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Samstag, 23 Dezember 2017 12:19

Kontrastreiches Spiel

geschrieben von
Yü-Yen Li Yü-Yen Li

Ein Wiedersehen mit einer hier aufgewachsenen Musikerin gab es am Donnerstag. Die in Göttingen geborene Geigerin Yü-Yen Li kam zu einem Kammermusikabend in Gerrit Zitterbarts Clavier-Salon, vom Hausherrn begleitet bei Musik von Beethoven und Brahms.

Ihre musikalische Karriere startete Yü-Yen Li schon während ihrer Schulzeit am Max-Planck-Gymnasium mit zahlreichen Erfolgen beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“, die Ende der 1990er-Jahre gekrönt wurden durch erste Preise bei zwei Bundeswettbewerben. Ausgebildet zunächst von Stefan Czermak in Hamburg und Zakhar Bron in Lübeck, studierte sie bei Ruggiero Ricci an der Universität Mozarteum in Salzburg. Sie war die letzte Schülerin, die der 2012 gestorbene amerikanische Virtuose noch angenommen hatte. Später setzte sie ihre Ausbildung bei Salvatore Accardo in Cremona fort. Etliche Preise, etwa beim Internationalen Violinwettbewerb Sion-Valais und der Académie de Musique de Lausanne, bezeugen ihren hohen Leistungsstand. Neben der musikalischen Ausbildung absolvierte sie ein Masterstudium in Philosophie an der Universität Salzburg. Vor längerer Zeit gastierte sie als Solistin in einem Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters, seitdem war sie in Göttingen nicht mehr zu hören. Derzeit lebt sie in Göttingen und Berlin.

Den Abend im ausverkauften Clavier-Salon eröffnete sie mit Beethovens Violinsonate F-Dur op. 24, der „Frühlingssonate“. Hier wie auch in Beethovens Violinsonate G-Dur op. 30 Nr. 3 harmonierte sie prächtig mit ihrem Klavierpartner Zitterbart. Der hatte für diese Sonaten das passende Instrument gewählt: einen Hammerflügel nach Anton Walter 1795, der historisch perfekt zu den fast zeitgleich entstandenen Beethoven-Sonaten passt. Mit seinem zupackenden, energischen Interpretationsstil konnte Zitterbart das Temperament der Geigerin gehörig anstacheln. Sehr kontrastreich bewegte sich das Spiel des Duos zwischen dramatischen Höhepunkten, ausdrucksstarken lyrischen Momenten und tänzerischer Beschwingtheit.

Doch die eigentliche Domäne der Violinistin liegt in der Musik der Romantik, wie Yü-Yen Li in der zweiten, Johannes Brahms gewidmeten Hälfte des Abends bewies, für die Zitterbart einen Bechstein-Flügel von 1890 ausgesucht hatte. Das impulsiv voranstürmende frühe c-Moll-Scherzo aus der 1853 entstandenen, gemeinsam von Schumann, Albert Dietrich und Brahms komponierten „F.-A.-E. Sonate“ war die Ouvertüre zur späten d-Moll-Sonate op. 108 von Brahms, in der Yü-Yen Li ihren beseelten, wunderbar singenden, großen Ton breit strömen lassen konnte. Der romantische Überschwang blieb stets präzise kontrolliert, ohne seine Spontaneität preiszugeben, die Bandbreite reichte von verhaltenen, ganz zurückgenommenen, berührenden leisen Passagen bis hin zu leidenschaftlich emotionalen Ausbrüchen.

Darauf reagierten die Zuhörer mit lang anhaltendem, begeistertem Applaus. Zum Dank gab es eine ganz bezaubernde Zugabe: die Berceuse op. 16 von Gabriel Fauré.

Letzte Änderung am Samstag, 23 Dezember 2017 12:23

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