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Donnerstag, 01 Februar 2018 19:08

Clavier-Salon

Unverhoffte Aufführung: Schuberts Winterreise.

geschrieben von
Gerrit Zitterbart und Luciano Lodi im Clavier-Salon Gerrit Zitterbart und Luciano Lodi im Clavier-Salon © Photo: Hafner

Die schöne Müllerin gesungen von Henryk Böhm – dieser Liederzyklus stand am Programm des Clavier-Salons. Viele Leute sind gekommen wegen der Müllerin, viele sind gekommen wegen des Baritons Henryk Böhm, alle sind geblieben für die Winterreise gesungen von Luciano Lodi.

Henryk Böhm war kurzfristig erkrankt, ein Substitut für Die schöne Müllerin wurde nicht gefunden, aber Herr Lodi sprang „quasi über Tag“ ein mit der Winterreise und bereitete den ca. 40 Gästen einen wundervollen Liederabend.  

Gerrit Zitterbart, Begleiter am Klavier und Veranstalter des Liederabends führte den Programmwechsel mit dem Scherz ein, dass die Winterreise eh viel besser zum Wetter heute Abend passe (es regnete heftig). In der Tat gilt dieses Werk als der traurigste Liederzyklus schlechthin. Es ist ein hoch emotionales Werk, technisch sehr anspruchsvoll und ein goldener Moment der Musik.

Das Alter des Baritons Luciano Lodi war die zweite Überraschung des Abends. Es gibt nur wenige Sänger unter 30, die diesen Zyklus im Repertoire haben. Doch das war auch seine Stärke. Ein junger Mann passt viel besser zur Geschichte der Winterreise als ein 50-jähriger mit grauen Haaren. Das Lied Gute Nacht markiert den Beginn der Reise. Ein junger Mann nimmt Abschied von seiner Herzensdame nach fruchtloser Liebe und bricht in die Kälte auf. Mit heller, klarer Stimme, feiner Artikulation und einer erstaunlich reifen Sanftheit eröffnete Luciano Lodi die Reise in den Weltschmerz. Seinen jugendliche Ausstrahlung, gepaart mit seinem intensiven Minenspiel addierte zu der emotionalen Geladenheit der Stimme.

Auf 24 Stationen erfährt der Wanderer Freude und Leid, bis ihn schließlich eine düstere Schwermut ganz umfängt. Die Klavierbegleitung steuert mindestens genau so viel zur Stimmung der Lieder bei wie der Gesang. Gerrit Zitterbart spielte auf einem antiken Flügel, der aus der Zeit Schuberts stammte. Mit seinem harten und trockenen Klang passte dieses Instrumte gut zum Tonus der Winterreise.  Es dauerte ein paar Lieder bis sich Sänger und Klavierspieler aufeinander abgestimmt hatten. Bei Wasserfluth schließlich schmiegte sich das Piano des Klaviers an die hohen, zart verklingenden Töne der Stimme und durchbrach mit ausdrucksstarkem Forte die flehende Stille. Den Höhepunkt des Liederabends markiert Der Wegweiser, ein in ruhigem Tempo gehaltenes Lied, in dessen lang fließenden Passagen die milde Stimme von Lodi voll zur Geltung kam und einer Dame im Publikum ein inniges „schön“ entlockte.  

Nachdem das hohe C des Leiermanns wie ein Seufzen im Raum verklungen war, brandete ein starker Applaus auf. Vier Mal mussten die Musiker auf die Bühne eh das Klatschen verebbte. Keiner dachte mehr an Die schöne Müllerin.

Letzte Änderung am Freitag, 09 Februar 2018 20:32

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