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Mittwoch, 21 März 2018 10:09

Deutsches Theater

Premierenkritik zu „Gespräch wegen der Kürbisse“

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

geschrieben von
Marie Seiser und Gaia Vogel Marie Seiser und Gaia Vogel © Photo: Isabel Winarsch

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Dies ist der Grundton von Gespräch wegen der Kürbisse. Die Komödie des Schriftstellers Jakob Nolte erlebte in der Inszenierung von Britta Ender am 18. März ihre Premiere im Deutschen Theater. Der Gegenstand: Ein imposantes verbales Armdrücken zwischen den Freundinnen Anna Krachgarten (Gaia Vogel) und Elisabeth Mishima (Marie Seiser) sowie die Frage, was die Kürbisse denn nun damit zu tun haben.

Das gesamte Stück spielt sich in der Küche ab. Diese wirkt mit ihrer stählern-schwarzen Ausstattung von Johannes Frei samt Fußboden in Schachbrettoptik sehr modern, wenn auch kalt und steril. Im Kontrast dazu steht das zunächst vertraut wirkende Beieinandersitzen der beiden Freundinnen, welches aber alsbald zu einem Wortgefecht ausartet. Dabei beginnt die Diskussion zunächst recht banal: So erwähnt Anna das Glockenklingen der Kürbisse während des Urlaubs an der Adria, woraufhin Elisabeth nachhakt, was genau sie denn damit meinte. Anna gibt jedoch darüber keine Auskunft und macht stattdessen Andeutungen zum Tod ihres Vaters. Was sie im gesamten Gespräch äußern wird, ergibt dabei nicht immer Sinn. Soll es aber auch gar nicht. Denn was sich hinter ihren widersprüchlichen Aussagen an der Küchentheke verbirgt, ist reine Berechnung und Taktik. Die eben erwähnten Kürbisse an der Adria… - Pardon, an der Ägäis… oder doch woanders? – stellen ein wiederkehrendes Motiv dar, auf das Elisabeth immer wieder zurückzukommen versucht, über welches Anna jedoch partout nicht sprechen möchte.

Dass beide Figuren nicht besonders koscher sind und dies einmal mehr und einmal weniger subtil zur Schau stellen, haben die beiden Darstellerinnen sehr überzeugend dargestellt. Als Zuschauer konnte man sich eher mit der misstrauischen Elisabeth identifizieren und hoffen, dass sie Anna endlich zu einem Mordgeständnis bringen würde, nachdem sie dahingehend schon mehrfach obskure Andeutungen gemacht hatte. Jedes Mal, wenn Elisabeth Anna jedoch zu ertappen drohte, wand sich letztere aus dem Argument, ihr Blick wurde dabei leer und sie änderte vergnügt das Thema. Elisabeths Wahnsinn hingegen kam nur in Dosen zum Vorschein und auch ließ sie sich von Annas perfiden Manipulationen des Öfteren aus dem Konzept bringen. So hatte sie ihr ihre persönlichen Probleme wie die unglückliche Ehe und den Stress bei der Arbeit anvertraut, die Anna dann im Verlauf des Gesprächs gekonnt gegen sie verwendete.

Die Wahrheit wird schließlich nicht aufgedeckt, was bleibt sind aber haarsträubende oder völlig hanebüchene Vermutungen. Starb Annas Vater denn nun wirklich? Oder hat Anna ihn umgebracht? Und wenn sie schon dabei war, hat sie sich auch gleich ihres Freundes entledigt? Vielleicht ist Anna auch einfach nur eine zwanghafte Lügnerin? Auf diese Fragen wird es keine Antworten geben, es bleibt lediglich der dringende Verdacht, und dies hinterlässt den Zuschauer belustigt, wenn auch argwöhnisch.

Gespräch wegen der Kürbisse ist ein sehr unterhaltsames, wenn auch verstörendes Testament darüber, wie gut die beste Freundin einen kennt und ihr Wissen gegen einen verwenden kann. Die Premiere wurde bereits mit vielen Lachern und tosendem Applaus bedacht, weitere Vorstellungen der Komödie sind für den 23. März sowie am 5. und 25. April terminiert.

Letzte Änderung am Dienstag, 27 März 2018 17:08

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