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Sonntag, 11 Februar 2018 15:15

Göttinger Symphonie Orchester

„Russischer Zauber“ in der Stadthalle

Ausverkauft – aus gutem Grund

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Künstlerbild von Nikolai Demidenko Künstlerbild von Nikolai Demidenko © Photo: K. Miura

Russischer Zauber und bildhafte Reise in der Stadthalle mit dem Göttinger Symphonieorchester und Nikolai Demidenko

In einem restlos ausverkauften Saal präsentierte das Göttinger Symphonieorchester unter dem Titel „Russischer Zauber“ und unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller nicht nur Werke berühmter russischer Komponisten, sondern lud die Anwesenden zu einer farben- und klangfrohen Reise ein: die musikalische Interpretation verschiedener Gemälde.

Den Auftakt machte die symphonische Dichtung „Die Toteninsel“ von Sergej Rachmaninow, bei der er sich von dem gleichnamigen Bild des Malers Arnold Böcklin inspirieren ließ. Eine atmosphärisch äußerst gelungene Komposition des magischen Gemäldes mit der Darstellung einer lichtgewandeten Gestalt neben einem Sarg, die in einem Kahn auf eine gewaltige, aus dem Wasser herausragende und mit Zypressen bewachsenen Felseninsel zusteuert. Herausragend an Rachmaninows Werk ist vor allem eine ergreifende, stetig wiederkehrende Grundmelodie als Ausdruck von Wehmut und Klage, im Wechsel mit dunkel hereinbrechenden Passagen, aber auch dem zarten Schimmer leiser Hoffnung. Eine ergreifende Komposition mit zum Ende hin wachsender Dramaturgie, klanggewaltig und mitreißend, hervorragend gespielt vom Orchester unter Mueller.

Zu einem besonderen Erlebnis wurde der Abend jedoch durch das nur mit dem Ausdruck „brillant“ zu beschreibende Spiel des russischen Pianisten Nikolai Demidenko, der mit dem Konzert No. 20 für Klavier und Orchester des Komponisten Alexander Skrjabin alle Faszination und Begeisterung auf sich zog. Eingebettet in die musikalische Bilderreise von Rachmaninow und Modest Mussorgsky, folgte zum richtigen Zeitpunkt Skrjabins nicht nur von der Komposition her beeindruckendes, sondern emotional tiefgreifendes Werk, das durch das virtuose Spiel des Solopianisten Demidenko und der herausragenden Leistung des Orchesters seine volle Wirkung entfalten konnte. Mit dem intensiven Ausdruck seiner spielerischen Kunst, dem rasanten Tempo, mit dem er über die Tasten schnellte und mit seiner Leidenschaft, fesselte Demidenko den ganzen Saal. Skrjabins 20. Konzert vereint Melancholie, Tragik und Sehnsucht miteinander. Fließende Passagen der Streicher wechselten mit Demidenkos hinreißenden Solopassagen, begleitet von wiederkehrenden, einbruchartigen Qrchesterpassagen voller Dynamik, intensive Akzente, bis hin zu den sanftesten Streichersequenzen, die schließlich wieder in feingliedrige Klaviertöne übergingen. Eine besondere Bandbreite an Emotionen in nur einem Stück, durchzogen mit berührender Anmut und stark dynamischen Klangwellen. Bis zur zartesten Tonfarbe wirkte Demidenko sowohl in seinem Spiel als auch in Gestik und Mimik hoch überzeugend, was sich auch in der Reaktion im Saal widerspiegelte. So wurde er noch zahlreiche Male aufgefordert, auf die Bühne zurückzukehren, die er erst nach zwei Zugaben, dem von ihm erneut virtuos gespielten Minutenwalzer von Chopin und der rasanten D-Dur Sonate K. 145 von Domenico Scarletti, wieder verlassen durfte.

Zum Abschluss des Abends folgte die mannigfaltige musikalische Bildbetrachtung „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky, inspiriert von der 1874 gezeigten Petersburger Gedächtnisausstellung des Malers Viktor Hartmann. Mueller präsentierte die musikalische Interpretation in der beeindruckenden Orchesterversion von Maurice Ravel und ließ Gemälde wie „Der Gnom“, den äußerst klangvielfältigen „Marktplatz von Limoges“ und vor allem das eindrucksvolle „große Tor von Kiew“ mit besonderer Raffinesse lebendig werden. Ein vielfältiges Meisterwerk mit ebenso reichhaltiger instrumenteller Couleur.

Letzte Änderung am Sonntag, 18 Februar 2018 16:38

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