langweilig wird.

Unter diesem Motto endet dann leider auch dieses Konzert.

Kraftklub feiert sich, sie feiern ihr Publikum und sie feiern den Abend. Die Ausweitung der Tour hat sich definitiv gelohnt. Es war schön, mit Kraftklub auch „Keine Nacht für Göttingen“ zu haben. Das Fazit: Ein Event, das auf Wiederholung wartet. Es sollte nicht nur bei einem ersten Mal bleiben.

Letzte Änderung am Freitag, 06 April 2018 09:17

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